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I. Fishlight

September 1997

Inhaltsverzeichnis

  • Zwergflußkrebsdame Schnippel
  • Lebendfutter - Eine Glaubenssache?
  • Kampffische

  • Zwergflußkrebsdame Schnippel

    Ich bin 6 Monate alt, ca. 5 cm groß und damit fast ausgewachsen. Zur Tarnung habe ich einen dunkel braun gemusterten Körper. Ich lebe mit meinen Eltern und einigen kleinen Geschwistern in einem 25 Liter Aquarium.
    Zur Zeit sitze ich unter einer Kokosnuß und warte, bis meine Kinder aus den Eiern schlüpfen. Die Eier kleben fest an meinen Schwimmbeinen und sind ca. 2 mm groß. Es dauert bei 27°C ca. 2 Wochen, bis meine Kinder als fertige kleine Krebse schlüpfen.
    Ich bin Ende März 1997 mit einer Größe von nur 2 mm aus dem ei geschlüpft. Die ersten drei Tage meines Lebens habe ich zusammen mit meinen ungefähr 50 Geschwistern auf oder unter dem Körper meiner Mutter verbracht. Weitere drei Tage haben wir dann in der nähe meiner Mutter gespielt und die Umgebung erkundet. Mama hat während der ganzen Zeit nichts gefressen, weil sie Angst hatte, aus Versehen eines Ihrer Kinder zu futtern.
    Vier Wochen nach dem Schlüpfen waren wir Kinder 10 mm bis 20 mm groß. Wir Krebse wachsen unterschiedlich schnell. Das Wachsen als Krebs ist ganz schön schwer, da unser Körper von einem festen Panzer umgeben ist und daher nicht mitwächst. Von Zeit zu Zeit ziehen wir daher unseren alten Panzer aus. Dies sieht dann so aus, als wenn ein leerer Krebs herum liegen würde. Darunter hat sich ein neuer Panzer gebildet, der nach dem Ausziehen des alten erst einmal aushärten muß. Dies ist für uns die gefährlichste Zeit, da unser Körper nicht mehr durch eine feste Rüstung geschützt ist. Bei Rangeleien mit Artgenossen kann man dann schon mal eine Schere oder ein Bein verlieren. Aber wir Krebse haben den Vorteil, daß uns Arme und Beine im Laufe der Zeit wieder nachwachsen. Nach zwei Monaten war ich dann 4 cm groß. Ich habe allerdings heute noch Geschwister, die nur 25 mm groß sind. Das liegt daran, daß wir Krebse zum Wachsen Platz brauchen. Je mehr Krebse in einem Becken hocken, umso langsamer werden wir groß.
    Nun möchte ich Euch erzählen, wie wir wohnen. In unserem Aquarium gibt es viele Steine, Holz, Kokosnüsse und wenig Pflanzen. Es gab mal mehr Pflanzen in unserem Becken, aber die haben wir alle aufgefressen. Auch Javafarn und Anubias schmecken uns gut. Wenn wir mal was zu knabbern wollen, beißen wir was vom Holz oder von den Kokosnüssen ab. Zu fressen bekommen wir Futtertabletten, Frostfutter, Erbsen, Gurken, Salat und Wasserpflanzen. Lebenden gesunden Fischen tun wir nichts, aber kranke und tote Fische werden von uns entfernt. Das nennt man dann „Gesundheitspolizei".
    Eine Tragödie muß ich noch erzählen. Meine Tante und mein Onkel haben auch bei uns im Aquarium gewohnt. Eines Tages sind sie durch eine Öffnung in der Abdeckung verschwunden. Sie sind ein bißchen im Zimmer spazieren gegangen, haben aber den Weg zurück nicht gefunden und sind vertrocknet.

    Eine ausführliche Beschreibung des Marmor-Krebses finden Sie unter folgendem Link: Marmor-Krebs
     

    Kai A. Quante
    Tel./Fax: 05309 / 2024

    Lebendfutter - Eine Glaubenssache?

    Sicher gibt es besonders in der Aquaristik in vielen Bereichen "Wege die nach Rom führen". In den meisten Fällen unterschiedlicher Meinung wird der Erfolg, hinsichtlich Haltung oder Zucht, dem jeweiligen Streithahn Recht geben. Was bei Aquarianer A klappt, muß bei Aquarianer B noch lange nicht funktionieren.
    Bei einem Streitpunkt lasse ich jedoch nicht mit mir handeln. Lebendfutter ist ein unerläßliches Muß in der Aquaristik.
    Es soll hier nicht ein Plädoyer gegen Flockenfutter gehalten werden, ohne Flockenfutter würde es kaum Aquaristik geben und Hersteller und Händler halten auch hochwertiges Futter bereit. Nur sollten wir dabei nicht außer Acht lassen, daß wir es mit lebenden Tieren zu tun haben, die wir doch möglichst tiergerecht halten wollen. Jeder Aquarianer, der über ein kleines bißchen Beobachtungsgabe verfügt, wird feststellen, wie die Lebensfreude der Tiere bei der ersten Lebendfuttergabe nach langen Wintermonaten sprunghaft in die Höhe steigt.
    Ein häufiges Argument der Lebendfuttergegner ist "da schleppst du dir nur Krankheiten ein". Halten Sie sich die Augen zu, bevor Sie über die Strasse gehen? Die Möglichkeit der Einschleppung von Krankheiten, oder besser gesagt von Parasitenbefall ist natürlich gegeben. Sie läßt sich aber durch einige Vorsichtsmaßregeln zu 99 % vermeiden.
    · Beschaffen Sie Ihre Futtertiere aus dem Zoofachhandel
    · Stellen Sie eigene Futtertierkulturen auf.
    Wie? Ein größerer Wasserbehälter (ab 20 Liter ) auf dem Balkon, eine Tonne im Schrebergarten, Sie haben möglicherweise mehr Mückenlarven als Ihnen lieb ist. In denselben Tonnen oder großen Eimern können Sie auch absolut problemlos Wasserflöhe züchten. Nur müssen Sie diese Tiere natürlich auch füttern. Sollten Sie keinen Erbonkel im Schlachthof haben, der Ihnen Rinderblut besorgt, nehmen Sie einfach Hefewürfel
    · Entnehmen Sie keine Futtertiere aus fischbesetzten Teichen, die Gefahr von Karpfenlausbefall besteht, außerdem laufen Sie Gefahr sich strafbar zu machen, wenn Sie nicht das Einverständnis des Eigentümers haben.
    · Geben Sie an Ihre im Handel erworbenen Tubifex einen Tropfen Kondensmilch, dadurch entleeren sich die Tiere, Sie verfüttern erheblich weniger Schadstoffe (nach 10 - 15 Minuten gut durchspülen nicht vergessen).
    · Besorgen Sie sich bei Ihrem örtlichen Aquarienverein weitere Futtertierkulturen ( Microwürmchen, Pantoffeltierchen ).
    Es gäbe noch eine Vielzahl weiterer Ratschläge, versuchen Sie es einmal mit den gegebenen, Ihre Tiere werden es Ihnen danken.
     
    H. Reinsch

    Kampffische

     
    Die meisten haben ihn schon bewundert, viele halten ihn in ihrem Aquarium. Den Siamesischen Schleierkampffisch, lat.  Betta splendens. 
    Durch seine kräftigen Farben, die langen schleierartigen Flossen und seinen Schwimmstil wirkt er fast schon majestätisch. 
    Doch trotz der Schönheit dieser Fische zögern viele Tierliebhaber bei der Anschaffung oft aus Unwissenheit oder aufgrund negativer Gerüchte über den Kampffisch. Aussagen wie z.B. „der muß einzeln gehalten werden" oder "der bringt nur Unfrieden, weil er ständig die anderen Fische angreift" hört man immer wieder von Kunden im Zoogeschäft oder Besuchern der Zierfischbörsen. 
    In der Tat sind besonders die Kampffisch Männchen sehr aggressiv. Dieses Verhalten ist aufgrund des natürlichen Lebensraumes dieser Tiere auch verständlich. Viele leben in kleinen, schlammigen Pfützen. In solcher Umgebung kann ein Konkurrent den fortbestand stark gefährden. Schließlich soll ja der Nachwuchs des „schönsten" und kräftigsten die Nachkommenschaft vieler Generationen sicherstellen.
    Kampffisch Männchen schlagen nicht sofort zu, um ihren Widersacher auszuschalten. Durch Aufstellen der Schwanzflossen und gleichzeitigem Abspreizen der Kiemendeckel signalisiert er, was er für ein kräftiger und gefährlicher Bursche ist, und ein Kampf sehr böse ausgehen kann. Wie bei anderen Tieren auch wird der Schwächere schon bald erkennen, wie es um ihn steht.
    Er wird das richtige tun und sich entfernen, wenn dies möglich ist. Nur wenn keine Fluchtmöglichkeit besteht, kommt es zum lebensbedrohlichen Kampf.
    Auf das Aquarium bezogen bedeutet das: wer mehr als einen Kampffisch in seinem Becken halten will, muß sicherstellen, daß das Aquarium groß genug ist, um den Tieren ausweich- und Versteckmöglichkeiten zu bieten. Dies gilt übrigens speziell für Kampffische untereinander.
    Betta splendens vertragen sich mit anderen Zierfischen wie z.B. Neon, Guppy, Platy und Welsen sehr gut, schließlich sind sie keine Konkurrenz und als Lebendfutter viel zu groß. Nur mit verschiedenen Barbenarten, wie z.B. der Sumatrabarbe sollte man die Fische nicht zusammen halten, da sie von den Barben zu sehr belästigt werden.
    Auch die Fortpflanzung ist sehr interessant. Als Schaumnestbauer braucht der Kampffisch eine ruhige Wasseroberfläche und Schwimmpflanzen. Nach der Eiablage werden die Eier vom Männchen in das Nest getragen und aggressiv bewacht. Die Jungfische werden mit feinstem Futter aufgezogen und wachsen sehr schnell heran.
     
    Markus Grohmann

    © KAQ, 14.04.1999

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