XXVI. FishlightMärz 2007Inhaltsverzeichnis
Mit einem gewissen Unwohlsein erinnere ich mich an meine aquaristische Anfangsphase vor über 30 Jahren zurück, als in meinem damaligen Gesellschaftsbecken ein Feuerschwanz Labeo bicolor aus Südostasien sein neues zu Hause fand. Ein wunderschön schwarz gefärbter Vertreter, der mit seiner leuchtend roten Schwanzflosse und einer Größe von etwa 12 cm seinem deutschen Namen alle Ehre machte. Nach relativ kurzer Zeit zeigte er jedoch ein hässliches Gesicht. Er ließ keine Gelegenheit aus, seine Mitbewohner (Schwertträger, Skalare, Salmler etc.) gehörig zu drangsalieren. Aus Literaturangaben entnahm ich, dass Feuerschwänze bis zu 20 cm groß werden sollen. Ein möglicherweise aggressives Verhalten wurde mir damals im Fachhandel ebenfalls als nicht gänzlich unbekannt bestätigt. So gab ich die schwarze Schönheit schweren Herzens an einen befreundeten Aquarianer ab, der ein entsprechend großes Becken mit Cichlidenbesatz betrieb. Nach dieser Labeo-Erfahrung machte ich um Feuerschwänze und andere Gattungsvertreter einen großen Bogen. Dies blieb bis vor 2 Jahren so. Mit der Pflege afrikanischer Buntbarsche aus den großen Grabenbruchseen entnahm ich aus der Literatur, dass neben den Cichliden auch andere Fischgruppen in den Seen vorkommen - so auch Labeo-Arten. Auf der Suche nach möglichen Mitgesellschaftern für meine Buntbarsche hielt ich auch Ausschau nach afrikanischen Labeos. Diesen eilte der Ruf voraus, auch extrem aggressiv zu sein, riesig groß zu werden und farblich wenig ansprechend zu sein. Vor drei Jahren entdeckte ich beim Besuch eines größeren Aquaristik-Fachgeschäftes im Frankfurter Raum in einem der Ausstellungsbecken neben Tanganjikasee-Cichliden einen unbekannten Labeo mit einer Größe von etwa 12 cm. Dieser fiel mir durch seine dunkel gescheckten Seitenflanken mit roten Einsprenkelungen sofort ins Auge. Auf Nachfrage erhielt ich die Information, dass es sich um einen afrikanischen Labeo variegatus aus dem Kongo-Einzugsbereich handelt. Die Definition "graue Gräte" erschien mir bei diesem Anblick nicht passend. Allerdings wurde das Tier als Einzelvertreter im Becken gehalten, da trotz einer Beckengröße von ca. 1.000 L eine gemeinschaftliche Haltung mehrerer Labeos wegen der hohen innerartlichen Aggression in einem Behälter nicht möglich war. Dieser Hinweis schreckte mich natürlich schon wieder von einem Erwerb ab, zumal es sich auch um ein Einzeltier handelte. In der Folgezeit konnte ich es mir trotzdem nicht verkneifen, aus der greifbaren Literatur und über das Internet weitere Informationen über diese Fransenlipper einzuholen. Es bestätigten sich die Hinweise auf ihre hohe Aggressivität. Ausgewachsene Tiere sollen eine Größe von max. 30 cm erreichen, unter Aquarienbedingungen aber häufig kleiner bleiben. Im Jahre 2005 ergab sich der Zufall, dass mir über einen befreundeten Händler Labeo variegatus mit einer Größe von ca. 10 cm angeboten wurden. Die Neugierde überwog und ich ergatterte 5 Tiere, die bei mir gemäß der Vorinformationen separat in einzelnen Cichlidenbecken mit Größen von 200-320 L einquartiert wurden. Das Wasser lag mit seinem pH-Wert bei etwa 7,5-8,0, die Temperatur bei 24°C. In der Folgezeit beobachtete ich die Tiere sehr genau, ohne dass vergleichbare Marotten wie bei meinem damaligen Labeo bicolor festzustellen waren. Ganz im Gegenteil, die Tiere lebten sich sehr gut ein und meine Begeisterung über die neuen Mitbewohner wuchs stetig. Sie stellten sich als friedvolle Mitbewohner heraus, die mir bisher unter den beschriebenen Pflegebedingungen keinerlei Probleme bereitet haben. Die Tiere erhalten eine abwechselungsreiche Mischung aus Frostfutter (Cyclops, weiße Mückenlarven) und Trockenfutter mit pflanzlichen und tierischen Bestandteilen. Unter den beschriebenen Pflegebedingungen haben meine Tiere mittlerweile eine Größe von etwa 15 cm erreicht. Ob das die Endgröße unter Aquarienbedingungen ist, bleibt abzuwarten. Was ihr Sozialverhalten anbelangt, bleibe ich auch weiter Optimist. Vor etwa einem Jahr erblickte ich einen weiteren afrikanischen Fransenlipper. Es handelte sich hierbei um den Labeo longipinnis, der ebenfalls aus dem Kongo-Einzug stammt. Der Longipinnis weist zwar nicht die schöne Färbung des Variegatus auf, doch durch sein lebhaftes Wesen, seine schöne Form und Beflossung wird er als schönes Tierchen umschrieben. Allerdings differierten die Angaben über seine Endgröße von 30-70 cm. Trotzdem siegte meine Neugierde, und ich erstand 4 Tiere mit einer Größe von etwa 5 cm. Die Neulinge bezogen ein neues Zuhause, dass sie zunächst mit afrikanischen Salmlern, Zwergcichliden und kleinen Fiederbartwelsen in einem 120 L-Aquarium teilen sollten. Im Verlauf der folgenden Wochen starben zwei Tiere, ohne dass ein augenscheinlicher Grund festzustellen war. Die anderen beiden Fransenlipper sind unter den bereits zuvor beschriebenen Bedingungen bei einem pH-Wert von etwa 7,5 auf knapp unter 10 cm herangewachsen. Ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Mitbewohnern konnte ich bis heute nicht beobachten. Untereinander "kabbeln" sich die beiden gelegentlich, drohen sich manchmal in einer antiparallelen Stellung an. Ernsthafte Beißereien oder sogar Verletzungen konnte ich jedoch bis jetzt nicht beobachten. Bei beiden Tieren fällt jedoch auf, dass eines eine hellere schwarzbraune Färbung als sein Artgenosse aufweist. Ob es sich hierbei um den Quasi-Ausdruck des unterlegenen Tieres oder etwa um einen Geschlechtsunterschied handelt, ist nicht konkret festzustellen. Da sich bis heute in dem 120 L-Becken keine negativen Beobachtungen ergeben haben, beließ ich die beiden Longipinnis auch in ihrem Zuhause. Für mich hat sich die zweite afrikanische Fransenlipper-Art ebenfalls als spannender Pflegling gezeigt. Nach Literaturangaben liegen zum Thema Nachzuchterfolge keine Hinweise vor.
Zusammenfassend lassen sich folgende Aspekte festhalten: Eckhard Fischer, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Wasser und WasserwechselWasser ist das Medium, in dem unsere Aquarientiere leben. Sie sind täglich 24 Std. diesem Wasser ausgesetzt. Bei uns Menschen ist es so, dass wir täglich 24 Std. von Luft umgeben sind. Und wir haben die Möglichkeit, z.B. einen Raum mit schlechter Luft zu verlassen. Unsere Aquarientiere haben diese Möglichkeit nicht, egal ob die Wasserqualität gut oder schlecht ist. Sie müssen in ihrem Aquarium aushalten. Oberstes Ziel für uns als Pfleger des Aquariums muss also sein, das Wasser, in dem unsere Tiere leben, in einer möglichst guten Qualität zu halten. Jedem von uns sollte klar sein, dass Wasser, in das wir täglich Futter geben, in das von einer unterschiedlichen Anzahl von Fischen und anderen Lebewesen täglich Ausscheidungen gelangen, nicht dauerhaft die beste Qualität haben kann. Auch durch Futterreste, die von den Tieren nicht gefressen werden und zu Boden sinken, erfolgen Belastungen des Wassermilieus (daher möglichst immer nur so viel füttern, dass keine überschüssigen Futterreste anfallen). Hinzu kommen noch abgestorbene Pflanzenteile, verendete Fische oder Schnecken und vieles mehr. In unseren Kellern, Fluren und Wohnzimmern stehen "kleine oder auch größere Glasjauchekuhlen", die Aquarium genannt werden. Der Betrieb eines Filters reicht nicht aus, um dauerhaft "sauberes" Wasser zu gewährleisten.. Ein Filter nimmt Schwebeteilchen auf, die das Wasser trüben. Und er saugt den Dreck aus dem Aquarium. Somit macht er unser Wasser optisch schön sauber, als hätte es eine gute Qualität. Tatsächlich ist es aber nicht so! Die eigentlichen Wasserbelastungen können wir nicht sehen. Welchen Nitrit-, Nitrat- und Phosphatwert ein Wasser aus dem Abbau der oben zusammengefassten organischen Stoffe hat, können wir mit bloßem Auge nicht erkennen. Zumeist auch nicht, welche Keimdichte in diesem Wasser vorherrscht, oder wie hoch die Anzahl von Pilzsporen und anderen Organismen ist. Von etlichen anderen Stoffen, die wir als einfache Aquarianer gar nicht messen können, will ich gar nicht erst sprechen. Weiterhin ist zu beachten, dass die im Filter gebundenen Dreck- und die Schwebeteilchen zwar aus dem Aquarium entfernt wurden oder für uns nicht mehr sichtbar sind. Sie sind aber noch lange nicht aus dem Wasserkreislauf des Aquariums verschwunden und können das Wasser also immer noch belasten. Viele werden jetzt einwenden, ein Filter baut doch Giftstoffe ab. Aber wie bereits erwähnt, werden innerhalb des Filters die organischen Reststoffe durch Bakterien zu den Endprodukten (zumeist Nitrat und Phosphat) umgewandelt. Diese reichern sich im Aquarienwasser an und sind spätestens in hoher Konzentration wieder so giftig, dass unsere Fische sterben oder erkranken und Algen wuchern. Dreck, Belastungen und Giftstoffe kann nur der Pfleger aus dem Aquarium entfernen!!! Mit diesem Grundsatz wird ganz schnell klar, wie wichtig ein Wasserwechsel als wesentliches Pflegeinstrument für unsere Aquarienbewohner ist. In der Natur haben unsere Tiere meistens einen permanenten Wasserwechsel, insbesondere in einem Fließgewässer. Jetzt gilt es noch zu klären, wie oft man wie viel Wasser wechseln sollte. Häufig entnehmen wir an verschiedenen Stellen Empfehlungen wie alle "14 Tage 30% des Aquarieninhaltes" oder "alle paar Wochen ein bis zwei Eimer". Dies sind alles Aussagen, die vielleicht unser Gewissen beruhigen, aber nicht zielführend sind. Einem Vortrag von Herrn Jens Thölke aus Sehnde entnahm ich zu dieser Problematik einen wesentlichen Hinweis: "Jede Hausfrau, ja selbst jedes 4-jährige Kind spült erst dann ein Glas mit frischem Wasser aus, wenn es restlos leer ist. Keiner käme auf die Idee und würde ein halbvolles Glas zur Hälfte leeren, mit frischem Wasser auffüllen, um es dann wieder um die Hälfte zu leeren und mit frischem Wasser aufzufüllen. Und dies solange, bis das Glas sauber ist. Aber wir Aquarianer versuchen bzw. machen es!" Was wollte er damit ausdrücken? Wenn wir einen Wasserwechsel so ausführen, wie er oben angegeben ist, wird die "Jauche" im Aquarium nur verdünnt. Mit dem nächsten Wasserwechsel passiert das Gleiche. Das Problem ist aber, dass in der Zeit zwischen den beiden Wasserwechseln weiter Futter ins Becken gelangt und die Tiere auch weiter koten. Das hat zur Folge, dass der Aquarianer einen Kampf gegen "Windmühlen" führt und keine vernünftige Entfernung der Belastungsstoffe im Aquarienwasser erfolgt. Wir haben nur eine Chance für unser Ziel, soviel Dreck- und Giftstoffe wie möglich zu entfernen. Wir erhöhen die zu wechselnde Wassermenge und verkürzen die Wechselintervalle. Nur so ist es möglich, der fortlaufenden Belastung im Aquarium entgegen zu wirken. Aus Erfahrungswerten zeigte sich, dass Wasserwechsel von unter 50% des Aquarieninhalts nicht zum gewünschten Erfolg führen. Liegen die Wasserwechsel länger als 7 Tage auseinander, so sollten mindestens 75% gewechselt werden, besser sind natürlich 100% (dann müssten die Aquarienbewohner kurzzeitig herausgefangen werden). Achtung! Diese Methode funktioniert unter der Voraussetzung, dass man zum Wechseln ein Wasser mit passenden chemischen Messwerten (beim Wasserwerk erfragen und regelmässig selbst kontrollieren) und der richtigen Temperatur (händisch temperieren, Thermometer) verwendet. Außerdem sollte das Wasser entgast bzw. nicht chloriert sein (der Einsatz von Chlorgas ist bei unserem Trinkwasser in der Regel nicht der Fall). Frank Dzinblewski, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Umzug mit AquariumIrgendwann ist es soweit, man zieht zu Hause aus und in ein neues Heim, und das Aquarium soll mit. Nur wie stellt man es am Besten an, den Glaskasten und seine Bewohner heil von A nach B zu bekommen? Je größer das Aquarium und/oder die Entfernung ist, desto schwerer (im wahrsten Sinne des Wortes) wird das Unterfangen. Dank mehrerer Umzüge konnte ich verschiedene Techniken ausprobieren. Bewährt haben sich drei Varianten, die ich hier näher erläutern möchte und zu denen ich die jeweiligen Vor- und Nachteile nennen will. Folgende Voraussetzungen sind allen Varianten gemein:
Vorbereitung: Dann geht es ans Fischefangen, der Filter sollte nach Möglichkeit dabei weiterlaufen, denn es wird einiges an Mulm aufgewirbelt, so dass man bald im Trüben fischt. Die größten Erfolge hat man bei Treibjagden, ein großes Netz an eine Seite und mit einem kleineren Netz von der anderen Seite kommend. Werden die Fische dann verpackt, ist darauf zu achten, dass mehr Luft als Wasser im Beutel bzw. Eimer ist. Schnecken können in eine gut mit feuchtem Küchenpapier gepolsterte Schachtel getan werden. Sie brauchen kein extra Wasser. Garnelen und kleine Krebse benötigen während des Transportes etwas zum Festhalten. Zu empfehlen sind feinfiedrige Pflanzen oder etwas Filterwatte. Grössere Krebse können einzeln, ein wenig feucht verpackt, transportiert werden. Es ist nicht notwendig, größere Mengen Wasser mitzunehmen, es sei denn, die Wasserwerte unterscheiden sich massiv von den bisherigen. Am Besten ist es dann, die Fische vorher darauf vorzubereiten. Entweder man härtet auf die Zielwerte des neuen Wasserversorgers über mehrere Tage schon langsam auf oder arbeitet mit destilliertem Wasser und senkt die Härte. Aber Achtung! Die Fische haben ihre Ansprüche an die Wasserwerte. Ihnen zuliebe sollte man von vornherein Wasser zur Verfügung stellen, dass das Beste für sie ist. Der Filter bzw. die Filtermaterialien sind mindestens feucht ggf. auch in einem Eimer Wasser zu transportieren.
Variante 1: Alles auf einmal
Variante 2: Alles getrennt
Variante 3: neues Aquarium
Wiedereinrichten Die nächsten Tage sollte man die Fische noch nicht allzu sehr mit Futter verwöhnen. Eine Ausnahme sind Jungfische, diese brauchen ständig Futter. Der Nitritwert muss ebenfalls beobachtet werden. Kerstin Hirt, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Schuld sind ja bekanntlich wie immer die anderen. So natürlich auch in diesem Fall. Durch einen glücklichen Umstand, in Form unseres Vereinskameraden Michael Jemric, gelangte ich in den Besitz von 6 Jungtieren dieser Wildbetta-Art. Seit diesem Tag lassen sie mich nicht mehr los.
Vorkommen:
Haltung im Aquarium: Bei der Gestaltung des Aquariums ist auf eine gewisse Strukturierung durch beispielsweise Wurzeln, Steine und Pflanzen zu achten. Freier Schwimmraum, Verstecke und eine Schwimmpflanzendecke werden gern genutzt.
Futter:
Verhalten:
Zucht und Fortpflanzung: Das Weibchen übernimmt in dieser Zeit die Absicherung gegenüber anderen Fischen und jagt diese vehement davon. Sobald der Kehlsack des Männchens prall mit Laich gefüllt ist, sucht er sich einen versteckten Platz, um in den nächsten 14 - 18 Tagen zu brüten. Das Weibchen bleibt 2 - 3 Tage bei ihm, um ihn zu beschützen, verliert aber danach das Interesse und geht ihrer Wege. Während der Brutphase nimmt das Männchen keinerlei Nahrung zu sich. Schon aus diesem Grund sollte in der Gruppe immer ein leichter Männerüberschuss vorliegen. Sobald die Larven vom Vater entlassen werden, können sie mit lebenden Artemia, Mikrowürmchen oder auch Staubfutter angefüttert werden und wachsen ohne Probleme heran.
Fazit: Thomas Teichmann, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Boraras urophthalmoides ist eine der kleinsten Fische im Handel. Vor wenigen Jahren waren sie absolute Raritäten, doch mittlerweile bekommt man sie in guten Fachgeschäften. Dieser kleine Bärbling ist seit 1922 in der Aquaristik bekannt und stammt aus Vietnam und Thailand. Er lebt dort in stark verkrauteten und stehenden Gewässern, meist Teichen oder Gräben. Die Tiere sind fast farblos. Lediglich über der schwarzen Seitenlinie und dem Schwanzwurzelfleck befindet sich ein schmaler, kupferrot leuchtender Streifen, der bei den Männchen wesentlich stärker ausgeprägt ist. Im Händlerbecken ahnt man meist nichts davon, dass dieser Streifen fast "glühen" kann, je nachdem wie die Haltungsbedingungen sind. Der Zwergbärbling, auch Saigonbärbling oder Ausrufezeichen-Rasbora genannt, mag es gesellig. Diesen Wunsch kann man ihm leicht erfüllen, denn er erreicht um die 1,5 cm, selten werden es 2 cm. Somit kann man in einem 54 Literbecken locker 20-30 Tieren pflegen und sich an ihrem "Schwarm"-Verhalten erfreuen, ohne dass das Aquarium überbesetzt wäre. Meine Boraras sind recht schüchterne Gesellen, die es dennoch lieben, durchs Aquarium zu ziehen. Man sollte trotz der geringen Größe lieber ein 60er Aquarium wählen, auch wenn die Haltung in kleineren Becken oft vorgeschlagen wird. Das Wasser sollte sauber und klar sein, die Temperatur um die 26 C° schwanken. 10° Gesamthärte sollten nicht überschritten werden, der pH-Wert darf um den Neutralpunkt liegen. Weicheres und sauereres Wasser wird von den Fischen meist mit mehr Farbenpracht und auch mit Nachwuchs (es wird in feinsten Pflanzen abgelaicht) belohnt. Das Futter für diesen kleinen Fisch muss natürlich ebenfalls sehr klein sein. Mikrowürmchen, Essigälchen, kleine Tubifex, kleine (!) weiße Mückenlarven und frischgeschlüpfte Artemianauplien werden gierig gefressen, aber auch Frostfutter wie Cyclops, Bosmiden, Artemien, Mückenlarven etc. werden angenommen. Es muss nur klein genug sein, um ins Maul zu passen. Flockenfutter ginge auch ( Achtung: Fische verfetten davon sehr schnell an den Organen!). Allerdings sollte man dann auf Granulat zurückgreifen, da die Bärblinge nicht gern an die Wasseroberfläche gehen. Die Einrichtung des Aquariums sollte nur den Grundsatz verfolgen, dass es nicht zu hell (Schwimmpflanzen schatten schön ab) und der Bodengrund etwas abgedunkelt (z.B. mit Laub) ist, sowie im hinteren Bereich genügend Pflanzendickicht zum Rückzug vorhanden sind. Nixkraut, Hornkraut oder andere feinfiedrige Pflanzen bieten sich da sehr gut an. Die Tiere brauchen die Möglichkeiten, sich verstecken zu können. Das kann auch zum Verhängnis werden, denn nicht nur ich, auch andere Pfleger haben die traurige Erfahrung machen müssen, dass diese kleinen Fische sich oft in kleinste Ritzen (z. B. hinter Filter oder Filterschwämme) drängen und dort dann verenden. Daher sollte man jegliche Möglichkeit zum einklemmen im Vorfeld ausräumen. Bei mir hat sich der Hamburger Mattenfilter sehr gut bewährt. Ein reines Artenbecken muss nicht sein. Man kann sie sehr gut mit kleinen Corydoras, Dornaugen, Dario dario, Otocinclus oder auch Labyrinthern vergesellschaften. Oft nehmen "mutigere" Fische ihnen auch die Scheu. Sie sind anderen Fischen gegenüber absolut friedlich. Man sollte daher darauf achten, dass der Beibesatz diese zarten Fisch nicht unterdrückt. Alles in allem ist dieser Fisch eine Bereicherung für kleine Aquarien, denn gerade in diesen ist es oft nicht möglich, z. B. Salmlern, aufgrund des geringen Platzes, das Bedürfnis nach vielen Artgenossen zu erfüllen. 10 Tiere sind dann leider oft ein Kompromiss. Bei diesem wunderschönen Fisch kann man aufgrund seiner geringen Größe das Verhalten in größeren Gruppen beobachten. Versuchen Sie es... Sie werden es sicher nicht bereuen. Text: Verena Kuhl, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Foto: Kai A. Quante, Aquarienclub Braunschweig e.V.
Für die Nachfrage nach Wasserährengewächsen im Aquaristikbereich erfolgt eine nennenswerte Vermehrung der Pflanzen in den Gärtnereien über Samen oder Gewebekultur. Grundsätzlich gibt es aber auch den wesentlich aufwändigeren Weg einer Knollenvermehrung. Dies versuchte ich mit einer meiner Aponogeton ulvaceus, was mir überraschenderweise auch gelang. Ich schnitt von einer großen Pflanze die untere Hälfte der Knolle ab und setzte die Pflanze mit der halben Restknolle wieder ins Aquarium ein. Die Pflanze wuchs so noch problemlos ein halbes Jahr weiter bis ihre reguläre Ruhezeit einsetzte. Das untere Knollenstück legte ich in ein Becken mit Garnelen. Die Garnelen sollten eventuelle Fäulnisherde an der Schnittstelle gleich entfernen. Die Schnittstelle verschloss sich nach einigen Tagen und bildete eine feine Kruste. Das Becken war 40 cm hoch und wurde mit Leuchtstoffröhren 2 x 30 W (Typ Warmton bzw. Tageslicht) über 12-13 Stunden/Tag beleuchtet. Außerdem erfolgte eine geringfügige CO2-Düngung von ca. 40 Blasen/Minute. Die Wasserwerte lagen in den Bereichen, wie ich sie bereits für die Aponogeton-Kultur beschrieben habe. Unter diesen Bedingungen bildeten sich nach 10-12 Wochen stecknadelkopfgroße Tochterknollen an dem Stück. Nach weiteren 8 Wochen hatten sie einen Durchmesser von 5 mm. Zu diesem Zeitpunkt schauten auch schon winzige 1-2 mm lange grüne Spitzen aus den kleinen Knollen heraus. Nach weiteren 5-8 Wochen waren die Blätter 5 cm lang, und man konnte schon deutlich die typische Blattform der Aponogeton ulvaceus erkennen. Mir lagen insgesamt 5 kleine Knollen mit jeweils 3-5 Blättern vor, bis ich sie von der Mutterknolle abschnitt und einpflanzte. Zwei erreichten nach 8-10 Wochen eine Größe von 50 cm und ihre Knolle einen Durchmesser von knapp 1,5 cm. Die weitere Kultur der Jungpflanzen verlief erfahrungsgemäß ohne weitere Schwierigkeiten. Es zeigte sich somit, dass über diesen Weg für jeden Aquarianer eine Vermehrung von Wasserähren in überschaubarer Menge möglich ist. Zudem handelt es sich bei den Aponogeton um dankenswerte Aquarienpflanzen, die einem Pflanzenbecken immer gut zu Gesicht stehen. Text: Tobias Fricke, Dedeleben
Bild: Eckhard Fischer, Aquarienclub Braunschweig e.V. Pflege von Wasserähren (Aponogeton)Die Gattung der Wasserährengewächse Aponogeton umfasst derzeit ca. 40 Arten, von denen etwa 5-10 Arten im guten Aquaristik-Fachhandel erhältlich sind, wie zum Beispiel Aponogeton ulvaceus, Aponogeton boivianus, Aponogeton crispus, Aponogeton rigidifolius und Aponogeton undulatus. Die Pflege von Aponogeton-Pflanzen ist bei den im Fachhandel gängigen Arten von den Kulturansprüchen her nahezu gleich. In meinen Aquarien kultiviere ich die Wasserähren bei einem pH-Wert von etwa 6,5-7,0, einer Gesamthärte (GH) von etwa 8° und einer Karbonathärte (KH) von etwa 6°. Die Wassertemperatur liegt bei 25°C. Eine zusätzliche CO2-Versorgung ist nicht unbedingt erforderlich, wirkt sich aber immer positiv aus. Auch ohne CO2-Düngung wachsen die Pflanzen bei mir schnell heran. Außer Aponogeton rigidifolius haben alle Arten eine Knolle, die als Energiespeicher dient. Bei einem nährstoffreichen 5-10 cm hohen Bodengemisch im Aquarium aus Nährboden und Kies werden sie bei einer mittleren Beleuchtung (bis zu 12-13 Stunden/Tag) schnell zu prächtigen Solitärpflanzen. Beim Kauf der Pflanzen sollte man auf angetriebene Knollen zurückgreifen, denn sehr große Exemplare mit vielen Blütenstengeln können schon kurz vor ihrer Ruhephase stehen. Hierbei handelt es sich bei den Wasserähren um eine Anpassung an ihre natürlichen Standorte in Asien oder Afrika, um zum Beispiel Trockenphasen der Gewässer zu überstehen. Das Austreiben von Blattwerk wird eingestellt, die Pflanzen ziehen sich in ihre Knollen zurück. Kulturprobleme treten bei den Wasserähren meist in dieser Ruhezeit auf. Die Möglichkeit, die Knollen in einen Topf mit 1-2 cm Kies zu pflanzen und bei 15-20°C dunkel über 1-2 Monate stehen zu lassen, hat sich bei mir leider nicht durchgesetzt. Die Knollen begannen bereits nach 1-2 Wochen zu faulen. Sehr gute Erfahrungen sammelte ich damit, die Knollen einen Tag lang trocknen zu lassen, sie danach in eine Holzkiste mit Sand zu setzen und bei Zimmertemperatur trocken aufzubewahren. Nach 2-3 Monaten trieben dann ca. 80% der Knollen nach dem Einsetzen ins Aquarium wieder ihr imposantes Blattwerk aus. Wasserähren stellen für mich eine dankenswerte und gute Abrundung des Unterwassergartens dar. Tobias Fricke, Dedeleben
In diesem Artikel möchte ich ein Thema aufgreifen, von dem ich glaube, dass es für 2007 und die folgenden Jahre neben den bekannten Garnelen und Krebsen bei den Wirbellosen-Freunden herausragen wird. Die Krabben (Brachyura) - auch echte Krabben oder Kurzschwanzkrebse - sind mit ca. 5000 Arten die größte Infraordnung der Ordnung Zehnfußkrebse. Die meisten Arten leben im Meer, einige aber auch im Süßwasser oder an Land. Krabben haben einen zu einer kurzen Schwanzplatte umgebildeten Hinterleib (Pleon), der umgeklappt unter dem Kopfbruststück (Cephalothorax) liegt - der Zwischenraum dient bei den Weibchen als Brutraum. Die Krabben, die man vom Kutter an der Nordsee kaufen kann, sind übrigens Garnelen. Herumgesprochen hat sich, dass Krabben die Möglichkeit brauchen, das Wasser zu verlassen. Und das bezieht sich nicht nur darauf, an den Silikonnähten in den Aquarienecken empor und aus dem Becken hinaus zu krabbeln. Übrigens sind krabbelnde Krabben sehr schnelle Krabbler und man kann in die Wohnung geflüchtete Krabben nur recht schwer wieder einfangen. Meistens muss man selbst flink hinterher krabbeln, was doch in Ecken, Spalten und Mobiliar recht schwer fällt. Generell sind alle Krabben-Arten hervorragende Kletterer und benötigen in ihrem Heim auch die Möglichkeit dazu. Die Einrichtung des Beckens kann man entsprechend gestalten und Wurzeln, Kork, stabile Pflanzen wie Anubias und Steine (z.B. Lavasteine oder Lochgestein) als Kletterhilfen verwenden. Die meisten Krabben sind dämmerungs- oder nachtaktiv, was einfach zu erklären ist. In der Natur sind Krabben für viele Vögel und Echsen Nahrungsgrundlage, weshalb sich die kleinen Krabbler häufig nur nachts ins Freie wagen. Nur wo verbringen die Tiere die restliche Zeit? Meist in selbst gegrabenen Höhlen, die sie im Boden oder unter Steinen anlegen. Folglich sieht man die Tiere im Haltungsbecken nicht unbedingt so häufig. In Verkaufsaquarien sieht das anders aus, da sich die Tiere dort nicht verstecken können. Die Fütterung kann man nicht pauschalisieren. So ist die Harlekin-Krabbe (Cardiosoma armatum) mit ihrem bis 20 cm großen Körper gut mit gefrorenen Stinten zu füttern, während klein bleibende Arten z.B. der Gattung Geosesarma gern kleine Regenwürmer fressen. Winkerkrabben der Gattung Uca sind es gewohnt den Schlick am Gewässerufer durchzukauen und kleine Futterpartikel heraus zu filtern. Entsprechend müssen sie gefüttert werden. Wichtig ist für alle eine abwechslungsreiche nicht zu proteinhaltige Ernährung, so dass neben tierischem Futter auch Pflanzliches und Laub gegeben werden sollte. Die Vergesellschaftung ist abhängig von Art und Unterbringung. So werden Pseudosesarma bocourti mit einer Panzerbreite von 5 cm in einem kleinen Becken von 25 cm Kantenlänge kleine Schlammspringer (Periophthalmus septemradiatus) mit 6 cm Länge sicher kaum in Ruhe lassen. In einem 60er Becken lassen sich diese Grundelartigen jedoch gut mit kleinen Winkerkrabben zusammensetzen. Die süßen Vampir-Krabben (Geosesarma sp.) mit 2 cm Carapaxbreite sind übrigens sehr gute Zwerggarnelen-Jäger und freuen sich über jeden Bachflohkrebs, den sie erbeuten können. Bisher habe ich die Begriffe "Aquarium" und "Süßwasser" vermieden, auch wenn ich in der Überschrift von "Krabben in der Süßwasser-Aquaristik" schreibe. In den Zooläden werden verschiedenste Arten von Krabben für das "normale" Aquarium verkauft. Dabei denken viele Aquarianer nicht darüber nach, ob diese interessanten Krabbler Wert auf bestimmte Wasserwerte. Da die meisten Krabben für sie widrige Bedingungen über Monate ertragen können, wird beim Tod der Tiere auch nicht mehr überlegt, ob die Haltung generell schlecht war. Es war halt ein spontaner Nitritpeak oder die Tiere waren einfach zu alt. Für nahezu alle in der Aquaristik angebotenen Krabben gilt: Es sind keine Aquarienbewohner! Alle benötigen ein Paludarium (Aquaterrarium), d.h. ein Becken mit Wasser- UND Landteil. Eine Landkrabbe wie Cardiosoma armatum wird früher oder später in einem reinen Aquarium ertrinken. Sie verbringt ihr Leben vornehmlich eingegraben in leicht feuchtem Sand im Landteil und geht nur zur Häutung und zum Freisetzen der Larven ins Meer- bzw. Brackwasser. Geosesarma-Arten wie die Vampir-Krabbe leben fast ausschließlich an Land, verstecken sich in selbst gegrabenen Gängen oder angebotenen Röhren und setzen ihre Larven im reinen Süßwasser ab. Sie häuten sich sogar zum Teil an Land. Winkerkrabben kommen an Stränden vor und sind am besten in einem Ebbe-/Flut-Aquaterrarium zu halten, in dem sie sich Gänge in den Sand graben können und ihre Larven im Meerwasser absetzen. Ich habe in diesem Artikel nur einige Aspekte der Krabbenhaltung angerissen und die Zucht ganz heraus gelassen. Denn einerseits ist das Thema sehr komplex und man kann nicht alle Krabbenarten über einen Kamm scheren und andererseits gibt es den VDA Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern, in dem auch das Thema Krabben intensiv diskutiert wird (siehe www.wirbellose.de/akwb). Weitere Informationen beim Arbeitskreisleiter Kai A. Quante, Tel. 0531/3808417. Kai A. Quante, VDA Arbeitskreis Wirbellose in Binnengewässern, Aquarienclub Braunschweig e.V.
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