Montag, 25 Juli 2016 12:18

Eierlegende Zahnkarpfen (Killifische)

geschrieben von  Steffen Haustein
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Killifische sind außer in Australien, in den Tropen, Subtropen sowie teilweise auch in den gemäßigten Breiten weltweit verbreitet. So extrem unterschiedlich wie Ihre Heimatbiotope, so extrem unterschiedlich sind auch die Hälterungsbedingungen und damit die Zuchtmethoden der Killifische. So finden wir in Afrika (Aphyosemion, Epiplatys), Südamerika (Rivulus) und in Asien (Aplocheilus) Killis in ständig wasserführenden Bächen, kleinen Flüssen oder Tümpeln. Bevorzugt wird in Pflanzen oder Wurzelgeflecht abgelaicht. Sollte geeignetes Substrat nicht vorhanden sein, dient der mehr oder weniger schlammige Bodengrund als Ablaichplatz. Die Eier entwickeln sich innerhalb von 10- 25 Tagen im Wasser. Vertreter dieser Arten können, bei entsprechender Hälterung, im Aquarium 2 - 4 Jahre alt werden. Eine andere große Gruppe (Saisonfische / anuelle Arten) der Killifische, ist beheimatet in Afrika (Nothobranchius) und Südamerika (Rachovia, Cynolebias), in Gebieten, die bedingt durch Regen- und Trockenzeit periodisch austrocknen. Das Überleben dieser Arten wird durch Eier gewährleistet, die vorher teilweise recht tief im schlammigen Bodengrund abgelegt wurden. Bei neu einsetzendem Regen wird der Bodengrund aufgeweicht, und die Jungfische können schlüpfen. In der Natur werden diese Arten meistens nur etwa 6 Monate alt, dafür sind die Jungfische schon nach 4 - 6 Wochen fortpflanzungsfähig. Im Aquarim können die Tiere bei entsprechender Hälterung bis zu 1 Jahr alt werden, einige sogar noch etwas älter. Wenn wir Vertreter dieser Arten nachzüchten wollen, sind wir gezwungen, die Eier trockenzulegen (Diapause). Die Trockenlegung ist von Art zu Art unterschiedlich, kann von 4 Wochen bis zu 9 Monaten dauern, und hängt auch von den Lagertemperaturen der Eier ab. Es lohnt sich oft auch ein zweites und auch drittes Mal das Substrat aufzugießen, da sogenannte Dauereier das Überleben der Art sichern, wenn mal eine Regenzeit ausbleibt oder nach kurzem Regen alles wieder austrocknet.

Eine besondere Gruppe der Killis sind die in Ost- und Westafrika vorkommenden Leuchtaugenfische (Aplocheilichthys, Procatopus, Plataplochilus), die teilweise wie Salmler ein Schwarmverhalten haben. Sie leben hauptsächlich in Fließgewässern und benutzen zum Laichen vorwiegend enge Spalten. Der bekannteste Vertreter dieser Gruppe, ist Lamprichthys tanganicanus, der im Tanganjikasee beheimatet ist. Die "Wüstenfische" (Cyprinodon) bevölkern den karibischen Raum, das Gebiet vom nördlichen, mexikanischen Hochland bis zum Rio Pecos in den USA sowie den Südwesten der USA, wobei dort die "echten Wüstenfische" vorkommen. Die meisten Arten sind vom Aussterben bedroht, weshalb es auch nicht zu empfehlen ist, in den USA mit einem Kescher in der Hand die Fundorte aufzusuchen. Die Küstennahen Vertreter leben teilweise im Brackwasser, was bei der Aquarienhaltung zu beachten ist.

Die Cyprinodon-Arten sind eigentlich für die Aquarienhaltung nicht zu empfehlen, da sie untereinander oft sehr aggressiv sind und sehr viel Sachkenntnis erfordern, um sie erfolgreich zu pflegen.

Das Verbreitungsgebiet der nächsten sehr interessanten Gruppe (Aphanius) unter den Killis reicht von Spanien bis zum Iran, wobei die Kontinente Europa, Asien und Afrika berührt werden. Einige Arten kommen im Meer und im Brackwasser vor, der überwiegende Teil aber in Binnengewässern, wie z.B. kleinen Seen oder Bächen. Diese Arten sind besonders für unbeheizte Zimmer- oder Kelleraquarien geeignet, da sie teilweise Temperaturen von 4°C - 30°C tolerieren. Einige Arten können wir sogar erfolgreich im Gartenteich halten, wenn dieser tief genug ist. Was alle gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass wir die Tiere sehr gut in hartem Süßwasser halten können. Es gibt natürlich noch viele nicht erwähnte, interessante "Außenseiter", wie z.B. Jordanella floridae aus den Sümpfen von Florida. Sie sind sehr gute Algenvertilger und besonders außergewöhnlich ist, daß die Männchen sogar eine Art von Brutpflege betreiben. Allgemein kann über Killifische gesagt werden, dass ihr "Leben" aus Fressen und Vermehren besteht. In der Natur fressen sie hauptsächlich Anflugnahrung, Insektenlarven sowie Jungfische der gleichen oder anderer Arten. In der Natur gibt es aber auch immer wieder längere Durststrecken, in denen es kein Nahrungsangebot gibt. Im Aquarium können wir die Tiere natürlich mit Lebendfutter glücklich machen, aber auch mit qualitativ hochwertigem Frost- und Trockenfutter. Einige Arten (z.B. Aphyosemion australe, Aplocheilus lineatus, Epiplatys dageti, Nothobranchiud rachovi) eignen sich für eine Hälterung im Gemeinschaftsbecken, wobei eine Hälterung im Artaquarium immer interessanter ist. Da die kleinsten Vertreter nur ca. 3,5 cm groß werden, eignen sich schon Aquarien ab 10 Liter, obwohl größere Aquarien immer vorzuziehen sind. Die größeren Vertreter, die bis zu 20 cm erreichen, brauchen auch entsprechend Platz. In einem 50-Liter-Aquarium können wir z.B. von Aphyosemion sojestedti "blau" (15-18 cm) nur ein Männchen halten, da es sonst zu unliebsamen Raufereien kommen würde. Was auf alle Fälle noch beachtet werden muss, ist, dass zu warme Temperaturen Killifische nicht lange erfreuen. Aphyosemion joergenscheeli fühlt sich zum Beispiel bei 16 - 20 °C am wohlsten, hingegen wird er bei über 22°C nicht lange überleben. Die empfindlichsten, wärmeliebenden Arten sterben erst bei Temperaturen unter 15°C. Dies macht eigentlich deutlich, daß Killifische nicht permanent warm gehalten werden sollten, sondern ein langsamer Wechsel von Temperaturen auch wichtig für eine lange Lebenserwartung ist.

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