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VI. Fishlight

März 1999

Inhaltsverzeichnis

  • Aquarienclub Braunschweig
  • Trauermantelsalmler
  • Pflege und Vermehrung von Tillandsien
  • "Ringelhand-Garnele"
  • Afrikanischer Schmetterlingsbuntbarsch, ein in Vergessenheit geratener Zwergbuntbarsch
  • Antennenwelse, die Putzkolonne im Aquarium
  • Caridina japonica, die ultimative Waffe gegen Algen
  • Kleinanzeigen

  • Aquarienclub Braunschweig

    Liebe Leserin, lieber Leser,
    wie Sie sicherlich schon gesehen haben, ist auch der Aquarienclub Braunschweig von 1995 e.V. mit einer eigenen Seite im Internet vertreten. Dort finden Sie alle Artikel der bisher erschienenen Fishlights, aktuelle Veranstaltungshinweise und weitere Informationen über und zum Verein.

    Natürlich können Sie uns auch eine Email schreiben, wenn Sie Fragen zum Verein haben. Auch Anregungen und Kritik zu unseren Zierfischbörsen oder unserer Vereinszeitschrift Fishlight sind immer herzlich willkommen.

    Mail an Aquarienclub Braunschweig e.V.

    Sie können sich denken, daß unsere Vereinszeitschrift und die Internet-Präsenz  viel Arbeit macht und natürlich auch Geld kostet. Die Arbeit machen wir uns gern, da wir Ihnen unser Hobby nahe bringen möchten.  Wir möchten Ihnen gute und viele Informationen zur Aquaristik bieten.
     

    Wie können Sie uns untersützen?

    Neben einer Anzeige im Fishlight bieten wir nun auch die Möglichkeit, auf unserer Internetseite als Sponsor aufzutreten. Wenn Sie dazu weitere Informationen wünschen, schicken Sie uns einfach eine Email oder sprechen mich persönlich an.
    Auch wer nicht für sich selbst werben möchte, darf uns gern als Sponsor unterstützen. Eine Spendenquittung ist natürlich selbstverständlich. Das Geld können wir dann z.B. für die Organisation von Vorträgen, ein Rahmenprogramm für die Zierfischbörsen oder Vereinsveranstaltungen verwenden.
     

    Wollen Sie Mitglied werden?

    Wenn sie mit anderen Aquarianern fachsimpeln wollen, Informationen zu unserem Hobby suchen oder sich mit gleichgesinnten treffen möchten, dann melden Sie sich einfach bei einem der vorne genannten Ansprechpartner.

    Ein Fisch stellt sich vor:

    Trauermantelsalmler

    Trauermantelsalmler
     
    Hallo Mensch,
    da ich nicht so gut mit dem Computer umgehen kann, habe ich meinen Freund gebeten, sich für ein kleines Diktat über mich und meine Art zur Verfügung zu stellen. Meine Urahnen stammen aus Südamerika (Bolivien), aber eigentlich bin ich ein alter Braunschweiger, da ich hier das Licht der Welt erblickt habe, wie auch schon etliche meiner direkten Vorfahren, die bei “unserem Aquarianer” aus dem Ei geschlüpft sind.
    Um etwas über meine Unterbingungsverhältnisse zu verraten, mein Quartier sollte mindestens über eine Beckenlänge von 60 cm verfügen, wobei die Wasserwerte sich in folgenden Bereichen bewegen sollten:
    ph - Wert 6° - 7,5°, Temperatur 22° - 28°, dGH bis 25°.
    Beim Futter bin ich ein recht anspruchsloser Geselle. Aber halt, komm mir ja nicht jeden Tag mit Trockenfutter. Aquarianer futtern bekanntlich auch nicht jeden Tag Müsli. Ab und zu sollte schon Frost- oder Lebendfutter ( Wasserflöhe, schwarze, weiße oder rote Mückenlarve, wenig Tubifex - da ich sonst leicht verfette -  auf meinem Speiseplan erscheinen.
    Sehr wichtig ist es für mein Wohlbefinden, daß sich in meinem Aquarium einige Artgenossen befinden. Gegen die Gesellschaft fremder Fischarten habe ich auch nichts einzuwenden, solange diese nicht zu ruppig werden. Ich lebe zum Beispiel mit einigen anderen Salmlern, Welsen, Fadenfischen und Zwergbuntbarschen in einem Becken. Mit Skalaren haben wir auch schon zusammengelebt. Diese trüben Gesellen sind viel zu lahm, um uns gewandten Schwimmern Schaden zuzufügen.
    Da wir keine Darsteller einer “Peep-Show” sind, fühlen wir uns besonders wohl, wenn sich in mindestens einer Ecke des Aquariums eine gut bepflanzte Rückzugsmöglichkeit befindet. Aber leider meinen viele Aquarianer, ihr Becken mit allen Mitteln der Technik bis in den letzten Winkel ausleuchten zu müssen.
    Über meine Fortpflanzung will ich auch etwas verraten. Als Zuchtbecken verwendet man ein Aquarium von ca. 40 cm Länge. Das Becken, sowie sämtliche Einrichtungsgegenstände wie Heizung, Sprudelstein, Luftschlauch und einige feinfiedrige Pflanzen sind sorgfältig in einer Lösung von Kaliumpermanganat - erhältlich in der Apotheke -, eine Messerspitze auf 6 - 7 l. Wasser, zu desinfizieren. Kleine Tröpfchen der Lösung, die an den Einrichtungsgegenständen haften geblieben sind, bloß nicht abspülen, das schadet uns nicht. Die Einrichtungsgegenstände und das Beckeninnere nun nicht mehr einfach so anfassen. Am besten einen Frühstücksbeutel, ungebraucht versteht sich, über die Hände ziehen.
    Als Bodengrund wird eine einfache Schicht groben Kieses verwandt. Der Kies ist vorher auszukochen. Diese Tätigkeit sollte keinesfalls im Beisein des Küchenchefs / der Küchenchefin durchgeführt werden, da dieses sonst zu erheblichen Partnerschaftsproblemen führen kann.
    Folgende Wasserwerte sollten eingehalten werden: Temperatur 25° - 27°, ph-Wert 5,8° - 6,7°. Und die Gesamthärte? Um die Gesamthärte möglichst niedrig zu halten, verwendet “mein Aquarianer” 1/3 Leitungswasser und 2/3 Regenwasser, beides abgekocht. Warum nicht nur Leitungswasser? Das “Braunschweiger Wasser” ist doch so schön weich und würde doch vollkommen reichen.
    Folgende Aufstellung wird Licht ins Dunkel bringen:

     1° dGH =         8 Bakterien auf 1ml. (ccm)  ph - Wert 6,3° (+/- 0,5°)
     8°    “    = 27000        “           “     “       “                           “
    15°   “    = 60000        “           “     “       “                           “

    Bakterien sind einer der schlimmsten Feinde von Trauermantellaich.

    So nun noch zwei von uns rein ins so vorbereitete Liebesnest und Licht aus. Wir lieben Sex im Dunkeln. Natürlich sollte man ein Pärchen gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnern bevorzugen. Man kann uns nach ca. 1 – 1½ Lebensjahren recht gut unterscheiden, da die Weibchen dann ungefähr 1/3 größer sind als die Männchen unserer Art.
    Sollte alles geklappt haben, so wird der größte Teil des Aquarienbodens und der Pflanzen mit Eiern übersät sein. Die Eltern sind umgehend mit einem vorher desinfizierten Netz zu entfernen.
    Die Fischbrut ist zwei Tage nach dem Freischwimmen mit Pantoffeltierchen zu füttern. Sobald die Kleinen groß genug sind ( 8 bis 10 Tage ) werden Artemia-Nauplien gereicht.
    So, lieber Aquarianer, ich hoffe du möchtest mich nun näher kennenlernen, egal ob zur Haltung oder Züchtung.
     
    Diktiert:
    Trauermantelsalmler, - 1. Lieblingsfisch -

    Helmut Reinsch
    Tel. 05309 / 5226

    Ringelhand-Garnele

    Paar Ringelhand-Garnelen
    In diesem Artikel möchte ich eine Süßwassergarnele vorstellen, die unter Beachtung einiger Kriterien auch im Gesellschaftsbecken gepflegt werden kann.
    Der Name „Ringelhand-Garnele“ ist nicht wissenschaftlich dokumentiert, sondern wurde von Uwe Werner in seinem Buch „Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium“ verwendet, um den Tieren, die bisher nicht wissenschaftlich beschrieben sind, überhaupt einen Namen zu geben. Meine vier Alttiere stammen aus der Zucht von Uwe Werner und wurden von Gerd Voss in Hannover aufgezogen, so daß ich sie schon fast ausgewachsen bekommen habe.
    Nun aber zu den Tieren selbst. Die Garnelen gehören zur Gattung Macrobrachium, den Großarmgarnelen, die weltweit als Flußbewohner vorkommen. Sie werden Großarmgarnelen genannt, da insbesondere die Männchen ein sehr langes Armpaar haben können. Es gibt Arten, die bis zu 30 cm groß werden können. Uwe Werner schreibt, daß er Garnelen in Mittelamerika bei Karbonat- und Gesamthärten von 6° bis 18° und Temperaturen von 23°C bis 34°C gefangen hat. Daraus läßt sich schließen, daß diese Arten recht anpassungsfähig sind.
    Die „Ringelhand-Garnele“, deren Heimat nicht bekannt ist, ist mit einer Körperlänge von ca. 7 cm ausgewachsen. Den Namen „Ringelhand“ haben sie, da Jungtiere und Weibchen rot geringelte Greifarme haben.

    Haltung
    Die Haltung dieser Tiere ist unproblematisch. Der pH-Wert sollte um 7 liegen und die Temperatur um 25°C betragen. Sie lassen sich in weichem bis hartem Wasser halten. Das Aquarium sollte viele Versteckmöglichkeiten bieten, da sich die Alttiere gern im Verborgenen aufhalten und nur zum Füttern hervor kommen. Jungtiere sind nicht so lichtscheu und halten sich gern an höherer Position auf. Das Becken kann und sollte gut bepflanzt werden. Die Garnelen fressen keine gesunden Pflanzen. Mehr als vier erwachsene Tiere sollten in einem 60er Becken nicht gehalten werden. Auch hier gilt, je größer das Becken umso besser.

    Fütterung
    Natürlich kann man die Garnelen auch mit Flockenfutter ernähren, sollte man aber nicht. In der Natur haben Garnelen die Aufgabe, tote Fische zu entsorgen. Daher sollten wir ihnen auch entsprechendes tierisches Futter anbieten. Dies können tote Fische, Frostfutter und natürlich auch Lebendfütter wie Wasserflöhe sein. Vegetarische Kost wie z.B. gefrorene Erbsen werden auch gern genommen.

    Vergesellschaftung
    Diese Garnelenart möchte ich als friedlich bezeichnen. Erwachsene Männchen haben bis zu sechs Zentimeter lange Greifarme mit denen sie auch Fische erbeuten können. Es handelt sich bei den Garnelen nicht um Jäger, aber wenn sie bei der teilweisen nächtlichen Futtersuche über einen Fisch „stolpern“ und dieser nicht flieht, sondern sich greifen läßt, so wird er auch gefressen! Dies gilt insbesondere für Salmler, die nachts in bodennähe schlafen. In meinem 60er Becken halte ich zur Zeit ein Garnelen-Männchen und zwei Weibchen mit ihren Jungtieren. Außerdem hat sich das auch im Becken lebende Antennenwels-Pärchen „leider“ vermehrt. Den kleinen Antennenwelsen wird nicht nachgestellt, allerdings ist nicht auszuschließen, daß auch schon mal ein kleiner Wels gegriffen und gefressen wird. Die Jungfischanzahl wurde allerdings noch nicht merklich reduziert.
    Untereinander sind die Garnelen sehr verträglich. Nur wenn sich ein Tier frisch gehäutet und keinen sicheren Versteckplatz gefunden hat, kann es sein, daß ihr ein Artgenosse mal ein oder mehrere Arme/Beine abschneidet. Diese wachsen bei den nächsten Häutungen dann wieder nach.

    Zucht
    Die Zucht der „Ringelhand-Garnelen“ ist recht einfach, da die Weibchen recht große Eier produzieren aus denen dann „fertige“ Garnelen schlüpfen. Die Tragzeit der Eier, die das Weibchen unter ihrem Hinterleib hält, dauert bis zu vier Wochen und ist stark von der Wassertemperatur abhängig. Die Junggarnelen werden vom Weibchen in einem Versteck entlassen, halten sich noch wenige Tage dort auf und verlassen dann den Schutz des Weibchens. Die Garnelen sind nun ca. 5 mm groß und durchsichtige Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie können einfach mit dem oben genannten Futter aufgezogen werden. Sogar rote Mückenlarven, die größer sind als die Junggarnelen, werden schon gefressen. Die Alttiere stellen den Junggarnelen nicht nach. Allerdings sind sie dann leichte Beute für Fische. Die Jungtiere wachsen unterschiedlich schnell. Schon mit drei Monaten können sie geschlechtsreif sein. Dafür ist allerdings ein großes Becken, regelmäßiger Wasserwechsel und gute Fütterung notwendig. Meine größten Jungtiere vom November 1998 sind jetzt bis 4 cm groß.

    Literatur
    Uwe Werner (1998), „Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium“, Aqualog Spezial, A.C.S. GmbH, Mörfelden-Walldorf, ISBN 3-931702-52-9

    Kai A. Quante -Chefredakteur-
    Tel./Fax: 05309 / 2024

    Pflege und Vermehrung von Tillandsien

    nicht nur für Aquarienfreunde

    Pflanzenfamilie und Herkunft
    Die Tillandsien haben nichts mit Tilapien zu tun – sondern sie gehören zur Familie der Bromelien. Aber selbst wenn diese lateinischen Bezeichnungen wenigen etwas sagen, so kennt doch fast jeder Mensch Bromelien oder hat sie schon einmal gegessen.
    Die Ananas und diejenigen Zimmerpflanzen (Aechmeen, Guzmanien, Vrieseen), in deren Blatttrichter man Wasser gießen soll, sind Mitglieder dieser Familie, ebenso die fälschlich als „Zimmerhafer“ bezeichneten Billbergien.
    Sie alle kommen aus Amerika (Florida bis Argentinien), besetzen dort aber sehr unterschiedliche Lebensräume. Es gibt Arten, die „normal“ im Boden wurzeln oder aber in feuchtwarmen Regenwälder ohne Erde in den Wipfeln der Bäume sitzen.
    Eine Art (Tillandsia usneoides) hängt in Florida einfach über Telefondrähten und wird von einigen Pflanzenliebhabern in Bad oder Küche als lebende Gardine benutzt.
    Andere leben in trockenen Wüsten mit Gluthitze am Tag und teilweise Frost in der Nacht. Die Wurzeln haben sie dann sogar ganz eingespart und liegen einfach auf dem Sand oder auf Felsen. Da es fast nie regnet, beziehen sie die notwendige Feuchtigkeit aus dem nächtliche Tau, den sie direkt über die Blätter aufnehmen.

    Pflanzen-Angebot und -Auswahl
    Fast alle Tillandsien, die in Baumärkten und Gartencentern angeboten werden, entsprechen annähernd diesem Wuchstyp. Man erkennt das an den grauen oder weißen Schuppen, mit denen ihre Blätter bedeckt sind.
    Für den Anfang sollte man eine solche „graue“ Art auswählen, die dickere, fleischige Blätter hat. Man nimmt besser eine der lose (nicht auf Stein oder Holz aufgeklebt) angebotenen Pflanzen. Sie sind billiger (ab DM 4,-) und für Anfänger leichter zu pflegen.
    Bitte ein unverletztes Exemplar auswählen. Kleine Verletzungen durch Transportschäden sind trotzdem vorhanden, wie sich später immer wieder herausstellt.
    Meine ersten Pflanzen habe ich nicht selbst gekauft, sondern es waren „Pflanzenleichen“ von Bekannten, die in den Mülleimer wandern sollten. Da Tillandsien eigentlich sehr unempfindliche, ausdauernde Pflanzen sind, ist fast immer noch ein Rest Leben in ihnen.
    Ursache solcher Pflanzenleichen sind die mißverständlichen oder falschen Pflegeanleitungen der Verkäufer bzw. sogar in Fachbüchern.

    Pflege
    Wenn man mit seiner „grauen“ Tillandsie zuhause ankommt, plaziert man sie möglichst in einem sonnigen Fenster – da wo die meisten Zimmerpflanzen nicht wachsen, weil sie durch die Sonne verbrennen.
    Bitte ein unbehandeltes Holzstück oder gefaltetes Handtuch unterlegen, damit die Pflanze weder durch die Heizung geröstet noch durch das kalte Mauerwerk unterkühlt wird.
    Zugige Fenster sind abzudichten. Man kann die Pflanze aber auch auf einen umgedrehten Tonblumentopf legen, so daß die Zugluft unter ihr durchzieht.
    Und jetzt kommt der häufigste Pflegefehler: Oft wird geraten, die Pflanzen mit einem Wasserzerstäuber zu besprühen. Das ist aber meist nicht nötig, da „graue“ Tillandsien im Gegensatz zu Orchideen keine besonders hohe Luftfeuchtigkeit brauchen. Die Pflanze muß aber immer wieder die Möglichkeit haben, sich mit Wasser total vollzusaugen.
    Aquarienfreunde aus dem Raum Braunschweig haben hierfür den geradezu idealen Stoff: kalkarm, leicht gedüngt, vorgewärmt – das Aquarienwasser.
    Ich entnehme das Wasser morgens und stelle den Behälter an einen dunkleren Ort, damit der PH-Wert noch etwas abfällt. Man kann auch noch normalen Zimmerpflanzendünger hinzufügen (maximal 1/5 der angegebenen Menge); es ist aber nicht unbedingt notwendig, da ja die Fische schon ihren Teil dazu beigetragen haben.
    Die Pflanzen lege ich dann abends für 4 – 10 Stunden komplett in dieses Wasser.
    Danach ist es wichtig, die Tillandsien wieder vollständig zu „entwässern“. Also gut abtropfen lassen; den Rest saugt dann die Pflanzenunterlage (Handtuch, Ton, Holz) aus den Pflanzenzwischenräumen. Damit wird das Verfaulen der Pflanze verhindert.
    Diese einzige Pflegemaßnahme wird einmal pro Woche zu einem festen Termin durchgeführt – damit es nicht vergessen wird.
    Falls die Pflanzen sehr klein sind oder zu den empfindlicheren „grünen“ Tillandsien gehören oder eine geringe Luftfeuchtigkeit vorliegt, sollte zweimal pro Woche gewässert werden. Dann kann auch zusätzlich mit Wasser gesprüht werden. Für die „grauen“ Tillandsien ist aber der stetige Wechsel zwischen Nässe und Trockenheit wichtig.
    Ohne Aquarienwasser geht es natürlich auch. Mann sollte das Wasser dann aber 24 Stunden bei Zimmertemperatur abstehen lassen und Dünger (s.o.) dazugeben.
    Damit können später andere Zimmerpflanzen begossen werden.
    Auch härteres Wasser ist geeignet, wenn der PH-Wert nach dem Abstehen ca. 6 beträgt.

    Blüte
    Wenn es den Pflanzen gut geht, wachsen sie und blühen fast automatisch.
    Die Blüten der vielen Arten sind in Form, Farbe, Duft und Stengel sehr unterschiedlich. Meist erscheinen sie im Wachstumszentrum der Pflanze, die danach fast immer abstirbt.
    Falls einzelne doch nicht blühen wollen, oder man den Blütezeitpunkt steuern will, kann man sie (trocken!) mit einem reifen Apfel für ca. 3 Wochen in eine durchsichtige Plastiktüte einschließen. Die Tüte darf aber auf keinen Fall direkte Sonne erhalten!
    Das ist dann auch gleich die einfachste Methode, um einen mehrwöchigen Urlaub ohne jegliche Pflege gut zu überstehen.

    Vermehrung
    Auch ganz einfach, denn die alten Pflanzen sterben zwar nach der Blüte ab, geben aber vorher ihre Kraft an mehrere „Kindel“ (Jungpflanzen) weiter.
    Man kann sie vorsichtig mit einem spitzen Messer abtrennen oder aber gemeinsam kultivieren.
    Die Vermehrung aus Samen sollte man Spezialisten überlassen. Und wenn man Spezialist werden will, ist die Deutsche Bromeliengesellschaft der richtige Weg dorthin. Info dazu gibts bei mir.

    Ausstellungen
    Bromelien ansehen kann man sich im Botanischen Garten Braunschweig (Gewächshausöffnung: DiMiDo ab 13.30).
    Zu diesem Gebiet interessanter sind allerdings die städt. Gewächshäuser in Magdeburg (Öffnung ganztägig auch an den Wochenenden).

    Bücher
    Jürgen Röth: Tillandsien – Blüten der Lüfte, Neumann Verlag, 216 S., DM 58,-
    Elvira Groß: Schöne Tillandsien, Verlag Ulmer, 93 S., DM 22,-

    Und nun viel Freude!
     

    Bernd Dannheim
    Tel. 0531-322980


     

    Afrikanischer Schmetterlingsbuntbarsch, 

    ein in Vergessenheit geratener "Zwergbuntbarsch"

    Afrikanischer Schmetterlingsbuntbarsch (Anomalochromis thomasi)
     
    Der Afrikanische Schmetterlingsbuntbarsch, Anomalochromis thomasi oder auch Thomas Prachtbarsch genannt, kommt aus Afrika, Sierra Leone, wie man es schon am Namen erkennen kann. Sicherlich werden viele unter uns Aquarianern jetzt sofort an den in allen Regenbogenfarben leuchtenden Schmetterlingsbuntbarsch denken, aber merken, dass derjenige aus Südamerika stammt. Das ist auch der Grund dafür, dass man immer häufiger den Südamerikanischen als den Afrikanischen Schmetterlingsbuntbarsch sieht, obwohl die Pflege und Zucht des Erstgenannten viel schwieriger ist, als die des zweiten. Klar ist der Südamerikaner auf den ersten Blick attraktiver, doch auch wenn man sich A. thomasi genauer anschaut,  wird man seine Schönheit entdecken können: die hellblau schimmernden Punkte, die über den ganzen Körper verteilt sind, den gelbroten Streifen in der Rückenflosse und natürlich die grauschwarzen Streifen/Punkte, die einen schönen Kontrast bilden und besonders bei der Balz zur Geltung kommen.
    Wie schon oben erwähnt, ist der Thomas Prachtbarsch unproblematischer. Er stellt keine besonderen Ansprüche an die Wasserchemie. Im Gegensatz zu Papiliochromis ramirezi kann man ihn auch ohne weiteres in härteres Wasser setzen, da dieser Fisch in Wassergebieten vorkommt, in denen sich das weiche Wasser der Flüsse mit dem harten Wasser der Küstenzone vermischt. Die Temperatur sollte sich um 25 Grad Celsius bewegen.
    Mit diesen eher niedrigen Ansprüchen ist er auf jeden Fall "gesellschaftsfähig", also auf deutsch gesagt kann man A. thomasi ohne Probleme zusammen mit anderen Fischen im Gesellschaftsaquarium halten. Auch die Pflanzen bleiben unversehrt und an ihrem Platz stehen, da dieser friedliche Vertreter nicht wühlt. Trotzdem wird er dankbar sein, wenn man den Bodengrund mit feinkörnigem Kies auslegt. Das Aquarium sollte ein paar Höhlen aus Steinen und Wurzeln, eine einigermaßen dichte Bepflanzung und mindestens 60 Liter Wasser beinhalten. Er nimmt zwar gerne Frost- und Lebendfutter, man kann ihn aber auch mit Trockenfutter oder Grünfuttertabletten ernähren.
    Es wäre wirklich schade, wenn dieser Fisch immer im Schatten seines Namensvetters stehen würde.
     
    Patrick Kemnitz
    15 Jahre
    Tel./Fax: 05307/951864

    Antennenwelse, 

    die Putzkolonne im Aquarium

    Blauer Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus)
     
    Fast jeder kennt sie, viele nutzen sie. Ich meine die fleissigen dunklen flachen Saugwelse, deren Männchen so komische Antennen auf dem Kopf haben . Man trifft sie auch in jeder Zoohandlung in fast jedem Becken, in jeder Gesellschaft, ausser man hat sie durch die etwas modernere Form der Saugwelse sogenannte L-Welse ausgetauscht.
    Warum sind Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus, so ist der lateinische Name), eigentlich so beliebt?
    Dafür gibt es mehrere Gründe. Aus vielen Gesprächen versuche ich mal die wichtigsten zusammenzufügen. Welse, bekannt als Aquariumpolizisten, fressen nun mal alles was zu Boden fällt und sorgen so für einen sauberen Bodengrund. Hier machen sie auch vor eventuell anfallenden Tierkadavern, die an verborgenen Stellen im Aquarium den Halter zur Verzweifelung bringen können, weil sie entweder nicht, oder aber meist zu spät, erkannt werden,  keinen Halt. Meist entsorgen sie den verstorbenen auf biologische Art, bis auf die Gräten. Da dies nicht der schönste, aber einer von vielen praktischen Vorteilen der Saugwelse ist, kommen wir zu den weitaus interessanteren. Saugwelse, speziell Antennenwelse, sind gute Algenvertilger, allerdings gestehe ich, daß meine Erfahrung ist, daß sie sich ab einer Größe von ca. 10 cm nicht mehr intensiv mit dem Abraspeln von Algen beschäftigen, dafür aber mit allem was ihnen vor ihr Saugmaul fällt. Da der Antennenwels ein Gesellschaftsfisch ist, läßt er sich mühelos im Schwarm mit fast ausnahmslos jedem anderen Zierfisch vom Guppy bis zum Diskus halten. Antennenwelse allein werden meist nicht Herr über die Algen. Ältere Antennenwelse besitzen meist schon ein Gehör für den Gang des Pflegers zur Fischfutterdose, das Ihnen die Pole-Position an der Futterstelle verschafft. Kleinere bis zu ca. 8 cm große Antennenwelse sind jedoch neben dem Vertilgen von Futterresten auch eifrige Algenraspler. Es kann Ihnen zwar auch mal die ein- oder andere feinfiedrige, feinblättrige Pflanze zum Opfer fallen, das sollte jedoch keinen davon abhalten einen sonst so nützlichen und vor allen Dingen pflegeleichten Fisch zu halten. Diesbezüglich haben einige Tiere den besonderen Geschmack an Echinodurus-Arten (Schwertpflanzen) gefunden. Da Antennenwelse sich ab einer Grösse von ca. 6-7 cm in den Geschlechtern sehr einfach unterscheiden lassen, den Männchen wachsen Antennen, manch ein Halter nannte es auch schon Geweih, meine Frau im übrigen fand ihn häßlich, möchte ich auch über deren Vermehrung schreiben. Antennenwelse zu vermehren bedarf meist keiner aufwendigen Wasserveränderungen, wie sie von vielen Züchtern für andere Zierfischarten durchgeführt werden muß, um Erfolge zu erzielen. Ancistren sind, wie schon oben erwähnt, nicht sehr anspruchsvoll. Das Wasser sollte nicht kälter als 22°C sein. Auf den PH-Wert, die Gesamthärte oder andere Wasserwerte legen Ancistren nicht so großen Wert, wenn sie sich an Ihr zuhause gewöhnt haben. Was sie meist anregt, ist ein Wasserwechsel. Findet das Männchen, übrigens aus der Sicht meiner Frau und mir, einer der rührendsten Familienväter einen geeigneten Platz, ich könnte Ihnen hunderte von unmöglichen aufzählen, und ein williges prall mit Laich gefülltes Weibchen, so brauchen Sie meist auf Nachwuchs nicht lange zu warten. Sehr gern werden die ca. 2 mm großen Eier unter Blumentöpfe, Steine, unter Schaumstofffilter oder unter andere Dekorationsgegenstände oder unmögliche Ecken geheftet, manchmal bis zu 200 Stück. Dort werden sie vom Vater bewacht, verteidigt, und mit Frischwasser und Sauerstoff durch heftiges Wedeln mit den Brustflossen versorgt. Der Vater nimmt meist in dieser Zeit kein Futter auf. Öfter hatte ich schon besorgte Anrufe von Aquarianern, die grosse Ancistren bei mir erstanden, zuhause angekommen, in Ihr Aquarium setzten, und am nächsten Tag den Ancistrus-Mann unter einem Stein „fast eingeklemmt“ wedeln sahen. Voller Verzweiflung wollte man mich fragen, wie man dem kranken Tier helfen könne. Auf meine Erklärung es könne sich in den nächsten Tagen Welsnachwuchs einstellen und man solle doch mal mit der Taschenlampe sofern möglich unter den Stein leuchten, riefen mich die besorgten Halter zurück und bestätigten meine Vermutung. Nach ca. 6-7 Tagen erleben Sie eine schöne Bescherung,  je nach Wassertemperatur auch eher. Es schwimmen so kleine gelbe Säcke mit Flossen durch das Aquarium in Richtung Wasseroberfläche und man erkennt sofort an ihrem Verhalten, das sind kleine Saugwelse mit Dottersack. Einige reißen aus der wohlbehüteten Kinderstube aus, es gibt aber auch Ancistrus-Männchen die so stark wedeln, daß einige Eier durch die Gegend schwimmen. Sofern Sie nicht Halter von Buntbarschen sind, so sei Ihnen versichert, passiert den geflohenen nichts. Relativ schnell verlieren sie Ihren Dottersack und wachsen zu kleinen effizienten Antennenwelsen heran, die von morgens bis abends alles in Ihrem Aquarium von kleinsten Algen befreien. Ich persönlich könnte mir keines meiner Aquarien ohne Ancistrus dolichopterus vorstellen, denn schon wenn ich ein Aquarium einfahre, sind die ersten Fische, die ich besetze Antennenwelse, die Putzkolonne fürs Aquarium.

     

    Jörg Hauschild
    Tel. 05307 / 951214

    Caridina japonica, 

    die ultimative Waffe gegen Algen

    Caridina japonica (© Harry Siegel): Link auf Japonica-Seite von Harry Siegel
     

    Sie kennen das bestimmt, überall, wo man hinguckt, nur noch Algen. Meist zahlt man sich dumm und dämlich, wenn man sich jedes mal neue Pflanzen kauft, da man sie vor Verzweiflung weggeschmissen hat. Oder man probiert es mit Medikamenten, die bei leichten Algen auch helfen, aber was ist mit den schweren Bartalgen?
    Da mir das öfters passiert ist, wollte ich am Anfang schon die Aquaristik aufgeben, aber irgendwie habe ich mich dann entschlossen, mich nach Fischen umzusehen, die Algen fressen. Alsbald fand ich denn auch einen, bei dem mir die Hobbyzüchter garantierten, daß, wenn ich genügend Fische nehme, der Erfolg nicht ausbleibt. Hier spreche ich vom Ancistrus oder auch Antennenwels genannt. Daraufhin kaufte ich fünf Stück von den Tieren und hatte nun sechs Ancistrus in meinem 54 l-Becken, da ich noch vom Anfang einen hatte. Sechs Ancistrus in einem so kleinen Becken ist nur bei Jungtieren möglich. Ausgewachsene Tiere kann man maximal zwei in einem solchen Becken halten. Der Erfolg blieb zwar nicht aus, aber nach einem halben Jahr begann das Ganze wieder. Zufällig brachte ein Freund mir Bilder, die er in einem Katalog gefunden hatte. Es waren ein paar Becken von Hernn Amano abgebildet. In dem Text, den ich darunter fand, stand, daß er so algenfreie Becken hatte, weil er eine gewisse Garnelen-Art besaß: die Amano-Garnele. Ich machte mich gleich auf die Suche nach ihr, da ich dachte, daß das die Lösung sein könnte und auch weil sie leicht zu halten ist. Nach gewisser Zeit fand ich sie auch.
    Mir wurde gesagt, daß alles Wildfänge sind, da es noch niemand geschafft hatte, sie nachzuziehen. Auf meine Frage, warum das so wäre, konnte mir keiner Auskunft geben. Als ich auch von diesen ein paar Stück besaß, blieb der Erfolg glücklicherweise wieder nicht aus. Ich hatte nach einem Jahr immer noch keine Algenprobleme, obwohl ich nur drei Stück davon hatte. Nach einiger Zeit erfuhr ich dann auch, daß die Larven in freier Natur zum Meer treiben, obwohl die Garnelen sonst in Flüssen leben. Die Zucht war noch nicht möglich, weil man den Gang vom Süßwasserfluß zum salzigen Meer nicht nachstellen konnte.
    Im Aquarium kommt sie mit so ziemlich jedem Wasser aus, aber man sollte aufpassen, daß man nicht zu große Fische dazu setzt, da sie nur 3-4 cm groß sind. Zusammensetzen kann man sie sonst beliebig, da sie zufrieden ist, wenn sie ihre Ruhe hat. Spezielle Fütterung ist auch nicht nötig, denn sie ernährt sich fast ausschließlich von Algen. Am wohlsten fühlt sie sich in einem 60-80 l Becken.
    Ich hoffe, daß ich Ihnen die Amano-Garnele ein bißchen näher bringen konnte. Falls Sie noch Fragen haben, können Sie sich gerne bei mir melden.
     
    Vincent Wille-Baumkauff (13 Jahre)
    Tel.: 0531 / 347172

    Ergänzung

    Der obige Artikel zeigt, daß unsere Jugendlichen aktiv am Vereinsleben teilnehmen, neue Dinge probieren und gern ihre Erfahrungen weitergeben.
    Ich möchte den Artikel noch etwas ergänzen, da über diese „Wundergarnele“ seit einiger Zeit viel geschrieben und gesprochen wird. Ich selbst halte diese Tiere nicht, möchte aber die Erfahrungen bekannter Aquarianer wiedergeben.
    Der Name Amano-Garnele beruht darauf, daß sie durch diesen Aquarianer bekannt geworden ist. Daher haben andere dieser Garnele diesen Namen gegeben. Der korrekte wissenschaftliche Name ist Caridina japonica.
    An die Wasserwerte stellen die Garnelen keine besonderen Ansprüche, allerdings reagieren sie empfindlich auf starke Veränderungen der Wasserwerte. Somit sollten Wasserwechsel häufiger, aber mit wenig Wasser durchgeführt werden. Als Flußbewohner lieben sie sauerstoffreiches Wasser. Wie alle Wirbellosen vertragen auch diese Garnelen keine Medikamente im Wasser.
    Zucht: In der freien Natur treiben die Larven ins Meer. Bis zur zweiten Häutung fressen sie nichts und entwicklen sich auch im Süßwasser. Je nach Temperatur erreichen sie das dritte Larvenstadium nach etwa 2-14 Tagen. Dann beginnen sie zu fressen und entwicklen sich nur im Brackwasser. Trotz ihrer überwiegend schwebenden Lebensweise ernähren sie sich nicht filtrierend, sondern weiden Mikroorganismen und Algen vom Boden. Nach weiteren sieben Häutungen wandeln sich die Larven zu etwa 5 mm langen Junggarnelen um, die allmählich flußaufwärts wandern. Sie sind dann - je nach Temperatur - 4 bis 12 Wochen alt.
    Die Zucht ist bereits im Aquarium gelungen. Dazu werden die freischwebenden Larven in ein mit Brackwasser gefülltes Becken überführt und dort mit feinstem Futter bis zu einer Größe von ca. 1 cm aufgezogen. Die Ausfallrate ist recht hoch, da die Larven sehr klein sind und freischwebende Larvenstadien durchmachen, ehe sie zum Bodenleben übergehen.

    Weitere Informationen und Bilder finden Sie im Internet bei Harry Siegel, Bilder beim Aquarium Tonndorf  und einen informativen Artikel mit Bildern bei Dennerle.

    Ich möchte mich für die Pflege- und Zuchthinweise bei Harry Siegel, Stephan Pflume und Wolfgang Ilg bedanken.
     

    Kai A. Quante -Chefredakteur-
    Tel./Fax: 05309 / 2024

    © KAQ, 14.04.1999

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