Ich sitze hier, noch leicht benebelt vom Duft übermüdeter Aquarianer, Gummistiefeln und frisch aufgeblasener Luftheber, und denke: „Das war sie also… die Aquarienmesse.“ Und sofort danach: „Warum tue ich mir das eigentlich freiwillig an?“ – aber mit einem wohligen Grundgefühl, wie nach drei Stück Käsekuchen, einem halben Liter Filterwasser und dem Versuch, ein 200-Liter-Becken alleine vom Keller in den dritten Stock zu tragen, während der Aufzug renoviert wird.
Denn eins ist klar: Der Zuspruch war gigantisch. Menschen strömten hinein, bewunderten Fische, Pflanzen, Krabben, Aquascapes, kauften Dinge, die sie vorher nicht mal aussprechen konnten, und gingen dann wieder raus – meistens glücklich, manchmal verwirrt, selten enttäuscht. Und ich? Ich habe gelernt: Ein Guppy kann dich mit einem Blick zutiefst verurteilen, ohne ein Wort zu sagen.
Jetzt? Jetzt sind wir mitten in der Planung für die nächste Messe. Noch bevor die letzte Kaffeetasse gespült und die Hälfte der Aussteller ihre Stromkabel wiedergefunden hat, sitzen wir zusammen und fragen uns:
Was kann besser werden?
Alles. Und gleichzeitig nichts. Eine Messe ist wie ein Aquarium: Von außen wirkt alles ruhig und hübsch, aber drinnen laufen 27 Pumpen, 2 Filter, ein CO₂-System, ein Heizstab meldet „Ich bin beleidigt“ und irgendwo hängt ein Luftschlauch so, dass er irgendwann über den Besucher stolpern wird. Chaos in seiner schönsten Form.
Was haben wir vergessen?
Ganz ehrlich: alles, was man vergessen kann, haben wir vergessen. Ein Sack Laub? Vielleicht. Ein Eimer? Bestimmt. Ein emotional leicht überforderter Kampffisch, der aus Protest aus dem Netz springt? Auf jeden Fall. Und trotzdem: Irgendwie hat es funktioniert. Irgendwie war alles da, außer der eine Stand, der schon im August angekündigt war, aber nie auftauchte.
Wie sprechen wir noch mehr Menschen für die Aquaristik an?
Vielleicht mit großen Schildern: „Achtung! Wasser drin!“
Oder wir schicken jemanden wie Johann König auf die Bühne. Er stellt sich hin, sagt lakonisch: „Also… äh… Aquaristik… das… äh… ist ja auch irgendwie… na ja… schön.“
Die Leute nicken andächtig, kaufen eine Mangrovenwurzel für 79,90 Euro und fühlen sich gleichzeitig gebildet, glücklich und leicht irre. Perfekt.
Und jetzt die entscheidende Frage:
Wird es den Zauberkuchestand wieder geben?
Diese Frage haben uns mehr Leute gestellt als die nach Parkplätzen, Eintrittspreisen oder ob Axolotl wirklich lächeln können.
Der Zauberkuchestand ist ein Mythos. Manche sagen, er sei einfach nur besonders fluffiger Marmorkuchen gewesen. Andere behaupten, er hätte einen leichten Glitzerfilm hinterlassen. Ich weiß es nicht. Aber alle wollen wieder hin. Und ich sage: Ja, wir prüfen das noch.
Werden die Würstchen reichen?
Natürlich nicht. Tun sie nie. Selbst wenn man 400 Würstchen einkauft, kommt garantiert jemand, der 401 möchte, inklusive Kind, das plötzlich Vegetarier ist, und Hund, der noch nie einen Wurststand gesehen hat. Naturgesetz. Unausweichlich.
Wird es Chaos geben?
Aber ja. Was wäre eine Aquarienmesse ohne Chaos? Ohne den Moment, in dem jemand ruft: „Warum läuft da Wasser aus dem Stand von Beckenbauer Aquatics?“
Oder der Eimer, der dringend hätte stehen sollen, aber lieber durch die Halle rollt wie ein rebellischer Marshmallow.
Chaos ist Tradition. Chaos ist Familienmitglied. Chaos gehört dazu wie Algen an die Scheibe und dieser eine Kampffischbesitzer, der Sätze sagt wie: „Er ist ganz lieb, nur manchmal…“ – und dann guckt man in die Augen eines Fisches und weiß, dass „manchmal“ nicht untertrieben ist.
Am Ende gehen alle heim – mit Plänen, Tüten voller Pflanzen, einer überteuerten Wurzel, die irgendwie mystisch aussieht, und der Vorfreude auf die nächste Messe. Alle sind erschöpft, glücklich, leicht verrückt.
Denn nach der Messe ist vor der Messe.
Und wir? Wir schalten jetzt mal kurz ab. Maximal fünf Minuten. Dann geht’s weiter.
Mit Kuchen.
Hoffentlich mit Zauber.
Und vielleicht mit ein bisschen weniger Wasser auf dem Boden.