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II. Fishlight

Dezember 1997

Inhaltsverzeichnis

  • Eigentlich wollte ich doch schon immer einmal ...
  • Kauf von Zierfischen auf der Börse
  • Jugendgruppe im Aquarienverein Braunschweig
  • Erste Erfahrungen mit der Etagenzucht
  • Der Texaskärpfling in Europa

  • Eigentlich wollte ich doch schon immer einmal ...

    in einen Aquarienverein eintreten, aber ich habe ja immer keine Zeit.
    Und außerdem merken die dann, daß ich gar nicht so viel über Aquaristik weiß. Dann habe ich doch auch noch meinen Nachbarn, mit den tollen Tricks mit dem Mineralwasser und dem Kochsalz. Sicher, das letzte Mal sind mir alle Fische eingegangen, werde bestimmt selbst etwas falsch gemacht haben, der Nachbar hat ja schon jahrelang Fische und der kennt sich aus.  Wenn ich bedenke, daß ich gar keine Fische haben wollte. War es nicht vielmehr so, daß die Fische an meiner Tür geklingelt und gesagt haben, "nimm uns auf".
    Möglicherweise gehören Sie auch der sehr freundlichen Spezies Mensch an, die ihrem Sechsjährigen anhand einiger kleiner Fischlein das Gesetz des Seins, vom Leben und Sterben beibringen will. "Der" kostet nicht so viel, wir kaufen nächste Woche neue.
    Oder ist es der böse Händler gewesen, der Sie mal wieder vollkommen falsch beraten hat? Erwarten Sie von einem Autohändler, daß er Ihnen das Fahren beibringt? Wie soll Ihnen der gutwilligste Zoofachhändler in einem Verkaufsgespräch von zehn Minuten die Grundsätze der Aquaristik beibringen?
    Ich weiß, Sie haben nun den „Horroreintrittspreis" von 2,-- DM bezahlt, haben uns zu „Wahnsinnspreisen" Fische abgekauft und nun werden Sie auch noch durch den Kakao gezogen. Vielleicht haben Ihnen aber meine vorangegangenen Zeilen zu denken gegeben, und Sie wollen kein "Fischverbraucher", sondern jemand sein, der eine gewisse Achtung vor der Kreatur Fisch hat. Dann kommen Sie einfach mal bei einem unserer Vereinsabende vorbei.
    Welche Voraussetzungen müssen Sie erfüllen? Sie müssen ein freundlicher Mensch sein, egal ob zurückhaltender Schweiger oder rheinischfröhliches Schnabbelchen, und der Mitgliedsbeitrag sollte pünktlich bezahlt werden.
    Welches Alter, welcher Beruf, welches Geschlecht? Nun, von Arbeitslosem bis Arzt, von Schüler bis Rentner, Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sind bei uns an Bord. Insbesondere auf den verhältnismäßig großen Anteil weiblicher Mitglieder bin ich stolz, da ich Frauen für die erheblich besseren Aquarianer halte, die einen Ratschlag haarklein befolgen, während Männer immer meinen, etwas besser wissen zu müssen.
    Wann und wo treffen wir uns? Jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat um 20.00 Uhr in der Mehrzweckhalle in Dibbesdorf, Alte Schulstraße. Auch Gäste, die nicht gleich in den Verein eintreten wollen, sind uns willkommen. Es wird Sie niemand mit einem Vereinseintritt bedrängen.
    Wollen Sie nicht gleich in eine Versammlung voller fremder Gesichter reinplatzen, rufen Sie mich an. Ich erzähle Ihnen gerne etwas über unseren Verein und zeige Ihnen meine Fische.
    Helmut Reinsch
    Tel. 05309 / 5226

    Kauf von Zierfischen auf der Börse

    Sehen Sie diesen kurzen Artikel als einen Ratschlag eines langjährigen Aquarianers, der Ihnen lange Freude mit Ihren erstandenen Zierfischen wünscht.

    Beim Besuch einer Zierfischbörse sollten Sie bedenken, daß die dort angebotenen Zierfische von Hobby-Aquarianern im heimischen Wasser gezüchtet und mit Liebe und Sorgfalt aufgezogen wurden.
    Die Zierfische haben von daher einen hohen Qualitätsstandard und sind in der Regel unempfindlicher als der Wildnis entnommene Tiere, die evtl. mehrere Tage im Beutel und in diversen Zwischenstationen verbringen.

     
    Trotz alledem erfahre ich immer wieder, daß Zierfischbörsen-Besucher Pech mit Ihren dort gekauften Fischen hatten, nicht weil Sie schlecht in der Qualität waren, sondern weil der Käufer gravierende Fehler begangen hat, wie ich aus kurzen Gesprächen erfuhr. Um einem großen Teil  Fehlern vorzubeugen, die auch ich im Laufe meiner aquaristischen Tage und Jahre gemacht habe, dachte ich an eine Veröffentlichung in unserer Vereinszeitung, um Ihnen und Ihren Pfleglingen das Leben zu erleichtern.

    Um Zierfische zur Zucht zu motivieren, bedarf es Voraussetzungen, die sie in Ihrer natürlichen Umgebung vorfinden. Ich meine damit nicht die Ausstattung des Aquariums, sondern vielmehr den Wasserchemismus. Sicher will sich nicht jeder, der der Aquaristik frönt, ausgiebig damit beschäftigen, doch sollte man gewisse Grundsätze für eine gewissenhafte Haltung kennen. Ich werde die ganze Sache vereinfacht darstellen.
    Ihr auf der Börse gekaufter Zierfisch verläßt das Becken und wird in einer Tüte mit etwas Luft eingepackt. Um Streß während des Transports zu vermeiden, wird er vom Börsenaussteller in Zeitungspapier eingewickelt, was sicher auch ein weiteres Abkühlen auf dem Nachhauseweg verhindert. Zu Hause angekommen, sollten Sie Ihre Pfleglinge nicht sofort in Ihr neues Heim entlassen, denn hier wird in der Regel der 1. große Fehler gemacht. Legen Sie die erworbenen Zierfische im geschlossenen Beutel in das Aquarienwasser, so daß sich die Temperatur im Beutel angleicht (ca. ½ Std.)
    Nun sollten Sie die Neulinge natürlich nicht ohne weiteres ins Becken lassen, sondern gleichen Sie das Wasser, besser die Chemie, in kleinen Schritten an. Nehmen Sie ein Schnapsglas oder ein anderes kleines Behältnis und führen Sie dem Beutel Ihr bereits „eingefahrenes Aquarienwasser" in mehreren Schritten zu. Ich habe die Erfahrung gemacht, je länger man sich Zeit für diesen Vorgang läßt, um so weniger Ausfälle treten auf. Natürlich sollten Sie Ihre Neulinge nicht in der Tüte übernachten lassen.

    Nach dem Einbringen ins Aquarium stellen Sie unter Umständen fest, daß Ihr Pflegling, je nach Einrichtung Ihres Aquariums erstmal für kurz oder lang von der „Bildfläche" verschwindet. Logisch ist, daß er sich orientiert, und sich sein neues Zuhause genau ansieht.
    Bei untereinander aggressiveren Fischarten, ich denke hauptsächlich an Cichliden oder an andere revierbildende Fischarten, hat es sich bewährt die Neulinge in der Dämmerung einzusetzen, damit Sie nicht gleich der Verfolgung ausgesetzt sind. Sie haben somit eine Nacht zur Eingewöhnung.

    Häufig wird den Neulingen gleich Futter angeboten. Ihre „Neuen" kommen wohlgenährt auf die Fischbörse. Sie werden 2-3 Tage ohne Futter locker verkraften. Meist kennen Ihre „Alten" die Füttergewohnheiten und drängeln sich eh vor, so daß „Neue" am ersten oder zweiten Tag nur zusätzlichem Streß ausgesetzt werden.
    Achten Sie nach einer Neubesetzung auf Ihre Zierfische, denn Krankheiten bei Zierfischen entstehen zu 99% durch Streß, Veränderungen der Umgebung oder der Wasserchemie.
    Die wohl bekannteste Streßkrankheit ist der Ichtyo, kleine weiße Punkte überfallen Ihren Zierfisch. Hiergegen gibt es jedoch im Handel sehr gut wirksame Präparate, die die Krankheit behandeln und Ihren Fisch gesunden lassen.
    Sollten Sie meine Ratschläge jedoch befolgen, tritt Ichtyo nicht auf.

    Grundsätzlich sollten Sie sich die Telefonnummer Ihres Börsenanbieters geben lassen, denn er wird Ihnen in wichtigen Fragen sehr gern weiterhelfen.

    Sollte Ihr Interesse an der Aquaristik über die Haltung von Zierfischen hinausgehen, so können Sie sich gern unserem Aquarienverein Braunschweig e.V. anschließen. Hier werden Sie noch mehr über Ihre Pfleglinge in abendlichen Treffen erfahren, und unter anderem viele Gleichgesinnte kennenlernen.

    Ich wünsche Ihnen mit Ihren „neuen Pfleglingen" viel Spaß und Freude.

    Es wäre schön, Sie auf der nächsten Börse wiederzusehen.
     

    Jörg Hauschild

    Jugendgruppe im Aquarienverein Braunschweig

    Ich möchte mich in dieser Ausgabe unserer Aquarienzeitschrift zunächst einmal vorstellen. Seit Gründung des Vereins 1995 bin ich als Jugendvertreter dabei, heiße Lawrence Kemnitz, bin 17 Jahre alt und gehe noch zur Schule.

    Damals waren wir noch eine kleine Gruppe von Jugendlichen in diesem Verein. Inzwischen sind einige neue junge Mitglieder hinzugekommen.

    Aber ich glaube, daß es bestimmt noch viele Kids gibt, die zu Hause auch ein Aquarium haben und vielleicht daran interessiert sind, sich einem Verein anzuschließen, um ihre Kenntnisse in der Fischzucht oder Haltung zu intensivieren.

    Als ich vor fast 3 Jahren zum Aquarienverein kam, hatte ich schon ein paar Jahre mit meinen Fischen Erfolge gehabt. Aber es gab immer wieder Fragen, wie z.B. was muß ich meinen jungen Fischen füttern, damit sie gut wachsen oder warum legen bei mir die Welse keine Eier.

    Mein Wissensdrang war groß, ich suchte bei älteren Aquarianern Rat. Als Mitglied des Aquarienvereins habe ich dann meinen Sachkundenachweis gemacht und werde somit als Fischzüchter anerkannt.

    Auf den ersten Fischbörsen war ich mit 2-3 Becken vertreten, heute bin ich (mit meinem Bruder zusammen) schon mit ca. 10 Becken beteiligt. Fische züchten macht Spaß, aber es macht auch Arbeit.

    Ich hoffe, ich habe jetzt viele Jugendliche neugierig gemacht. Wenn Ihr Lust habt, schaut doch bei unserem nächsten Vereinstreffen einmal vorbei. Es gibt bei uns keine Altersbegrenzung (unser zur Zeit jüngstes Mitglied ist 14 Jahre alt und auch schon seit der Gründung aktiv im Verein). Wer sich für die Aquaristik interessiert, ist herzlich willkommen. Ihr dürft natürlich auch Eure Eltern mitbringen.

    Neugierig geworden?

    Lawrence Kemnitz, - Jugendvertreter -
    Tel. 05307 / 951864

    Erste Erfahrungen mit der Etagenzucht

    Etagenzucht heißt, daß von den Elterntieren mehrere Bruten in einem Becken großgezogen und die Jungtiere auch weiterhin geduldet werden. Es ist sogar sehr ratsam, die Jungen im Aquarium mitschwimmen zu lassen, weil sie den Eltern bei der Aufzucht der nächsten Generation behilflich sind.
     
    In diesem Bericht beschränke ich mich auf zwei Buntbarscharten, die Etagenzucht betreiben. Da wäre einmal Neolamprologus spec. „daffodil", den ich im Zoohandel unter dem Namen „Königin von Sambia" gesehen habe,
     
    und als zweites Julidochromis marlieri mit dem deutschen Namen Schachbrett-Schlankcichlide. 
    Diese beiden Arten halte und züchte ich seit ca. 1½ Jahren erfolgreich. Beide Arten hatten bei mir vor kurzem ein neues Gelege. Zuerst hat das Männchen eine kleine Grube unter zwei Schieferplatten gegraben, dann hat es die vom Weibchen gelegten Eier an der Höhlendecke befruchtet. Die Larven sind nach ca. 24-72 Stunden mit einem kleinem Dottersack geschlüpft, nach weiteren 3 Tagen schwammen sie frei um die Bruthöhle herum, wo sich auch die erste Generation aufhielt. Der Dottersack war nun aufgebraucht. Weiter aufgezogen habe ich sie mit Artemia-Nauplien, Microwürmchen und später mit feinem Flockenfutter, womit sie relativ schnell heranwuchsen. Jedoch fiel mir bei der Aufzucht dieser beiden Arten auf, daß die Jungtiere von J. marlieri nicht ganz so rasch wuchsen wie die von N. „daffodil". Bei beiden Arten mußte ich schon einige Jungtiere in andere Becken umsetzen, weil es sonst zu voll geworden wäre. Trotz der Etagenzucht, die diese beiden Arten betreiben, ist mir aufgefallen, daß das Elternpaar nicht mehr ablaicht, wenn zuviel Fische in dem Zuchtbecken sind. Zum Beispiel hatten meine Julidochromis marlieri seit ein paar Monaten nicht mehr gelaicht. Daraufhin habe ich einige Jungfische umgesetzt, und schon zwei Tage später habe ich neue Eier an der Höhlendecke entdecken können. Vielleicht war das Aquarium auch zu klein oder es bot den Fischen zu wenig Verstecke, jedenfalls legten sie bei zu hohem Fischbestand eine Laichpause ein.

    Wer solche Barsche gern züchten möchte, sollte sich ein Artenbecken für diese anlegen, weil es sonst leicht zur Überbevölkerung kommen kann.

    Wer nun noch Fragen hat oder etwas über diese Fische wissen möchte, der kann mich  gerne anrufen.

    Patrick Kemnitz (14 Jahre)
    Tel. 05307 / 951864

    Der Texaskärpfling in Europa

    Beim Urlaub auf der Insel Pag ( Kroatien ) hatte ich mir vorgenommen, einen bestimmten lebendgebärenden Zahnkarpfen zu suchen und zu fangen.
    Pag, das mit der Länge von 63 km und einer Breite zwischen 3-5 km bei Tauchern ein beliebtes Reiseziel ist und eine interessante Meeresfauna bietet, hat 3 Süsswasserseen, die im Sommer teilweise austrocknen.
    Ich fuhr mit meiner Frau zum größtem See der Insel "Veliko Blato". Das Wasser war flach und ca. 28 Grad warm. Ich watete ins Wasser, um diese Fische zu suchen. Es waren keine Fische zu sehen, so daß ich zum Ufer zurückging, um es an einer anderen Stelle zu versuchen. Dabei entdeckte ich jedoch, wie einige kleine Fische aus den Pflanzen heraus in meinen Spuren nach aufgewirbelter Nahrung suchten. Ich versuchte sie zu fangen, und als ich die ersten Fische in meinem Käscher hatte, sah ich, daß es eben diese Texaskärpflinge ( Gambusia affinis ) waren.
    Der pH - Wert im See lag bei 8, die GH bei 12 Grad und der KH bei 4. Am nächsten Tag nahmen sie gleich Flockenfutter. Nach einigen Tagen warf ein Weibchen einige Junge, die jedoch schnell von den Alttieren gefressen wurden.
     
    Wie kam nun dieser Fisch, dessen Ursprungsgebiete Texas, der Rio Medina und der San Antonio River sind, nach Kroatien? Da der Gambusia affinis ein sehr guter Mückenvertilger und sehr anpassungsfähig  ist ( die Wassertemperatur auf Pag sinken im Januar im Durchschnitt auf 10 Grad ) wurde er vor ca. 70 Jahren in Kroatien zur Bekämpfung der Malaria ausgesetzt.
     
    Die Fische sind für die Haltung in Gesellschaftsaquarium geeignet. Die Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 3,5 - 4 cm, die Weibchen eine Länge von 6,5 cm. Das Becken sollte gut bepflanzt sein. 
    Die Weibchen werfen zwischen 10 - 80 Junge, von denen dann wenige eine Chance haben, sich in den Pflanzen zu verstecken und aufzuwachsen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Lebendfutter, nehmen aber auch Flockenfutter. 
     
    Wer selbst einmal die Flora und Fauna der Insel Pag unter oder über Wasser kennenlernen möchte, kann sich an die Touristik Agentur Adriana, Tel.: 0038 553 611 699 oder 6113 80 wenden.
     
    Stefan Jemric

    © KAQ, 14.04.1999

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