Weihnachten ist ja ein Fest, das sich anfühlt, als hätte jemand Besinnlichkeit in eine Schneekugel gepackt, kräftig geschüttelt und dann vergessen, dass irgendwo noch Punsch mit Rum steht. In diesem Zustand treffen Menschen Entscheidungen, die man sonst nur trifft, wenn man versucht, IKEA-Möbel ohne Anleitung aufzubauen.
Zum Beispiel:
Sie kaufen Fische als Weihnachtsgeschenk.
Ein Fisch.
Ein Wesen, das still ist, elegant, weise – und exakt dieselbe Mimik hat wie jemand, der sich damit abgefunden hat, dass nichts im Leben jemals Sinn ergeben wird.
Ein stiller Philosoph im Schuppenkleid.
Und dann sitzt dieser kleine Aquarien-Buddha unter dem Weihnachtsbaum.
Zwischen Lametta und Tannennadeln.
Umgeben von Menschen, die so tun, als hätten sie ein sinnvolles Geschenk gemacht, obwohl sie wissen, dass sie im Grunde gerade „eine Verantwortung auf Wasserbasis“ verschenkt haben.
Philosophisch betrachtet ist ein Fisch das perfekte Symbol für die menschliche Existenz:
Wir alle schwimmen im Kreis, tun so, als wüssten wir, wo’s hingeht, und sobald jemand das Licht anmacht, erschrecken wir uns kollektiv zu Tode.
Also warum… WARUM… kommt irgendwer auf den Gedanken:
„Das schenken wir einem Kind! Das wird JETZT für immer sein Freund!“
Ja klar.
Und ich bin der Dalai Lama im Kapuzenpulli.
Fische zu verschenken ist eine Handlung, die so absurd ist, dass man sie eigentlich in Museen ausstellen müsste:
„Evolutionäre Fehlgriffe der Menschheit – Abteilung: Aquatische Kurzschlussreaktionen.“
Und dann diese Aquarien!
Diese kleinen, glitzernden Glaswürfel der Verzweiflung, in denen ein Fisch lebt wie ein introvertierter Büroangestellter im Großraumbüro:
Ständig sichtbar, ständig beobachtet, null Rückzugsmöglichkeiten.
Man könnte fast meinen, eine Dekoleuchte hätte mehr Lebensqualität.
Kinder freuen sich übrigens exakt 90 Minuten über einen Fisch.
Danach verliert der Fisch im Beliebtheitswettbewerb gegen ALLES.
Sogar gegen die Fernbedienung.
SOGAR gegen Staub.
Und dann beginnt die große weihnachtliche Erkenntnisreise:
Dass ein Aquarium KEIN Geschenk ist.
Sondern eine Metapher.
Eine Metapher für Verantwortung, Routine, Fehleranfälligkeit, Wasserchemie und die kosmische Wahrheit, dass nichts stabil bleibt, wenn man nicht ständig daran herumoptimiert.
Kurz: Ein Aquarium ist das Leben – nur nass.
Aber jetzt kommt’s.
Jetzt wird’s weise:
Wenn Sie wirklich etwas verschenken wollen, das Freude bringt, aber nicht leidet, wenn man es mal vergisst – verschenken Sie ein Stofftier.
Ein Stofftier fragt nicht nach pH-Werten.
Ein Stofftier schwimmt nicht im Kreis und denkt über seine Existenz nach.
Ein Stofftier verzeiht.
Ein Stofftier schaut niemandem vorwurfsvoll nach, wenn es nicht gefüttert wird.
Oder besser noch:
Spenden Sie etwas ans Tierheim.
Dort sitzen Tiere, die echte Geschichten haben.
Die wissen, was Einsamkeit ist.
Die wissen, was Hoffnung ist.
Und die kein Plastikschloss brauchen, um sich vor der Realität zu verstecken.
Wenn wir ehrlich sind:
Wir alle wollen an Weihnachten doch eigentlich nur Sinn.
Oder wenigstens eine kleine Spur davon.
Und den findet man eher im Tierheim als in einem Aquarium neben der Playstation.
Fazit – philosophisch fein abgeschmeckt:
Ein Fisch ist kein Geschenk.
Ein Fisch ist eine Lebensaufgabe in einem Glaswürfel.
Ein zappelnder Beweis dafür, dass Menschen unter Glühwein-Einfluss Entscheidungen treffen sollten, die weniger… atmen.
Also:
Wählt Stofftiere.
Wählt Tierheime.
Wählt Sinn.
Und lasst die Fische, diese stillen kleinen Wasserdenker, einfach da, wo sie hingehören:
Im Wasser.
Nicht unterm Baum.