Freitag, 26 August 2016 15:04

Die Sache mit dem Meerwasserfieber

geschrieben von  Andreas Grimm
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Welcher Meerwasseraquarianer kennt es nicht, das Gefühl, dass das Aquarium definitiv zu klein ist? Mir ist es bereits nach einem halben Jahr so ergangen. Mit diesem Bericht möchte ich meine Erfahrungen zum Umzug in den eigenen vier Wänden darstellen und vielleicht einige kleine Mythen aus der Welt schaffen.

Aber erstmal zur Vorgeschichte. Im September 2014 packte mich das Meerwasserfieber. Aber nicht durch Erfahrungen, Freunde oder tolle Schaubecken diverser Händler. Nein, in einem Online- Kleinanzeigenportal habe ich die Anzeige für mein neues Hobby entdeckt. Ein Hobby, das soeben erst zum Hobby werden sollte. Zwei Wochen später stand das neue Becken im Wohnzimmer. Da ich auf dem Gebiet noch ein Frischling war, habe ich natürlich bei der 300 km langen Überführung einfach alles mitgenommen, was geboten war. Darunter natürlich auch 400 l Salzwasser. Wie man so etwas transportiert? Die Antwort ist einfach…Gott sei Dank haben unsere Altpapiertonnen 240 l Fassungsvermögen. Und der Nachbar hatte auch noch eine. Selbstverständlich wurden diese vor dem Befüllen gründlich gereinigt. Und da steht es nun, mein eigenes Wohnzimmerriff.

Es dauerte nun gar nicht mehr lange, und weitere Mitbewohner wurden angeschafft. Schnell stellte sich heraus, dass mit jedem weiteren Buch oder Erfahrungsbericht die Technik des Aquariums an seine Grenzen kommt. Die Folge war eine Rundumerneuerung der gesamten Technik. Heute muss ich sagen, zum Glück hatte ich alle Komponenten deutlich überdimensioniert.

Der Besatz des Beckens ist nun in kürzester Zeit auf ein beachtliches Maß angestiegen, alles wuchs prächtig. Das Angebot der örtlichen Fachhändler natürlich auch, so dass die Dimensionen der lebenden Steine, wie auch die Abmessungen des Beckens zu schrumpfen schienen. Ein neues Becken musste her, schließlich will man ja wenigstens einen Bruchteil des riesigen Angebotes an den schönsten Korallen sein eigen nennen dürfen. Nach kurzer Suche entdeckte ich nun mein neues Becken, 160 cm lang, 80 cm breit und 60 cm hoch. Inklusive Technikbecken konnte ich mein Wasservolumen nun von 450 l auf ca. 850 l nahezu verdoppeln. Die Platzverhältnisse im Wohnzimmer haben diese Abmessungen gerade noch zugelassen. Ab jetzt drehte sich der gesamte Tagesablauf um die Planung der Umbauarbeiten. Größtes Problem… was ist mit der Statik? Hält die Betonplatte? Sind Estrich und Fußbodenheizung für diese Last ausgelegt? Schließlich sprechen wir von knapp 1,5 Tonnen an Last, die gerade einmal auf 1,6 m² stehen sollen. Unzählige Erfahrungsberichte hierzu wurden förmlich auswendig gelernt. Ein befreundeter Statiker hat ebenso seine Meinung dazu abgegeben.

Also los… Die Materialien für den Unterbau, ich habe mich für Ytong und Holz entschieden, wurden beschafft. Insgesamt 40 Porenbetonsteine, eine Siebdruckplatte und eine MDF-Platte wurden mittels geliehenem Anhänger abgeholt. Aber wie bekommt man das ganze jetzt unter einen Hut? Das alte Becken muss weg, das neue muss hin. Es sollte ja auch alles ohne jedwede Verluste über die Bühne gehen. Also musste das neue Becken erst einmal in die Wohnstube. Es musste mit vier Personen transportiert werden… unfassbar wie schwer das leere Becken schon ist. Und dann auch noch die 40 Ytong-Steine, die Holzplatten? Wieder die Frage nach dem Estrich. Muss vielleicht eine Stütze in den Keller, um das Durchbiegen der Stahlbetonplatte zu verhindern? Was einem in diesen Momenten für Gedanken durch den Kopf gehen, einfach unfassbar.

Alle Becken stehen nun im Wohnzimmer und der Umzug kann beginnen. Im ersten Schritt musste natürlich das neue Technikbecken mit Wasser aus dem alten Becken befüllt werden, um den Korallen ein Übergangsquartier geben zu können. Das restliche Wasser, Fische und unbewachsene Steine wurden im neuen Becken verteilt. Das nun leere Becken konnte abgebaut werden und fand temporär seinen Platz im Nebenraum. Nun konnte der Aufbau des neuen Beckens beginnen. Zuerst mussten Die Gasbetonsteine auf die vorher passend geschnittene MDF-Platte verteilt und ausgerichtet werden. Da das neue Becken deutlich höher kommen sollte, man will sich ja nicht immer bücken, um reinzuschauen, besteht die Mauer aus vier übereinanderliegenden Reihen. Das Becken steht somit 80 cm über dem Fußboden. Zur Lastverteilung folgten 100er Sparren sowie eine Siebdruckplatte als Abschluss. Nachdem nun die Bohrungen für die Rohrdurchführungen in Richtung Technikbecken gesetzt wurden, konnte das neue Becken einschließlich Sicherheitsunterlage auf dem Podest ausgerichtet werden. Die entstandenen Überhänge können später mit Rauspundpaneelen verblendet werden, um das ganze Bauwerk optisch aufzuwerten.

Das ganze Wohnzimmer voller Aquarien. Eine nur kurz andauernde Phase während des Umbaus.

Der Umzug kann beginnen.

Der Aufbau beginnt: Zur besseren Lastverteilung wurden 100er Sparren unter einer Siebdruckplatte montiert.

Ein Blick auf das zukünfitge Filterbecken.

Nun konnte auch die neue Beleuchtungsanlage installiert werden, die auf Grund des Größenzuwachses von bisher 220 W reine LED-Lichtleistung auf satte 600 W Hybrid-Leistung bestehend aus 384 W LED und 216 W T5 gesteigert werden musste. Nach einer gründlichen Reinigungsaktion hieß es nun Wasser marsch. Da bisher nur ca. 450 l Salzwasser in dem alten Becken sowie dem neuen Becken, wo immernoch alle Korallen verharren mussten bei weitem nicht ausreicht, musste der Vollentsalzer seine Arbeit verrrichten. Mit ca. 120 l/h wurde das neue Becken nun mit vollentsalztem Wasser befüllt und anschließend mit Salz auf die korrekte Salinität und mittels starkem Tauchsieder auf Wohlfühltemperatur gebracht. Nach Einbringen der Sandschicht sah das Becken natürlich erstmal unschön aus. Bis das Wasser völlig klar geworden war, vergingen knapp drei Tage. Nun war es endlich soweit, meine Korallen konnten ihr temporäres Zuhause verlassen und in das neue Becken einziehen. Das so freigewordene Technikbecken fand unter dem Hauptbecken Platz und wurde fachmannisch verrohrt. Hier ist nun ausreichend Platz entstanden, um die gesamte Filtertechnik unterzubringen, damit im Hauptbecken keine Komponenten das Gesamtbild verschandeln. Nachdem nun die Filterrechnik ihren endgültigen Platz im Technikbecken gefunden hat, konnten die restlichen lebenden Steine, die Fische und das Wasser aus dem Nebenraum umgeräumt werden. Das Becken war nun voll und die Technik am Arbeiten. Ab sofort standen 450 l me(e)hr Wasser zur Verfügung.

Neue 384 W LED Beleuhtung.

Nach erfolgreichem Umbau konnten auch endlich die Bewohner wieder einziehen. Der Technikraum muss nur noch verkleidet werden.

Das zusammengesetzte Riff wirkt in dem riesigen Becken fast verloren. Kurzerhand kamen weitere lebende Steine dazu, so dass sich der Bestand von bisher 70 kg auf knapp 200 kg erhöhte. Das eigentliche Ziel wurde jedenfalls erreicht… es ist viel viel mehr Platz für neue Korallen. Anders als erwartet, kam es auch zu keiner neuen sogenannten Einlaufphase. Der Bakterienhaushalt wurde sicherlich durch den Umzug durcheinandergewürfelt, aber alle Wasserwerte sind stabil geblieben und Verluste waren bei Null! Mit dieser Aktion bin ich nun leider an die geometrischen Grenzen des möglichen angekommen, so dass eine erneute Vergrößerung nicht mehr in Frage kommt. Somit mein Rat an alle diejenigen, die nun ihr vorhandenes Becken gegen ein Größeres tauschen wollen. Der Aufwand ist so immens, baut gleich das maximal mögliche auf, um eine erneute Vergrößerung zu vermeiden. Keineswegs außer Acht zu lassen ist dabei allerdings der nicht zu unterschätzende Anstieg an Stromkosten sowie die Wasserverdunstungsrate. Bei dem vorherigen "kleinen" Becken sind pro Tag ca. vier bis fünf Liter Wasser verdunstet. Mittlerweile liegt diese bei ca. sieben bis acht Liter pro Tag. Dieses für die Raumluft überschüssige Wasser muss natürlich irgendwo hin. Bei meiner sehr dichten Gebäudehülle ist dieses überschüssige Wasser natürlich in Form von Kondensation an den Außenfenstern sichtbar. Verstärkt wird dieser Effekt durch fallende Außentemperaturen. Wie ich diese Problematik gelöst habe, ohne unheimlich viel Heizenergie durch Lüftung ins freie abzugeben, wird in einem weiteren Bericht erläutert.

Abschließend nun noch ein paar technische Daten.

Hauptbecken: 1,60×0,80×0,60m³
Technikbecken: 1,00×0,60×0,60m³
Beleuchtung: 600 W Hybrid Eigenbau,2x Jebao RW-15 Strömungspumpen, Jebao DCP-9000 Rückförderpumpe, im Bypass 36 W UV-C, Phosphatabsorber sowie Aktivkohle im Multireaktor, Sander 25 mg/h Ozonisator, Nährstoff- und Spurenelementversorgung nach Triton

Wasserwerte (25.01.2016): NO3 1mg/l, PO4 0,03mg/l, KH 8°dH, Ca 420mg/l, Mg 1310mg/l
Besatz: 50% SPS, 30% Weichkorallen, 20% LPS

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