Mittwoch, 27 Juli 2016 12:54

Buckelkopf, ein außergewöhnlicher Buntbarsch

geschrieben von  Patrick Kemnitz
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Der Buckelkopfbuntbarsch, Steatocranus casuarius oder auch Helmcichlide genannt, ist sicherlich der häufigste Vertreter seiner Gattung, obwohl auch er ein selten anzutreffender Buntbarsch in unseren Aquarien ist. Vielleicht kommt es daher, dass von ihm gesagt wird, dass er sehr ruppig und kampflustig ist und das für jeden "klare Barschverhalten" besitzt. Mit diesem Bericht möchte ich das "schlechte Image", welches völlig unbegründet ist, etwas aufbessern. Aber nun zu dem Fisch selbst:
S. casuarius kommt aus Afrika ( Zaire ) und lebt dort in schnellfließenden Gebirgsbächen. Die Schwimmblase hat sich den Stromschnellen angepasst und stark reduziert, daher kann sich der Buckelkopfbuntbarsch nur noch in einer ruckartigen Schwimmweise über den Bodengrund bewegen. Das mächtige Fettpolster auf der Stirn der Männchen und das etwas kleinere bei den Weibchen hat damit nichts zu tun, kann aber als Geschlechtsmerkmal bei ausgewachsenen Tieren benutzt werden.


Dieser Cichlide fühlt sich schon in einem Aquarium mit einer Kantenlänge von ungefähr 60 cm wohl, auf keinen Fall sollten aber genügend Steinaufbauten (Schieferplatten), Wurzeln und ein paar Pflanzen, die weder beschädigt, noch ausgegraben werden (außer in der direkten Umgebung der Bruthöhle), fehlen. Zusätzlich empfehle ich feinen Kies oder Sand, der zu dem Wohlbefinden unseres Pfleglings beiträgt. An die Wasserwerte stellt der Buckelkopfbuntbarsch keine hohen Ansprüche, doch sollte der Härtegrad nicht unter 10 dGH und der pH-Wert um den Neutralpunkt liegen. Die Temperatur sollte sich zwischen 24 und 28 Grad befinden. Er nimmt jegliches Trockenfutter und Frostfutter, aber man kann ihn auch mit Grünfuttertabletten füttern, worauf ich noch bei der Aufzucht von Jungfischen zurückkomme.


Wie schon oben erwähnt, sind die Behauptungen, dass S. casuarius ein Rüpel im Aquarium ist, nicht gerechtfertigt, da ich diesen Fisch schon mit Platys, Skalaren, Fadenfischen, Schmerlen und anderen Aquarienbewohnern in einem vollbepflanzten Becken gehalten habe, nur in der Brutzeit vertrieb er die Corydoras.
Nun komme ich zu der Zucht beziehungsweise zu der aufopferischen Brutpflege, doch vorher muss man erst einmal eine gute Hand bei der Wahl des Zuchtpaares haben. Am besten ist es, wenn man sich eine kleine Gruppe von Jungtieren hält, wobei sich später ein oder mehrere Pärchen finden werden. Dieses wird, wenn die Hälterungsbedingungen stimmen, schon bald anfangen, eine Höhle unter einem Stein oder einer Wurzel auszugraben. Dann wird das Weibchen die Eier an ein schrägstehendes Laichsubstrat kleben und sie werden von dem Männchen befruchtet. Die Behauptungen der Literatur, dass die Larven aus den Eiern schon nach 48 Stunden schlüpfen sollen, kann ich nicht bestätigen.


Mein Pärchen legte an einer Schieferplatte ab und die Eizahl betrug beim ersten Mal ca. 60-80 und beim zweiten Mal ungefähr 90-120 Eier. Nun begann das "ganze". Das Weibchen war dabei, die Eier mit Frischwasser zu bewedeln, musste  aber auch noch aufpassen, dass ihr Gatte  das Aussenrevier abriegelte, so dass keiner den Eiern Schaden zufügen konnte. Man sah es dem  Buckelkopfmännchen an, dass es von Tag zu Tag nervöser wurde. Nach einer Woche war es dann soweit, die schon etwa 8 mm großen Larven lagen zappellig in der Höhle und vereinzelt versuchten sie auszubüchsen, doch die Mutter war stets zur Stelle. Das Männchen musste unbedingt seine Nachkommen begucken, aber irgendwer musste auch noch aufpassen und so teilte das Weibchen ein paar tonangebende Hiebe aus. So ging der Stress der Elternfamilie noch eine Woche weiter, bis die ca. 12 mm großen "Bücklies" über der Bruthöhle herumschwirrten. Noch ein paar Tage musste der Buckelmann warten, bevor er seine Kinder stolz im Aquarium herumführte, aber eine Viertelstunde bevor das Licht ausgeht, waren sie wieder alle in der Höhle gebettet.
Wenn man die Elterntiere vorher an Futtertabletten gewöhnt hat, kann man beobachten, dass ein Elternteil sich eine Tablette schnappt, im Maul zermalmt und den Jungen in das Nest spuckt, so kann man völlig auf Artemias oder andere Futtermittel verzichten. Auch mit Grünfuttertabletten wachsen viele Jungtiere schnell heran, wobei ich sagen kann, dass das Füttern mit Grünfuttertabletten nicht nur kostengünstiger ist, sondern auch, dass ich damit mehr Erfolg bei Buckelkopfbuntbarschen habe.

Ich bin überzeugt, dass ich mit diesem Bericht einige Aquarianer anregen konnte, diesen Cichliden auch mal in ihrem Aquarium zu halten oder zu züchten. Es wäre wirklich traurig, wenn sich dieser Fisch weiterhin nur bei "Genießern" finden lassen würde.

Wer den Buckelkopfbuntbarsch auch in seinem Aquarium schwimmen sehen oder sein Brutpflegeverhalten beobachten möchte, vielleicht auch noch andere Informationen über ihn haben will, kann mich gerne anrufen oder an unserem Börsenstand vorbeischauen.

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Iven Donnerstag, 22 Juni 2017 16:22 gepostet von Iven

    Ich kann mich dem Autor nur anschliessen. Es sind sehr interessante Fische, die zwar nicht bunt sind aber durch ihr Verhalten und die schönen blauen Augen dafür mehr als entschädigen!

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