Mittwoch, 27 Juli 2016 12:36

Lebendgebärende Zahnkarpfen

geschrieben von  Lawrence Kemnitz
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Dieser Bericht handelt von den Lebendgebärenden Zahnkarpfen, die wohl schon jeder Aquarianer einmal gehalten hat. Sie werden oft als Anfängerfische bevorzugt, da sie wenig Ansprüche an die Wasserbeschaffenheit stellen und auch einige kleine Anfangsfehler verkraften. Die Fütterung ist ebenfalls sehr problemlos, da von den meisten normales Flockenfutter genommen wird. Die bekanntesten Lebendgebärenden sind zweifelsohne Platys, Guppys, Black Mollys und Schwertträger.
Die lebendgebärenden Zahnkarpfen tragen die befruchteten Eier bis zur vollkommenen Entwicklung im Mutterleib, was den Vorteil hat, daß die Eier, und später die Larven, vor Freßfeinden geschützt sind. Dies ist auch der Grund, warum lebengebärende Zahnkarpfen im Verhältnis zu Eierlegern wenige Eier produzieren. Es sind zur Arterhaltung weniger Jungfische nötig, da diese schon vollkommen entwickelt den Mutterleib verlassen und sofort in Verstecke flüchten können. So bringen die meisten Lebendgebärenden nur 20-40 Jungfische, einige wenige Arten bis zu 150 Jungfische.
In der Natur sind Lebendgebärende in jedem Gewässertyp zu finden. Man wird in den Vorkommensgebieten in Bächen und Flüssen ebenso wie in Seen diese Fische antreffen. Einige Arten der Lebendgebärenden können sogar in Brack- und Seewasser angetroffen werden. Sie bevorzugen jedoch die Süßwasserregionen. Dies zeigt, wie anpassungsfähig diese Gattung ist.


Normalerweise findet man Lebendgebärende im Schwarm an, im Aquarium werden sie jedoch meist als Pärchen gehalten. Es wäre empfehlenswert, wenn man ein Männchen mit mehreren Weibchen hält. Ideal ist ein Verhältnis von 2-5 Weibchen auf ein Männchen.
Die Einrichtung der Aquarien sollte viele Pflanzen enthalten, um den Jungfischen Versteckmöglichkeiten zu bieten. Im Vordergrund sollte freier Schwimmraum sein. An die Filterung werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Das Wasser muß nicht besonders stark gefiltert werden, sollte aber trotzdem saubergehalten werden. Besonders bei Guppies empfiehlt es sich, regelmäßig einen Wasserwechsel durchzuführen, da manche Guppys durch Inzucht anfälliger auf Krankheiten sind. Dies gilt natürlich auch für Inzuchten anderer Fischarten.


Bei der Vergesellschaftung ist darauf zu achten, daß sich Platys und Schwertträger untereinander vermehren können und diese Kreuzungen nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Lebendgebärende sind, abgesehen davon, mit Salmlern, Barben, Welsen und Zwergbuntbarschen problemlos zu vergesellschaften.
Im Aquarium ist es sehr leicht, Nachwuchs von Lebendgebärenden zu bekommen. Zur Nachzucht muß nichts weiter getan werden, als einige Fische in ein Aquarium zu setzten. Meist bekommt man schon nach einigen Tagen Nachwuchs, da die Weibchen schon beim vorigen Hälter befruchtet worden sind. Die Jungfische verlassen normalerweise nach ca. 4 Wochen den Mutterleib. Man kann also davon ausgehen, daß man ungefähr alle 4 Wochen neue Jungfische bekommt. Werden diese Jungfische in ein Aufzuchtbecken überführt, wachsen sie rasch heran. Gefüttert werden kann mit Trockenfutter, besonders schnell wachsen die Fische jedoch mit Artemias, feinem Gefrierfutter und anderem kleinen Lebendfutter. Füttert man viel Lebendfutter, erzielt man auch eine besonders gut ausgeprägte Farbe der Fische und meist auch eine beträchtliche Größe der ausgewachsenen Nachzuchttiere.
Lebendgebärende sind am besten bei einem pH-Wert von 7,0-8,5 zu halten, der dGH-Wert sollte zwischen 10 und 30° liegen. Beckengrößen von 40 cm aufwärts können sowohl zur Haltung, als auch zur Zucht verwendet werden.

Nachdem ich etwas allgemeines über die lebendgebärenden Zahnkarpfen geschrieben habe, will ich jetzt einige Arten im Speziellen vorstellen:

Der Black Molly sollte bei ca. 26° C gehalten werden und verlangt eine Härte von 11-30°, wobei es vorteilhafter ist, höhere Härtegrade zu verwenden. Er ist ein wenig anfälliger auf Krankheiten, als seine „Artgenossen“, dies stellt jedoch kein Problem dar, wenn er sich erst einmal eingelebt hat.

Der Segelkärpfling spricht besonders wegen seiner hohen Rückenflosse und bei der Wildform wegen der bunten Zeichnung an. Dieser Fisch erfordert einen hohen Härtegrad und sollte bei ca. 28° C gehalten werden. Dieser Fisch kommt in der Natur auch im Salzwasser vor. Die Jungfischanzahl beträgt 50-120 Stück, wobei die Elterntiere ihren Jungen nachstellen. Für die Aufzucht der Jungfische ist es jedoch nötig hohe und große Becken zu besitzen, damit der Nachwuchs die hohe Rückenflosse ausbildet. Die Jungfische sind außerdem sehr anfällig auf Krankheiten und wachsen langsam. Auch die ansprechende Farbe wird erst spät angenommen.

Der Schwertträger ist heute in vielen verschiedenen Farb- und Flossenformen zu erhalten. Er ist besonders anspruchslos an die Wasserqualität. Die Eltern stellen jedoch ihren Jungen nach. Neue Farbvarianten werden immer wieder durch Kreuzung von verschiedenen Farbformen erzielt, wobei beim Schwertträger auch noch verschiedene Flossenformen, wie zum Beispiel der Simpson-Schwertträger oder der Doppel-Schwertträger zustande gekommen sind.

Verschiedene Farb- und Flossenformen kommen auch beim Platy zustande. Neben vielen Mischformen sind auch gelegentlich auch noch rein Korallen- und Wagtail-Platys erhältlich. Die Inzucht hat aber leider dazu geführt, daß die Fische immer kleiner und blasser in der Farbe werden. Man sollte sich also um den Erhalt der kräftigen Farben bemühen, dies jedoch ohne Inzucht.

Zum Guppy ist zu sagen, daß er wahrscheinlich der Fisch ist, mit dem am meisten Experimente um die Farb- und Flossenmanipulation getrieben werden. Der Wildguppy weist keinesfalls diese Farbenvielfalt auf. In der Natur ist es wichtiger, schlichte Farben und kleinere Flossen zu besitzen, um nicht Freßfeinden zum Opfer zu fallen. Der Guppy ist außerdem für seine üppige Vermehrung bekannt, deshalb trägt er auch den Namen „Millionenfisch“. Bei Guppys ist darauf zu achten, daß sie nicht mit Kampffischen vergesellschaftet werden, da diese die Flossen der Guppy-Männchen anfressen.

Ein weniger bekannter Aquarienfisch ist der Metallkärpfling, Girardinus metallicus. Dieser Fisch kommt endemisch in Kuba vor. Das Männchen ist ungefähr halb so groß wie das Weibchen und hat ein auffällig großes Gonopodium. Es gibt zwei verschiedene Formen vom Metallkärpfling: Bei der einen Form ist das Männchen gleichmäßig grau gefärbt, bei der anderen ist das Männchen vom Maul bis zum Ende des Gonopodiums schwarz gefärbt. Die Nachkommenschaft beträgt meist 15-20 Tiere, selten mehr, wobei die Eltern ihren Jungen nicht nachstellen. Sie können nebeneinander aufwachsen. Es ist aber unbedingt darauf zu beachten, daß zu einem Männchen mindestens 3 Weibchen gesetzt werden müssen, besser noch mehr, da die Männchen den Weibchen ständig nachstellen.

Der Zwergkärpfling, Heterandria formosa, ist einer der kleinsten Fische, die es gibt. Interessant ist bei dieser Art, daß sie ihre Jungen über einen Zeitraum von 10-14 Tagen bekommen, wobei nur ein bis zwei Junge geboren werden. Dieser Fisch kann schon in kleinsten Becken gehalten werden und erfordert auch keine übermäßige Filterung. Dichte Bepflanzung, auch mit Javamoos, ist anzuraten. Bei der Vergesellschaftung muß darauf geachtet werden, daß auch nur kleine Fische beigesetzt werden. In unserem ersten Becken haben wir diesen Fisch mit dem Schwarzbarsch, Elasoma evergladei, vergesellschaftet. Leider ist dieser Fisch nur sehr selten zu sehen.

Der Jamaika-Kärpfling, Limia melanogaster, braucht Algen, um sich wohl zu fühlen. In der Fachliteratur wird auch angegeben, daß dieser Fisch auch Pflanzen anfrißt, was ich allerdings nicht beobachten konnte. Wichtig ist aber auch noch viel freier Schwimmraum, da dies eine sehr lebhafte Fischart ist, die sich „ausschwimmen“ möchte. Die Vermehrung soll nicht sehr schwierig sein, uns ist sie jedoch zu der Zeit, als wir diese Fischart besessen haben nicht gelungen. Dies war allerdings am Anfang unserer Aquaristikgeschichte.

Abschließend ist zu sagen, daß Lebendgebärende sowohl zum Einstieg in die Aquaristik geeignet sind, als auch für Spezialisten Anreize bieten können, sei es zur Zucht einer besonderen Farb- oder Flossenform oder zur Haltung und Zucht einer selteneren Art, wie zum Beispiel die der drei letztgenannten.

Literatur:

  • RIEHL/BAENSCH (1990/91): „Aquarien Atlas“; (8. Aufl.); Melle: Mergus, Verlag für Natur- und Heimtierkunde
  • MEYER/WISCHNATH/FOERSTER (1985): „Lebendgebärende Zierfische: Arten der Welt“; (1. Aufl.); Melle: MERGUS, Verlag für Natur- und Heimtierkunde

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