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VII. Fishlight

September 1999

Inhaltsverzeichnis

  • Aquarienclub Braunschweig e.V.
  • Lebendgebärende Zahnkarpfen
  • Cryptocorynen – hübsche, einfach zu pflegende Aquarienpflanzen ?
  • Zierfische im Gartenteich?!
  • Haltung und Zucht: Leopard-Fiederbartwels (Synodontis multipunctatus)
  • Kleinanzeigen

  • Liebe Leserin, lieber Leser,
    wie Sie sicherlich schon am Impressum gesehen haben, gab es im Vorstand des Aquarienclubs personelle Veränderungen. Helmut Reinsch, der den Verein vor vier Jahren gegründet hat, ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Er hat mit seinem Engagement und seinen Ideen den Verein zu dem gemacht, was er heute ist: Ein aktiver Verein mit über 40 Mitgliedern, einem eigenen Vereinsmagazin, vielen Veranstaltungen und drei Zierfischbörsen jährlich. Ihm einen herzlichen Dank vom Vorstand und allen Mitgliedern.Der neue Vorstand, bestehend aus Jörg Hauschild (1. Vorsitzender), Kai A. Quante (2. Vorsitzender), Hans-Peter Kemnitz (Kassierer) und Lawrence Kemnitz (Schriftführer), wird versuchen, den Verein zusammen mit seinen Mitgliedern in Helmuts Sinne weiter voran zu bringen.
    Es hat sich seit dem Führungswechsel auch schon einiges verändert.
    Die Vereinsabende an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat um 20:00 Uhr finden nun im Waggumer Weghaus am Flughafen Waggum statt.
    Der Verein ist inzwischen mit einer eigenen Domain im Internet präsent. Unter  http://www.aquarienclub.de erfahren Sie alles über den Verein, Termine von Veranstaltungen, Kleinanzeigen und Adressen des Vorstandes. Sie können dort auch alle bisher erschienenen aquaristische Artikel des Fishlights nachlesen. Natürlich ist auch der Verein unter info@aquarienclub.de und die Vorstandsmitglieder per Email erreichbar.
    Sie können sich denken, daß unsere Vereinszeitschrift und die Internet-Präsenz auch Geld kostet. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal unseren Sponsoren danken, die diese Aktivitäten durch ihre finanzielle Unterstützung erst möglich machen. Wenn auch Sie etwas Geld für einen gemeinnützigen Verein übrig haben, dann sprechen Sie eins unserer Vereinsmitglieder an und treten bald als Sponsor im Vereinsheft und/oder im Internet auf.
    Wenn sie mit anderen Aquarianern fachsimpeln wollen, Informationen zu unserem Hobby suchen oder sich mit Gleichgesinnten treffen möchten, dann werden Sie doch Mitglied im Aquarienclub. Melden Sie sich einfach bei einem der genannten Vorstandsmitglieder oder schauen mal bei einer Vereinsveranstaltung vorbei.
    Kai A. Quante (2. Vorsitzender)
    Tel./Fax: 05309 / 2024

    Lebendgebärende Zahnkarpfen

    Guppy Männchen
     
    Dieser Bericht handelt von den Lebendgebärenden Zahnkarpfen, die wohl schon jeder Aquarianer einmal gehalten hat. Sie werden oft als Anfängerfische bevorzugt, da sie wenig Ansprüche an die Wasserbeschaffenheit stellen und auch einige kleine Anfangsfehler verkraften. Die Fütterung ist ebenfalls sehr problemlos, da von den meisten normales Flockenfutter genommen wird. Die bekanntesten Lebendgebärenden sind zweifelsohne Platys, Guppys, Black Mollys und Schwertträger.
    Die lebendgebärenden Zahnkarpfen tragen die befruchteten Eier bis zur vollkommenen Entwicklung im Mutterleib, was den Vorteil hat, daß die Eier, und später die Larven, vor Freßfeinden geschützt sind. Dies ist auch der Grund, warum lebengebärende Zahnkarpfen im Verhältnis zu Eierlegern wenige Eier produzieren. Es sind zur Arterhaltung weniger Jungfische nötig, da diese schon vollkommen entwickelt den Mutterleib verlassen und sofort in Verstecke flüchten können. So bringen die meisten Lebendgebärenden nur 20-40 Jungfische, einige wenige Arten bis zu 150 Jungfische.
    In der Natur sind Lebendgebärende in jedem Gewässertyp zu finden. Man wird in den Vorkommensgebieten in Bächen und Flüssen ebenso wie in Seen diese Fische antreffen. Einige Arten der Lebendgebärenden können sogar in Brack- und Seewasser angetroffen werden. Sie bevorzugen jedoch die Süßwasserregionen. Dies zeigt, wie anpassungsfähig diese Gattung ist.
    Normalerweise findet man Lebendgebärende im Schwarm an, im Aquarium werden sie jedoch meist als Pärchen gehalten. Es wäre empfehlenswert, wenn man ein Männchen mit mehreren Weibchen hält. Ideal ist ein Verhältnis von 2-5 Weibchen auf ein Männchen.
    Die Einrichtung der Aquarien sollte viele Pflanzen enthalten, um den Jungfischen Versteckmöglichkeiten zu bieten. Im Vordergrund sollte freier Schwimmraum sein. An die Filterung werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Das Wasser muß nicht besonders stark gefiltert werden, sollte aber trotzdem saubergehalten werden. Besonders bei Guppies empfiehlt es sich, regelmäßig einen Wasserwechsel durchzuführen, da manche Guppys durch Inzucht anfälliger auf Krankheiten sind. Dies gilt natürlich auch für Inzuchten anderer Fischarten.
    Bei der Vergesellschaftung ist darauf zu achten, daß sich Platys und Schwertträger untereinander vermehren können und diese Kreuzungen nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Lebendgebärende sind, abgesehen davon, mit Salmlern, Barben, Welsen und Zwergbuntbarschen problemlos zu vergesellschaften.
    Im Aquarium ist es sehr leicht, Nachwuchs von Lebendgebärenden zu bekommen. Zur Nachzucht muß nichts weiter getan werden, als einige Fische in ein Aquarium zu setzten. Meist bekommt man schon nach einigen Tagen Nachwuchs, da die Weibchen schon beim vorigen Hälter befruchtet worden sind. Die Jungfische verlassen normalerweise nach ca. 4 Wochen den Mutterleib. Man kann also davon ausgehen, daß man ungefähr alle 4 Wochen neue Jungfische bekommt. Werden diese Jungfische in ein Aufzuchtbecken überführt, wachsen sie rasch heran. Gefüttert werden kann mit Trockenfutter, besonders schnell wachsen die Fische jedoch mit Artemias, feinem Gefrierfutter und anderem kleinen Lebendfutter. Füttert man viel Lebendfutter, erzielt man auch eine besonders gut ausgeprägte Farbe der Fische und meist auch eine beträchtliche Größe der ausgewachsenen Nachzuchttiere.
    Lebendgebärende sind am besten bei einem pH-Wert von 7,0-8,5 zu halten, der dGH-Wert sollte zwischen 10 und 30° liegen. Beckengrößen von 40 cm aufwärts können sowohl zur Haltung, als auch zur Zucht verwendet werden.

    Nachdem ich etwas allgemeines über die lebendgebärenden Zahnkarpfen geschrieben habe, will ich jetzt einige Arten im Speziellen vorstellen:

    Der Black Molly sollte bei ca. 26° C gehalten werden und verlangt eine Härte von 11-30°, wobei es vorteilhafter ist, höhere Härtegrade zu verwenden. Er ist ein wenig anfälliger auf Krankheiten, als seine „Artgenossen“, dies stellt jedoch kein Problem dar, wenn er sich erst einmal eingelebt hat.

    Der Segelkärpfling spricht besonders wegen seiner hohen Rückenflosse und bei der Wildform wegen der bunten Zeichnung an. Dieser Fisch erfordert einen hohen Härtegrad und sollte bei ca. 28° C gehalten werden. Dieser Fisch kommt in der Natur auch im Salzwasser vor. Die Jungfischanzahl beträgt 50-120 Stück, wobei die Elterntiere ihren Jungen nachstellen. Für die Aufzucht der Jungfische ist es jedoch nötig hohe und große Becken zu besitzen, damit der Nachwuchs die hohe Rückenflosse ausbildet. Die Jungfische sind außerdem sehr anfällig auf Krankheiten und wachsen langsam. Auch die ansprechende Farbe wird erst spät angenommen.

    Der Schwertträger ist heute in vielen verschiedenen Farb- und Flossenformen zu erhalten. Er ist besonders anspruchslos an die Wasserqualität. Die Eltern stellen jedoch ihren Jungen nach. Neue Farbvarianten werden immer wieder durch Kreuzung von verschiedenen Farbformen erzielt, wobei beim Schwertträger auch noch verschiedene Flossenformen, wie zum Beispiel der Simpson-Schwertträger oder der Doppel-Schwertträger zustande gekommen sind.

    Verschiedene Farb- und Flossenformen kommen auch beim Platy zustande. Neben vielen Mischformen sind auch gelegentlich auch noch rein Korallen- und Wagtail-Platys erhältlich. Die Inzucht hat aber leider dazu geführt, daß die Fische immer kleiner und blasser in der Farbe werden. Man sollte sich also um den Erhalt der kräftigen Farben bemühen, dies jedoch ohne Inzucht.

    Zum Guppy ist zu sagen, daß er wahrscheinlich der Fisch ist, mit dem am meisten Experimente um die Farb- und Flossenmanipulation getrieben werden. Der Wildguppy weist keinesfalls diese Farbenvielfalt auf. In der Natur ist es wichtiger, schlichte Farben und kleinere Flossen zu besitzen, um nicht Freßfeinden zum Opfer zu fallen. Der Guppy ist außerdem für seine üppige Vermehrung bekannt, deshalb trägt er auch den Namen „Millionenfisch“. Bei Guppys ist darauf zu achten, daß sie nicht mit Kampffischen vergesellschaftet werden, da diese die Flossen der Guppy-Männchen anfressen.

    Ein weniger bekannter Aquarienfisch ist der Metallkärpfling, Girardinus metallicus. Dieser Fisch kommt endemisch in Kuba vor. Das Männchen ist ungefähr halb so groß wie das Weibchen und hat ein auffällig großes Gonopodium. Es gibt zwei verschiedene Formen vom Metallkärpfling: Bei der einen Form ist das Männchen gleichmäßig grau gefärbt, bei der anderen ist das Männchen vom Maul bis zum Ende des Gonopodiums schwarz gefärbt. Die Nachkommenschaft beträgt meist 15-20 Tiere, selten mehr, wobei die Eltern ihren Jungen nicht nachstellen. Sie können nebeneinander aufwachsen. Es ist aber unbedingt darauf zu beachten, daß zu einem Männchen mindestens 3 Weibchen gesetzt werden müssen, besser noch mehr, da die Männchen den Weibchen ständig nachstellen.

    Der Zwergkärpfling, Heterandria formosa, ist einer der kleinsten Fische, die es gibt. Interessant ist bei dieser Art, daß sie ihre Jungen über einen Zeitraum von 10-14 Tagen bekommen, wobei nur ein bis zwei Junge geboren werden. Dieser Fisch kann schon in kleinsten Becken gehalten werden und erfordert auch keine übermäßige Filterung. Dichte Bepflanzung, auch mit Javamoos, ist anzuraten. Bei der Vergesellschaftung muß darauf geachtet werden, daß auch nur kleine Fische beigesetzt werden. In unserem ersten Becken haben wir diesen Fisch mit dem Schwarzbarsch, Elasoma evergladei, vergesellschaftet. Leider ist dieser Fisch nur sehr selten zu sehen.

    Der Jamaika-Kärpfling, Limia melanogaster, braucht Algen, um sich wohl zu fühlen. In der Fachliteratur wird auch angegeben, daß dieser Fisch auch Pflanzen anfrißt, was ich allerdings nicht beobachten konnte. Wichtig ist aber auch noch viel freier Schwimmraum, da dies eine sehr lebhafte Fischart ist, die sich „ausschwimmen“ möchte. Die Vermehrung soll nicht sehr schwierig sein, uns ist sie jedoch zu der Zeit, als wir diese Fischart besessen haben nicht gelungen. Dies war allerdings am Anfang unserer Aquaristikgeschichte.

    Abschließend ist zu sagen, daß Lebendgebärende sowohl zum Einstieg in die Aquaristik geeignet sind, als auch für Spezialisten Anreize bieten können, sei es zur Zucht einer besonderen Farb- oder Flossenform oder zur Haltung und Zucht einer selteneren Art, wie zum Beispiel die der drei letztgenannten.

    Literatur:

    Lawrence Kemnitz (Schriftführer)
    Tel.: 05307 / 951864


    Cryptocorynen – hübsche, einfach zu pflegende Aquarienpflanzen ?

    Pflanzenfamilie und Herkunft
    Cryptocorynen gehören zu den Aronstabgewächsen und werden unwissenschaftlich auch Wasserkelche genannt. Bei Aquarienfreunden sind sie häufig durch die gefürchtete Cryptocorynenkrankheit bekannt, die innerhalb weniger Tage komplette Bestände zusammenbrechen läßt. Alle Arten kommen aus Südostasien und sind - wie die meisten Aquarienpflanzen - gar keine Wasserpflanzen. Sie wachsen zwar in Feuchtgebieten, blühen aber nur, wenn sie nicht völlig untergetaucht sind. Sie vertragen aber periodische und dauerhafte Überschwemmungen. Die Pflegeprobleme im Aquarium kann man weitgehend vergessen, wenn man sich auf die einfacheren Arten beschränkt. Diese sind trotzdem sehr hübsch und kommen meist aus Sri Lanka oder Thailand.

    Pflanzen-Angebot und -Auswahl
    Cryptocorynen werden im Handel fast immer in Töpfen angeboten. Dadurch kann man die Wurzeln der Pflanze beim Einkauf schon nicht richtig beurteilen. Sie sind nämlich der wichtigste Teil, weil in ihnen die Kraft für den Wachstumsstart nach dem Umpflanzen steckt. Sie müssen von fester Konsistenz und fast weiß sein und dürfen weder glasig durchscheinen noch eingekürzt sein. Falls sie braune oder schwarze Stellen haben, deutet das auf eine sehr schlechte Anzucht oder Lagerung hin. Mit solchen Pflanzen wird man keine Freude haben.
    Erst in zweiter Linie werden die Blätter beurteilt. Sie sollten auch nicht glasig sein und eine frische Farbe haben. Je nach Art also kräftig grün sein und eine manchmal flächendeckende braune oder rote Maserung besitzen.
    Bei der Auswahl der einzelnen Pflanzen sollte man große (für das Auge) und kleine (wachsen besser und harmonischer) Exemplare mischen.

    Besonders empfehlenswerte Arten sind:
    Crytocoryne x willisii (früher nevillii genannt)
    C. cordata (mit mehreren sehr unterschiedlichen Formen)
    C. beckettii
    C. wendtii (sehr robust)
    C. affinis (auch Haertels Wasserkelch genannt)
    C. crispatula (teilw. nur mit Namen der Unterart „balansae“ im Handel)

    Die Arten sind aufsteigend nach Größe (5 – 30 cm / Extremfall 50 cm) sortiert. Die tatsächliche Größe hängt stark von den Aquarienbedingungen ab.

    Aquarienkultur
    Diese Cryptocorynen wachsen gut in „normalen“ Gesellschaftsbecken mit etwa folgenden Bedingungen:

    Viele Bücher schlagen ca. 10 cm vor. Ich halte das für unnötig oder sogar falsch, da die höhere Mulmmenge mehr Sauerstoff verbraucht.
    Depotdünger im Kies ist nicht erforderlich, wenn das Becken „eingefahren“ ist, da der Mulm für das richtige Klima sorgt. Beim Wasserwechsel kann man jeweils einen Aquariendünger zufügen. Bei sonst guten Bedingungen bringt das aber nur wenig Vorteile.
    Vor dem Setzen der Pflanzen sollte man bedenken, daß sie nicht gern umgepflanzt werden wollen – also den Platz mit Bedacht wählen. Es sieht besser aus, wenn man in Gruppen pflanzt. Die Wurzel werden möglichst nicht eingekürzt - nur beschädigte oder verfaulte Teile sind abzuschneiden.
    Den Wurzelansatz plaziert man ca. 1 cm unter der Kiesoberfläche; die Wurzeln werden strahlenförmig abgespreizt und einzeln tiefer in den Grund gedrückt. Einige Bücher raten dazu, den Wurzelansatz direkt an die Oberfläche zu setzen. Natürlich wachsende Ableger stecken aber immer etwas tiefer im Grund. Oft kann man dieses noch an Farbunterschieden der Blattstiele erkennen.

    Blüte
    Wie schon gesagt, blühen Cryptocorynen im normalen Aquarium leider nicht. Da etliche aber sehr hübsche Blüten haben, sollte man es in einem kleinen Becken oder großem Konservenglas versuchen. Dazu ca. 1 cm gut verrotteten Kompost einfüllen und mit einigen cm Kies abdecken; die Cryptocorynen einpflanzen und vorsichtig mit Wasser befüllen. Da die Pflanzen an Auqarienbedingungen gewöhnt sind, kann das Wasser erst im Verlauf von etlichen Wochen schrittweise abgelassen werden. Das Kiesbett muß natürlich immer richtig naß sein. Zur Steigerung der Luftfeuchtigkeit ist das Becken fast vollständig mit einer Glasscheibe abzudecken. Bester Kulturort ist ein warmes Fenster ohne direkte Sonne.

    Vermehrung
    Ist eigentlich ganz einfach, denn wenn die genannten Arten gut wachsen, treiben sie nach einiger Zeit Ausläufer, die man später abtrennen kann.

    Cryptocorynenkrankheit
    Sie entsteht durch schnelle Veränderung der Bedingungen im Aquarium (pH-Wert, Licht, Nährstoffkonzentration, ...). Besonders die älteren Blätter können sich dann nicht mehr anpassen und sterben ab. Wenn die neuen Bedingungen für die gepflegten Arten trotzdem noch passen, wachsen neue Blätter recht schnell nach. Falls der Pflanzenbestand aber auch schon vorher nur kümmerte, kann das im totalen Zusammenbruch enden. Diese Gefahr ist bei den schwierigen Arten entsprechend größer.
    Auch bei anderen Pflanzengattungen ist es deshalb sinnvoll, sie genau im Wachstum zu beobachten. Selbst gerade verpflanzte Exemplare sollten täglich ein kleines Stück wachsen. Bei Cryptocorynen kann man das morgens besonders gut an dem jüngsten Blatt ablesen, denn das neue Stück ist etwas heller gefärbt. Falls das Wachstum sehr gering ist, muß man die Aquarienbedingungen einzeln verändern und dann wieder mehrere Wochen beobachten. Beim Aufräumen im Aquarium ist es sinnvoll, die stark wachsenden Pflanzenarten entsprechend stärker auszulichten, da sie den schwächeren sonst die Lebensgrundlage entziehen.

    Also testen und beobachten – und nicht alles glauben, was in Büchern steht!

    Internetinfo (englisch) mit Bildern:
    http://www.thekrib.com/Plants/Plants/crypts.html
    http://www.aquatic-gardeners.org
     

    Bernd Dannheim
    Tel. 0531-322980


     

    Zierfische im Gartenteich?!

    Afrikanischer Schmetterlingsbuntbarsch (Anomalochromis thomasi)
     
    Zierfische im Gartenteich – wer so etwas sagt, der spinnt doch wohl. Das ist die häufigste Reaktion auf unser „Experiment“, das wir nun schon seit über drei Jahren durchführen. Ich denke, dass das erst einmal genauer definiert werden muss, um die ganze Angelegenheit besser zu verstehen. Wir meinen natürlich nicht, dass wir einen Diskus im Winter unter der Eisschicht schwimmen lassen, sondern dass wir ein paar robuste, widerstandsfähige und den Witterungsverhältnissen angepasste Zierfischarten in den wärmeren Monaten des Jahres in einen nicht zu großen Gartenteich hinaussetzen. Zu der Größe und dem Aufbau des Teiches möchte ich später noch etwas sagen. Auf keinen Fall darf man die Zierfische zu den Goldfischen oder Kois in den „echten“ Gartenteich setzen.

    Nun aber erst einmal zu den verschiedenen Fischarten, die wir in die „Natur“ entlassen haben:

    Macropode, Macropodus opercularis, oder auch Paradiesfisch genannt. Diese Art hatten wir nur ein Jahr in einem unserer Teiche, da sie sich leider nicht vermehrt hat, jedoch hatte man nach guten vier Monaten und ständigem Lebendfutter durch Anflugnahrung sehr prachtvoll gefärbte und ausgewachsene Macropoden von ungefähr 10 cm Länge, die man in Aquarien wahrscheinlich nie auf so eine Größe bringen können wird. Diese Tiere eignen sich sehr gut zur Zucht, weil die Weibchen einen relativ großen Leichansatz produziert haben, aber auch für das Wohnzimmeraquarium sind diese Fische eine Augenweide.

    Eine andere Zierfischart, die wir im Teich gehalten haben, waren die Kardinalfische, Tanichthys albonubes, die sich im Daueransatz relativ gut vermehrt haben. Nach Ende der “Saison“ konnten wir, wie auch schon bei den Macropoden erwähnt extrem große und gut gefärbte Tiere aus einem verhältnismäßig kleinen Teich fischen. Doch dieses Mal waren auch einige Jungfische mit im Netz. Es waren zwar nicht bersonders viele, aber wenigstens 50 Stück, die schon eine Größe von ungefähr 1cm hatten. Diese wuchsen - ohne Probleme mit dem Wasserumschwung – in unseren Aufzuchtbecken auf eine Größe von ungefähr 3,5-4 cm heran.

    Da wir eine schöne große Zuchtgruppe von Guppys, Poecilia reticulata, haben wollten, setzten wir ca. 40 Stück in ein kleines Plasikbassin, die in diesem recht schnell heranwuchsen und auch schon selber Junge bekommen hatten. Doch was besonders an der Haltung von Guppys im Gartenteich ist, dass sie eine Art schwarzen „Ruß“ auf der Gelbfärbung bekommen, der sich im Aquarium nach ca. einem halben Jahr leider wieder aufgelöst hat. Dies kommt vermutlich von der UV-Strahlung des Sonnenlichtes oder durch das bessere Futter, was nur aus Lebendfutter bestanden hat. Die Nachzuchten besitzen diesen „Ruß“ nicht.

    Noch drei weitere Arten, die wir im Teich hielten, waren die Platys, Xiphophorus maculatus, die Black Mollys, Poecilia sphenops, und die Zebrabärblinge, Brachydanio rerio, die sich leider alle nicht sehr zahlreich vermehrt haben. Auch in der Größe erzielten sie keine neuen Längenrekorde, aber auf jeden Fall sind sie widerstandsfähiger geworden.

    Der größte Erfolg bei der „Zierfischgartenteichhaltung“ waren die Schwertträger, Xiphophorus helleri, die nicht nur auf eine Überlänge von 11cm heranwuchsen, sondern auch ca. 700 Jungfische in einer Saison produzierten. Diese fingen wir in einen extra Jungfischteich, wo sie schnell heranwuchsen und schon im September – beim „Hereinfangen“ – eine Länge von ungefähr 2-3cm hatten. Da es keine reine Farbform war, die wir in den Teich gesetzt hatten, kamen verschiedenste Farbgebungen bei den Jungfischen heraus. Im letzten Jahr setzten wir auch einige Schwarze Doppel-Schwertträger in den Teich, die sich als Zuchtform genauso gut hielt und vermehrte wie die Grünen Schwertträger.

    Wir pflegten aber auch den Schwarzbarsch, Elassoma evergladei, der schon in anderen Fachzeitschriften zur Haltung und Zucht in Teichen empfohlen wurde, da er sozusagen ein „Halbkaltwasserfisch“ ist, denn er verträgt Temperaturen von 6 bis 30 Grad Celsius.

    Die Teiche reichen von einem 100 Liter Plastikbassin für Guppys bis zu 800 Liter Teichen aus Teichfolie mit den Maßen 150*80*60 cm für die Schwerträger. Sie sind mit einer „schilfähnlichen Graspflanze“ bestückt, in die sich die Jungtiere zurückziehen können. Alle oben genannten Fischarten waren Temperaturschwankungen von 8 bis 32 Grad Celsius ausgesetzt und wurden nicht gefüttert. Ihre Nahrung bestand hauptsächlich aus schwarzen Mückenlarven, Wasserflöhen und jeglicher Anflugnahrung. Auffällig zu beobachten war, dass sie ihr Fressverhalten deutlich verändert haben. Sie schwimmen nicht so wie im Aquarium sofort an die Oberfläche, wenn jemand vor diesem steht, sondern sie halten sich im Pflanzendickicht auf und visieren ein Nahrungsobjekt an. Wenn sich nun die richtige Situation ergibt und kein Schatten auf das Wasser fällt, schnellen sie hervor und erschnappen sich die Mückenlarve oder ein anderes Tier. Dieses Verhalten behalten sie im Aquarium eine ganze Zeit lang bei. Alle Teiche werden zum Schutz vor Laub oder fischfressenden Tieren mit einem Netz abgedeckt.

    Die „Zierfischgartenteichsaison“ beginnt im Mai – nach den Nachtfrösten - und endet im September – vor Einbruch der ersten Nachtfröste. Dann wird das Wasser zur Hälfte abgesaugt und die Fische werden gefangen. Um sie an die neuen eher eingeengten Verhältnisse langsam zu gewöhnen, werden sie in Becken ohne Heizstab gehalten. Man sollte den Versuch nicht machen und die Fische über Winter im Zierfischteich lassen.

    Dieses Jahr haben wir schon im April die ersten Zierfische in ein ca. 30 Liter fassendes Vollglasbecken gesetzt. Es waren Kardinalfische, die durch die Kälte zum Laichen angeregt wurden.

    Ich denke, dass jeder, der die Möglichkeiten hat, einmal die „Zierfischgartenteichhaltung“ ausprobieren sollte, da man nicht nur gute Tiere, sondern auch Strom-, Wasser- und Futterkosten sparen kann. Gerade Züchter, die einmal wieder Platzprobleme in ihrer Zuchtanlage haben, können doch das warme Wetter nutzen und einen kleinen Teich im Garten anlegen.

    Ich hoffe, dass ich mit meinem Bericht einige Aquarianer anregen konnte auch einmal etwas anderes auszuprobieren. Wer noch mehr Informationen haben möchte oder jemandem etwas unklar geblieben ist, der kann sich gerne bei mir melden.

    Patrick Kemnitz
    15 Jahre
    Tel./Fax: 05307/951864

    Haltung und Zucht:

    Leopard-Fiederbartwels 

    (Synodontis multipunctatus)

    Leopard-Fiederbartwels (Synodontis multipunctatus)
     
    Im März 1996 erwarb ich bei einem Aquaristik-Händler 10 ausgewachsene ca. 12 cm große Synodontis multipunctatus Wildfänge. Die Art gehört zur Gruppe der Mochokidae (Fiederbartwelse), die zehn Gattungen mit ca 170 beschriebene Arten umfaßt. Die Heimat dieses Welses ist der Tanganjikasee (Ostafrika). Dort lebt diese Art und sieben weitere, unter anderem die etwas kleinere Art Synodontis petricola, mit der er öfters verwechselt wird. Die Art lebt dort endemisch, d.h. es ist das einzige Verbreitungsgebiet. Ich hatte schon mehrfach über die Haltung gelesen, jedoch nie über deren Zucht. Ich vergesellschaftete Sie mit diversen Malawisee-Cichliden, in der Hoffnung, diese immer freßwütigen Welse zu vermehren. Da sie von der Färbung recht auffällig sind, wie der deutsche Name schon sagt, tragen Sie auf silbrig-beigem Untergrund unregelmässig angeordnete schwarze Flecken. Der Bauch ist meist weiß. Jedes Tier hat ein anderes Fleckenmuster, so daß man sie leicht auseinanderhalten kann. Die Weibchen erkennt man leicht an Ihrer Körperfülle, dem Laichansatz. Die Männchen besitzen eine Art 1-2 mm lange Genitalpapille. Weibchen haben an dieser Stelle meist eine leichte Wölbung. Synodontis multipunctatus sind, wenn man sie im Schwarm von fünf oder mehr Tieren hält, ähnlich wie S. petricola nicht nur nachtaktiv, sondern recht muntere Tiere. Sie sollten in meinen Becken die Restevertilgung erledigen. Da sie diese Aufgabe hervoragend ausführen, dachte ich an Zucht, um meine anderen Becken auch zu besetzen. In der Fachliteratur war darüber nichts zu finden. Der Name Kuckuckswels sollte jedoch irgendeine Bewandnis haben.
    Aus der Vogelkunde kommt der Begriff des Brutparasitismus. Das bekannte Beispiel bietet der hierzulande beheimatete Kuckuck. Er läßt seine Eier durch andere Vögel ausbrüten und die Jungvögel von den Adoptiveltern aufziehen. Also vergesellschaftete ich sie mit Aulonocara-, Pseudotropheus- sowie Melanochromis-Arten, alles Maulbrüter. Leider blieb der Erfolg aus. Dies lag jedoch nicht an den Buntbarschen, sondern vielmehr an meiner züchterischen Ungeduld. Es verging mehr als ein Jahr, bis ich bemerkte, daß meine Kuckuckswelse Gruppierungen bildeten und sich für den Laichakt von Maulbrütern interessierten. Immer häufiger störten sie die Maulbrüter beim Laichen. Dabei wurden im Vorbeischwimmen die gerade gelegten, teils unbefruchteten Eier des Maulbrüters in irrer Geschwindigkeit verspeist und die eigenen in das Durcheinander gelegt. Ich habe sicherlich Tage und zum Teil Nächte damit verbracht meine Kuckuckswelse beim Ablaichen zu beobachten, es war mir jedoch nie möglich die Eiablage genau zu verfolgen, weil es so schnell geht. Das Maulbrüter Männchen, welches den ganzen Tag schon krampfhaft versucht sein sich auserkorenes Weibchen in seine  Laichkuhle, welche in tagelanger mühseliger Kleinarbeit angefertigt wurde,  zu locken, wird nun permanent von den ganz aufgeregten Kuckuckswelsen gestört. Alles geht in einer irren Geschwindigkeit. Das eierlegende Maulbrüterweibchen ist so verwirrt, daß es die falschen Eier aufnimmt und zu den vielleicht vorhandenen eigenen in die Schnauze nimmt. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis das Weibchen keine eigenen Eier mehr abgeben kann. Beläßt man die Eier dem Maulbrüterweibchen wird man nach ca. 5-6 Tagen festsstellen, daß der Kehlsack des Weibchen gegenüber früheren Bruten immens anschwillt. Die Kuckuckswels-Eier sind im Gegensatz zu den Maulbrüter-Eiern sehr klein, weshalb sie über einen geringen Nahrungsvorrat verfügen. Dies erklärt, daß von der Maulbrüter Brut, und von den Geschwistern nur wenige überbleiben, denn kleine Kuckucke sind Kannibalen. Ich hatte schon Kuckuckswelse, wo vier Jungtiere ineinandersteckten. Wie heißt es doch so schön :"Den letzten beißen die Hunde. Oder Welse?". Ich empfehle jedem, der Malawi- oder Tanganjikasee-Cichliden hält, Kuckuckswelse zur Vergesellschaftung mit einzusetzen. Zum einen, weil Sie im Schwarm gehalten tagaktiv sind, attraktiv sind und immer Hunger haben, somit alles, was zu Boden fällt, schnell verputzt ist.
    Gierig suchend barteln sie durchs Becken oder schwimmen kopfüber an der Wasseroberfläche und greifen alles, was sie in die Schnauze bekommen. Als ich die ersten Jungtiere hatte, dachte ich sofort an Tennisbälle mit Flossen, weil die Ähnlichkeit der Fülle nicht von der Hand zu weisen ist. Die Tiere wachsen sehr zügig. Innerhalb eines Jahres sind sie, bei guter Fütterung vorausgesetzt, ausgewachsen. Geschlechtsreif sind sie nach ca. 2-3 Jahren. Bei der Vergesellschaftung mit Maulbrütern sollte man nur darauf achten, daß man nicht zu kleine Maulbrüter als Wirtstiere ansetzt, denn die Jungwelse erreichen im Maul durch die Vertilgung der Wirtsbrut und der Geschwister auch leicht Größen von 2 cm. Ist das Maulbrüterweibchen zu klein, kann es sich von dem lästigen Schmarotzer nicht befreien und erstickt unter Umständen. Die aus dem Maul entlassenen Jungen sind zwar noch so klein, daß sie gefressen werden könnten, sie besitzen jedoch äußerst stachelige Brustflossen. Nimmt ein nicht beteiligter diese lecker aussehenden Welse als Futter auf, spuckt er sie meist nach zwei-drei Kaubewegungen wieder aus.
    Jörg Hauschild
    Tel. 05307 / 951214

    © KAQ, 30.07.1999

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