Ich hab ja schon Aquarien gehabt, da war das modernste Gerät im Becken ein Heizstab, der aussah wie ein Tauchsieder aus der DDR-Kantine. Und der hat auch ungefähr so zuverlässig gearbeitet.
Aber es lief.
Fische drin.
Pflanzen drin.
Wasser drin.
Mehr brauchte man nicht.
Heute erzählt mir so ein Jungspund im Laden:
„In Zukunft steuert die KI dein Aquarium.“
Da hab ich gesagt:
„Junge, ich trau ja nicht mal meinem Außenfilter.“
Und jetzt soll ein Computer entscheiden, ob meine Fische Hunger haben?
Die Zukunft sieht nämlich so aus:
Du hast kein Aquarium mehr.
Du hast eine Aquarium-App.
Das Becken steht irgendwo im Wohnzimmer und sieht aus wie ein Designer-Kühlschrank. Ohne Knöpfe. Ohne Schlauch. Ohne Spaß.
Und dein Handy piept den ganzen Tag.
Ping.
„Der Guppy denkt über seine Lebensziele nach.“
Was soll ich denn damit?
Soll ich mich daneben setzen und sagen:
„Horst, hör auf zu grübeln, schwimm einfach weiter.“
Früher war Aquaristik simpel.
Man hat gefüttert.
Zu viel.
Dann hat man Wasser gewechselt.
Zu wenig.
Und irgendwie hat es trotzdem funktioniert.
Heute misst das Aquarium alles.
Nitrat.
Nitrit.
Phosphat.
pH-Wert.
Wasserhärte.
Wenn das so weitergeht, misst das Ding bald auch, ob der Wels schlecht geschlafen hat.
Und irgendwo sitzt dieser innere Monk im Kopf.
Der sagt:
„Der Stein liegt schief.“
Der Stein liegt übrigens nie schief.
Der liegt einfach da, wo der Fisch ihn gestern hingeschoben hat.
Aber der Monk sieht das anders.
Der steht dann nachts um halb eins im Wohnzimmer und richtet einen Kieselstein aus, als würde er die Pyramiden von Gizeh bauen.
Meine Frau hat mich einmal erwischt.
Ich stand mit einer Pinzette vor dem Aquarium und habe eine Pflanze zwei Millimeter nach links geschoben.
Sie sagt:
„Was machst du da?“
Ich sage:
„Das muss so.“
Sie sagt:
„Du bist komplett bescheuert.“
Und wissen Sie was?
Sie hat nicht ganz unrecht.
In der Zukunft wird das alles noch schlimmer.
Da macht das Aquarium alles selbst.
Es füttert.
Es düngt.
Es wechselt Wasser.
Der Aquarianer sitzt nur noch davor.
Wie ein Rentner vor einer Baustelle.
Arme auf dem Rücken verschränkt.
Und murmelt:
„Früher hab ich das alles selber gemacht.“
Und die KI sagt dann wahrscheinlich:
„Bitte greifen Sie nicht ins System ein.“
Ich greif ins System ein, mein Freund.
Wenn ich einen Stein verrücken will, dann verrück ich einen Stein.
Nicht alles muss man dieser KI überlassen. Wirklich nicht.
Nachher entscheidet die noch, dass der Antennenwels vegan lebt.
Und dann sitzt der Wels da und knabbert traurig am Javamoos.
Nee.
Ich sag Ihnen, wie die Zukunft der Aquaristik wirklich aussieht.
Es wird zwei Sorten Aquarianer geben.
Die einen sitzen mit Tablet vor ihrem Becken und analysieren Diagramme.
„Der Nitratwert ist heute 0,2 gestiegen.“
Die anderen stehen im Wohnzimmer mit einem Eimer.
Der Schlauch tropft.
Der Teppich wird nass.
Die Katze sitzt davor und überlegt ernsthaft, ob sie jetzt Angeln lernen sollte.
Und irgendwo im Becken sitzt eine Schnecke mitten auf der schönsten Pflanze und denkt sich:
„Mir doch egal.“
Der innere Monk zuckt kurz.
Ganz kurz.
Dann lässt er es bleiben.
Weil selbst der Monk irgendwann kapiert:
Ein Aquarium ist kein Labor.
Es ist ein Haufen Wasser mit ein paar Fischen drin, die sich einen feuchten Kehricht um unsere Pläne scheren.
Und genau deshalb sitzen wir seit Jahrzehnten davor.
Und glotzen rein.
Wie die Bekloppten.
Und finden es großartig.