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IV. Fishlight

September 1998

Inhaltsverzeichnis

  • Ein Juwel in Fischgestalt
  • Pflanzen pflanzen
  • Meine ersten Erfahrungen mit Buntbarschen...
  • Der Skalar...
  • Staubsauger im Aquarium
  • Fische züchten
  • Wasserwechsel und Filterdreck

  • Ein Juwel in Fischgestalt

     
     
    Nicht umsonst wird ein Zwerg unter den Buntbarschen Smaragdprachtbarsch genannt. Ein Tier, das nicht nur durch seine bemerkenswert prächtige Farbgebung beeindruckt, sondern auch durch sein überaus sehenswertes Brutverhalten.
    Leider wird der Smaragdprachtbarsch ( Pelvicachromis taeniatus) von weniger fachkundigen Aquarianern häufig mit dem Purpurprachtbarsch (Pelvicachromis pulcher) verwechselt. Ähnlich wäre es eine Rose mit einem Gänseblümchen zu vergleichen. Der Unterschied liegt jedoch nicht nur im Aussehen, wobei ich dem Purpurprachtbarsch seinen Reiz nicht absprechen möchte, die Zucht des Smargdprachtbarsches ist ungleich schwieriger. Auch liegt der Preis für ein Pärchen Smaragdprachtbarsche um ein paar Mark höher als beim Purpurprachtbarsch, wobei er aber noch weit unter den Preisen der schwimmenden Tellerminen (Diskus) liegt.
    Um nun zu den “technischen Daten” zu kommen: Unser Pflegling stammt aus Westafrika (Nigeria, Kamerun). Er sollte bei einer Wassertemperatur von 25 - 28° gehalten werden. Am wohlsten fühlt er sich bei einem ph - Wert um 6,5°, die Gesamthärte sollte 15° dGH, bei Zucht 10° dGH, nicht überschreiten. Die Futteransprüche sind auch von einem Neuling in der Aquaristik zu bewältigen, wobei ich mindestens einmal pro Woche Lebend- oder Frostfutter für unerläßlich halte. Ansonsten ist der Smaragdprachtbarsch mit handelsüblichem Flockenfutter oder Cichlidengranulat zufrieden. Ich möchte jedoch meine Erfahrung nicht verschweigen, dass granuliertes Futter dem Flockenfutter eindeutig vorgezogen wird.
    Eine weitere Voraussetzung für das Wohlbefinden unseres kleinen Cichliden sind geeignete Wohnmöglichkeiten im Aquarium. Eine Höhle sollte mindestens vorhanden sein, zwei oder drei wären besser, da “man” sich seine Behausung gerne selbst aussucht. Von der Haltung weiterer Zwergcichliden in kleineren Aquarien (bis 150 l.) ist abzuraten, da sonst ein Revierkampf um die Höhlen entbrennen könnte.
    Gegner von Buntbarschen haben auf das Stichwort Kampf sicher schon gewartet: “Diese bissigen Viecher”, weit gefehlt, viele Buntbarsche sind als äußerst friedlich zu bezeichnen. So auch der Smaragdprachtbarsch, der nur ein kleines Revier um seine Höhle verteidigt und sonst froh ist, wenn ihn die anderen Mitbewohner in Ruhe lassen.
    Mit einem weiteren Vorurteil möchte ich bei dieser Gelegenheit noch aufräumen: Buntbarsche wühlen und reißen die Pflanzen raus. Dem Smaragdprachtbarsch und vielen anderen Cichliden käme es nie in den Sinn größere Ausgrabungen in Ihrem Aquarium durchzuführen, er wird allenfalls die obere Kiesschicht nach Freßbarem durchsuchen, wobei die Kiesstückchen meist wieder so hingelegt werden, wie man sie vorgefunden hat.
    Über die Farbgebung des Smaragdprachtbarsches möchte ich mich nicht weiter auslassen, da diese je nach Unterart (z.B. Nigeria Rot, Nigeria Gelb, Dehane, Nyete) recht verschieden ausfallen kann. Erwähnenswert ist mir aber der herrlich violett schimmernde Bauch der Weibchen, obwohl die Männchen der meisten Unterarten noch hübscher sind, wie bei uns Menschen eben auch.
    Die Zucht des Smaragdprachtbarsches wird meist nur in eigens zu diesem Zwecke eingerichteten Aquarien ab 50 l. Inhalt gelingen. Wichtig ist eine großzügige Bepflanzung und sehr feiner Kies (Sand). Die Wasserwerte sollten wie schon erwähnt gehalten werden. Störungen, wie herumhantieren im Aquarium, klopfen an die Scheibe oder allzu häufiges vorbeilaufen sollten unbedingt vermieden werden, da die Tiere sonst dazu neigen, ihr Gelege zu verspeisen.
    Die Brutpflege innerhalb der Höhle übernimmt das Weibchen, während das Männchen das Revier um die Höhle sichert. Nach dem ausschwimmen der Jungen aus der der Höhle werden sie abwechselnd von den Elternteilen durch das Aquarium geführt. Ein Anblick, der sogar ganz harte Männer, die in ihrer Jugend niemals “Vater, Mutter, Kind” spielen wollten, ganz weich machen kann. Der Nachwuchs (auch die Eltern) ist mit Artemia - Nauplien (im Fachhandel erhältlich) zu füttern.
    Ich hoffe ich habe Sie ein wenig neugierig auf diesen Fisch gemacht.
     
    Helmut Reinsch
    Tel. 05309 / 5226

    Pflanzen pflanzen

    Etwas für Neu-Aquarianer. Pflanzen im Aquarium sind nicht nur grüne Stengel, die das Aussehen verschönern sollen, sie haben weitaus mehr Bedeutung für ein gut funktionierendes Aquarium.

    Pflanzen bauen organische Stoffe ab und entziehen somit dem Wasser Schadstoffe, die natürlich auch vom Filter entzogen werden müssen. Sie nehmen Kohlenstoffdioxyd (CO2) aus dem Wasser und produzieren somit Sauerstoff. Habe ich mein Aquarium nur spärlich bepflanzt, muß der fehlende Sauerstoff mittels einer Membranpumpe zugeführt werden.

    Pflanzen bieten den Fischen Versteckmöglichkeiten und Laichplätze, und einige Arten erzeugen sogar ein natürliches Antibiotikum. Pflanzen sind nützliche Aquarienbewohner.

    Auch Barschliebhaber müssen nicht auf Pflanzen verzichten. Es gibt aus dem Pflanzenangebot verschiedene „harte“ Pflanzen, die sich für ein Barschbecken eignen. Auch Pflanzen brauchen Futter (Nährstoffe). Der Markt hat ein reichhaltiges Angebot von Flüssigdüngern, Düngekugeln, Düngetabletten usw. , aber auch Nährstoffbodengrund kann unter den Kies gebracht werden. Wir verwenden eigens entwickelte Nährstoffkugeln. Nach Düngung mit diesen Nährstoffkugeln haben schon viele Amazonas Blüten und Ableger bekommen. Diesen Erfolg konnten wir vorher nicht verzeichnen.

    Also, liebe Neu-Aquarianer, bei Einrichtung eines Aquariums sagt man immer „nicht mit Pflanzen kleckern, sondern klotzen“.

    Wer mehr darüber wissen möchte oder ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann mich anrufen oder auch besuchen.

    Lawrence Kemnitz
    Jugendbeauftragter
    Tel./Fax: 05307/951864

    Meine ersten Erfahrungen mit Buntbarschen.........

    Wie fast jeder Aquarianer fing ich als Kleinkind die ersten Stichlinge und Moderlieschen aus einem Bach oder Teich und nahm sie mit nach Hause.
    Nach langem Drängeln wurde das erste Aquarium gekauft, die ersten Gesellschaftsfische, Barben, Bärblinge, Lebendgebärende und irgendwann die ersten Buntbarsche , farbenprächtige kleine Kerle, die sich die Butter nicht vom Brot nehmen liessen, zogen in mein Gesellschaftsbecken ein.

    Diese Buntbarsche, Malawisee-Cichliden, wurden jedoch grösser, und mein Aquarium zu klein. Faszinierend an diesen Tieren war Ihr ungeheures Revierverhalten und der Drang jede Aquarium-Einrichtung in ein Chaos zu verwandeln, weil sie jeden Stein untergruben. Meine Gesellschaftsfische hatten nun also keine Chance mehr sich Schwimmraum zu ergattern, und so beschloss ich mit Hilfe meiner Eltern mir ein weiteres Aquarium zuzulegen, welches auch grösser sein sollte. Den mittlerweile fast 10 cm messenden Buntbarschen wollte ich ja schließlich ein angemessenes Zuhause zu bieten, und den Gesellschaftsfischen Ruhe . Angemessen ist ein Behältnis von 200 – 250 Litern mit einer Seitenlänge von mindestens einem Meter ,besser mehr. Nun weiß ich welche Befürchtungen jetzt bei einigen aufkommt. Wir haben doch schon so viel Arbeit mit dem kleinen Aquarium, wenn das jetzt noch grösser wird, wird auch die Arbeit mehr. Diese Mutmaßung jedoch ist falsch, denn desto grösser das Aquarium, desto besser der biologische Rhythmus, sofern es eingefahren ist. Nach langer Überzeugung meiner Eltern durch den damaligen Jugendwartes meines Aquarienvereins entschlossen sich meine Eltern mir ein grösseres Aquarium mit 1,20x40x50 m( 240 Liter)  zum Geburtstag zu schenken, übrigens ein second-hand Becken mit Filter und allem anderen Zubehör. Ich richtete das Aquarium nach den Vorschlägen einschlägiger Fachbücher mit feinem Sand (Quarzsand , erhältlich in jedem Baufachmarkt) und aus dem Elm gesammelten Kalksteinen ein (somit kam der Rest der Familie zu einem erlebnisreichen Sonntag-Nachmittag ), um somit auch gleich den Wasserchemismus positiv zu beeinflussen, denn Afrikaner aus dem Malawi- oder Tanganjikasee benötigen hartes Wasser, Wasser mit PH Werten über 7 und einer Härte von mehr als 10 Härtegraden. Der Aufwand weiches Wasser hart zu machen durch zB. Salze stellt übrigens für jeden Laien nicht so viel Aufwand dar, als hartes Wasser weich zu machen. Nachdem mein Aquarium nun mehrere Wochen einlief (empfehlenswert 5-7 Wochen, damit sich div. Bakterien bilden können ) setzte ich meine Afrikaner um in Ihr neues zu Hause. Es waren 4 Türkisbuntbarsche (Melanochromis Auratus ), 6 blau-rote Zebras (Pseudotropheus zebra) sowie 6 gelbe Buntbarsche ( Labidochromis Speci Yellow). Auch einige Saugschmerlen fühlten sich auf Anhieb wohl.
    Als Bepflanzung wählte ich damals lange Vallisnerien und Javafarn, weil man Buntbarschen ja immer nachsagt, daß sie Pflanzen fressen. Diese Behauptung stimmt nur bedingt, denn es kommt immer auf die Futterzusammensetzung an. Man sollte Malawi- und auch viele Tanganjikaseecichliden mit Grünfutter füttern, denn in der Natur leben viele von Ihnen ausschliesslich vom Abweiden von Algen. Diese Tatsache erklärt auch, warum man diese Tiere, sofern sich niemand als Urlaubsvertreter findet ruhig 3-4 Wochen ohne Futter im Aquarium schwimmen lassen kann, sofern man Ihnen ein paar mit Algenbüscheln besetzte Steine ins Aquarium legt.
    Meine Malawis übrigens vermehrten sich in diesem Aquarium welches ordentlich Verstecke für die Jungen, bot von allein. Das interessanteste, was ich als damals 13 Jähriger feststellen musste, und was mich nach wie vor heute noch fasziniert ist die Tatsache, daß viele der Buntbarsche maulbrüten. Das Männchen welches übrigens immer mehrere Weibchen benötigt lockt zur Eiablage ein von Ihm ausgewähltes Weibchen in sein Revier, eine Höhle oder Steinplatte , und nach mehreren vom Männchen gescheiterten Balz-Versuchen legt das Weibchen immer ein-zwei Eier die sofort ins Maul genommen werden. Es frist die Eier nicht , es behält die Eier im Maul. Da die Männchen meistens über sog. Eiflecken an der Afterflosse verfügen, einer biologischen Attrappe, versucht das Weibchen diese zu schnappen, was die Besamung des Männchens auslöst und somit die Eier befruchtet. Dieses übrigens sehr  witzige Schauspiel wiederholt sich zum Teil bei einigen Arten über Stunden. Danach haben die Weibchen nicht nur optisch „die Schnauze voll“. Meist verstecken sie sich in irgendeiner Ecke und man wundert sich wo sie denn geblieben sind, denn selbst zum Füttern, wo sie immer erschienen kommen sie zwar, aber sie fressen nicht. Meist hält das ca. 4 Wochen an und man kann bei den Weibchen einen dunkel werdenden Kehlsack entdecken. Die Eier werden zu Larven und die Larven zu Fischen die meist wenn sie von der Mutter herausgelassen werden ca. 1 cm groß sind und sofort gierig über feingeriebenes Flockenfutter und Cyclops herfallen. Diese Zwerge werden übrigens von der Mutter bei Gefahr sofort wieder in das schützende Maul aufgenommen, bis sie nicht mehr reinpassen. Aber glauben Sie mir, es ist immer wieder ein Schauspiel diesen Vorgang zu beobachten, vergleichbar ist vielleicht das Parken eines Autos auf den allzukleine Parkplätzen von Venedig, wo der Parkwächter durch Ihr Schiebedach aussteigt, weil die Tür nach dem einparken nicht mehr aufgeht. Die Jungen haben auch in der Natur eine recht hohe Überlebensquote, weil sie sehr groß und eigenständig sind. Nicht selten musste ich Ausreisser entdecken, die sich nach mehreren krampfhaften Versuchen der Mutter sie wieder in Ihre Kinderstube aufzunehmen, abgesetzt hatten.

    Selbst heute nach fast 20 Jahren Aquaristik und der Haltung und Zucht verschiedener Malawi- und Tanganjikaseecichliden waren dies nicht nur für mich sehr farben- und verhaltensfrohe, einfach zu halten, pflegen und zu züchtende Fische , sodaß ich sie jedem, der die Anschaffung und den Raum hat , sich ein grösseres Aquarium zu stellen, nur empfehlen kann. Sollten Sie Fragen zu diesen Fischen haben können Sie sich gern an mich wenden, oder aber an einem der an jedem 1. Und 3. Donnerstag im Monat stattfindenden Vereinsversammlungen sich mit den Mitgliedern austauschen.
     

    Jörg Hauschild
    Tel. 05307 / 951214


    Der Skalar...

    ... ist im gesamten Amazonasgebiet verbreitet. Es gibt den Pterophyllum altum (hoher Segelflosser), Pterophyllum scalare („normaler“ Skalar) und dessen Zuchtformen Marmor-, Diamant-, Zebra-, Gold-, Rauch-, Schleier- und den schwarzen Skalar. Mittlerweile gibt es auch den weißen Skalar, welcher eine recht empfindliche Zuchtform ist. Diese Form ist weiß-schwarz gefleckt mit schwarzen Augen.
    Die Geschlechter der Skalare sind so gut wie gar nicht erkennbar. Nur während der Laichzeit sidn die Geschlechter an der Laichpapille zu unterscheiden. Allerdings sind bei ausgewachsenen „normalen“ Skalaren die Männchen in der Regel größer und haben einen klobigeren Kopf.
    Ausgewachsene Skalare sind zwischen 12 und 20 cm hoch (Pt. Altum bis zu 30 cm). Bei einer Beckengröße von 100 x 40 x 50 cm hält man am besten 6 Tiere. Sind die Tiere geschlechtsreif und haben sich Paare gebildet, sollten es maximal zwei Paare sein, da sonst Versteckplätze und Fluchtwege fehlen. Als Pflanzen empfehlen sich Vallisnerien und Pflanzen mit großen Blättern z.B. Amazonas Schwertpflanzen. Auch Moorkienholz bzw. Savannenholz darf ebenfalls nicht fehlen, da sich Skalare gern zwischen Vallisnerien und Wurzeln aufhalten. Die Temperatur sollte zwischen 24°C und 28°C, der pH-Wert zwischen 5,7 und 6,7 und die Gesamthärte unter 12° liegen. Da der Skalar weiches leicht saures Wasser liebt, bietet sich in Gegenden mit härterem Leitungswasser eine Filterung über Torf an. Der Skalar ist in Hinsicht auf Futter kein sehr anspruchsvoller Fisch. Er nimmt Frostfutter, Flockenfutter und im Sommer Cyclops und Mückenlarven aus der Regentonne.
    Hat sich ein Paar aus einer Gruppe Jungtiere gefunden, nimmt es bald auch eine Ecke im Aquarium in Anspruch und wird aggressiv gegenüber den Artgenossen. Dieses Paar setzt man dann in ein eingerichtetes Zuchtbecken der Größe 80 x 30 x 50 cm mit den gleichen Wasserbedingungen wie im alten Aquarium. Dort wird das Paar dann bald auf einem großen Blatt ablaichen. Es kann passieren, daß das Gelege nach dem ersten Tag anfängt zu verpilzen. Dies kann passieren, wenn das Gelege nicht befruchtet ist, was an der Unerfahrenheit der Fische liegt. Sie werden das „verpilzte“ Gelege auffressen. Irgendwann stellt sich auch ein Zuchterfolg ein, wenn die Tiere selbst aus natürlicher Aufzucht kommen. Aufgezogen werden die Jungfische mit frisch geschlüpften Salinenkrebsen (Artemia) und später mit Cyclops.
    Die Behauptung, daß Skalare Neons fressen, stimmt so nicht. In der Natur gehört der Neon zwar zur Hauptnahrung der Skalare, aber Skalare, die mit Neons aufgewachsen sind, werden keine ausgewachsenen Neons fressen.
    Vergesellschaften kann man Skalare mit Salmlern, Panzerwelsen und Antennenwelsen. Auf friedliche Zwergbuntbarsche sind geeignet. Verzichten sollte man auf Sumatrabarben, da diese gerne an den langen Flossen der Skalare knabbern.
    Benjamin Spalding, 16 Jahre
    Mitglied der Jugendgruppe
    Tel.: 05353 / 2655

    Staubsauger im Aquarium

     
    Für viele Aquarianer sind Panzerwelse nur die Staubsauger im Aquarium, die dafür sorgen sollen, Futterreste zu verwerten. Diese putzigen Gesellen sind jedoch mehr. Wer einmal, auch nur durch Zufall, Panzerwelse gezüchtet hat und ein Rudel ein Zentimeter langer Jungfische durchs Becken hat huschen sehen, wird die Tiere lieben und nicht mehr missen wollen.
    Die bekanntesten Panzerwelsarten sind der Metallpanzerwels (Corydoras aeneus) und der Marmorierte Panzerwels (Corydoras paleatus). Beide Arten gibt es auch in einer albinotischen Form, d.h. ohne Farbpigmente und somit rein weiß/rosa. Die Arten der albinotischen Formen sind nicht mehr zu unterscheiden. Beide Arten werden bis 7 cm groß. Wichtig ist, daß Panzerwelse in Gruppen ab 6 Tiere zu halten sind, da sie Schwarmfische sind und erst so ihr interessantes Verhalten zeigen. Panzerwelse gibt es quasi für jede Aquariengröße. Auch in einem kleinen 30 Liter Becken kann man z.B. Corydoras habrosus oder Corydoras  pygmaeus halten, die nur 3,5 cm bzw. 2,5 cm groß werden. Für große Aquarien mit Buntbarschen eignet sich beispielsweise der bis 10 cm groß werdende Smaragdpanzerwels Brochis splendens.
    Vergesellschaftet werden können Panzerwelse mit allen Fischarten, die die Welse nicht als Futter ansehen. Selbst sind Panzerwelse sehr friedlich und fressen auch keine Jungfische anderer Arten oder stellen diesen nach.
    Ans Wasser stellen Panzerwelse keine besonderen Ansprüche, allerdings sollte der pH-Wert im Bereich von 6,0 bis 8,0 und die Härte unter 25° dGH liegen.
    Daß Panzerwelse reine Restevertilger sind, ist nicht richtig. Natürlich kann man sie mit Futterresten am Leben halten, aber sie haben wie alle Fische auch eigene Futteransprüche. Sie sollten abwechslungsreich mit pflanzlichem und tierischem Futter versorgt werden. Es gibt spezielles Welsfutter, das diese Bedürfnisse abdeckt. Zusätzlich wird gern Frostfutter und auch lebende Tubifex gefressen. Tubifex sollte allerdings nur selten in kleineren Portionen  gefüttert werden, da diese Tiere aus belasteten Gewässern kommen und außerdem die Fische bei übermäßiger Fütterung schnell verfetten.
    Natürlich interessiert jetzt jeden, wie man diese schönen Tiere züchten kann. Vielfach ist die Zucht von Metall- oder Marmorierten Panzerwelsen die erste Fischzucht im Leben eines neuen Aquarianers. Auf einmal beginnen die Tiere abzulaichen und der Aquarianer freut sich, weiß aber nicht warum sie laichen. Um dies zu erklären, will ich einmal darauf eingehen, woher die Panzerwelse überhaupt kommen und wie sie sich in der freien Natur vermehren.
    Die meisten der zur Zeit etwa 200 wissenschaftlich bekannten Corydoras-Arten kommen aus dem Einzugsgebiet des Amazonas in Südamerika. Dort beherbergt nahezu jedes Flußsystem seine eigene Art oder Unterart. Von diesen Arten werden nur etwa 10 Arten regelmäßig kommerziell gezüchtet. Die Fortpflanzung der Panzerwelse findet mit Beginn der Regenzeit in den Winrtermonaten statt, wenn die Flüsse über die Ufer treten und in den Überschwemmungsgebieten reichlich Futter und Versteckplätze für die Jungfische zur Verfügung steht. Wer glaubt, daß alle Urwaldbäche so schön pflanzenreich aussehen, wie unsere Aquarien, der irrt sich. Die meisten Flüsse sind aufgrund der Strömung und der Lichtverhältnisse kaum bewachsen. Ihr Boden ist sandig oder bei langsam fließenden Bächen mit Laub und Ästen bedeckt. Durch das Blätterdach der Urwaldbäume fällt kaum genügend Licht, um Wasserpflanzen gedeihen zu lassen. Während der Regenzeit finden die Panzerwelse im überfluteten Urwaldboden reichlich Futter und auch Insektenlarven von z.B. Mücken, die sich in dem stehenden sich erwärmenden Wasser gut vermehren. Die Jungfische werden nicht von der Strömung weggerissen und können quasi auf dem Urwaldboden aufwachsen.
    Was hat dies nun mit der Panzerwelszucht im heimischen Wohnzimmer zu tun? Soll ich das Wohnzimmer unter Wasser setzen und die Panzerwelse vermehren sich zwischen Couch und Fernseher? Sicher nicht, aber diese Veränderungen von Wasser und Futter in der Natur können wir im heimischen Aquarium nachempfinden. Über die Sommermonate, wenn wir sowieso lieber im Garten in der Sonne liegen oder Urlaub machen, fehlt uns eh das Interesse, uns intensiv mit den Aquarien zu beschäftigen. Wir füttern ein bißchen Flockenfutter und Futtertabletten und auch der Wasserwechsel ist nicht mehr so häufig. Daß dies der Anfang für den Erfolg nicht nur bei der Panzerwelszucht (!) ist, ist kaum zu glauben. Im Oktober, wenn das Wetter draußen wieder schlechter wird, und die Tennisschläger ihren Winterschlaf im Schrank beginnen, wird mit den eigentlichen Zuchtvorbereitungen begonnen. Entweder man verwendet ein eigenes Zuchtbecken oder überführt später die Eier in ein Extrabecken. Dazu später mehr. Um die Panzerwelse in Vermehrungsstimmung zu bringen, sind bei den meisten gut züchtbaren Arten häufige Wasserwechsel mit kaltem Wasser und eine kräftige Fütterung mit gefrorenen Mückenlarven und Tubifex nötig. Wenn die Weibchen „kugelrund“ sind und von den kleineren schlankeren Männchen verfolgt werden, steht das Ablaichen kurz bevor. Je nach Art darf der Züchter jetzt weiter vorgehen. Bei den aeneus oder paleatus können die Tiere im Haltungsbecken belassen werden, wenn dieses überall für den Züchter gut zugänglich ist. Diese Tiere sind so freundlich und laichen teilweise über 100 Eier in größeren Ansammlungen an den Aquarienscheiben ab. Die auch von mir gezüchteten Corydoras panda und Corydoras cf. adolfoi sind da etwas „unfreundlicher“. Sie verstecken die Eier einzeln oder zu zweit an Wasserpflanzen, aber genauso wie die zuerst genannten Arten meist im Bereich der Wasserströmung. Beim eigentlichen Ablaichvorgang setzt sich ein Männchen in T-Stellung vor das Weibchen und gibt sein Sperma ab. Das Weibchen laicht ab und fängt die ein bis zwei Eier mit ihren zu einer Tasche gehaltenen Bauchflossen auf. Erst dann schwimmt das Weibchen zu einer ihr genehmen Stelle und heftet die stark klebenden Eier an. Werden die Eier nicht vom Züchter in Sicherheit gebracht oder die Elterntiere aus dem Zuchtbecken entfernt, dann findet die Zucht nach dem Motto „hinten raus, vorne rein“ ein schnelles Ende.
    Die Eier sind derart unempfindlich, daß sie mit den Fingern durch Rollen von ihrem Platz entfernt und in ein Aufzuchtbecken oder einen Ablaichkasten überführt werden können. Auch das kurzfristige Entfernen aus dem Wasser macht den Eiern nichts aus. Ich habe für die Zucht immer Amazonaspflanzen, die in Tontöpfen eingepflanzt waren, oder mit Javafarn bewachsene Wurzeln als Ablaichplätze angeboten. Die Töpfe und Wurzeln konnte ich dann aus dem Wasser nehmen und die Eier absammeln.
    Es wird in der einschlägigen Literatur empfohlen, dem Wasser ein Mittel gegen das Verpilzen der Eier zuzusetzen. Dies halte ich für Schwachsinn. Warum auf chemische Mittel zurück greifen, wenn man etwas viel besseres in einem anderen Becken züchtet? Die beste Methode die Panzerwelseier vor dem Verpilzen zu bewahren ist es, Antennenwelse (Ancistrus dolichopterus) bis zu einer Größe von 3 cm einzusetzen. Diese lutschen die ganze Zeit an den Eiern, können sie aber nicht zerstören. Eier, die am nächsten Tag weiß werden, können entfernt werden, da sie unbefruchtet sind. Je nach Temperatur schlüpfen die Panzerwelse nach unterschiedlicher Zeit. Die kleinen Panzerwelse sind nur wenige Millimeter groß und sehen aus wie schwimmende Kommata. Gefüttert werden die Kleinen mit Artemia Nauplien und je nach Größe mit Cyclops und feinem Trockenfutter oder Futtertabletten.
    Interessant ist, daß ich die Erfahrung gemacht habe, daß Panzerwelse nur in ihren ersten Lebensmonaten richtig wachsen. Ich habe ca. 3 Jahre alte Corydoras cf. adolfoi, die normalerweise bis 6 cm groß werden, mit einer Körperlänge von 2 cm. Sie sind als Jungfische aus bisher unbekannten Gründen nicht richtig gewachsen und tun dies jetzt auch nicht mehr.

    Ich hoffe, mit meinem Artikel etwas Interesse für diese Fische geweckt und ihr Image als Staubsauger und Restevertilger aufgebessert zu haben.
    Wer weitere Informationen haben möchte, frage einfach auf der Zierfischbörse einen Panzerwelszüchter, komme zu unseren Vereinstreffen oder schaue im Internet auf

    Kai A. Quante
    Tel./Fax: 05309 / 2024


    Fische züchten

    Dieser Bericht soll einige Tips zur Zucht von Aquarienfischen geben. Zunächst einmal ist es wichtig, daß die Fische nicht in zu kleinen Becken untergebracht sind, die Zuchtbecken sollen den einzelnen Fischarten angepaßt sein. Bei Lebendgebärenden sollte die Beckengröße nicht unter 60 cm liegen, bei einigen Salmlern und Barben können auch Becken von 40 cm Kantenlänge verwendet werden. Bei großen Barschen empfiehlt es sich, Becken nicht unter 100 cm zu verwenden. Allgemein sollte in den Zuchtbecken, bis auf einige Ausnahmefälle, nur die zu züchtende Art gepflegt werden. Die Vermehrung kann somit nicht gestört werden, und der Laich kann von anderen Arten nicht als wohlschmeckende Mahlzeit angesehen werden.
    Ist ein Becken in der richtigen Größe aufgestellt, muß die Einrichtung auf den zu züchtenden Fisch abgestimmt werden. Bei den Malawiseebuntbarschen sollte das Lochgestein nicht fehlen, bei den Tanganjikaseebewohnern kann das Becken mit Schieferplatten dekoriert werden. Reichlich Versteckplätze sollten für die Jungfische von Lebendgebärenden vorhanden sein.
    Züchtet man mit mehreren Becken, sollte das Filtersystem eine gute Leistung vollbringen. Dies befreit jedoch nicht vom regelmäßigen Wasserwechsel, der natürlich bei Zuchtfischen besonders genau eingehalten werden muß. Nur in „sauberem“ Wasser werden sich die Fische wohl fühlen und auch vermehren. Die Wasserwerte spielen natürlich eine große Rolle in der Fischzucht. Weiches Wasser bevorzugen Salmler, hartes  mit einem alkalischen pH-Wert dagegen Lebendgebärende. Die Wasserwerte sollten ständig kontrolliert werden.
    Eine große Rolle bei der Zucht von Zierfischen spielt auch das Futter. Hiernach wird bestimmt, ob sich die Fische überhaupt vermehren und wie viele Junge herauskommen. Besonders geeignet sind Frost- und Lebendfutter, wie z.B. schwarze Mückenlarven, rote Mückenlarven, Wasserflöhe, Krill, Mysis und in besonderen Fällen auch Rinderherz. Das Futter ist je nach Fischart auszuwählen, wobei darauf zu achten ist, daß abwechslungsreich gefüttert wird.
    Hat man die Lebensbedingungen der Fische gut nachgestellt und werden sie optimal versorgt, stellt sich meistens bald Nachwuchs ein. Dieses ist natürlich eine grobe Verallgemeinerung und kann im Einzelfall auch anders aussehen, darum empfiehlt es sich, immer einmal etwas Neues auszuprobieren und neue Erkenntnisse einzusetzen.
    Um diese Erkenntnisse auszutauschen, treffen wir uns regelmäßig im Aquarienverein und plaudern über Erfolge und Mißerfolge, wobei man evtl. vor Mißerfolgen bewahrt wird, indem man von anderen Aquarianern lernt.
    Lawrence Kemnitz
    Jugendwart
     Tel./Fax: 05307/951864

    Wasserwechsel und Filterdreck

    Natürlich wechselt jeder Aquarianer regelmäßig einen Teil seines Aquarienwassers. Die meisten schütten das alte Wasser in den Ausguß und füllen frisches Wasser aus dem Wasserhahn nach. Das gleiche passiert mit dem Dreck, der bei der Filterreinigung übrig bleibt. Erstens stinkt er und zweitens ist er verdammt dreckig, also weg damit.
    Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, das alte Wasser und den „Filterdreck“ sinnvoller zu verwenden, als ihn den Kläranlagen zu überlassen?
    Ich verwende das alte Aquarienwasser zum Blumengießen. Es ist schön warm und, entschuldigen Sie, vollgeschissen. Gerade die Abfallstoffe aus der Verdauung der Aquarienbewohner machen das Wasser so geeignet. Natürlich kann nicht jedes Aquarienwasser als Gießwasser verwendet werden. Wasser, das Medikamentrückstände enthält oder durch die Zugabe von Bicarbonaten künstlich aufgehärtet wurde, ist nicht geeignet. Aber das Wasser aus dem Südamerikabecken mit seinen Skalaren und Salmlern stellt wunderbares Blumenwasser zur Verfügung. Meine Pflanzen wuchern regelrecht, seitdem ich sie so verwöhne.
    Jeder Filter sollte erst dann gereinigt werden, wenn der Wasserdurchfluß nicht mehr ausreichend ist. Das sollte jeder Aquarianer wissen. Nicht das Filtermaterial, sondern die sich daran ansiedelnden Mikroorganismen sorgen für die Reinhaltung des Wassers. Je „dreckiger“ ein Filter ist, umso funktionstüchtiger ist er auch! Wenn ein Filter nun so verstopft ist, daß kein Wasser mehr durchfließt, muß er ausgewaschen werden. Dies geschieht bei mir in einem Eimer mit Aquarienwasser. Das Filtermaterial wird solange durchgespült, bis wieder Wasser durchfließen kann. Nie das Filtermaterial auskochen, da dadurch die letzten am Material haftenden Filterbakterien abgetötet werden, und es dann lange dauert, bis der Filter wieder richtig läuft.
    Was dann im Eimer zurück bleibt, ist eine stinkende braune Brühe. Wenn man dieses Wassergemisch eine Stunde stehen läßt, setzt sich am Boden eine braune Masse ab. Diese Sammlung aus totem und lebendem organischen und anorganischen Material eignet sich zum Beispiel hervorragend für die Fütterung von kleinen Panzerwelsen und Zwerggarnelen. Hat man diese nicht in ausreichender Zahl, kann diese Soße auch hervorragend als Blumendünger verwendet werden.
    Man soll gar nicht glauben, wie gut die Pflanzen bei solch einer Pflege gedeihen. Probieren sie es doch auch einmal.
    Kai A. Quante
    Tel./Fax: 05309 / 2024

    © KAQ, 14.04.1999

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