Mittwoch, 27 Juli 2016 12:39

Leopard-Fiederbartwels (Synodontis multipunctatus)

geschrieben von  Jörg Hauschild
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Im März 1996 erwarb ich bei einem Aquaristik-Händler 10 ausgewachsene ca. 12 cm große Synodontis multipunctatus Wildfänge. Die Art gehört zur Gruppe der Mochokidae (Fiederbartwelse), die zehn Gattungen mit ca 170 beschriebene Arten umfaßt. Die Heimat dieses Welses ist der Tanganjikasee (Ostafrika). Dort lebt diese Art und sieben weitere, unter anderem die etwas kleinere Art Synodontis petricola, mit der er öfters verwechselt wird. Die Art lebt dort endemisch, d.h. es ist das einzige Verbreitungsgebiet. Ich hatte schon mehrfach über die Haltung gelesen, jedoch nie über deren Zucht. Ich vergesellschaftete Sie mit diversen Malawisee-Cichliden, in der Hoffnung, diese immer freßwütigen Welse zu vermehren. Da sie von der Färbung recht auffällig sind, wie der deutsche Name schon sagt, tragen Sie auf silbrig-beigem Untergrund unregelmässig angeordnete schwarze Flecken. Der Bauch ist meist weiß. Jedes Tier hat ein anderes Fleckenmuster, so daß man sie leicht auseinanderhalten kann. Die Weibchen erkennt man leicht an Ihrer Körperfülle, dem Laichansatz. Die Männchen besitzen eine Art 1-2 mm lange Genitalpapille. Weibchen haben an dieser Stelle meist eine leichte Wölbung. Synodontis multipunctatus sind, wenn man sie im Schwarm von fünf oder mehr Tieren hält, ähnlich wie S. petricola nicht nur nachtaktiv, sondern recht muntere Tiere. Sie sollten in meinen Becken die Restevertilgung erledigen. Da sie diese Aufgabe hervoragend ausführen, dachte ich an Zucht, um meine anderen Becken auch zu besetzen. In der Fachliteratur war darüber nichts zu finden. Der Name Kuckuckswels sollte jedoch irgendeine Bewandnis haben.


Aus der Vogelkunde kommt der Begriff des Brutparasitismus. Das bekannte Beispiel bietet der hierzulande beheimatete Kuckuck. Er läßt seine Eier durch andere Vögel ausbrüten und die Jungvögel von den Adoptiveltern aufziehen. Also vergesellschaftete ich sie mit Aulonocara-, Pseudotropheus- sowie Melanochromis-Arten, alles Maulbrüter. Leider blieb der Erfolg aus. Dies lag jedoch nicht an den Buntbarschen, sondern vielmehr an meiner züchterischen Ungeduld. Es verging mehr als ein Jahr, bis ich bemerkte, daß meine Kuckuckswelse Gruppierungen bildeten und sich für den Laichakt von Maulbrütern interessierten. Immer häufiger störten sie die Maulbrüter beim Laichen. Dabei wurden im Vorbeischwimmen die gerade gelegten, teils unbefruchteten Eier des Maulbrüters in irrer Geschwindigkeit verspeist und die eigenen in das Durcheinander gelegt. Ich habe sicherlich Tage und zum Teil Nächte damit verbracht meine Kuckuckswelse beim Ablaichen zu beobachten, es war mir jedoch nie möglich die Eiablage genau zu verfolgen, weil es so schnell geht. Das Maulbrüter Männchen, welches den ganzen Tag schon krampfhaft versucht sein sich auserkorenes Weibchen in seine  Laichkuhle, welche in tagelanger mühseliger Kleinarbeit angefertigt wurde,  zu locken, wird nun permanent von den ganz aufgeregten Kuckuckswelsen gestört. Alles geht in einer irren Geschwindigkeit. Das eierlegende Maulbrüterweibchen ist so verwirrt, daß es die falschen Eier aufnimmt und zu den vielleicht vorhandenen eigenen in die Schnauze nimmt. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis das Weibchen keine eigenen Eier mehr abgeben kann. Beläßt man die Eier dem Maulbrüterweibchen wird man nach ca. 5-6 Tagen festsstellen, daß der Kehlsack des Weibchen gegenüber früheren Bruten immens anschwillt. Die Kuckuckswels-Eier sind im Gegensatz zu den Maulbrüter-Eiern sehr klein, weshalb sie über einen geringen Nahrungsvorrat verfügen. Dies erklärt, daß von der Maulbrüter Brut, und von den Geschwistern nur wenige überbleiben, denn kleine Kuckucke sind Kannibalen. Ich hatte schon Kuckuckswelse, wo vier Jungtiere ineinandersteckten. Wie heißt es doch so schön :"Den letzten beißen die Hunde. Oder Welse?". Ich empfehle jedem, der Malawi- oder Tanganjikasee-Cichliden hält, Kuckuckswelse zur Vergesellschaftung mit einzusetzen. Zum einen, weil Sie im Schwarm gehalten tagaktiv sind, attraktiv sind und immer Hunger haben, somit alles, was zu Boden fällt, schnell verputzt ist.


Gierig suchend barteln sie durchs Becken oder schwimmen kopfüber an der Wasseroberfläche und greifen alles, was sie in die Schnauze bekommen. Als ich die ersten Jungtiere hatte, dachte ich sofort an Tennisbälle mit Flossen, weil die Ähnlichkeit der Fülle nicht von der Hand zu weisen ist. Die Tiere wachsen sehr zügig. Innerhalb eines Jahres sind sie, bei guter Fütterung vorausgesetzt, ausgewachsen. Geschlechtsreif sind sie nach ca. 2-3 Jahren. Bei der Vergesellschaftung mit Maulbrütern sollte man nur darauf achten, daß man nicht zu kleine Maulbrüter als Wirtstiere ansetzt, denn die Jungwelse erreichen im Maul durch die Vertilgung der Wirtsbrut und der Geschwister auch leicht Größen von 2 cm. Ist das Maulbrüterweibchen zu klein, kann es sich von dem lästigen Schmarotzer nicht befreien und erstickt unter Umständen. Die aus dem Maul entlassenen Jungen sind zwar noch so klein, daß sie gefressen werden könnten, sie besitzen jedoch äußerst stachelige Brustflossen. Nimmt ein nicht beteiligter diese lecker aussehenden Welse als Futter auf, spuckt er sie meist nach zwei-drei Kaubewegungen wieder aus.

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