„Pelvicachromis pulcher – Der Purpurpate bittet zum Wasserwechsel“

Man geht ja in so ein Zoogeschäft rein und denkt:
Ich hätte gern einen netten, kleinen Fisch.
So einen, der dekorativ rumschwimmt. Vielleicht ein bisschen glitzert. Aber bitte ohne Charakter.

Und dann steht man da vor einem Becken, und ein 8-Zentimeter-Wesen guckt einen an wie ein Gebrauchtwagenhändler mit Flossen.

Pelvicachromis pulcher.
Purpurprachtbarsch.
Klingt wie ein Cocktail. Ist aber ein Zwergbuntbarsch aus Westafrika. Nigeria, Kamerun. Da, wo Flüsse noch Flüsse sind und nicht „Renaturierungsprojekt Phase 3“.

Er wird 7 bis 10 Zentimeter groß.
Das klingt nach nichts.
Ein Fischstäbchen ist größer.

Aber dieser Fisch hat das Selbstbewusstsein eines Nachtclubbesitzers.

Das Männchen ein bisschen größer. Das Weibchen ein bisschen kleiner, aber mit einem Bauch in Purpur, der leuchtet, als hätte jemand einen Neonstift in sie reingeworfen. Wenn sie laichbereit ist, sieht sie aus wie eine Diskokugel mit Fortpflanzungsplan.

Wasser braucht er natürlich auch.
Temperatur 24 bis 28 Grad. Tropenfeeling im Wohnzimmer. Du sitzt im T-Shirt im Januar da, Besuch fragt: „Heizt du so viel?“
Nein. Der Fisch friert.

pH 6,0 bis 7,5. Leicht sauer bis neutral. Also stabiler als jede Familienfeier.
Gesamthärte 5 bis 15. Heißt: Kein flüssiger Beton aus der Leitung. Er mag es weich bis mittelhart. So Wellnesswasser. Mit Spa-Charakter.

Sauber muss es sein. Nitrit null. Nitrat niedrig.
Der Kribensis ist robust, aber kein Kanalinspektor.

Und jetzt kommen wir zum Kern der Sache.
Höhlen.

Dieser Fisch braucht Höhlen wie andere Leute WLAN. Ohne wird er nervös. Mit wird er Immobilienmakler.

Du legst eine Tonröhre rein. Eine Kokosnussschale. Eine Wurzel.
Und zack. Eigentumswohnung.

Sobald ein Paar sich findet, ist Schluss mit lustig.
Dann wird geplant. Inspiziert. Umgebaut. Kies wird geschoben wie bei einer innerstädtischen Baustelle.

Er ist Höhlenbrüter. Die Eier kommen in die Höhle. Beide Eltern bewachen das. Und wenn ich bewachen sage, meine ich: Jeder Neon, der nur vorbeischwimmt, wird angesehen wie ein Taschendieb im Juwelierladen.

Und das Beste:
Die sind eigentlich friedlich.

Mit Salmlern klappt das gut. Neon, Glühlicht, Rote von Rio. Rasboras. Corydoras. Diese kleinen Welse mit Schnurrbart, die aussehen, als hätten sie immer eine Frage.

Große aggressive Buntbarsche? Keine gute Idee.
Das ist, als würde man einen Smart zwischen zwei Monstertrucks parken und hoffen, dass alles entspannt bleibt.

Garnelen.
Nun.
Wenn du sie sehr magst, setz sie in ein anderes Becken.
Für den Kribensis ist eine Garnele kein Mitbewohner. Das ist ein Snack mit Fühlern.

Fressen tut er übrigens alles. Flocken, Pellets, Frostfutter, Lebendfutter. Artemia, Daphnien, Mückenlarven. Er ist Allesfresser mit Begeisterung. Wenn Futter ins Wasser fällt, reagiert er schneller als du bei „Gratis“.

Und dann stehst du da.
100 Liter. 26 Grad. pH 6,8. Pflanzen wuchern. Alles idyllisch.

Und mittendrin schwimmt dieser kleine Purpurkönig.

Du glaubst, du pflegst ihn.
In Wahrheit duldet er dich.

Du machst Wasserwechsel. Er kontrolliert die Ausführung.
Du setzt neue Deko rein. Er entscheidet über die Raumaufteilung.
Du fütterst. Er bewertet die Qualität.

Und wenn Nachwuchs da ist, marschiert er mit der Brut durchs Becken wie ein Feldherr mit Mini-Armee. Die Jungfische hinterher. Stramm. Diszipliniert. Und jeder andere Fisch denkt sich:
Heute schwimm ich lieber woanders.

Fazit
Der Pelvicachromis pulcher ist robust. Anfängergeeignet. Farbenprächtig. Sozial mit klarer Grenze.
Er braucht 24 bis 28 Grad, pH 6,0 bis 7,5, weiches bis mittelhartes Wasser, mindestens 80 bis 100 Liter und vor allem Höhlen.

Viele Höhlen.

Denn ohne Höhle ist er nur ein Fisch.
Mit Höhle ist er Chef.

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