Aquaristik – Wenn Wasser zum Kriegsschauplatz wird

Und diese Aquaristik ist kein Hobby. Es ist ein Glaubenskrieg. Wer’s nicht glaubt, soll mal auf ein Forum schauen, wenn einer fragt: „Afrikanische Buntbarsche oder Amazonas-Besatz?“ – Die Kommentarspalten lesen sich wie Nahost-Konflikt in Flossenform.

Die Afrikaner-Fraktion: Malawisee, Tanganjikasee – bunte Fische, die aussehen, als hätten sie alle gleichzeitig LSD genommen. Diese Halter sind überzeugt: „Echte Männer halten Barsche aus Afrika.“ Ihre Aquarien sehen aus wie Kiesgruben mit Steinhaufen. Wenn man ehrlich ist: Wie die Abteilung „Gartendeko“ bei Obi – nur mit Fischen drin, die sich permanent kloppen, weil irgendein Stein zwei Zentimeter zu weit links liegt.

Auf der anderen Seite: die Amazonas-Romantiker. Die bauen ihren Fischen einen Regenwald fürs Wohnzimmer: Treibholz, Blätter, braunes Wasser – alles soll „biotopgetreu“ sein. Klingt poetisch, sieht aber aus wie eine Tasse Kaffee, in die jemand eine tote Pflanze geworfen hat. Und da schwimmen dann Diskusfische drin – die Supermodels unter den Fischen: schön, teuer, und ständig kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Treffen diese beiden Lager aufeinander, wird’s herrlich:

  • Afrikaner-Halter: „Was willst du mit deinem Drecksbrühe-Becken? Man sieht ja nix!“
  • Amazonas-Halter: „Ach, und deine Steinwüste ist ein Kunstwerk, oder was?“
  • Afrikaner: „Meine Barsche haben Charakter!“
  • Amazonas: „Meine Diskus haben Seele!“
    Ja. Seele. Im Ernst: Es sind Fische. Die größte Entscheidung, die sie im Leben treffen, ist: „Esse ich die Flocke oder nicht?“

Und dann die Anekdoten:
Neulich erzählt mir ein Afrikaner-Halter ganz stolz: „Meine Barsche haben wieder gelaicht, auf dem Stein hinten links!“ – Ich gucke in sein Becken: drei Kilo Gestein übereinandergeschichtet wie ein schlechtes Jenga-Spiel. Ganz ehrlich: wenn ich in so einer Steinwüste wohnen würde, würd ich auch aus purer Langeweile Eier legen.

Oder die Amazonas-Fraktion: Ein Bekannter schwört, sein Diskus erkennt ihn. Der Fisch schwimmt jedes Mal an die Frontscheibe, wenn er ins Zimmer kommt. Großes Geheimnis: der Typ kommt immer exakt um 18 Uhr, wenn’s Futter gibt. Klar erkennt ihn der Fisch – er sieht einen ambulanten Lieferdienst mit zwei Händen.

Legendär ist auch der Wasserwechsel. Ein Freund von mir mit Tanganjika-Barschen schwört, das sei „Zen für die Seele“. Ich sehe ihn mit einem Gartenschlauch im Wohnzimmer, während die Hälfte des Wassers Richtung Dreifachsteckdose läuft. Zen, klar. Wenn man Stromschläge für Meditation hält.

Foren-Streits! Da diskutieren Leute mit der Leidenschaft von Mittelalter-Rittern über die richtige Karbonathärte. Einmal las ich: „Wer Amazonasfische in Leitungswasser hält, gehört eingesperrt!“ – geschrieben von jemandem, der ernsthaft drei Heizstäbe im Wohnzimmer betreibt und sich wundert, warum seine Stromrechnung so hoch ist.

Mein Resümee: Aquaristik ist ein Hobby, bei dem Erwachsene stundenlang Wasserwerte vergleichen, um sich dann in Foren gegenseitig zu beleidigen. Afrikaner oder Amazonas? Egal. Am Ende starren sie beide hypnotisiert ins Becken und denken: „Das ist Natur pur.“ – während hinter ihnen die Ehe zerbricht, weil schon wieder 300 Euro für eine Pumpe draufgegangen sind.

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