Aquaristik. Klingt erstmal edel, oder? So, als würde man mit Kognakschwenker vorm Aquarium sitzen und den Fischen Goethe vorlesen. In Wahrheit sitzt man im Jogger auf’m Teppichboden und diskutiert mit sich selbst, ob der Guppy jetzt komisch schwimmt oder ob er einfach nur… naja… Guppy ist.
Und es fängt immer gleich an: Man will EIN Aquarium. Nur eins! Ein kleines, so mit zwei Fischen, bisschen Wasserpflanzen. Zack – drei Monate später: Dein Wohnzimmer sieht aus wie Sea Life Oberhausen auf LSD. Und du selbst rennst mit einem Wassertestkoffer durch die Gegend, der aussieht wie Breaking Bad für Anfänger.
Dann diese YouTube-Videos. 45 Minuten über Mooskugeln. Mooskugeln! Ich dachte, das Zeug kratzt man von der Dachrinne. Heute weiß ich: Moos ist ein Lebewesen. Mit Gefühlen. Und vermutlich auch mit einem eigenen TikTok-Kanal.
Natürlich rede ich auch mit anderen Aquarianern. Ganz harmlos, denkt man. „Welchen Filter hast du?“ – „Eigenbau.“ – „Eigenbau? Respekt!“
Zehn Minuten später stehst du in einem Streit, ob das Leitungswasser in Bottrop mehr Karbonathärte hat als in Wanne-Eickel. Ganz ehrlich: Das ist so sexy wie ein Steuerseminar – nur dass nebenbei was blubbert.
Irgendwann dachte ich: Jetzt packste’s an. Bauste dir den Filter selber. Ich hab ja Ahnung vom Konstruieren. CAD angeschmissen, Pläne gezeichnet. Ergebnis? Sieht aus, als könnte man damit entweder Fische filtern… oder Zeitreisen. NASA würde sagen: „Bruder, mach’s lieber nicht.“
Aber dann kommt die Realität. Alltag. Job. To-do-Listen, die länger wachsen als die Algen im Aquarium. Du klebst Rohre zusammen, und plötzlich tropft’s durchs Regal. Und du denkst: „Super. Wollte ein Aquarium optimieren – jetzt hab ich ’nen Teich im Wohnzimmer.“
Und die Rückschläge! Algen, die aussehen, als hättest du Shrek in warmem Wasser eingeweicht. Oder diese berühmten weißen Punkte an den Fischen, bei denen du nachts um drei bei Google sitzt: „Fischpocken oder… Akne?“
Aber es gibt auch die Momente. Pflanzen wachsen. Fische kriegen Nachwuchs. Du schaltest das Licht an – und es sieht aus wie ein tropisches Paradies. Nur… halt mit deiner Wohnzimmerlampe von Ikea drüber.
Aquaristik ist wie das Leben. Chaotisch. Voller Pläne, die nie so funktionieren. Aber irgendwie schön. Und irgendwann läuft der Filter. Dann sitzt du davor, die Fische gucken dich an, du guckst zurück… und für eine halbe Stunde ist alles gut.
Bis jemand ruft: „Sag mal… warum tropft’s im Wohnzimmer?“