Montag, 25 Juli 2016 12:28

Phyllonemus typus, ein maulbrütender Tanganjikawels

geschrieben von  Jörg Hauschild
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Durch einen Freund erfuhr ich, dass ein uns bekannter Großhändler maulbrütende Tanganjikawelse importiert hatte. Da ich nie zuvor über diesen Wels gelesen hatte, mich jedoch aufgrund meiner Neugier die Sache interessierte, bat ich ihn, mir so viele wie möglich mitzubringen. Leider teilte er mir mit, dass nur zwei große und zwei kleine Tiere vorhanden seien, die ich, ohne sie gesehen zu haben, sofort aufgrund der Beschreibung orderte. Als ich die Welse erhielt, fielen mir bei diesen ca. 10-12 cm grossen, dunkelbraunen, am Bauch jedoch weißlich gezeichneten Welsen sofort zwei überaus lange Barteln auf. Diese besaßen an den Enden kleine Fähnchen.

Da ich zwei Synodontis-Arten pflegte, eine davon aktiv vermehrte, war das für mich ein ganz anderer, neuer Ansatz. Ich setzte die Welse separat, musste jedoch bei einem der kleineren Tiere eine kraterartige Vertiefung am Kopf feststellen. Ich entschloss mich, alle Tiere zu behandeln, konnte jedoch leider dieses Tier nicht mehr retten, es verendete nach einer Woche. Aufgrund der grossen Genitalpapille schien es sich bei dem gestorbenen Tier um ein Weibchen zu handeln. Äußerlich waren die Tiere noch nicht zu unterscheiden, aber wegen der unterschiedlichen Grösse nahm ich an, dass die Weibchen kleiner bleiben.

Ich fütterte Frostfutter, rote sowie weiße Mückenlarven, Cyclops und Artemien, auf die sich die sonst sehr scheuen Welse gierig stürzten. Ich hatte den drei noch übrig gebliebenen mehrere mit runden Löchern versehene Blumentöpfe mit einem Durchmesser von ca. 10-12 cm zum Unterschlupf zur Verfügung gestellt. In diesen hielten sie sich auch meist auf. Nach ca. 3 Monaten begannen sich zwei Welse immer öfter um einen Blumentopf zu streiten, der dritte, ein etwas kleiner gebliebenes Exemplar, kümmerte sich überhaupt nicht um die Rangeleien. Es schien sich um zwei Männchen und ein Weibchen zu handeln. Ich wollte es nun genau wissen und fing die Welse heraus, um ein Paar einzeln zur Zucht anzusetzen. Mein Verdacht bestätigte sich, nachdem ich die Geschlechtsöffnungen betrachtet hatte.

Ähnlich wie bei Malawi- oder Tanganjikasee-Cichliden hat das Weibchen eine deutlich grössere Geschlechtsöffnung, was vermuten ließ, dass es sehr grosse Eier ablegen muss. Was mir noch auffiel war das extreme Schleimen dieser Welse, was ich bei keinem anderen Wels zuvor so extrem bemerkt hatte. Das Paar selektiert und in das Aquarium zurückgesetzt (1,00 x 0,50 x 0,50) gingen einige Tage ins Land bis ich die beiden in einem Blumentopf sah. Anscheinend war meine Wahl richtig, was sich nach 6 Wochen, einen Tag vor Ostern 99, bestätigte. Das Weibchen hatte das Maul voll. Nun beobachtete ich die beiden noch genauer. Sehr interessant war die Fütterung. Sobald rote Mückenlarven im Wasser waren, stellte ich eine extreme Nervosität bei beiden Tieren fest, am 5. Tag nach Eiablage schwamm das Weibchen an eine hintere Stelle im Blumentopf, die ich natürlich nicht einsehen konnte, und kam ohne gefüllten Kehlsack aus dem Topf. Was war passiert? Hatte sie die Eier in irgendeiner Ecke abgelegt? Nein, das Männchen, welches auch im Topf war, musste nun die Brut übernommen haben, denn nun war sein Maul randvoll. So ging dieses Spiel des Eier- und Larvenwechsels bei einer Fütterung ca. 4-5 mal, eine putzige Angelegenheit. Man muss noch dazu erwähnen, dass vor der Nachtruhe, meist eine Stunde bevor die Beleuchtung ausging, meist das Männchen den Eingang des Blumentopfes mit Quarzsand zuzuschütten versuchte. Morgens war der Eingang zum Blumentopf jedoch vor dem Einschalten des Lichts wieder aufgebuddelt. Das einzige, was von den Welseltern zum Vorschein kam, wenn der Geruch von Futter im Wasser lag, waren die zwei grossen ähnlich wie Fähnchen aussehenden langen Barteln. Das Eier- und Larventauschen setzte sich über 4 Wochen fort. Meine Vermutung, dass dieser Wels grosse Eier legen musste, bestätigt sich an der langen Tragzeit der Eltern und an der Tatsache, dass es sich um 18 ca. 10 mm grosse Jungwelse handelte, deren Larven ich das erste Mal nach 21 Tagen zu Gesicht bekam. Ihr Dottersack war allerdings noch recht groß, so dass an ein Freischwimmen nicht zu denken war. Die Eltern ließen die Larven jedoch ab und zu durch den Blumentopf kreisen, fingen sie jedoch bei jedem Geräusch sofort wieder ein. Einem Maulbrutinstinkt, wie er bei Buntbarschjungen nachzuvollziehen ist, wenn sie bei Gefahr das Maul der Mutter aufsuchen, konnte ich nicht feststellen. Es war vielmehr die Angst der Eltern, die ihre Jungen buchstäblich aufsammelten. Nach 7 Wochen schwammen die kleinen Welse frei im Blumentopf, nach 10 Wochen konnte ich die ersten durch das Aquarium flitzen sehen. Im Gegensatz zu Ihren Eltern schienen Sie mir weniger scheu zu sein. Interessant war hier nur, dass, wenn ich Licht anmachte, sie sich sogar neben am Boden liegende Ancistren legten und Schutz suchten. Sie erschienen mir im frühen Stadium in geringer Grösse recht selbständig. Die Eltern fingen jetzt auch an, sie ab und zu aus dem Blumentopf zu werfen. Der Grund hierfür war, dass das Weibchen wieder Laichansatz hatte. Sie nahm auch während der Maulbrutpflege Nahrung zu sich. Ausserdem drängelte das Männchen.

Aus dem zweiten Ansatz ist leider nichts entstanden. Entweder waren die Eier, die das Weibchen trug, nicht befruchtet, oder aber durch die noch im Aquarium verbliebenen Jungen war das Weibchen nicht motiviert, weiter zu tragen. Leider musste ich aus Platzmangel, ein Umzug stand an, diese äusserst putzigen Welse verkaufen. Die Nachzuchten habe ich jedoch alle behalten, sie wachsen aber sehr langsam. Nach einem Jahr haben sie es auf gerade mal die Hälfte der Grösse Ihrer Eltern gebracht. Sie sitzen jetzt in einem 300 Liter Aquarium, in dem sich auch ausgewachsene Kaiserbuntbarsche und ein Scianochromis Ahli befinden (13 cm). Erst hatte ich Angst, dass die Welse als Frühstück untergehen, nachdem der S. Ahli einen mal durchs Maul schwimmen ließ. Zu meiner Verwunderung spuckte er ihn jedoch, obwohl er locker durch die Kehle gegangen wäre, sehr schnell wieder aus, und widmete sich der Tagesarbeit, als wenn nichts gewesen wäre. Meine Vermutung ist, dass die Schleimschicht, die ich oben schon einmal erwähnte, schützenden Effekt hat, denn ich beobachtete dieses auch bei den Kaiserbuntbarschen. Es scheint als wenn diese nicht besonders schmeckt, was auch erklärt, dass die relativ kleinen Welse sehr schnell den Blumentopf der Eltern verlassen und das Weite gesucht haben. Die Aufzucht der kleinen Welse stellt, was die Ernährung betrifft, keine grossen Ansprüche an den Halter, nur gegen zu extreme Wasserwechsel scheinen die Welse sehr empfindlich zu sein, weshalb sich ein öfterer aber geringer Wechsel empfiehlt. Nach einem Jahr haben die Welse nun eine Grösse von 6 cm erreicht, aus Erfahrungen mit den o.g. Welsen der Gattung Synodontis ein recht verhaltenes Wachstum, trotz abwechslungsreicher Ernährung.

Alles in allem lässt sich dieser Wels für eine Vergesellschaftung in einem Tanganjikasee-Aquarium empfehlen. Wie viele andere Welse ist er jedoch aufgrund seiner Scheu nicht als so interessant einzustufen, für den echten Aquarianer allerdings ein sehr interessanter Fisch.

Sofern Sie die Gelegenheit haben, diesen Wels zu erstehen, und sie Interesse an seinem Verhalten finden, werden Sie von Phyllonemus typus begeistert sein. Das verspreche ich Ihnen.

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1 Kommentar

  • Kommentar-Link  Sven Freitag, 24 März 2017 09:33 gepostet von Sven

    Hi, habe nach langer Suche eine Gruppe erstehen können. Diese haben regelmäßig Nachwuchs, davon kommen aber nur wenige durch. Was ihn wahrscheinlich auch so selten macht. Gruß Sven

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