Dienstag, 26 Juli 2016 12:20

L134 Peckoltia spec.: Haltung und Zucht

geschrieben von  Kai A. Quante
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In diesem Artikel möchte ich die Haltung und Zucht einer der derzeit beliebtesten und am ansprechendsten gezeichneten Peckoltia-Art vorstellen. Dafür hat mir Roland Kipper aus Bremen seinen Zuchtbericht und Bilder zur Verfügung gestellt. Auf dem Deckblatt des XII. Fishlight ist ein Bild zu finden, das wir von Ingo Seidel erhalten haben.

L134 ist eine kräftig schwarz/beige gezeichnete Art, wobei die Streifen ein ungleichmäßiges, wurmartiges Zebramuster ergeben, das für jedes Tier individuell verschieden ist. Die Tiere werden ca. 10 cm groß. Die Geschlechter sind bei erwachsenen Tieren recht einfach zu unterscheiden. Die Männchen haben längere Interopercular-Odontoden (Stacheln am Zwischenkiemendeckel) und auch deutlichere Odontoden am ganzen Körper, was insbesondere auf dem Hinterkörper und der Schwanzwurzel sehr gut zu erkennen ist. Das Weibchen wirkt um die Bauchregion herum dicker, wobei das Männchen den kräftigeren Kopf hat. Im Vergleich zu vielen Ancistrus- und Hypancistrus-Arten sind die L134 auch tagsüber insbesondere beim Füttern aktiv, so dass man sie mit Futter recht leicht aus ihren Verstecken locken kann. Als Futter wird sehr gern Frostfutter aber auch Grünfutter wie Zucchini genommen. Zusätzlich wird mit gutem Flockenfutter bzw. Futtertabletten gefüttert. Das Aquarium sollte mit Pflanzen und Wurzeln eingerichtet und nicht zu hell beleuchtet sein, damit sich die Welse wohl fühlen. Bei mir halten sich die Tiere meist im Schatten unter Pflanzen oder Wurzeln auf. Bambusröhren werden bisher gemieden.

L134

Nachfolgend der Zuchtbericht von Roland Kipper:

"Die Zucht dieser wunderschönen Peckoltia Art ist bislang leider noch nicht oft gelungen, aber dennoch sind diese Tiere durchaus zu vermehren, wie man in meinem Fall sehen kann. Die nachfolgend beschriebene Zucht könnte man aber getrost als Glückstreffer oder Zufallszucht bezeichnen, da ich eigentlich gar nicht beabsichtigte, diese Tiere zu vermehren oder gezielte Vorkehrungen dafür getroffen habe. Die L134 leben bei mir in einem 240l Becken zusammen mit einigen anderen Welsen (Hypancistrus sp. L129 und L28, Peckoltia sp. L121, Rineloricaria eigenmanni, sowie ein paar Otocinclus und Corydoras) und ein paar Zwergbuntbarschen der Gattung Apistogramma, für die das Becken eigentlich ausgelegt ist.  Die Besatzdichte ist somit nicht sonderlich hoch, die Bepflanzung recht dicht und die Versteckmöglichkeiten sind vielfältig und reichlich.

Die L134 benötigen im Gegensatz zu den meisten anderen Harnischwelsen wohl unbedingt weiches, saures Wasser zur Zucht. Nach Aussage von Ingo Seidel scheint das ein wesentlicher Faktor zu sein, da ihm nur solche Fälle bekannt sind, jedoch keiner in "normalem" Leitungswasser. Der Leitwert lag bei mir bei etwa 180-200 µS/cm und der pH-Wert zunächst bei etwa 6.1, bei späteren Würfen sogar noch deutlich tiefer, etwa bei 5. Die Temperatur beträgt normalerweise 27°C, an warmen Sonnentagen lag sie aber auch manchmal etwas höher bis ca. 30°C. Vielleicht war auch diese Temperaturerhöhung ausschlaggebend, da der Rio Tapajós an den Fundorten von L134 ebenfalls eine derart hohe Temperatur bei einem pH-Wert von etwa 6 aufweist. Jedoch sollte dann eine gute Sauerstoffversorgung durch stärkere Oberflächenbewegung gewährleistet sein.

Ein interessanter Aspekt ist, dass Strömung bei dieser Art dennoch nicht von so großer Bedeutung zu sein scheint, da in meinem Becken kaum Strömung vorhanden ist (eigentlich ist es ja ein Apistogramma-Becken). Es herrscht lediglich eine leichte Umwälzung durch einen Eheim-Thermo-Außenfilter, der mit grober Watte, Siporax und feiner Watte bestückt ist. Erstaunlich ist das in meinen Augen deshalb, weil die L134 in den Cachoeiras (Stromschnellen durch querliegende Felsbarrieren) des Rio Tapajós gefangen werden, wo die Fließgeschwindigkeit und der Sauerstoffgehalt eben recht hoch sind. Wichtig erscheint mir auch eine geeignete Höhle, die von den Elterntieren angenommen wird. Diesbezüglich scheinen die Tiere recht wählerisch zu sein, denn schon vorher vorhandene, anders geartete (rauh) und anders plazierte Höhlen wurden bei mir nicht beachtet. Die Zucht gelang bei mir erst in einer glatten, einseitig offenen Tonröhre, deren Durchmesser so ist, dass das Männchen gerade bequem hineinpasst. Das Gelege wird vom Männchen in der Höhle intensiv bewacht und "befächelt". Auch bei der Fütterung verlässt das Männchen das Gelege nicht. Ich habe das Männchen während der ganzen Monate, in denen nacheinander gebrütet wurde, eigentlich nie außerhalb der Höhle gesehen. Auch nicht, wenn gerade gar kein Gelege vorhanden war. Außerhalb der Brutzeit halten sich die Tiere bei mir nicht in Höhlen auf, sondern liegen unter dichten Pflanzen und Wurzeln. Die Gelegegröße war bei mir sehr unterschiedlich und umfasste bei den vier Gelegen jeweils 17, 28, 12 und 36 gelbliche Eier mit einem relativ kleinen Durchmesser von etwa 2 - 2,5 mm. Etwa 6-7 Tage nach dem Laichen schlüpfen die Larven und ungefähr 10-12 Tage nach dem Schlupf schwimmen die Jungen frei.  Zu diesem Zeitpunkt sind die Jungen knapp 1 cm groß. Danach werden sie nicht weiter von den Elterntieren betreut. Allerdings ist die Chance, Jungfische durchzubekommen, eher gering einzuschätzen, wenn man die Jungtiere frei in das Becken entlässt, da sie nicht gezielt genug gefüttert werden können. Eine separate Aufzucht ist daher vorzuziehen. Nach dem vierten Wurf haben die Eltern leider aufgehört zu brüten, davor gab es ca. alle 4 Wochen ein neues Gelege. Was Spekulationen über einen jahreszeitlichen Einfluss angeht: Die Tiere schwammen seit Januar in dem Becken. Sie haben Mitte April letzten Jahres das erste Mal gebrütet und Mitte Juli das letzte Mal. Ich bin gespannt, was dieses Jahr passiert.

Die Aufzucht der Jungen scheint ebenfalls ein wenig heikler zu sein, als bei den meisten anderen Welsen. Ich hatte bei den ersten drei Würfen massive Verluste zu beklagen, nur beim vierten und bislang letzten Wurf war die Sterberate deutlich geringer, da ich einige Änderungen vorgenommen habe, die ich hier nicht vorenthalten will. Ich hatte die Jungen zu Beginn kurz vor dem Freischwimmen aus der Bruthöhle geholt und in einen Laichkasten (mit einer kl. Holzwurzel und etwas Cabomba caroliniana - schnellwachsendes Haarnixenkraut) gesetzt, der im Becken vor dem Filterauslass angebracht war. So wollte ich stabile Wasserverhältnisse und eine gezielte Fütterung, zunächst mit handelsüblichen (vakuumverpackten) Tabs, später auch mit Frostfutter, gewährleisten und eine Wasserumgewöhnung vermeiden.

Nach etwa 3 Wochen ging das Sterben los und ich verlor an einem Tag 7 Jungfische innerhalb weniger Stunden. Die Kleinen erwiesen sich unglaublich anfällig gegen Stress. Sobald ich einen toten Jungfisch aus dem Kasten entfernte oder Wasserwechsel machte, schossen die Tiere panisch im Kasten umher und verstarben an Herzversagen (Schock). Manche erholten sich auf wundersame Weise wieder, die meisten leider nicht. So konnte ich bei einem toten Jungfisch meistens gleich einige weitere innerhalb der nächsten Minuten beklagen. Über den gesamten Zeitraum der Brut verlor ich auf diese Weise fast 75% der ersten drei Würfe.

Einen der ersten Jungfische bekam Ingo Seidel kurz nach dem Schlupf von mir zum Fotografieren. Er war in einem Aufzuchtbecken zusammen mit Jungfischen anderer Harnischwels-Arten, aber dennoch starb auch dieser nach wenigen Wochen, obwohl Ingo nach seinen eigenen Aussagen in diesem Becken sonst keine Ausfälle zu beklagen hatte.

Nun stellte ich ein separates 25l Aufzuchtbecken auf, in das ich die Jungen umsetzte. Dort wechselte ich täglich etwa 50% des Wassers und das Sterben hörte bis auf wenige Ausnahmen auf. Vom letzten Wurf, der mit 36 Jungen der größte Wurf war, ist noch der größte Teil am Leben. Die Jungfische des vorletzten Wurfs setzte ich etwa drei Wochen nach dem Freischwimmen um, also etwa zu dem Zeitpunkt, als das Sterben anfing. Das war aber offenbar schon zu spät. Die Jungen des letzten Wurfs überführte ich sofort nach dem Herausschütteln aus der Bruthöhle in das Extra-Becken, wo ich sie aber - ebenso wie den vorherigen Wurf - trotzdem noch in einem separaten Laichkasten hielt um eine bessere Futterversorgung zu gewährleisten. Dieses Vorgehen erwies sich als erfolgreicher und ich kann es nur jedem empfehlen. Ausreichende Fütterung bei besten Wasserverhältnissen durch extrem häufige Wasserwechsel scheinen in meinen Augen unumgänglich, um diese Tiere mit bestem Erfolg zu vermehren.

Mittlerweile sind die Jungfische in ein größeres 112l Aufzuchtbecken umgezogen und kommen auch ohne einen täglichen Wasserwechsel aus. Sie gehen aktiv auf Nahrungssuche und müssen nicht mehr so intensiv gefüttert werden. Mittlerweile sind die Jungtiere zwischen 3,5 und 5 cm groß. Manche wachsen nur schlecht, ich vermute, dass sie während der Hauptwachstumsphase zu wenig Futter abbekommen haben, weil sie sich evtl. schlechter gegen die stärkeren Geschwister durchsetzen konnten.

Irgendwie scheint bei den L134 alles ein bisschen anders zu sein, aber es ist auf jeden Fall eine spannende Sache und ich wünsche jedem Glück bei dem Versuch, diese wunderschönen Welse zu vermehren." (Roland Kipper, Bremen, eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Ich möchte mich herzlich bei Roland Kipper für die Bereitstellung seines Artikels und der Bilder danken und wünsche allen L134-Haltern ebenfalls viel Glück bei der Zucht, um das Interesse an diesen schönen Fischen in Zukunft evtl. mal über Nachzuchten decken zu können.

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