Montag, 25 Juli 2016 12:19

Die Haltung von Leopardgeckos im Terrarium

geschrieben von  Christiane Kienitz
Artikel bewerten
(1 Stimme)

[pb_row ][pb_column span="span12"][pb_text el_title="Text 1" width_unit="%" enable_dropcap="no" appearing_animation="0" ]

Diese Überschrift mag den Leser ein wenig verwundern. Was hat ein Artikel über Leopardgeckos in einer Fishlight-Ausgabe zu suchen?

Eigentlich bin ich seit sieben Jahren begeisterte Aquarianerin und nunmehr Pflegerin einer Wildfangtruppe Tropheus moorii "Mpulungu". An einem der geselligen Treffen des Aquarienclubs Braunschweig e.V. erwähnte ich am Rande, dass ich mich auch für den Bereich der Terraristik interessiere und angefangen habe, Leopardgeckos zu halten. Da Aquarianer offene und flexible Menschen sind, werde ich seither gebeten, meine Erfahrungen auf diesem Gebiet doch mal für Interessierte in einem Artikel zu verfassen und zu veröffentlichen. Da haben wir also die Antwort auf die eingangs gestellte Frage und hier ist der gewünschte Artikel.

Zur Terraristik bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, unbeabsichtigt und rein zufällig. Ich wurde letztes Jahr zu einem Bekannten eingeladen, der u.a. Meerwasseraquaristik betreibt und mir bei einer Tasse Kaffee seine Aquarien zeigen wollte. Beim erstmaligen Betreten seines Wohnzimmers verschlug es mir glatt die Sprache. Neben zwei Meerwasseraquarien, einem Süßwasseraquarium und einem Paludarium fand ich eine dreistöckige Anbauwand mit Terrarien vor, in denen die verschiedensten Reptilien wie Schlangen, Agamen und Chamäleons gehalten wurden. Der Wohnzimmertisch war ebenfalls ein Terrarium mit einer daraufgelegten Tischplatte, in dem sich Leopardgeckos befanden. An diesem Nachmittag wurde mein Interesse geweckt. Nachdem mir ein Leopardgecko auf die Hand gegeben wurde, stand für mich fest: Dies ist der Beginn...!

So fing ich an, mich mit der Haltung von Leopardgeckos zu beschäftigen. Mein Bekannter musste mir alles, was er über diese Tiere wusste, berichten. Ich begann Literatur zu kaufen und zu wälzen und meinen Freund zu bedrängen, mir eine "Wohnung" für die Geckos zu bauen.

Zunächst wurde die abgeguckte Idee, ein Terrarium mit einem Wohnzimmertisch zu kombinieren, in die Tat umgesetzt. Unseren Vorstellungen entsprechend haben wir ein Terrarium mit den Maßen (BxHxT) 100 cm x 50 cm x 60 cm in Auftrag gegeben und anfertigen lassen. Da dies allein noch keinen Wohnzimmertisch ergibt, klapperten wir parallel dazu Braunschweigs Baumärkte ab und kauften das Holz (in diesem Fall Buche), das wir für den Sockel und die Tischplatte benötigten.

Als Bodensubstrat wählten wir eine ca. fünf cm hohe feinkörnige Quarzsandschicht. Sand entspricht am ehesten der Bodenbeschaffenheit des natürlichen Lebensraumes der Leopardgeckos und bietet einige Vorteile. Er ist leicht beschaff- und ersetzbar, sehr kostengünstig, relativ saugfähig, in den meisten Fällen ungefährlich, und vor allem sieht er natürlich aus.

Geckos benötigen wie die meisten Reptilien auch ein gewisses Maß an Privatsphäre, d.h. einen Versteckplatz, der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Fehlt diese wichtige Komponente in einem Terrarium, steht das Tier unter Dauerstress, kann nicht schlafen oder sich auch nur entspannen und ist dem sicheren Tod geweiht. Die Beschaffenheit der Verstecke spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Es sind stattdessen zwei Faktoren, die den Unterschied machen, räumliche Enge und ein angenehmes Klima. Wenn er die Wahl hat, wird sich der Gecko einen Platz aussuchen, in dem es im Vergleich zu den Umgebungstemperaturen relativ kühl, etwas feucht und vor allem dunkel ist und wo er mit dem Rücken und den Seiten des Körpers Kontakt zum Versteck hat. Durch die geringeren Temperaturen verlangsamt sich sein Stoffwechsel, er kann sich entspannen und ruhig schlafen, während der ständige Kontakt zu einem unbelebten, festen Medium die nötige Sicherheit vermittelt. Als Versteckmöglichkeiten haben wir kleine Schieferhöhlen gebaut. Den Schiefer haben wir im Harz gesammelt und mit Hilfe von Aquariensilikon zu kleinen Höhlen verklebt. So kann die Konstruktion nicht zusammenbrechen und unabsichtlich einen Gecko verletzen. Außerdem sind sie bei Reinigungsbedarf des Terrariums leicht zu entnehmen und wieder einzusetzen. Als Klettermöglichkeiten und zur Dekoration wurden ausgediente, ehemals im Aquarium verwendete, Moorkienwurzeln benutzt. Als letztes werden in Thermometer und ein kleiner, flacher Trinknapf eingebracht und fertig war die "Wohnung", nämlich ein Wüstenterrarium. Nun konnte es losgehen. Ende September 1999 erwarben wir bei dem besagten Bekannten vier nachgezogene, prachtvolle Exemplare (zunächst vermeintlich ein männliches Tier und drei weibliche Tiere) im Alter von drei Monaten.

Was sind denn nun eigentlich Geckos bzw. Leopardgeckos?

Etwa die Hälfte aller derzeit auf der Erde vorkommenden Reptilienarten sind Echsen. Sie sind nahezu weltweit vertreten und besiedeln die unterschiedlichsten Biotope; von trockenen, heißen Wüsten bis zu den feuchtwarmen Regenwäldern. Geckos sind eine evolutionsgeschichtlich sehr erfolgreiche, und daher große, d.h. formenreiche Familie von mehrheitlich nachtaktiven, vierfüßigen Echsen. Die Familie der Echsen wird wissenschaftlich als Gekkonidae bezeichnet, die wiederum in mehrere Unterfamilien aufgeteilt ist. Der Leopardgecko gehört zur Unterfamilie Eublepharinae (Unterfamilie der Lidgeckos) und wird wissenschaftlich unter dem Namen Eublepharis macularius geführt.

Übersetzt bedeutet der Name ungefähr "Lidgecko gefleckt", was die äußere Erscheinung betrifft, ist die bekanntere Bezeichnung "Leopardgecko" recht treffend. Auf dem Rücken befinden sich zahlreiche schwarzbraune Tupfen und Flecken auf gelblichem Grund. Der Schwanz ist rundlich und deutlich segmentiert. Auf der Unterseite der Zehenenden besitzt die Art kräftige Krallen.

Spezifisches Merkmal dieser Geckoart sind die beweglichen Augenlider (deshalb Lidgeckos). Die Bauchunterseite ist stets weiß. Bei trächtigen Weibchen kann man die Eier durchschimmern sehen. Männchen sind massiger gebaut und haben einen größeren Kopf. Sie können eine Körpergröße inklusive Schwanz von 25 cm erreichen.

Leopardgeckos bewohnen ein breites Gebiet im mittleren Asien. Der Lebensraum erstreckt sich vom Iran, Afghanistan und Pakistan bis nach Indien. Die Biotope wirken meistens wüsten- oder steppenartig, sind jedoch keinesfalls mit wirklich trockenen Sandwüsten identisch, was bei der richtigen Pflege im Terrarium ein zu beachtender, extrem wichtiger Faktor ist.

Leopardgeckos benötigen Temperaturen von tagsüber 28-32°C, nachts 20-22°C. Im Terrarium werden diese Temperaturen mit Hilfe von Licht (Leuchtstoffröhre, Punktstrahler) und einem Heizkabel erzeugt. Obwohl der Leopardgecko nachtaktiv ist, benötigt er Licht, denn der Wechsel von Hell und Dunkel bestimmt bei allen höheren Lebewesen den Rhythmus von Aktivität und Ruhe. Entfällt er, kommt es zwangsläufig zu veränderten Rhythmen sowie zu Unbehaglichkeit, also zu Stress.

Licht ist gleichbedeutend mit Wärme, wobei ich hier zum nächsten Punkt komme. Reptilien sind poikilotherme, d.h. wechselwarme Tiere, die die in ihrer Nahrung enthaltene Energie nicht für die Erzeugung von Körperwärme "verschwenden", sondern dazu die Wärme des in ihrem Lebensraum reichlich vorhandenen Sonnenlichts nutzen. Um diese beiden lebensnotwendigen Faktoren, Licht und Wärme, im Terrarium zu berücksichtigen, wird es tagsüber in den Sommermonaten ca. 12-14 Stunden beleuchtet und je nach Umgebungs- bzw. Zimmertemperatur wird das Heizkabel zu- oder abgeschaltet. Der dritte Klimafaktor im Leopardgecko-Terrarium ist die Feuchtigkeit. Hier muss man zwischen Umgebungsfeuchtigkeit und relativer Luftfeuchtigkeit unterscheiden.

Obwohl Leopardgeckos in wüstenhaft erscheinenden Lebensräumen zuhause sind existiert nur einige Zentimeter unter der heißen Oberfläche des Sandes eine erstaunliche Feuchtigkeit. Auch in ihren natürlichen Verstecken unter Felsen oder Erdbauten herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, welcher sie während des Tages ausgesetzt sind. Die Feuchtigkeit hat Auswirkungen auf den Feuchtigkeitshaushalt des Tieres und zeigt ihren Einfluss besonders bei Häutungen. Die Haut der meisten Geckos ist zart und in der Lage, dem Körper Wasser zuzuführen, ohne dass dazu ein Trinken notwendig wäre. Um diese Haltungsbedingungen zu erfüllen, besprühe ich "das Terrarium" ca. 2-3 mal die Woche mit Hilfe eines Pflanzensprühers, um den Feuchtigkeitsverlust durch Verdunstung zu kompensieren.

Es versteht sich von selbst, dass hierbei unter "Feuchthalten" nicht ein "Unterwassersetzen" des gesamten Behälters gemeint ist. Trotzdem bleibt es unerlässlich, den Trinknapf täglich neu mit Frischwasser zu füllen. Allein mit Einhaltung dieser Grundvoraussetzungen kann ein Leopardgecko in einem Terrarium natürlich nicht überleben.

Wie jedes andere Lebewesen auch benötigt er Futter. Mit dem Leopardgecko hat man sich einen der willigsten Fresser unter den Terrarientieren zugelegt, d.h. es ist für den Pfleger relativ leicht, die Futterbedürfnisse eines solchen Geckos zu befriedigen, denn man braucht sich nicht mit der Beschaffung von ausgefallenem Futter zu belasten. Als Futter können Grillen, Heimchen, Raupen der Wachsmotte, Heuschrecken und argentinische Schaben angeboten werden, dies natürlich in lebender Form. Das Futter kann in jedem guten Zoofachhandel käuflich erworben werden. Wir haben uns aus Kostengründen eine Futtertierzucht von Zweifleck- und Steppengrillen separat im Keller angelegt.

Benötigte Mineralien und Vitamine (ebenfalls im Fachhandel erhältlich) werden in Pulverform vor der Fütterung über die Futtertiere gestäubt und so vom Gecko mit aufgenommen. Abhängig vom Alter der Geckos haben wir sie anfänglich, die ersten drei Monate, nachdem sie in unserem Besitz waren, täglich mit vier entsprechend ihrer Größe angemessenen Grillen (pro Gecko) gefüttert. Jetzt, im halbwüchsigen Alter von einem Jahr, bekommen sie ca. dreimal wöchentlich vier Grillen pro Kopf. Wenn die Geckos mit ca. zwei Jahren erwachsen sind, erhalten sie künftig zweimal wöchentlich vier große Futtertiere pro Kopf, um eine Verfettung zu vermeiden. Da Leopardgeckos nachtaktiv sind, ist naturgemäß die beste Zeit zum Füttern der frühe Abend.

Folgende regelmäßig durchzuführenden Pflegetätigkeiten fallen an:

  • Tägliche Entfernung des abgesetzten Kotes
  • Täglicher Wechsel des Trinkwassers
  • 2-3 mal wöchentlich Sprühen
  • Regelmäßige Fütterung, je nach Größe des Geckos
  • Erneuerung des Bodensubstrates 1 mal jährlich
  • Tägliche Kontrolle der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit

Damit ein Leopardgecko seine normale Lebenserwartung erreichen kann (ein gut gepflegter Gecko kann bis zu 25 Jahren alt werden!), benötigt er unbedingt eine Winterruhe. Auch auf sein Fortpflanzungsverhalten hat dies einen Einfluss. Anfang November beginnt man, die tägliche Beleuchtungsdauer zu verkürzen und die Temperatur täglich um einige Grade zu senken, so dass man Anfang Dezember bei etwa 12-15° C und ungefähr 6 Stunden Licht angelangt ist.

Es wird kein Futter mehr geboten, aber weiterhin täglich frisches Trinkwasser. Bis Ende Februar behält man diesen Zustand bei, bevor man die Zustände langsam wieder umkehrt. Die Zeit der Inaktivität während der Wintermonate hat große Auswirkungen auf den Gecko.

Sein Stoffwechsel wird auf das absolute Minimum herabgesetzt, und der Hormonhaushalt wird verändert. Auch wenn es für uns schwer vorstellbar ist, über so einen langen Zeitraum nichts zu essen und inaktiv zu sein, den winterschlafenden Geckos bekommt dies ausgezeichnet und gehört zu ihrer natürlichen Lebensart.

Um Rivalitäten und Aggressionen zu vermeiden, wird immer nur ein Männchen mit zwei bis drei Weibchen gehalten. Wie ich eingangs erwähnte, hatte ich vier Tiere erworben, die aufgrund des Alters von drei Monaten noch keine gesicherte Geschlechtsbestimmung zuließen. Mit zunehmendem Alter stellte sich heraus, dass ich zwei Männchen und zwei Weibchen erhalten hatte. Aus den genannten Gründen tauschte ich ein Männchen problemlos gegen ein Weibchen um und bin mit meinen "Jungs" nun rundum zufrieden.

Inzwischen hat sich auch das erste mal Nachwuchs eingestellt und zur Zeit bin ich damit beschäftigt, vier Jungtiere großzuziehen, wobei das Thema Zucht ein gesondertes ist.

Geckos sind keine Haustiere im herkömmlichen Sinne. Man nimmt sie nicht ständig in die Hand und spielt auch nicht mit ihnen. Obwohl die meisten Reptilien überwiegende Landbewohner sind, sollte man sie eher so behandeln wie Aquarienfische und in Ruhe lassen. Dann hat man stressfreie, gesunde Tiere, an denen man viele Jahre Freude haben kann.

[/pb_text][/pb_column][/pb_row]

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.