Aquaristik & Fertig – Die Kolumne, bei der schon das Lesen nach Wasserwechsel riecht

Aquaristik klingt für Außenstehende immer wie ein harmonisches, ruhiges, spirituell bereicherndes Hobby. So eine Art Unterwasser-Meditation. Kleine Fische, sanftes Geplätscher, ein bisschen Zen, vielleicht eine Duftkerze.

Ja. Genau.
Und Einhörner sind eigentlich nur pummelige Pferde mit Klebedekoration.

In Wahrheit ist Aquaristik eine Mischung aus Chaosphysik, spontaner Selbstverzweiflung und flüssigem Slapstick – und genau deshalb wollte ich irgendwann darüberschreiben. Und zwar nicht so, wie andere das machen. Denn die meisten „Berichte“ (ich nenne sie jetzt mal Berichte und nicht mehrseitige chemische Abhandlungen in grauer Schriftfarbe) waren so trocken, dass ich dachte, wenn ich das lese, wachsen mir Stacheldraht und Sandpapier aus der Seele.

Und da hatte ich diese Idee:
Ich bringe meine Gedanken einfach selbst zu Papier.
Ist heute ja selten geworden. Heutzutage erzählen Leute alles lieber in dreißigsekündigen TikTok-Videos mit Glitzerfilter, Herzaugen-Emoji und Musik, die klingt, als würde ein Roboter gerade seinen ersten Kaffee trinken.

Nur ich nicht. TikTok ist mir zu kitschig, zu schnell, zu laut, zu… tanzend.
Und vor allem: Wenn ich beim Wasserwechsel tanze, rutschen meine Aquarien durch die Wohnung.
Also: Nein.

Außerdem unterstütze ich mit meinen Kolumnen auch den Verein – und das geht nun mal oldschool am besten. Papier, Tinte, Kaffee und die vage Hoffnung, dass nichts davon ins Aquarium kippt. Und was soll ich sagen?

Es funktioniert.
erschreckenderweise.

Und jedes Mal, wenn ich dasitze und schreibe, lande ich gedanklich wieder vor meinen echten Aquarien – ja, Plural, denn fangen wir bitte gar nicht erst mit „Ich will nur EIN Aquarium“ an. Das ist wie „Ich esse nur einen Keks“.
Lüge.
Gigantische Lüge.

Meine Aquarien sind eine Art Unterwassercircus mit Tendenzen zur Revolution. Wenn das linke Becken friedlich ist, rastet das rechte komplett aus. Wenn das rechte, ruhig ist, beschließt das mittlere, spontan Algen zu vermehren wie ein Start-up, das plötzlich Fördergelder bekommen hat.

Und ich? Ich denke jeden Morgen:
„Heute bleibe ich trocken.“
Und fünf Sekunden später stehe ich da mit einem Arm im Becken, dem anderen im falschen Eimer, knie in einer Pfütze, habe Moos im Haar und versuche herauszufinden, warum ausgerechnet hinter mir plötzlich Wasser gluckert.

Die Fische schwimmen in allen Becken herum, beobachten mich und denken garantiert:
„Ah. Der Mensch macht wieder seltsame Bewegungen. Vielleicht stirbt er. Vielleicht gibt’s Futter. Mal sehen.“

Und dann kommen DIE Ideen. Die gefährlichen. Die „Ich mach das mal eben schnell“-Ideen.

Mein Gehirn, völlig ohne Anstand:
„Bau alle Becken um. Komplett. Jetzt. Ohne Plan. Wer braucht schon Schlaf oder Stabilität?“
Und ich, offensichtlich beeinflussbar:
„…ja.“

Dann stehe ich nachts um zwei mit einer Stirnlampe da – weil es IMMER eine Stirnlampe wird –, halte mit der einen Hand einen Stein, mit der anderen eine Wurzel, die eigentlich nicht sinken will, während irgendwo der Heizstab „plopp“ sagt und ich nicht weiß, aus welchem Aquarium überhaupt dieses Geräusch kommt.

In solchen Momenten lernt man Demut. Und Dehydration, weil man den Kaffee im Chaos ständig vergisst.

Aber das Schönste?
Wenn am Ende doch alles irgendwie gut aussieht.
Wenn alle drei Aquarien gleichzeitig so tun, als wären sie brav.
Wenn sie leuchten, blubbern und glitzern wie reine Perfektion…

Dann denke ich:
„Oh. Schön.“

Für exakt drei Sekunden.

Dann kommt wieder dieser Gedanke:
„Vielleicht sollte ich ja… nur ganz wenig… äh… was ändern?“

Und zack – Ärmel nass.
Natürlich.
Immer.
Gesetz der Aquarianer Physik.

Und genau deshalb schreibe ich. Oldschool.
Mit Humor, Chaos und Kaffee.
Für den Verein, für die Leser – und um zu beweisen:

Man kann die Aquaristik auch feiern, ohne selbst völlig auszutrocknen.
Das übernimmt ja das Becken.

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