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XXI. Fishlight

Dezember 2004

Inhaltsverzeichnis

  • So kam der Mensch auf den Fisch!
  • Corydoras adolfoi, Adolfos Panzerwels
  • Algenprobleme? Hilfe aus dem Baumarkt!
  • L137, ein selten gepflegter Wels
  • Macropodus opercularis - Der Paradiesfisch
  • Desinfektion von Aquarien und Zubehör
  • Planarien - ungeliebte Plagegeister

  • So kam der Mensch auf den Fisch!

    Welcher Mensch?

    Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Michael Hetzer, ich bin 47 Jahre alt und von Beruf Gärtnermeister im Blumen -und Zierpflanzenanbau. Verheiratet bin ich seit 25 Jahren und habe aus dieser Ehe 7 wundervolle Kinder!!!!!

    Auf den Fisch gekommen - und wie alles begann!
    Vor sieben Jahren erwarb ich als Neueinsteiger in die Aquaristik ein 500 l fassendes Aquarium, das mit afrikanischen Barschen (Tropheus duboisi) besetzt war. Dass dies ein denkbar ungünstiger Fisch für Anfänger war, musste ich schon bald schmerzhaft feststellen, als ein Massensterben einsetzte.

    Um dieses zu beenden, war das Gebot der Stunde, sich kompetenten Rat vom Spezialisten zu holen. Auf meiner Suche geriet ich an die Adresse von Eckhard Rinkel, der seinerzeit viele Malawi-und Tanganjikabuntbarsche züchtete. Er war auf Anhieb sehr hilfsbereit und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, mich bei Eckhard zu bedanken. Er half mir, die ersten Schritte in die Aquaristik zu gehen. Aber auch, als es darum ging, mein Wissen auf diesem Gebiet zu erweitern und eine gewisse Professionalität in der Hobbyzucht zu erreichen, war er es, und seine zweckmäßige Zuchtanlage, die mich in den folgenden Jahren maßgeblich geprägt haben. Und nicht zuletzt hatte er mich in den Aquarienclub Braunschweig e.V. geholt, wo ich mich bis heute bestens aufgehoben fühle.

    Aber nun zurück zum Thema:
    Drei Jahre waren ins Land gegangen, da hatte ich auch schon die ersten zehn Becken im Zuchtkeller aufgestellt und mich an afrikanischen Barschen, Skalaren, Zwergfadenfischen und verschiedenen Regenbogenfischarten versucht. Doch obwohl ich ganz ordentliche Zuchterfolge verbuchen konnte, fehlte mir noch etwas Entscheidendes. Und zwar so etwas wie ein Aha- oder Schlüsselerlebnis.

    So kam der Mensch auf den Fisch - Kapitel 2
    Ja , auf welchen denn nun ??
    Als mir mein Freund Eckhard dann vor ca. 4 Jahren die ersten Panzerwelse (Metallpanzerwels/Corydoras aeneus u. C. paleatus/Marmorierter Panzerwels) von einem Züchter besorgte, da war ich auf Anhieb begeistert. Ihr ganzes Gehabe, wie sie mit ihren Barteln den Bodengrund nach Fressbarem "durchschnuddeln", wie sie ihre Augen rollen oder wie sie im Schwarm durch's Becken ziehen.

    Das alles, aber auch besonders ihr Balzverhalten und ihre eigentümliche Art sich fortzupflanzen, haben mich fasziniert und die Gattung Corydoras ins Herz schließen lassen. Jetzt hatte ich ihn endlich gefunden, den Fisch, der mich von Anfang an in seinen Bann zog und für den ich bereit war, alles zu geben. Ja, so war das!!! So kam ich auf den Fisch "Corydoras", dem ich jetzt folgenden Bericht widmen möchte. Mein Entschluss reifte schnell, meine Zuchtanlage komplett auf die Corydoras- Zucht umzustellen, mich nach meinen Versuchen mit einfachen Arten auch an schwierigere heranzuwagen. Heute pflege ich mittlerweile zwanzig Arten der Gattung Corydoras und Aspidoras, von denen ich schon fünfzehn mehr oder weniger erfolgreich nachgezogen habe. Ein, so wie ich es finde, sehr attraktiver Artgenosse ist der

    Corydoras adolfoi, Adolfos Panzerwels

    Corydoras adolfoi, Adolfos Panzerwels

    , den ich hier vorstellen möchte.

    A) Haltung der Zuchttiere

    Einrichtung:
    In einem 40 l- Becken halte ich eine Zuchtgruppe aus vier Männchen und drei Weibchen. Die Einrichtung besteht aus einem Stück Moorkienholz, das mit einer Anubiaspflanze bewachsen ist. Die Bodenscheibe ist dünn mit braunem, abgerundetem Quarzkies (1-2 mm Durchmesser) abgestreut

    Wasserqualität:
    Die Wasserwerte aus der Leitung: 6° KH, pH-Wert 6,8 -7. Der Leitwert in Mikrosiemens ca. 450. Die Wassertemperatur schwankt zwischen Tag und Nacht von 25°C auf 23°C. Gefiltert wird über einen innen liegenden Schwammfilter. Ausgewachsene Panzerwelse kommen mit nahezu jedem Wasser klar. Wenn es jedoch um die Zucht geht, bringe ich es auf Werte zwischen 150 bis 200 Mikrosiemens. Das erreiche ich durch das Verschneiden mit Regenwasser oder vollentsalzenem Wasser.

    Futter:
    Das A und O für die Laichbereitschaft ist eine gute, abwechslungsreiche Ernährung, denn nur gut konditionierte Elterntiere sind paarungswillig. Mein Speiseplan für die Panzerwelse besteht aus:

  • tief gefrorenen roten Mückenlarven
  • Futtertabletten und Flockenfutter
  • Lebendfutter in Form von
  • Grindalwürmern und phasenweise
  • Tubifex zwei bis dreimal pro Woche
  • Euchyträen einmal pro Woche wäre noch das richtige Powerfutter, jedoch habe ich zur Zeit keine funktionierende Futterzucht.
  • Zuchttiere bekommen bei mir in der Regel 1x pro Tag ihr Futter. Das ist völlig ausreichend. Dann schiebe ich auch hin und wieder einen Fastentag pro Woche dazwischen, was sich, wie ich beobachte, sogar äußerst positiv auf ihre Gesamtkonstitution auswirkt.

    Laichstimmulierung:
    Panzerwelse sind sehr sensibel für Wetterschwankungen. So beobachte ich, dass unabhängig von der Jahreszeit, wenn ein Hochdruckgebiet von tiefem Luftdruckgebiet abgelöst wird, und ganz besonders bei Gewitterneigung, die Tiere unruhig werden. Nehme ich dann einen strammen Wasserwechsel von 50 - 70% vor, dann laichen meine Adolfois am darauffolgenden Tag ab. Übrigens lässt sich eine solche Unruhe auch kurz vor Vollmond feststellen.

    Der Höhepunkt ihrer Laichbereitschaft ist in den Monaten Oktober bis März zu erkennen, wenn die natürliche Regenzeit in ihrer südamerikanischen Heimat andauert, in der die natürliche Fortpflanzung vonstatten geht. Dies spüren meine Welse auch in Gefangenschaft über ihre innere Uhr und werden dann ganz besonders griffig.

    Paarung:
    Wenn die genannten Vorraussetzungen geschaffen sind, werden die Weibchen paarungswillig. Dies wird erkennbar, indem Männchen und Weibchen unruhig durchs Becken schwimmen. Normalerweise werden im weiteren Verlauf die Scheiben des Aquariums oder die Blätter der Anubien geputzt, wo die Eier angeheftet werden sollen. Dieses Vorspiel ist aber bei meinen C. adolfoi nicht zu beobachten. Statt dessen kommen sie gleich zur Sache, indem nicht selten zwei bis drei Männchen hinter einem Weibchen herjagen. Das Männchen, das die Oberhand gewinnt, stellt sich zitternd und halbgekrümmt vor das Weibchen und klemmt mit seiner Brustflosse die Barteln seiner Partnerin ein (T-Stellung) . Das Weibchen faltet ihre Brustflossen zu einer Tasche, in die ein bis zwei Eier abgegeben werden. Zur gleichen Zeit stößt das Männchen seine Spermien aus, die vermutlich übers Maul des Weibchens bis in den Darmtrakt und von dort in die" Eiertasche" gelangen. Beide Partner sinken zu Boden. Während das Männchen sich löst, verbleibt das Weibchen noch eine Weile in der Ruhestellung. Erhebt es sich dann, um die Eier an einer geeigneten Stelle anzuheften, wird es sofort von den Männchen erneut bedrängt. Diese Rituale dauern oft über Stunden an, werden dann ganz plötzlich abgebrochen und setzen sich meist am nächsten und übernächsten Tag fort. So legen die Tiere auf ihrem Höhepunkt pro Woche nicht selten 100 und mehr Eier ab. Da C. adolfoi bei mir ihre Eier nicht fressen, lasse ich sie 1-2 Tage kleben um dann zu erkennen, welche Eier befruchtet sind und welche nicht. Unbefruchtete Eier werden weiß. Die Befruchtungsrate liegt meist zwischen 50 und 70 %.

    B) Aufzucht der Jungtiere

    Phase 1
    Variante 1: Hier verbleiben die Eier im Becken der Zuchttiere
    Vorteil: Kein Arbeitsaufwand, geschlüpfte Jungfische wachsen schneller heran als bei Variante 2 (siehe unten) und sind daher schneller "verkaufsfertig".
    Nachteil: Es kommen kleinere Stückzahlen zusammen.

    Variante 2: Überführen des Laichs in ein separates Aufzuchtbecken Vorteil: Es kommen größere Stückzahlen zusammen Nachteil: Die Aufzucht ist arbeitsintensiv und dauert gut zwei Monate länger.

    Hier beginnt der eigentliche Aufwand. Das mühsame Absammeln und Überführen der Eier in ein 8 l - Kunststoffbecken, welches mit demselben Wasser befüllt und mit einem eingelaufenen Billifilter bestückt ist. Mit meinem Zeigefinger rolle ich jedes einzelne Ei im Zuchtbecken ab (eine Haftung ist nach 2 Tagen gewährleistet) und klebe sie erneut an die Sichtscheibe des Aufzuchtbeckens, wo sie nach ca. 4 Tagen bei etwa 25° zum Schlüpfen kommen. Da bei C.adolfoi relativ kleine Stückzahlen pro Tag u. Woche zusammen kommen, sammle ich bis zu drei Wochen in ein und das selbe Behältnis. So kommt es, dass neben unterschiedlich großen Tieren, die längst schon bei der Futteraufnahme sind, auch noch frisch überführte Eier an der Sichtscheibe des gleichen Beckens kleben. Da ich ganz ohne Antiverpilzungsmittel arbeite, stirbt auch hier noch das eine oder andere Ei ab.

    Phase 2
    Etwa drei Tage nach dem Schlupf, wenn der Dottersack aufgebraucht ist, beginne ich Microälchen und frisch geschlüpfte Artemien zu füttern, das ideale Erstfutter. Dabei dosiere ich ganz vorsichtig nur soviel, wie auch gefressen wird, damit das Wasser nicht verdirbt. Ab der dritten Woche, wenn die letzten Larven geschlüpft sind, füttere ich noch feinst zerriebenes Flockenfutter dazu. Zeitgleich setze ich 1-2 kleine Antennenwelse hinein, die für die nötige Sauberkeit sorgen. So umgehe ich das lästige, oft schon beschriebene Freipinseln des Beckenbodens vom Pilzbelag, der durch Futterreste entsteht und die Bauchflossen sowie Bauchpartien schädigen kann, was wiederum zu empfindlichen Ausfällen führt.

    Phase 3
    Nach weiteren 8 Tagen beginne ich mit Wasserwechseln. Ich fange montags mit ca. 10% Frischwasser an und steigere den Anteil des getauschten Wassers bis zum Wochenende auf 50%. Diese 50% werden dann täglich aufgefrischt. Als Wechselwasser greife ich auf belebtes Wasser eines bestimmten Aquariums zurück und nicht auf Frischwasser , so wie es aus der Leitung kommt.

    Phase 4
    Die Tiere, die etwa 6 Wochen alt sind, werden für das 8 l Becken zu groß und müssen umgesetzt werden. Dafür wähle ich ein 25 l Becken aus, das wiederum die gleichen Wasserwerte aufweisen muss wie das Aufzuchtbecken. Im anderen Fall würden wieder einige Tiere auf der Strecke bleiben. Wenn nach diesem Umsetzen erkennbar ist, dass die Welse gut fressen und weiterwachsen, werden wieder tägliche Teilwasserwechsel vorgenommen. Diesmal allerdings mit Frischwasser aus dem Hausanschluss. Das Futterangebot wird um gefrorene Cyclops und Grindalwürmer erweitert.

    Phase 5
    Zur Verkaufsreife gelangen meine Corydoras nach einem weiteren Umsetzen in ein 50 - 60 l Becken, in dem sie eine Größe von 3,5 - 5 cm Länge erreicht haben. Sie sind dann zwischen einem halben bis dreiviertel Jahr alt. In dieser Phase wird der Speiseplan noch um tiefgefrorene rote Mückenlarven bereichert.

    Hier noch zwei wichtige Tipps:
    1) Um das Missverhältnis bei der Futteraufnahme zwischen kleinen und größeren Tieren aufzuheben, sortiere ich spätestens bei jedem Umsetzen von Groß nach Klein und trenne sie voneinander. Nur so bleibt gewährleistet, dass sie sich in ihrem Wachstum natürlich weiterentwickeln. Wachstumsstockungen, die in den ersten Wochen der Aufzucht verursacht werden, können nie wieder ganz aufgeholt werden.

    2) Obwohl in der Natur Panzerwelse auch in kleinen oft trüben Tümpeln zu finden sind, bevorzugen sie doch klares und sauerstoffreiches Wasser. Diesem Grundbedürfnis trage ich während der gesamten Aufzucht Rechnung, indem ich in einem 1-3 tägigen Rhythmus, je nach Besatzdichte und Futtereintrag, Teilwasserwechsel durchführe. Wird z. B. intensiv gefüttert und man will dann den Welsen etwas Gutes tun, indem viel Wasser getauscht wird, kommt es schnell zu großen Verlusten. Darum nun mein Appell an jeden Aquarianer, der Panzerwelse in seinem Gesellschaftsbecken pflegt: Wasserwechsel lieber mäßig aber regelmäßíg durchführen.

    Michael Hetzer


    Algenprobleme? Hilfe aus dem Baumarkt!

    Stahlwolle

    Wenn ein Aquarianer im Baumarkt etwas für sein Hobby kauft, kann man sicher sein, dass gerade ein Becken neu eingerichtet wird. Wenn erst mal alle Fische und Pflanzen in das Aquarium eingezogen sind, wird üblicher Weise alles Weitere im Zoofachgeschäft oder auf einer Zierfischbörse gekauft. Üblicher Weise ja, aber fangen wir doch erst einmal ganz vorne an: Wer kennt ihn nicht, den grünen Pelz auf Steinen, die braunen pinselartigen Borsten auf kräftigen Pflanzenblättern, den blaugrünen Schmierfilm auf der Scheibe an der Wasseroberfläche? Die Rede ist von Algen. In ´mäßiger´ Anzahl gehören sie, wie andere Pflanzen und die Fische auch, zum Lebensraum Aquarium. Nehmen sie Überhand, ist zumindest unser ästhetisches Empfinden gestört, leider manchmal auch das Wachstum der Pflanzen im Aquarium. Die Ursachen für übermäßiges Algenwachstum sind vielfältig. Neben der Lichtmenge, der Beleuchtungsdauer und vor allem der Lichtqualität (Art und Alter der Leuchtmittel), stellt natürlich die Qualität des Wassers eine entscheidende Einflussgröße dar. Aber welche Wasserinhaltsstoffe tragen dazu bei, dass bestimmte Algenarten sich im Aquarium ungehemmt ausbreiten und sich dann auch noch äußerst hartnäckig allen Vertreibungsversuchen widersetzen? Eine solche Liste wäre nicht nur lang, sondern vermutlich auch unvollständig. Aber wenn auch nur einer dieser für das Wachstum erforderlichen Wasserinhaltsstoffe fehlt, geht es den Algen gar nicht mehr gut. Man spricht dann vom sogenannten ´limitierenden Faktor´. Dies gilt auch dann, wenn alle anderen benötigten Stoffe im Wasser sogar im Überfluss vorhanden sind. Ein fehlender Stoff kann also nicht durch einen anderen ersetzt werden. Stickstoff- und Phosphorverbindungen spielen bei dieser Strategie zur Eindämmung des Algenwachstums durch Entzug eines Nährstoffes häufig eine wesentliche Rolle. Solche chemischen Verbindungen sind z.B. Bestandteil des Blumendüngers, d.h. sie fördern das Wachstum der Topf- oder Gartenpflanzen und somit im Prinzip auch das Wachstum der Algen. Diese Pflanzennährstoffe sind verhältnismäßig einfach im Aquarium mittels Schnelltest analytisch zu erfassen. Darüber hinaus können wir den Eintrag dieser Verbindungen in unserer Aquarium durch das Füttern, den Fischbesatz und die Filtertechnik zumindest in gewissen Grenzen beeinflussen. Aber diese Verbindungen, die in geringen Konzentrationen in ein Aquarium auch hineingehören, lassen sich mehr oder weniger gezielt wieder auf ein gesundes Maß reduzieren. Während der Gehalt an Stickstoffverbindungen, wie Nitrat, Nitrit und Ammonium im Aquarium in erster Linie durch mikrobiologische Prozesse beeinflusst wird, ist das Phosphat vor allem chemischen Reaktionen ausgesetzt. Diese Eigenschaften des Phosphats kann man nutzen, um den Algen den Nährboden zu entziehen.

    Diese Strategie, dem Algenwachstum durch Entzug von Phosphat Einhalt zu gebieten, ist recht weit verbreitet. Praktisch alle namhaften Hersteller von Produkten zur Verbesserung der Wasserchemie sowie viele Hersteller von Filtern und Filtermaterialien bieten entsprechende Waren an. Nach Art der Anwendung stehen grundsätzlich zwei Verwendungsmöglichkeiten zur Verfügung: Zum Einen gibt es Filtereinsätze bzw. Materialien, die in den Filter eingebaut werden können. Hier bei handelt es sich häufig um s.g. Zeolithe, die im Grunde genommen das Phosphat aus dem anströmenden Wasser herausziehen und an die Filtermasse ´binden´. In Abhängigkeit des Phosphat-Gehaltes im Wasser und der Wassermenge, ist die Wirkung nach einer gewissen Zeit erschöpft und die Masse muss ausgetauscht werden. Das Wasser selbst wird in der Regel durch diesen Prozess nur wenig beeinflusst. Es gibt aber auch Zusätze, die mit dem Phosphat im freien Wasser reagieren. Bei diesen dem Wasser zugesetzten Produkten handelt es sich häufig um Eisen- oder Aluminium-haltige Verbindungen. Diese gehen mit dem im Wasser gelösten (und damit unsichtbaren) Phosphaten schwerlösliche Verbindungen ein. Dies erkennt man häufig daran, das nach kurzer Zeit das Wasser leicht milchig trübe wird. Je trüber das Wasser wird, um so mehr Phosphat ist vorhanden. Im Grunde genommen ist das Phosphat zwar noch da, aber für die Algen ist es kaum noch verwertbar. Nach wenigen Tagen hat der Filter die Trübung dem Becken entzogen. Der Nachteil dieser Anwendung ist, dass noch erhebliche unverbrauchte Eisen- bzw. Aluminium-Verbindungen im Wasser verbleiben. Vor allem Aluminiumverbindungen können sich bei häufiger Anwendung im Aquarium langsam aufkonzentrieren, was für Pflanzen und Fische nicht unbedingt förderlich ist. Leider ist bei vielen Produkten nicht immer erkennbar, ob es sich um Eisen- oder Aluminiumverbindungen handelt. Für welches dieser Verfahren man sich auch immer entscheidet, es hat einen unangenehmen Nebeneffekt. Wie viele Produkte zur Verbesserung der Wasserchemie, zur Förderung des Pflanzenwachstums oder zur Bekämpfung von Krankheiten sind auch diese ´Phosphatsenker´ meist recht teuer. Aber es gibt eine billigere Lösung: Erinnern wir uns zunächst an die Filtermaterialien zur Reduzierung des Phosphatgehaltes, die wir für viel Geld im Zoohandel erworben haben. In nahezu jedem größeren Baumarkt gibt es Stahlwolle; z.B. zum Anschleifen oder Polieren von Holzoberflächen. Die 200 g Packung (etwa 2 Euro) reicht aus, um damit in einem mittel großen Aquarium die nächsten Jahre Phosphat zu reduzieren. Es kostet, im Vergleich zu Produkten aus dem Zoohandel, fast nichts. Und die Anwendung ist einfach: Zunächst eine kleine Menge (aus der Packung entnehmen (Handschuhe!). Das entnommene Knäuel vorsichtig etwas entflechten, damit später das Wasser die Stahlwolle gut durchströmen kann.

    Die Stahlwolle in den Filter einsetzen. Dabei muss darauf geachtet werden, das kein Drahtgeflecht oder Teile davon in den Ansaugbereich der Pumpe gelangen können. Die Stahlwolle darf auch den Durchfluss des Filterkörpers nicht zu sehr beeinträchtigen. Die Stahlwolle kann, wenn der Einbau im Filter nicht oder nur schwer möglich ist, auch im Ausströmbereich befestigt werden. Hauptsache das Stahlwolleknäuel wird gut durchströmt. Einige Zeit nach dem Anschalten des Filters wird, je nach Phosphat-Gehalt, das Wasser milchig trübe. Nach 3 bis 4 Tagen sollte die Phosphat-Konzentration wieder deutlich unter 0,5 mg/L liegen.

    Die teilweise rostige Stahlwolle sollte dann wieder entnommen werden.

    Was ist passiert? Die Stahlwolle besteht natürlich aus Eisen und rostet somit im Aquarienwasser. Das an der rauen Oberfläche vorbeiströmende Phosphat geht mit dem Eisen, dass hier in unterschiedlichen chemischen Formen vorliegt, eine Reaktion ein. Zum Teil verbleibt es fast unsichtbar an der Oberfläche der Stahlwolle, ein anderer Teil verbleibt als unlösliches Eisenphosphat im Wasser und trübt dieses milchig ein. Hierbei gelangen aber nur sehr geringe Mengen Eisen ins Wasser, so dass eine Anreicherung von Eisen auch bei häufiger Anwendung kaum zu erwarten ist. Ein kleinerer Teil des Eisenphosphats wird, wenn die Schwebepartikel hinreichend groß sind, sedimentieren und den Pflanzen als Nährstoff dienen. Dies ist aufgrund der besonderen Bedingungen im Boden (kein oder wenig Sauerstoff; hohe Anzahl von Mikroorganismen) im Gegensatz zum freien Wasser durchaus möglich. Die Trübung wird von einem funktionierenden (Bio)filter rasch aufgenommen. Auch hier gibt das Eisen das Phosphat nicht frei, es verbleibt im Filter. Dort kann der Biofilm auf der Filtermasse sowohl das Eisen als auch das Phosphat zumindest zum Teil für sich als Nährstoffquelle nutzen. Das kommt der biologischen Filterung zu Gute. Wie für alle Wasserbehandlungen im Aquarium gilt, so wenig Chemie wie möglich. Wir sollten von dieser Methode auch nur dann Gebrauch machen, wenn dies wirklich nötig ist. Wer keine Algen hat, braucht diese auch nicht zu bekämpfen. Wenn die Phosphat-Konzentration unter 0,2-0,3 mg/L liegt, muss auch der Phosphat-Gehalt nicht abgesenkt werden. Ziel dieser Methode ist ausschließlich die Verschlechterung der Lebensbedingungen von Algen herbeizuführen. Das ist natürlich eine Gratwanderung. Auch wenn das Phosphat die Fische kaum beeinträchtigt, benötigen aber die Pflanzen ebenfalls Phosphat für ihr Wachstum. Da viele Aquarienpflanzen, im Gegensatz zu den Algen, sich aus dem Boden mit Nährstoffen versorgen können, wird ihr Wachstum von dem von uns herbeigeführten Nährstoffmangel im Wasser nicht so rasch beeinflusst. Im Bodenbereich herrschen andere chemische und vor allem mikrobiologische Bedingungen als im freien Wasser. Die mikrobiologischen und chemischen Bedingungen im Bodengrund werden durch den Einsatz der Stahlwolle auch kaum beeinflusst. Es soll an dieser Stelle des weiteren nicht verschwiegen werden, dass die Reduzierung des Gehaltes eines Nährstoffs, in diesem Falls das Phosphat, bereits vorhandene Algen nicht abtötet. Es verhindert nur, dass sich die Algen weiter ausbreiten.

    Dr. Holger Rose, Kassel


    L137, ein selten gepflegter Wels

    L137

    Dieser auch "Cochliodon spec. blue white eye Pleco" genannte Wels stammt aus dem Rio Tapajós in Nordbrasilien. Als Nummer wurde seitens der DATZ die L 137 vergeben, die japanische Bezeichnung ist PC 007. Der Rio Tapajós ist neben dem Rio Madeira, dem Rio Tocantins und dem Rio Xingú mit einer der größten südlichen Zuflüsse des Amazonas. Ein genauer Fundort ist mir nicht bekannt. Die Tiere werden ca. 22-26 cm groß, die Becken sollten 250 Liter nicht unterschreiten. Am besten pflegt man diese Tiere in einer kleinen Gruppe 4-6 Tiere oder als Paar.

    Unterscheidung der Geschlechter:
    Die Männchen sind an den verdickten ersten Brustflossenstrahlen zu erkennen. Sie wirken bulliger, von oben gesehen, gegenüber den Weibchen. Die Tiere sind hellbraun und je nach Lichteinfall und Beleuchtungsstärke können sie mal heller, mit weißlichen Flecken, oder total dunkelbraun werden. Bei genauem Hinsehen kann man bei den Männchen auf der Rückenseite eine Reihe mit vereinzelten kleinen Hautzähnchen erkennen. Diese ist bei den Weibchen wenig bis gar nicht ausgebildet. Seine blauen Augen sind mit den Panaque cochliodon / Panaque cf. suttonorum identisch.

    Futter:
    Am besten füttert man die Tiere mit Holz (Mangrove), Algenwavers oder halben Kartoffeln. Savannenholz ist meiner Meinung nach zu hart für die Tiere, und sie können ihren Zellulosebedarf nicht decken.

    Vergesellschaften kann man die Tiere mit etwa gleich großen südamerikanischen Cichliden, größeren Raubsalmlern, die die Oberfläche des Beckens bewohnen, aber auch mit gleichgroßen Crenicichla - Arten (z.B. C. geayi, C. sveni). Bei Zwergcichliden bin ich mir nicht sicher, ob die Tiere die Zwerge nicht zu sehr in die Ecke drängen würden.

    Verhalten:
    Tagsüber verstecken sich die Tiere häufig, es sei denn, man hat sein Becken so eingerichtet, dass man seine Tiere in ihren Ruheplätzen beobachten kann. Ansonsten kommen die Tiere auch tagsüber aus ihren Verstecken und suchen das Aquarium nach Nahrung ab.

    Sie sind eigentlich immer hungrig. Nachts kann es durchaus sein, dass "lauter" schabende oder raspelnde Geräusche zu hören sind.

    Filterung und Einrichtung:
    Die Becken sollten über einen großen Außenfilter und einen starken Innenfilter verfügen. Der Innenfilter sollte am besten mit einer Schaumstoffpatrone ausgestattet sein, die sich leicht reinigen lässt. Durch ihr ständiges Raspeln an den weichen Mangrovenhölzern entstehen viele Schwebstoffe, die das Wasser trüben. Deshalb sollte man die Schaumstoffpatrone alle zwei Wochen reinigen. Sind die Schaumstoffpatronen angefressen, lässt sich erkennen, dass die Tiere nicht gut gefüttert wurden. Wenn dies der Fall sein sollte, sollten die Tiere mit mehr Grünfutter versorgt werden. Als Verstecke eignen sich große Tonröhren oder Hölzer, die einen langen senkrechten Spalt haben. In den senkrechten Spalten können die Tiere den Tag verbringen und ihn gleichzeitig als Ruheplatz benutzen.

    Jan Wessel



    Macropodus opercularis - Der Paradiesfisch

    Macropodus opercularis - Der Paradiesfisch

    Zu den ältesten Aquarienfischen zählt zweifelsohne der Paradiesfisch. Ein interessanter Fisch in mehrerer Hinsicht ist er allemal. Als erste Besonderheit fällt auf, dass dieses zu den Labyrinthfischen gehörende Tier über ein anderes Atemsystem verfügt. Hier konnte ich erstmals beobachten, dass es auch Fische gibt, die tatsächlich Luft von der Wasseroberfläche holen.

    Als nächstes ist die Färbung während der Balz als Besonderheit zu sehen. Als ich diese das erste Mal zu sehen bekam, dachte ich, es wäre ein neuer Fisch in meinem Aquarium. Das sonst blaurote Männchen wirkte fast schwarz.

    Gehalten habe ich diese Tiere paarweise in einem Becken mit den Maßen 60x30x30 cm. Zur Zucht habe ich die Tiere speziell angesetzt. Es wurde ein neues Becken (60x30x30 cm) vorbereitet. Da diese Tiere Schaumnester an der Wasseroberfläche bauen, wurde auf einen Filter verzichtet, um die Oberflächenbewegung gering zu halten. Das Becken wurde mit Wasser auf eine Höhe von ca. 12 cm gefüllt. Ein Heizer und etwas Hornkraut wurden eingebracht, und ein Pärchen eingesetzt.

    Die Geschlechter sind im Allgemeinen gut zu unterscheiden. Die Männchen haben eine lang ausgezogene After- und Schwanzflosse und sind meist intensiver gefärbt. Nachdem nun ein Pärchen in das zuvor eingerichtete Zuchtbecken Einzug gehalten hat, werden sie mit Lebendfutter, wie z.B. weißen Mückenlarven, gefüttert. Habe ich diese nicht, benutze ich auch Frostfutter oder qualitativ hochwertiges Flockenfutter. Nach ein bis zwei Tagen kann ich beobachten, dass das Männchen ein Schaumnest, meist in einer Ecke, gebaut hat. Ab diesem Zeitpunkt stelle ich die Fütterung ein und beobachte die Tiere intensiver. Meist kommt es schon am nächsten Tag zum Ablaichen. Danach entferne ich sofort das Weibchen aus dem Zuchtbecken. Wenn nach einigen Tagen die Larven geschlüpft sind und sich soweit entwickelt haben, dass sie das Schaumnest verlassen, fange ich auch das Männchen aus dem Becken und beginne, die Jungfische zu füttern. Gefüttert wird mit Infusorien, Staubfutter und Artemia.

    Jeden Tag werden 5 Liter Wasser aufgefüllt, bis das Becken seinen normalen Füllstand erreicht hat. Außerdem wird ein Schwammfilter installiert. In den kommenden Wochen wird dann wöchentlich 40% Wasser gewechselt. Und wenn alles gut klappt, kann man zuschauen, wie einige hundert Paradiesfische groß werden. Es versteht sich von selbst, dass man dann mit einem Becken (60x30x30 cm) nicht mehr auskommt. Aber alles in allem ist es doch mal eine interessante Erfahrung, die ich nur empfehlen kann.

    Frank Dzinblewski


    Desinfektion von Aquarien und Zubehör

    Zur Vorbeugung von Krankheiten ist es manchmal notwendig, Aquarien, Pflanzen und Zubehör zu desinfizieren. Es gibt verschiedene Wege, die nachfolgend beschrieben werden. Ein wichtiger Punkt ist peinliche Sauberkeit, wobei Sauberkeit jetzt nicht heißt, dass man mit einem Allzweckreiniger oder Ähnlichem hantieren soll. Eher sollte man kranke und tote Fische aus dem Aquarium entfernen. Je nach Krankheit sollten die kranken Fische in einem Quarantänebecken behandelt werden. Bei Krankheiten, die eine Behandlung des gesamten Aquariums bedürfen, ist das Umsetzen einzelner Tiere zwecklos (z.B. Ichtyo - Pünktchenkrankheit). Auch ist es wichtig, den Kescher, die Pflanzenzange und alle Gerätschaften, die mit dem Aquarium in Berührung kommen, zu desinfizieren. Es könnte sonst die Ursache für den erneuten Ausbruch der Krankheit sein. Eine gute Wasserhygiene trägt zur Gesunderhaltung des Fischbestandes bei. Regelmäßiges Messen von pH-Wert, Nitrit und Nitrat sollten für den gewissenhaften Aquarianer Pflicht sein. Selbstverständlich dürfen bei der Desinfektion keine Fische in den Aquarien sein.

    Austrocknung oder Erhitzen
    Austrocknung oder Erhitzen von Einrichtungsgegenständen bringen gute Erfolge. Zum Beispiel kann man Aquarienhöhlen aus Ton von lästigen Algen befreien, indem man sie 2-3 Minuten in die Mikrowelle bei voller Leistung stellt.

    Salzbad
    Eine von mir persönlich sehr oft angewendete Art der Desinfektion ist ein starkes Salzbad mit einer Dosis von 100g/L über 24 Std. Die Aquarien sollten kurz mit Wasser nachgespült werden. Auch Kaliumpermanganat in einer Dosis von 10-20mg/L zeigt den gleichen Effekt.

    Wasserstoffsuperoxyd
    Bei besonders schwer zu bekämpfenden Krankheitserregern kann man Wasserstoffsuperoxyd H2O2 in einer Dosis von 50ml 30%iger Lösung auf 100L Wasser anwenden. Sicherheitsvorschriften beachten! Aquarium gründlich spülen.

    Alkohollösung
    Um auch den hartnäckigsten Erreger loszuwerden, greift man zu einer 70%igen Alkohollösung (z.B. Isopropanol oder Ethanol). Mit einem Wasserzerstäuber gleichmäßig auftragen, 1 Std. einwirken lassen und danach das Aquarium mehrfach gründlich spülen.

    Jörg Rien

    (1. Vorsitzender Vereinsfreunde Hannover Ost e.V.)


    Planarien - ungeliebte Plagegeister

    Scheibenwürmer, Strudelwürmer, Plattwürmer, Turbellarien - das sind alles Namen für die Planarien, die mit etwa 200 Arten im Süßwasser vorkommen. Im Aquarium kommt die im Bild gezeigte Art häufig vor. Sie ist meist weißlich gefärbt, hat einen dreieckigen Kopf und ist bis ca. 15 mm groß. Geradezu unglaublich ist das Regenerationsvermögen der Planarien. Normalerweise vermehren sie sich durch Eier, die resistent gegenüber Frost, Trockenheit und höheren Temperaturen sind. Einschleppen kann man sich Planarien mit Pflanzen, Tieren und Wasser aus anderen Aquarien sowie über Frostfutter, in dem Eier enthalten sein können.

    Obwohl Planarien mit den Bandwürmern eng verwandt sind, haben sie wenig mit ihnen zu tun. Normalerweise sind Planarien harmlos, obwohl sie eindeutig zu den "Fleischfressern" gehören. Fleisch heißt dabei Fischeier, kleine Fischbrut, aber auch frisch gehäutete Garnelen und Krebse. Garnelen und Krebsbestände können sie bei starker Vermehrung der Planarien auch gänzlich ausrotten, weshalb diese Biester mir als Krebs- und Garnelen-Züchter schon einiges Kopfzerbrechen bereitet haben.

    Ihr Körper sondert beim Kriechen Schleim ab, so dass die Kriechsohle auf einem weichen Lager liegt, wie man das auch von Schnecken kennt. Einzellige Drüsen des Hautepithels bilden feste, stabförmige Körperchen, die Rhabditen, die bei Berührung mit Wasser zu Schleim aufquellen und so zur Verteidigung, zum Beutefang oder zur Bildung von Kokons dienen, die dem Tier bei Trockenheit Schutz bieten. Diesen Schleim kann man auch fühlen, wenn man die Tiere mit dem Finger von der Aquarienscheibe streicht.

    Zur Massenvermehrung kommt es, wenn die Tiere reichlich Nahrung finden. Das ist der Fall, wenn viel Frostfutter oder Artemia gefüttert wird oder Tiere im Aquarium verenden, die nicht entfernt werden und somit Futter für die Planarien darstellen.

    Eigentlich sind sie damit nützlich, da sie tote Lebewesen wieder in lebende Biomasse verwandeln.

    Die Tiere können außerdem über lange Zeit hungern, weshalb sie sich, obwohl nie bemerkt, auf einmal explosionsartig vermehren.

    Man mag sie zerschneiden, wie und wo man will, immer wächst das herausgeschnittene Restchen, und wenn es auch nur ein Tausendstel des ganzen Tieres enthält, zu einem ganzen kleinen Strudelwurm aus.

    Bekämpfung
    Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Tierchen zu bekämpfen. Dabei ist zu beachten, ob man alle Tiere restlos entfernen oder sie nur merklich reduzieren will. Außerdem ist beim Einsatz der chemischen Keule zu überlegen, wer außerdem noch getötet wird.

    1. Absammeln
    Die einfachste Möglichkeit ist, die an der Scheibe kriechenden Tiere mit dem Finger abzustreifen. Die schleimige Masse kann man dann am besten in ein Tuch wischen.

    2. Feindfische
    Durch den Schleim, den die Planarien absondern, sind sie für die meisten Fische ungenießbar und werden gemieden. Jedoch fressen Makropoden und auch Zwergfadenfische Planarien. Da allerdings Planarien das sind, was sie ungern fressen, dürfen die, die als Planarienfeinde eingesetzt werden, nicht zusätzlich gefüttert werden. Somit müssen aus einem mit Planarien befallenen Becken alle anderen Fische entfernt werden, um die Planarienfresser auch auf Planariendiät zu setzen. Ich habe es bei mir mit Makropoden probiert, Planarien zu bekämpfen. Der Erfolg war, dass sich die Makropoden über junge Garnelen her gemacht und vermehrt haben, und die Planarien, sich sehr gut versteckt, dem Tode entzogen haben. Das Fazit war somit nicht gerade erfolgreich, denn nach dem Entfernen der Makropoden hatte ich noch genauso viele Planarien, dafür aber weniger Garnelen.

    3. Hitze
    Da Planarien kochendes Wasser nicht vertragen, können die Tiere auch mit heißem Wasser bekämpft werden, d.h. Kies, Filter und Einrichtungsgegenstände sind abzukochen oder auszutauschen. Ins Aquarium ist kochendes Wasser zu füllen bzw. ein Tauchsieder zu verwenden, um das Wasser langsam und gleichmäßig zu erhitzen, damit das Glas nicht springt. Für Pflanzen und Tiere muss man sich allerdings etwas anderes einfallen lassen, um die daran sitzenden Planarien zu entfernen. Übrigens sind Planarien und insbesondere die Eier recht wärmebeständig, d.h. das Wasser muss wirklich kochend heiß sein.

    4. Mineralwasser
    Interessanterweise vertragen Planarien kein saures Milieu unter pH 4, d.h. man kann die Planarien auch von Pflanzen und Wurzeln entfernen, in dem man diese ca. 30 Minuten in stark kohlensäurehaltiges Mineralwasser tut. Den Pflanzen macht das über kurze Zeit nichts, aber die Planarien lösen sich darin auf. "Kleiner" Wehrmutstropfen: Planarieneier sind resistent dagegen.

    5. Chemische Keule
    "Medikamente" gegen Scheibenwürmer sollte man normalerweise nicht anwenden. Sie enthalten meist als Hauptwirkstoff Kupfer in irgend einer Form. Kupfer kann aber andere Wirbeltiere wie Harnischwelse oder Wirbellose schädigen bzw. töten. Auch Bakterien werden empfindlich in Mitleidenschaft gezogen. Allerdings gibt es in der Tiermedizin das Medikament Flubenol mit dem Wirkstoff Flubendazol. Dieses Mittel ist verschreibungspflichtig und man erhält es über den Tierarzt. Es gibt das Mittel als Paste und als Pulver, wobei insbesondere die Dosierung beim Pulver vom Lagerungsalter abhängt, weil die Wirksamkeit unter Luft und somit Feuchtigkeitseinfluss merklich nachlässt. Flubenol ist bei richtiger Dosierung ungefährlich für Fische und Garnelen, aber bringt neben den Planarien auch meist die Schnecken um. Bei 5 %-igen Pulver wird teils eine Dosierung von 0,2 Gramm auf 100 Liter Aquarienwasser empfohlen. Ich übernehme hier keine Verantwortung für die Mengenangabe und Verwendung! Durch Flubenol werden nur die lebenden Planarien über mehrere Tage getötet. Eiern macht das Mittel nichts, weshalb nach 2 bis 3 Wochen neu behandelt werden muss, wenn die neuen Planarien geschlüpft sind. Auch werden Planarien, die sich gut versteckt haben, meist durch das Mittel nicht erreicht. Es wird immer wieder behauptet, dass bei der Bekämpfung das Aquarienwasser nicht gewechselt werden soll, damit der Wirkstoff nicht verloren geht. Es ist allerdings bei der Bekämpfung mit der chemischen Keule zu beachten, dass damit in sehr kurzer Zeit je nach Planarienmenge eine große Menge an totem tierischen Stoff ins Wasser gelangt, und das Wasser auch durch die giftigen Absonderungen der Planarien sehr stark belastet wird. Daher muss vor dem Einsatz von Chemie der Planarienbestand durch andere Aktionen schon auf ein Minimum reduziert worden sein, sonst sterben nicht nur die Planarien durch das Flubenol, sondern auch alle anderen Aquarienbewohner durch die toten Planarien. Da lieber täglich ¼ Wasser wechseln und Flubenol nachdosieren.

    6. Planarienköder
    Planarien fressen, wie beschrieben, sehr gern Fleisch. Somit ist es recht einfach, die Tiere zu ködern. Nehmen Sie ein Filmdöschen, etwas Stoffgardine (Lochdurchmesser ca. 1 mm), ein Gummi und etwas Fleisch, z.B. vom Rind oder auch Muschel. Das Fleisch tun Sie in die Filmdose, mit Gardine und Gummiband verschließen und ins Wasser legen. Es empfiehlt sich, dies bei ausgeschalteter Aquarienbeleuchtung zu machen, da die Planarien dann aktiver sind. Nach 30 bis 60 Minuten kann man das Döschen entfernen, Planarien vom Fleisch waschen und den Köder neu auslegen. Den Köder länger als eine Stunde im Wasser zu lassen, kann die gegenteilige Wirkung haben als gewünscht. Vollgefressene Planarien krabbeln nämlich dann wieder aus dem Döschen und vermehren sich dann weiter fröhlich.

    7. Planarienfalle
    Die Planarienfalle ist das gleiche Prinzip, wie die Aktion mit dem Filmdöschen, verhindert aber das Flüchten der gefangenen Tiere. Das Prinzip ist lange bekannt und wird hier einfach umgesetzt: die Reuse. Auf den Bildern ist zu erkennen, woraus man sich eine solche Falle einfach selbst bastelt, und welche Wirkung sie hat. Man nimmt eine verschraubbare Plastikdose, einen trichterförmigen Reuseneingang, der am Ende ca. 1 mm Durchmesser hat (Ich habe einen Plastikluftsprudler genommen). Bei Bedarf kann man, wie auf dem Foto zu sehen ist, auch noch einen Strohhalm als Reuseneingang nehmen. Dies hat sich bei mir aber nicht bewährt. In den Deckel der Dose bohrt man ein Loch und klebt den Trichter mit der großen Öffnung darauf. Dann bestückt man die Dose mit einem Köder und schraubt sie unter Wasser zu, damit darin keine Luft bleibt. Die Dose wird Kopf über ins Aquarium gestellt und kann so einen Tag im Wasser verbleiben. Danach sollte die Falle entfernt, und auch der Köder getauscht werden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass es nicht den Königsweg zur Bekämpfung von Planarien gibt. Man muss genau abwägen, welche Methode man wählt oder welche man kombiniert.

    Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag etwas Licht ins Planariendunkel bringen und wünsche Ihnen, dass Sie vor dieser Plage verschont bleiben.

    Kai A. Quante, www.wirbellose.de

    © KAQ, 02.03.2005