Neulich wieder so ein Fall: Aquarium. Klingt harmlos. Ein Glaswürfel, ein bisschen Wasser, zwei Plastikpflanzen und ein Bewohner, der aussieht, als hätte man ihn in der Kinderüberraschung gefunden. Und dann kommt die Frage: „Warum ist der Fisch tot?“ Tja. Warum wohl? Vielleicht, weil der Fisch kein Dekoartikel ist. Sondern ein Tier. Mit Herz, Kiemen, Bedürfnissen – und vermutlich auch einer Meinung zu billigem Futter.
Es ist seltsam: Wir wissen inzwischen, dass Hunde Gefühle haben, Katzen Persönlichkeiten, und selbst die Taube auf dem Marktplatz irgendwie dazugehört. Aber bei Fischen? Da schaltet es bei vielen aus. „Ist doch nur ein Fisch.“ – Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Ist doch nur ein Kühlschrank. Lass den mal ohne Strom laufen.“
Und dann heißt es oft: „Das war doch nur Unwissen.“ Nein. Ganz ehrlich: Unwissen ist, wenn ich nicht weiß, wie man Sudoku löst. Aber wenn ich mir ein Aquarium hinstelle, ohne mal wenigstens fünf Minuten zu googeln, ob Wasserwechsel vielleicht sinnvoll wäre – das ist kein Unwissen. Das ist Absicht. Oder sagen wir: bewusste Gleichgültigkeit.
Ich habe den Verdacht, das Problem ist Folgendes: Fische gucken nicht traurig. Hunde können so gucken, dass selbst der härteste Typ seinen Döner teilt. Katzen haben diesen Blick, der sagt: „Noch ein Stück Lachs oder ich kotze dir auf die Tastatur.“ Aber ein Guppy? Der guckt immer gleich. Und deshalb merken viele nicht, dass da Leid dahintersteckt.
Und dabei darf man nicht vergessen: Fische waren schon hier, lange bevor wir uns auf zwei Beinen durch die Gegend geschleppt haben. Die schwammen bereits durchs Meer, als wir noch in irgendeiner Ursuppe blubberten. Streng genommen sind das unsere Urahnen. Wir verdanken ihnen also im Prinzip alles – und bedanken uns heute mit: „Hier, hast du drei Liter abgestandenes Leitungswasser und Billigflocken aus dem Baumarkt.“ Wenn Evolution einen Humor hat, dann einen schwarzen.
Und dann liest man Schlagzeilen: „Aquaristik – wieder ein Fall von Tierquälerei.“ Da denke ich mir: Muss man eigentlich wirklich erst Schlagzeilen schreiben, damit klar ist, dass ein Lebewesen nicht in eine verkalkte Pfütze gehört?
Es wäre so einfach: Ein bisschen Wissen. Ein bisschen Empathie. Und der Gedanke, dass auch ein Fisch kein Accessoire ist, sondern ein Lebewesen – und nebenbei einer unserer ältesten Verwandten. Alles andere – dieses bewusste „wird schon nicht so schlimm sein“ – ist nichts anderes als Faulheit auf Kosten derer, die sich nicht wehren können.
Mein Resümee? Tierquälerei ist kein Kavaliersdelikt. Punkt. Wer sich Tiere ins Haus holt, muss wissen, dass Verantwortung dazugehört – und dass es Folgen hat, wenn man sie ignoriert. Wem das zu viel Arbeit ist, der soll sich bitte Plastikfische kaufen. Die gucken auch immer gleich, brauchen keinen Wasserwechsel – und das Schlimmste, was man denen antun kann, ist Staub wischen.