Da stehe ich also. Aquarienabteilung. Samstag. Nieselregen im Herzen. Und vor mir: das Dekoregal.
Und was mich da anguckt, ist nicht etwa Natur. Nee. Das ist… ein Paralleluniversum, in dem Poseidon offenbar bei einem Bastelbedarf-Räumungsverkauf Amok gelaufen ist.
Plastik.
Überall Plastik.
Burgen.
Taucher mit Gesichtsausdruck wie frisch gekündigt.
Steine… aus Plastik.
HOLZ… AUS PLASTIK.
Ich stand da und dachte kurz: Entweder hab ich einen Schlaganfall oder das ist ernst gemeint. Spoiler: Es ist ernst gemeint. Und es ist schlimmer als jeder Tatort am Sonntag.
„Natürliches Habitat“, steht da.
Ja klar. Wenn du ein Guppy bist, der heimlich in einer Playmobil-Dystopie lebt und abends mit ’nem Plastikritter ein Bier trinkt.
Und dann… sehe ich es.
Ein AT-AT.
Mitten zwischen „Romantische Wasserburg“ und „Zen-Garten Deluxe mit Buddha, der aussieht, als hätte er eine Steuerprüfung verloren“.
Ein verdammter AT-AT.
Ich meine… was kommt als Nächstes?
Darth Vader mit Blubberstein?
„Ich finde deinen Mangel an Sauerstoff… verstörend.“
Da fehlt wirklich nur noch Lego.
So richtig.
„Heute bauen wir: Korallenriff, inklusive Hai mit Karies und einer Schatztruhe, die aussieht wie ein Kaugummiautomat.“
Und irgendwo sitzt ein Marketingmensch und denkt sich:
„Weißte, was Fische brauchen? Mehr Markenkooperationen.“
JA, GENAU.
Weil ein Skalar morgens aufwacht und denkt:
„Boah, heute fühl ich mich wie Endlevel bei Star Wars.“
Ich steh da, guck mir dieses Plastikholz an und denk mir:
Das ist kein Holz.
Das ist ein Baum, der nach dem Tod noch beleidigt wurde.
Bei mir zu Hause:
Holz. Echtes Holz. Hat mal im Wind gestanden, nicht im Regal bei 12,99.
Steine. Die nicht klingen wie Tupperware, wenn man sie antippt.
Mooskugeln. Diese kleinen grünen Omas, die einfach existieren und niemanden nerven.
Und echte Pflanzen.
PFLANZEN.
Nicht dieses Plastikgrün, das aussieht, als hätte jemand Brokkoli aus Frust laminiert.
Und Kies. Echter Kies.
Kein neonfarbener Konfetti-Schotter, bei dem selbst die Garnelen sagen:
„Ey, Bruder… ich bin ja tolerant, aber das hier ist geschmackliche Körperverletzung.“
Stell dir vor, du bist ein Fisch.
Du ziehst ein in dein neues Zuhause.
Drehst dich einmal im Kreis.
Und da steht ein AT-AT.
Da kriegst du doch direkt Existenzkrise.
„Bin ich ein Fisch… oder Teil eines schlecht bezahlten Fanfilms?“
Und irgendwo klopft so ein Plastiktaucher von innen gegen die Scheibe und sieht aus, als hätte er schon alles aufgegeben.
Ich hab dann dieses Regal verlassen. Langsam.
So wie man einen Ort verlässt, an dem man Dinge gesehen hat, die man nicht mehr vergessen kann.
Zu Hause hab ich erstmal meine Steine angeguckt.
Ganz normale Steine.
Keine Lizenz.
Keine Storyline.
Kein Merchandise.
Einfach nur… Ruhe.
Und irgendwo in der Aquarienabteilung steht immer noch dieser AT-AT.
Und wartet.
Auf den ersten Fisch, der sich denkt:
„Weißte was? Ich geh einfach in den Filter. Ist weniger absurd.“