Zurück zur Startseite...
Bannerwerbung bei aquarienclub.de
 

XIX. Fishlight

November 2003

Inhaltsverzeichnis

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.
  • Warum Pflanzen im Aquarium wichtig sind
  • Der Schwarze Phantomsalmler
  • Die Landeinsiedler (Coenobita rugosus)
  • Das etwas andere Tanganjikasee-Aquarium
  • Sri Lanka Zwerggarnele, Caridina simoni simoni
  • Artemia salina - Aufzuchtfutter für Süßwasserfische

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.

    Liebe Vereinsfreunde,

    das Jahr 2003 ist fast um. Wir haben seit der letzten Börse einen sehr heißen Sommer hinter uns, der sicher viele Aquarianer vor Kühlungsprobleme und auch unsere Tiere auf eine heiße Probe gestellt hat. Nun liegt die kalte Jahreszeit vor uns und viele Stunden werden wir wieder vor bzw. mit den Händen in den Aquarien verbringen.

    Wir haben dieses Jahr einige interessante Vorträge zu verschiedensten Themen gehört und beeindruckende Bilder gesehen. Außerdem war unser Sommerfest in Salzgitter wie jedes Jahr ein gesellschaftliches Highlight. Auch für nächstes Jahr haben wir wieder hochkarätige Referenten eingeladen (siehe Terminliste in diesem Heft) und hoffen, dass nicht nur von unseren Vereinsmitgliedern dieses Angebot angenommen wird, sondern auch wieder Gäste zu uns finden. Sie sind herzlich eingeladen!

    Vielleicht kennen Sie unseren Verein noch nicht, wissen nicht, was wir bieten, wie Sie Mitglied werden und was die Mitgliedschaft dafür kostet. Daher habe ich noch einmal die Hauptargumente für die Mitgliedschaft in einem kurzen Artikel in diesem Heft aufgeführt. Außerdem finden Sie in der Mitte des Heftes ein Anmeldeformular mit den Vereinsbeiträgen. Kinder und Familien zahlen natürlich weniger.

    Lesen sie seit über 6 Jahren das Fishlight? Sind Sie seit September 1997 ein Fan unseres Vereinsmagazins? Vielleicht haben Sie ja alte Ausgaben doppelt oder sie verstauben bei Ihnen im Regal. Wenn Sie Hefte nicht mehr benötigen, würden wir uns freuen, wenn wir sie zurück bekommen und sie in unsere Vereinsbibliothek aufnehmen bzw. an Sammler weitergeben könnten. Als kleine Belohnung erhalten Sie Freikarten für unsere Zierfischbörse.

    Zum Schluss möchte ich mich bei allen Autoren und Fotografen für die Beiträge zu diesem Heft bedanken, insbesondere Renate Husmann, die nicht Vereinsmitglied ist, für den umfangreichen Artemia-Artikel. Außerdem geht ein großer Dank an all die ehrenamtlichen Helfer, die mit ihrem persönlichen Einsatz unsere Vereinsbörsen zu großem Erfolg führen.

    Bis nächstes Jahr am 1. Februar 2004 in der Stadthalle Braunschweig!

    Kai A. Quante (2. Vorsitzender)
    Tel.: 0531 / 3808417


    Warum Pflanzen im Aquarium wichtig sind

    Bei der Einrichtung eines Aquariums sollte man der Thematik Bepflanzung ein wesentliches Augenmerk schenken. Hierbei gilt wie bei den tierischen Bewohnern, dass jeder Aquarist (ob Neueinsteiger oder Fortgeschrittener) nicht unbedingt mit schwierigen Arten beginnen sollte. Um so eher erlebt man Ausfälle und Frust, die den Spass am gewässerten Glaskasten vermiesen. Mit genügsamen Pflanzenarten (z.B. Javafarn, Sumatrafarn, Hornkraut) erreicht man dagegen möglichst schnell ein Anwachsen und damit ein stabiles ökologisches Milieu im Becken. Wie alle anderen Landpflanzen auch nehmen die Aquarienpflanzen Kohlendioxid auf, was unter Wasser natürlich von den Fischen ausgeschieden wird. Mit Licht wird dieses dann in Pflanzenmasse umgesetzt und Sauerstoff dabei abgegeben. Dieser Prozess bildet die Grundlage für pflanzliches Leben und stabile ökologische Verhältnisse im Aquarium. Welche wichtigen Funktionen die Pflanzen im Aquarium im einzelnen erfüllen, möchte ich im folgenden kurz beschreiben:

    Aus rein aquaristischer Sicht kommt den Pflanzen meist zunächst eine ästhetische Funktion zu. Als Dekoration bilden sie ein wesentliches Element des Unterwassergartens. Darüber hinaus lassen sich aber eine Reihe weiterer, bedeutender Funktionen beschreiben.

    Pflanzen werden von den Fischen zur Deckung und als Versteck genutzt. Wenn zum Beispiel beim Brutgeschäft Weibchen eine Ruhepause einlegen wollen, und nicht den Nachstellungen ihrer Männer ausgesetzt sein wollen, ziehen sich ins Pflanzendickicht zurück (z.B. Kilifische).

    Pflanzen werden auch von vielen Fischen zum Laichgeschäft genutzt (z.B. Salmler, Regenbogenfische), indem die Eier im Pflanzendickicht angeheftet werden. Für die Jungfische bieten die Pflanzen dann auch Deckung und sichern somit ein Überleben.

    Pflanzen bewirken mit der oben beschriebenen Sauerstoffabgabe an das Wasser nicht nur ein positives Milieu für die Fische sondern auch für das Wassermilieu selbst. Durch Fischfutter, Ausscheidungen der Fische und den bakteriellen Abbau von Pflanzenresten (das kommt natürlich auch vor) wird dem Wasser Ammonium zugeführt. Dieses wird unter der Gegenwart des Sauerstoffs zu Nitrat umgesetzt und reichert sich zumeist im Aquarienwasser an. Erhöhte Gehalte dieses Stoffes (>50 mg/l) verursachen ein ungünstiges Wuchsmilieu und können auch schlussendlich zum Absterben von Pflanzen führen. Nitrat wird dagegen von den Pflanzen auch benötigt, um wachsen zu können.

    Ein intakter Pflanzenwuchs sorgt somit zum Abbau des Nitrats und damit zur Verbesserung der Wasserqualität. In gleicher Weise gilt dies auch für Phosphate, die z.B. über das Futter ins Aquarium gelangen. Pflanzen entziehen über den Abbau von Nitrat und Phosphat den Algen die Lebensgrundlage und hemmen somit das Wachstum dieser unliebsamen Aquarienbewohner. Zudem gibt es auch Pflanzen, die Algen hemmende ausscheiden können. Pflanzen haben eine bakterizide Wirkung. D.h. sie enthalten bakterientötende Inhaltsstoffe, die sich günstig auf die Keimbelastung des Wasser auswirken. Pflanzen sorgen mit ihrem Wachstum auch für günstige Verhältnisse im Bodengrund eines Aquariums. Über die Wurzeln wird Sauerstoff in den Bodengrund eingetragen (sichtbar an massiven weißen Wurzeln), was die Bodenbakterien begünstigt und auch die Pflanzen selbst bei der Aufnahme von Nährstoffen über die Wurzeln. Diese Zeilen lassen erahnen, warum Pflanzen im Aquarium wichtig sind. Hierbei sollte nicht der zweite Schritt vor dem ersten gesetzt werden. Der Beginn sollte möglichst mit dem einfachen Weg (Auswahl genügsamer Pflanzenarten) anfangen. Über die Grundlage des Pflanzenwachstums berichte ich im nächsten Fishlight.

    Eckhard Fischer
    (Aquarienclub Braunschweig)


    Der Schwarze Phantomsalmler

    Pärchen Schwarze Phantomsalmler

    Eine der, wie ich finde, schönsten Salmlerarten in unseren Aquarien ist der Schwarze Phantomsalmler. Ihn pflege ich, seit ich ein Aquarium besitze. Von Anfang an gefiel mir seine bestechende Färbung und sein Schwarmverhalten, welches sehr gut zur Geltung kommt, wenn man sich einen möglichst großen Schwarm dieser Tiere gönnt. Zwar kann man Ihn auch paarweise halten, aber am wohlsten fühlen sich diese Tiere so wie die meisten Salmler im Schwarm.

    Der Schwarze Phantomsalmler (Megalamphodus megalopterus) ist im Vergleich zu seinem Verwandten dem Roten Phantomsalmler (Megalamphodus sweglesi) recht anspruchslos. Bei einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 und einer Gesamthärte von bis zu 18° dGH ist eine Pflege gut möglich. In den natürlichen Vorkommensgebieten: Rio San Francisco, Quellgebiet; Zentralbrasilien liegt der pH Wert um die 6,5 und die Wasserhärte bei etwa 10°dGH.

    Das Männchen des Schwarzen Phantomsalmlers hat eine dunkelgraue bis schwarze Körperfärbung und tiefschwarz gefärbte Flossen, die Rückenflosse ist weit ausgezogen. Zwei Männchen untereinander führen sehr oft imposante Scheinkämpfe aus, ohne sich jedoch zu schaden. Die Weibchen sind prächtiger gefärbt als die Männchen. Die Weibchen dieser schönen Salmlerart haben eine grau-rote Grundfärbung mit roten Brust- und Afterflossen. Gemeinsam haben beide Geschlechter einen gut ausgeprägten schwarzen Schulterfleck.

    Am wohlsten fühlt sich der Schwarze Phantomsalmler in einem gut bepflanzten Aquarium mit einigen Schwimmpflanzen und genügend Schwimmraum. Diese sehr friedliche und mit 4-5 cm relativ kleine Salmlerart eignet sich sehr gut zur Vergesellschaftung mit anderen friedlichen Arten.

    Zur Zucht dieser Tiere empfiehlt es sich den pH-Wert auf 5,5 - 6,0 abzusenken. Ein Pärchen dieser Tiere wird dann in ein vorbereitetes und abgedunkeltes Becken (z.B. 40 x 30 cm) gesetzt, welches mit feingliedrigen Pflanzen ausgestattet werden sollte. Als Laichsubstrat eignet sich allerdings auch ein Knäuel aus Perlonfaser (Angelschnur). Da diese Tiere Laichräuber sind, empfiehlt sich die Verwendung eines Laichrostes. Nach dem Ablaichen setzt man die Elterntiere wieder um, da sich diese sonst die Eier und die frischgeschlüpften Larven schmecken lassen.

    Die Larven schlüpfen bei einer Wassertemperatur von 24-26° C nach ca. 36 Stunden. Nach 5 Tagen schwimmen die Larven frei und werden mit feinstem Staubfutter und später mit frisch geschlüpften Artemianauplien ernährt. Ein kleiner luftbetriebener Filter mit einer Schaumstoffpatrone hat sich bestens bewährt, da die sehr kleinen Larven keine Strömung vertragen, sollte die Leistung etwas eingedrosselt sein.

    Gefüttert werden die immer hungrigen Larven 5-6 mal täglich. Auch sollte ein Teil des Wassers täglich gewechselt werden, da das nicht gefressene Futter schnell verdirbt und das Wasser belastet. Zum Absaugen der Futterreste und des Mulms eignet sich ein dünner Luftschlauch bestens. Ein guter Futterrestverwerter sind Apfelschnecken. Apfelschnecken fressen nur das übrig gebliebene Futter und lassen die Larven in Ruhe, außerdem reagieren Apfelschnecken sehr empfindlich auf eine Verschlechterung der Wasserwerte. Auch wem die Zucht dieser sehr schönen Art zu aufwändig ist, Freude hat man an dieser sehr schönen Art auch bei der reinen Haltung im Aquarium. Ich finde der Schwarze Phantomsalmler ist ein Fisch, den jeder mal gepflegt haben sollte.

    Ich halte einen Schwarm von 12 Tieren zusammen mit 6 Smaragdpanzerwelsen, 10 Trauermantelsalmlern, 2 Purpurprachtbarschen und 2 Dornwelsen in einem 300 Liter Aquarium.

    Jens Tangermann


    Die Landeinsiedler (Coenobita rugosus)

    Landeinsiedler (Coenobita rugosus)

    Beim Besuch eines Zoofachgeschäftes entdeckte ich Landeinsiedlerkrebse. Beim Fachpersonal erkundigte ich mich nach den Lebensbedingungen dieser Tiere. Mir wurde gesagt, dass es sehr anspruchslose Tiere sind, die sich von Pflanzen, Obst und Gemüse ernähren. Meine Begeisterung war so groß, dass ich spontan beschloss ein Exemplar mitzunehmen.

    Nun kam die Qual der Wahl, welches Tier? Einige hatten ein sehr schönes Gehäuse, lagen aber und schliefen. Ein Tier war sehr aktiv, aber das Gehäuse war nicht so schön. Mein Verstand sagte, nimm den Stärksten. Und so entschloss ich mich für den Landeinsiedler mit dem nicht so schönen Gehäuse.

    Zu Hause angekommen kam er erst einmal in einen großen Eimer mit Sand, eine Schale mit Wasser stellte ich ihm hin und legte etwas frisches Obst dabei. Es dauerte gar nicht lange und er fraß das Obst.

    Nun hieß es Informationen über meinen neuen "Freund" einholen. Also suchte ich im Internet und Büchern nach Informationen zur Haltung und Ernährung dieser Tiere und fand einige.

    In der Natur leben diese Landeinsiedlerkrebse an Land in Meeresnähe, sie benötigen aber auch Wasser.

    Ich beobachtete ihn sehr aufmerksam und merkte wie gut er klettern kann und wie schnell er läuft. So bekam er noch einige Äste dazu.

    Er zog in ein um, Aquarium was ca. 10 cm mit Sand gefüllt war und einigen größeren Ästen zum Klettern. Er schien sich recht wohl zu fühlen. Schildkrötensticks gab ich ihm probeweise zu fressen. Ich stellte fest, die mochte er besonders gern. Nach einigen Tagen war er nicht mehr gesehen, er hatte sich im Sand eingegraben, kam aber bald wieder zum Vorschein.

    Ich hatte gelesen, dass diese Tiere sehr gesellig sind und sehr friedlich miteinander umgehen und dass man sie in kleinen Gruppen halten soll. So ging die Suche nach weiteren Exemplaren los. Inzwischen besitze ich 4 Stück. Mittlerweile habe ich einige Erfahrung mit den Tieren gemacht. Von Zeit zu Zeit graben sie sich im Bodengrund ein und es kann vorkommen, dass sie einige Wochen nicht mehr rauskommen (sie häuten sich in dieser Zeit, denn ich fand im Sand Hüllen). Eine Schale mit Seewasser befindet sich im Terrarium (sie baden darin und trinken davon). Man kann sie zur "Gesundheitspolizei" rechnen, denn sie ernähren sich von allem was sie finden z. B, tote Fische und Insekten, Gammarus, Obst, ein ganz besonderer Leckerbissen sind nach wie vor die Schildkrötensticks, an der Sepiaschale wird auch gut geknabbert (Kalk für den Panzer).

    Einige Muschelhäuser liegen zum Wechseln da und es ist toll den "Hauswechsel" zu beobachten. Das neue Haus wird sehr genau inspiziert, wenn es für gut befunden wird hält man sich am neuen Haus fest und mit einem Ruck wird das alte Haus verlassen, ins Neue geklettert, einige Male hin und her gerüttelt, bis alles gut passt und schon ist der Umzug vollendet.

    Sie sind wahre Kletterkünstler, hängen an der Xaximwand, klettern die Äste an der Oberseite rauf, an der Unterseite wieder runter. Sogar an den Klebenähten des Terrariums klettern sie hoch.

    Sie leben jetzt in einem Terrarium 80 x 50 x 50, haben Sand und Terrarienerde als Bodengrund, einige Äste zum Klettern aus Korkeiche, eine Rückwand aus Xaxim, eine Schale mit Salzwasser, einige Grünpflanzen, als Beleuchtung dient eine 18 Watt Reptilienleuchtstofflampe.

    Meinen spontanen Entschluss solch ein Tier zu erwerben habe ich bis heute nicht bereut. Ich habe viel Spaß und Freude mit diesen "Gesellen".

    Da es manchmal recht ruhig zugeht durch das Vergraben, und die Tiere sind vorwiegend nachtaktiv habe ich die Landeinsiedlerkrebse mit 4 Anolis vergesellschaftet. Die Tiere leben sehr friedlich miteinander, aber es ist immer Leben im Terrarium.

    Elke Reese


    Das etwas andere Tanganjikasee-Aquarium

    Sandcichlide, Xenotilapia flavipinnis ´Nyanza lac´

    Viele haben bei dem Begriff "Tanganjikasee"- oder Barschaquarium meist grosse, Pflanzen fressende böse Buntbarsche vor Augen, die mit Ihrem Radikalfraß meist den gesamten Pflanzenwuchs niedermachen.

    Da ich jahrelang Tanganjikasee- und Malawisee-Buntbarsche gepflegt habe, möchte ich heut mit diesem Vorurteil aufräumen. Es sollen interessante Arten, speziell aus dem Tanganjikasee vorgestellt werden, die es gut gehalten und vermehrt werden können. Sicher werden mit Buntbarschen auch immer große Aquarien vorausgesetzt, was bei einigen von mir angesprochenen Arten nicht unbedingt Voraussetzung ist.

    Worauf bei allen Arten des Tanganjikasee geachtet werden sollte, ist ein häufiger, nicht übertriebener Wasserwechsel von max. 1/4 des Beckeninhalts. Vorausgesetzt man beachtet die dementsprechenden Wasserparameter, pH > 7,5 und DGH > 10 , kann bei optimaler Filterung eigentlich nichts schief gehen und die von mir vorgestellten Pfleglinge gedeihen und vermehren sich.

    Zur Zeit halte ich meine Tiere in einem 2,00 x 0,6 x 0,6 m-Aquarium (720L) mit einem Innenfilter mit ca. 40 Liter Filtervolumen und einer Umwälzung von ca. 1.500 l/h. Zusätzlich benutze ich einen Schnellfilter mit Schaumstoffpatrone, der ca. 600 l/h Leistung aufweist. Beide Filter werden wechselweise alle 4-6 Wochen in einem Eimer mit abgelassenem Aquarienwasser ausgewaschen und wieder eingesetzt. Diese Methode hat sich bewährt und sorgt für permanent klares Aquarienwasser und gleichbleibend gute Filterqualität, welche für Tanganjikasee-Bewohner von immens wichtiger Bedeutung ist.

    Als Algen- oder Aufwuchsfresser setze ich auf den guten alten Ancistrus (Antennenwels), der wenn er nicht 8 cm überschreitet ein hervorragender Algenvertilger ist und Futter, was auf den Boden fällt, gut verwertet.

    Die Einrichtung besteht aus dem typischen, im Handel erhältlichen Lochgestein und Kalksteinen, deren Kalk sich jedoch nicht lösen darf. Man kann sicher auch anderes Gestein verwenden, sollte jedoch darauf achten, dass keine metallischen Einschlüsse enthalten sind (z.B. Schiefer).

    Die Wassertemperatur sollte zw. 23- 26°C betragen, damit sich Tanganjikasee-Bewohner wohl fühlen. Als Pflanzen, die sich zur Begrünung eignen, empfehle ich im Vordergrund kleinwüchsige Cryptorynen, Valisnerien jeder Art, Anubien sowie Javafarn. Dies hat seine Gründe. Bis auf die Valisnerien müssen alle genannten Arten den sog. pflanzenanfressenden Cichliden so schlecht schmecken, dass sie als Futter uninteressant werden. Bei den Valisnerien ist es mehr die flinke und einfache Vermehrung der Pflanzen, die sie im Bestand hält.

    Um den Cichliden jedoch das Interesse am Pflanzenfraß zu nehmen, empfiehlt sich ohnehin die Zugabe von pflanzlichem Futter (Sera Vipan oder Tetra Phyll). Auch gern genommen wird ein Stück Salatgurke, was an einem Stein befestigt auf dem Bodengrund positioniert wird.

    Nun zu den Bewohnern: Ich halte zur Zeit eine etwas größere Gruppe von sog. Heringscichliden (Cyprichromis), einer im Freiwasser des Sees vorkommenden Art.

    Diese recht friedlichen und schlanken, aber blitzschnellen Tiere, sind Maulbrüter, die durch ihr beim Füttern sich nach vorn stülpendes Maul auffallen. Sie ernähren sich hauptsächlich von Seeplankton und Kleinstlebewesen. Im Aquarium nehmen sie sowohl Trocken- als auch Frostfutter (Cyclops). Cyclops ist für sie wichtig, um Farbe zu halten. Im Gegensatz zu den eher einfarbigen silbrigen Weibchen sind die Männchen in unterschiedlichsten Farbvariationen, je nach Fangort zu erhalten. Mal gelber Kopf und blauer Schwanz, mal blauer Rumpf und gelber Schwanz, auf jeden Fall sehr schöne Tiere. Ihre Eiablage, und das macht sie interessant, findet im freien Wasser statt, d.h. das Weibchen legt ein Ei im Wasser, lässt sich zurückfallen, schnappt es mit dem Mund, während es vom Männchen im freien Wasser befruchtet wurde. Allein diese Zeremonie im Wasser zu verfolgen, ist äußerst interessant, denn von der Eiablage wissen ja nicht nur die betroffenen Tiere, sondern auch Räuber.

    Diese versuchen, die Eier zu stehlen. Cyprichromis legen ca. 5-15 Eier, die durch den durchsichtigen Kehlsack des Weibchens genau zu beobachten sind. Nach ca. 2 Wochen schlüpfen aus den Eiern die Larven, die bis zum fertigen Fischchen im Maul der Mutter heranwachsen. Die Jungen verlassen mit einer Größe von 0,8- 1,2 cm (!!) das Maul und können im Aquarium mit Versteckmöglichkeiten (Pflanzen) gut überleben.

    Man sollte bei den Heringscichliden darauf achten, dass mehr Weibchen als Männchen erstanden werden, da die Weibchen während der Maulbrutpflege selten fressen und daher danach etwas Ruhe benötigen. Im Verhältnis von 1 M zu 3 W haben Sie viel Spaß an der Farbenpracht des Männchens, und die Weibchen haben Zeit, sich vor den ständigen Nachstellungen der unter Verkrümmung zappelnden Männchen zu erholen.

    Ein weiterer sehr interessanter, mit der o.g. Art vergesellschaftbarer Cichlide ist Julidochromis. Ich halte zur Zeit 2 Arten, den Julidochromis regani kipili und den J. marlieri. Beides sind Höhlenbrüter und meist im unteren Drittel des Aquariums zu finden. Meist schweben sie graziös über den Steinaufbauten. Man hat das Gefühl, dass sie nichts aus der Ruhe bringt. Bei normaler Fütterung mit Trocken- und Frostfutter (Cyclops) erreichen sie eine Größe von ca. 10 cm. Interessant an Ihnen ist die sogenannte Etagenzucht. Julidochromis legt je nach Art bis zu 100 Eier in Felsspalten (im See) oder Blumentöpfen (im Aquarium) kopfüber ab. Meist können viele Gelege nacheinander auftreten. Die gerade neu geschlüpften Jungen werden von den Geschwistern nicht gefressen, sondern mit gehütet. Auch die Eltern bewachen sowohl die kleinen (0,4 cm) sowie die größeren Geschwister, bis diese aus dem Elternhaus (Revier) ausziehen (ab einer Größe von ca. 3-4 cm.

    Als Zusatz empfehle ich den "kleinen Rottweiler" unter den Aquarienfischen, den mutigsten, den ich je erlebte. Ich spreche vom Schneckenbarsch Neolamprologus ocellatus. Dieser ca. 5 cm kleine Kamerad, dem wir mehrere Schnecken-Einfamilienhäuser zur Verfügung stellen sollten, müssen sie gehalten haben. Da unser Tanganjikaseeaquarium als Bodengrund feinen Quarzsand besitzt, fängt der Schneckenbarsch sofort an, sein Haus zu vergraben, bis es seiner Meinung nach die richtige Position hat. Meist verschwindet das ganze Gehäuse im Sand, nur der Eingang ist noch zu sehen, in dem er bei Gefahr schnell verschwinden kann.

    Wenn man bedenkt, was der Fisch im Verhältnis zu seiner Grösse an Sand dafür an die Seite buddelt, um das Schneckengehäuse in die richtige Stellung zu bringen, kann man dies mit einer Ausschachtung für ein 6-Familienhaus vergleichen. Dazu besitzt er großen Mut, denn jeder andere Fisch, der in die Nähe seiner Behausung kommt, wird umgehend zurückgetrieben. Selbst vor der Hand des Pflegers macht dieser putzige Kamerad keinen Halt. Immer wenn ich bei der Aquarienpflege den Sand mit den Händen durchwühle, um den Untergrund zu lockern, vergesse ich, dass die Jungs und Mädels in den Häuschen sitzen. Nicht das sie Angst haben, als Pfleger erschreckt man sich über den nicht geahnten Angriff, wenn sie einem in die Hand zwicken. Es ist immer wieder lustig, wie mutig die Ocellatus ihr Revier und die Bruthöhle verteidigen. Auch hier sollten mehrere Tiere in einer Gruppe, mehr Weibchen als Männchen, gehalten werden.

    Das Verhalten ist dann interessanter. Schneckenbarsche legen Ihre Eier in die Schneckenhäuser, eine äusserst wirksame Methode den Nachwuchs zu schützen. Die Jungen verschwinden bei Gefahr sofort in das elterliche Haus, oder vergraben sich im Sand.

    Ich halte zu den o.g. Arten, die alle keine Pflanzen anrühren, noch sogenannte Sandcichliden. Hierzu sei erwähnt, dass diese sehr schönen Tiere sehr schreckempfindlich sind und bei dem Einschalten des Lichts oder bei flinker Bewegung vor dem Aquarium in Panik geraten können. Dann schießen sie häufig wild durch das Becken. Für die Haltung dieser Tiere empfehle ich Behälter ab 1,20 m, besser noch größer. Auch der Umgang und die Art der Fütterung ist ein Thema für sich, häufig in kleinen Mengen füttern. Sandcichliden werden Sie im Regelfall auch nicht auf Börsen oder im Fachhandel erhalten, da sie sehr schreckhaft sind. Entweder zeigen sie keine Farben oder bringen sich durch panikartiges Umherschießen selbst um, da das Aquarium zu klein war. Beziehen Sie solche Tiere besser über den Züchter, schauen Sie sich die Eltern an und lassen Sie sich, sofern Interesse an diesen Tieren besteht, alles genau erklären. Da es sich um Schwarmtiere handelt sollten hier keine Gruppen unter 10 Tieren gehalten werden. Bei Sandcichliden gibt es Unterschiede, monogame Tiere, die mit einem Partner auskommen, oder Arten die mehrere Partner benötigen. Es gibt Sandcichliden, die Burgen bauen, um sich Ihren Laichplatz zu schaffen. Auch sind die meisten Vater-Mutter-Maulbrüter, d.h. das Weibchen nimmt erst die Eier ins Maul auf. Nach der Hälfte der Entwicklungszeit übernimmt das Männchen die Larven.

    Der Tanganjikasee beherbergt sicher noch viel mehr interessante Arten, als die von mir oben genannten. Vor Anschaffung dieser Tiere empfehle ich jedem, wie bei anderen Tierhaltungen auch, ein genaues Studium im Vorfeld. Hierdurch werden den Pfleglingen die bestmöglichen Voraussetzungen und dem Pfleger viel Freude an den Tieren ermöglicht.

    Ich hoffe, ich konnte ein wenig Faszination für die Tanganjikasee-Bewohner entfachen, die nicht so häufig angeboten werden und wünsche Ihnen und Ihren Lieben frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

    Jörg Hauschild


    Sri Lanka Zwerggarnele, Caridina simoni simoni

    Caridina simoni simoni Weibchen

    Heute möchte ich die neben Caridina fernandoi in Sri Lanka am verbreitetste Zwerggarnele Caridina simoni simoni vorstellen. Eine Biotop-Beschreibung gibt der bekannte Garnelen-Spezialist Andreas Karge, von dem ich meine Tiere ursprünglich bekommen habe, auf www.wirbellose.de/sri-lanka, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehen möchte. Der Schwerpunkt dieses Artikels soll die Haltung und auch Zucht im Aquarium sein.

    Die Art bleibt vergleichsweise klein und ist mit ca. 20 mm im weiblichen Geschlecht ausgewachsen. Männchen bleiben sogar noch etwas kleiner. Sie sind relativ transparent und nur selten tragen die Weibchen einen leichten Rückenstrich. Charakteristisch ist der Knick im Hinterkörper und das vergleichsweise lange Rostrum ("Nase").

    Die Zwerggarnelen schwimmen häufiger frei und halten sich auch gern in den Pflanzen auf.

    An einem Fundort maß Andreas eine Wassertemperatur von knapp 30°C bei geringer Härte kH = gH = 0,5° bei einer Leitfähigkeit von 62 µS. Der pH-Wert lag mit 5,2 im doch recht stark sauren Bereich.

    Für die Aquarienhaltung können die Tiere neben den oben genannten Wasserwerten auch in mittelhartem Wasser mit pH-Werten bis 7 gehalten und gezüchtet werden. Sie können bei Zimmertemperatur gehalten werden, vertragen aber auch über eine gewisse Zeit Temperaturen bis 35°C, wie sie dieses Jahr in meinem Büro-Aquarium herrschten, was zum Vergleich meine Bienengarnelen mit ihrem eigenen Tode bestraften.

    Das Aquarium sollte mit Javamoos, Javafarn, Holz und dunklem Bodengrund eingerichtet werden. Außerdem darf getrocknetes Laub, bevorzugt Buche, nicht fehlen.

    Vergesellschaftet werden können die Garnelen mit Fischen, die den Garnelen nicht zu sehr nachstellen. In einem reichlich strukturierten und mit feinen Pflanzen versehenen Becken halten und vermehren sich allerdings auch, wenn die Anzahl der Fressfeinde gering ist.

    Die Fütterung erfolgt mit herkömmlichen Flocken-, Tabletten-, Granulat- oder auch Frostfutter. Da sie gute Algenfresser sind, muss in einem veralgten Aquarium kaum zugefüttert werden.

    Die Zucht ist einfach und muss nicht in einem extra Zuchtbecken erfolgen. Die Weibchen tragen bis ca. 35 Eier, aus denen fertig entwickelte Jungtiere schlüpfen (spezialisierter Fortpflanzungstyp), die dann schon ca. 2 mm groß sind und recht schnell wachsen. Extra gefüttert werden müssen sie nicht. Je nach Temperatur tragen die Weibchen im drei bis vier Wochen Rhythmus Eier.

    Kai A. Quante, www.wirbellose.de


    Artemia salina - Aufzuchtfutter für Süßwasserfische

    Caridina simoni simoni Weibchen

    Salinienkrebschen (Artemia salina) haben sich als jederzeit verfügbares Lebendfutter für Fische, besonders als Aufzuchtfutter für Jungfische bewährt. Sie sind einfach aufzuziehen und nicht mit schädlichen Erregern belastet, wie das bei Futter aus Teichen gelegentlich passieren kann. Außerdem ist für das Teichfischen meistens eine Genehmigung erforderlich. Wegen übermäßiger, industrieller Nutzung (offiziell: Ungünstige Wetterverhältnisse, tatsächlich wohl beides) nimmt die Anzahl der jährlich geernteten Cysten kontinuierlich ab, die Preise steigen ständig. Um so wichtiger ist es genau zu wissen, was da verfüttert wird und wie der größtmögliche Nutzen daraus gezogen werden kann. Erwachsene Salinenkrebschen sind zudem ein interessantes Beobachtungsobjekt.

    Hintergrund
    Die etwa 1-1,5 cm großen Artemia salina (Salinenkrebschen) gehören zu einer Klasse sehr ursprünglicher Kleinkrebse, der sog. Anostraca (Kiemenfußkrebse, Feenkrebse). Krebschen dieser Klasse haben nur ein stark gegliedertes Exoskelett aus mit Chitin verstärktem Eiweiß, keinen festen Körperschild aus diesem Material, wie z.B. Krebse ihn besitzen. Sie können sich wegen der fehlenden Panzerung nicht gegen Jäger wehren. Das zwang die im Süßwasser lebenden Vorfahren unserer Artemien zum Rückzug in Salzwassergebiete, wohin ihnen die Jäger nicht folgen konnten. Heute finden sich verschiedenen Arten in salzhaltigen Binnengewässern, u.a. auch in Europa (Camargue), in China, Rußland und den nordamerikanischen Salzseen mit meist deutlich höherem Salzgehalt als das Meer. Die "Eier" der Krebschen aus dem Zoogeschäft stammen meist aus den USA und heißen Artemia salina, es gibt aber noch mehrere weitere Arten. Artemia salina hat sich wegen ihrer Kleinheit und einer sehr hohen Schlupfrate in der Aquaristik bewährt. Die kleinsten stammen aus der Bucht von San Francisco und aus Utah, die am häufigsten gehandelte Sorten aus dem Großen Salzsee in Utah (1991 rd. 80% des Gesamtvolumens). Die in Handel befindlichen "Artemia-Eier" sind tatsächlich Cysten (oder Zysten; Eier bestehen nur aus einer Zelle, Cysten sind mehrzellig). Diese Cysten werden immer dann gebildet wenn die Lebensbedingungen es erfordern, z.B. wenn das Heimatgewässer austrocknet oder im Herbst. Sie enthalten einen Embryo in einem "Trockenschlafstadium", der durch eine besonders harte Schale geschützt ist. Cysten haben nach der Trocknung einen Feuchtigkeitsgehalt von 6-10 %. Bei diesen Werten ist keinerlei Stoffwechsel-Aktivität mehr meßbar .Das macht sie bei kühler und trockener Lagerung sehr haltbar. Die Fähigkeit eines kompletten, primitiven Organismus in einem voll entwickelten Stadium zu überleben, heißt Anabiose.

    In den USA wird zunehmend nach Alternativen vor allem für die Nutzfisch-Industrie gesucht. Ein gleichwertiger, lebend verfütterbarer Ersatz wurde bisher nicht gefunden, den die Schlupfraten bei Cysten aus anderen Teilen der Erde sind um 30% - 50% niedriger. Die amerikanische Futterindustrie bietet Aufzuchtfutter-Produkte auf Artemia-Basis an ("Baby Star") und propagiert gefriergetrocknete Kleinkrebse aus Salzseen der arktischen Regionen Kanadas. Sie heißen Cyclop-eeze, Hersteller ist Argent Chemical Laboratories in Redmond, WA. Cyclop-eeze enthält fast doppelt so viel Fett wie gerade geschlüpfte Artemia, weniger Eiweiß und wesentlich mehr Carotinoide. Sie sind mit 0,8 mm doppelt so groß wie Artemia.

    Entwicklung
    Frisch geschlüpfte Salinenkrebschen heißen "Nauplien" und sind nicht einmal 0,5 mm klein. Sie häuten sich wie andere Krebse oder Garnelen auch, wenn sie wachsen. Bis zur Geschlechtsreife sind meist 17 Häutungen notwendig. Das Wecksingnal für einen Nauplius, dessen vorher schrumpelige Cyste sich nach einem starken Regen mit Wasser vollgesogen hat, ist Sonnenschein. Durch den Sonnenschein entstehen Algen und anderes Plankton, die die Nahrung der Kleinkrebse darstellen. Der frisch geschlüpfte Nauplius hat ein Beinpaar, zwei Mandibeln ("Antennen") und einen Augenfleck auf dem Kopf. Im Laufe der nächsten Häutungen über das Stadium als Metanauplius zum erwachsenen Tier entwickelt er zwei Komplexaugen, 15 Körpersegmente, 11 Beinpaare und wird 1 - 1,5 cm groß. Feenkrebse sind Rückenschwimmer, sie wenden die Körperunterseite zum Licht, filtern mit den behaarten Beinen die Nahrung aus dem Wasser und transportieren sie zur Mundöffnung. Das zweite Mandibelpaar bleibt beim Weibchen klein, beim Männchen wird es riesig und dient bei der Paarung zum Festhalten des Weibchens. Das Erscheinungsbild kann sich mit den Umweltbedingungen verändern, manche Artemia-Arten haben z.B. bei hoher Salzkonzentration weniger Segmente und sind schneller geschlechtsreif. Auch die Farbe variiert, denn bei niedriger Sauerstoffkonzentration wird mehr Hämoglobin gebildet, die Tiere haben einen intensiveren Rotton. Zur Fortpflanzung haben Salinenkrebschen verschiedenen Möglichkeiten, u.a. über Parthenogenese (Jungfernzeugung) und über Eier, die sich noch im Brutsack entwickeln (Viviparien, Entwicklungszeit 4 Tage, sehr dotterarm). Bei veränderten Lebensbedingungen können die Weibchen jederzeit Cysten bilden. Ein Weibchen kann alle 4 Tage 300 Nachkommen haben. Bei einer Bruttemperatur von ca. 25°-26°C schlüpft ein Nauplius innerhalb von 24 Stunden (29°: 18 h) und ist nach 8-14 Tagen geschlechtsreif, je nach Herkunft und Lebensraum variierend.

    Je nach Salzgehalt beträgt die Lebensdauer etwa 4 Wochen und verkürzt sich bei erhöhten Salzgehalten. Die Überlebensdauer in Süßwasser beträgt, abhängig von der Wasserhärte etwa 4 - 8 Stunden. Da tote Artemia das Wasser schnell verschmutzen, sollten sie nur in der benötigten Menge gefüttert werden. Und die ist ein Erfahrungswert, Empfehlungen nicht möglich.

    Warum gerade Artemia?
    Die problemlose Verfügbarkeit alleine und die geringe Größe macht sie schon zu einen idealen Erstfutter für Jungfische. Außerdem sind sie leicht verdaulich und enthalten viele für Jungfische wichtige Nährstoffe. Aber nicht alle Jungfische können sie als Erstfutter bewältigen. Besonders kleine Jungfische, z.B. von den meisten Regenbogenfisch-Arten können sie erst nach Tagen oder Wochen aufnehmen. Das Maul von Honigfadenfisch-Nachwuchs ist zwar groß genug, aber die Krebschen bleiben auf dem Weg in den Magen stecken. Keine Probleme haben die meisten Buntbarsch-Nachzuchten, Lebendgebärende und Killifische. Die verschiedenen Nährstofftabellen unterscheiden sich in ihren Angaben. Teilweise sind die Gehalte wetter- und fundortbedingt anders (Artemia aus der Bucht von San Francisco sind proteinhaltiger als die aus Utah z.B.), z.T. liegt es auch an den Schlupfbedingungen und am Testzeitpunkt. Angaben über das untersuchte Entwicklungsstadium fehlen oft. Manche Angaben beziehen sich auf die Trockenmasse ohne jeden Feuchtigkeitsgehalt wie in Deutschland bei Lebensmitteln üblich, manche auf das unveränderte Untersuchungsobjekt. Details sind ohnehin nur für kommerzielle Fischzucht interessant.

    Zwei Beispiele:

    1. Nährstoff-Analyse für Cysten aus dem Großen Salzsee/Utah
    NährstoffeDurchschnittlicher Gehalt
    Eiweiß62,8 %
    Kohlehydrate25,0 %
    Fett6,2 %
    Asche4,9 %
    Feuchtigkeit6,0 %

    2. Rohnährstoffdaten für Artemia, bezogen auf die Trockenmasse
    NährstoffeDurchschnittlicher Gehalt
    Rohprotein (Eiweiß)53,4 %
    Rohfaser (Kohlehydrate)2,0 %
    Rohfett9,3 %
    Rohasche5,7 %

    Rohprotein (Eiweiß) meint etwa 20 verschiedene Aminosäuren, von denen etwa die Hälfte für Fische essentiell sind, d.h. nicht selbst hergestellt werden können. Die Aminosäuren in Artemia sind für Fische leicht verdaulich, weil gut in körpereigenes Eiweiß umzuwandeln. Wird neben Fett als Energiequelle benutzt.

    Rohfaser (Kohlehydrate) sind im wesentlichen Zucker, Stärke und Zellulose. Solche komplexen Moleküle können vom Verdauungssystem von Fischen meist nicht aufgespalten und so für den Energiehaushalt nutzbar gemacht werden. Deshalb sind gefütterte Futtertiere so wertvoll - ihre Verdauungsenzyme wandeln komplexe Kohlehydrate in einfachere um, die vom Fisch verwertet werden. Nicht verwertete Kohlehydrate aus Pflanzen und Exoskeletten von Lebendfutter sind ein wichtiger Ballaststoff, der die Verdauung fördert und den Darm "putzt".

    Rohfett ist ein Sammelbegriff für verschiedene Fette, die vorwiegend als leicht zu speichernder Energievorrat und für die Verwertung fettlöslicher Vitamine (z.B. Vitamin A) genutzt werden. Nutzbar für Fische sind nur Fette, die bei Umgebungstemperatur flüssig sind. Das ist in Mückenlarven und Kleinkrebsen in hohem Maße der Fall, in Rinderprodukten zum Beispiel nicht. Besonders wertvoll sind die reaktionsfreudigen ungesättigten Fettsäuren, von denen Artemia nicht sehr viele enthält. Die Industrie kompensiert das bei einigen Produkten mit patentierten Verfahren.

    Rohasche sind nicht brennbare Bestandteile, wie Mineralstoffe und Spurenelemente.

    Vitamin C (Ascorbinsäure) ist ein wichtiger Nährstoff für viele Fische, der u.a. zum Knochenaufbau und zusammen mit Eisen zur Blutbildung benötigt wird. Fehlt es, kommt es leicht zu Mißbildungen der Wirbelsäule. Artemia enthält sehr viel davon - vor dem Schlupf in einer stabilen Form, danach in einer weniger stabilen, aber für Fische besser verwertbaren. Manche Fische können es selbst bilden, wenn genug Vitamin A vorhanden ist. Welche Fische das sind, und ob und wie das funktioniert ist nicht geklärt. Vitamin C ist wasserlöslich und hitzeempfindlich.

    Karotinoide (Vitamin A und Vorstufen) sind für die meisten Rot- und Gelbtöne der Fische verantwortlich und an Wachstumsverlauf, Knochenbildung und dem Sehen beteiligt. Das Karotinoid, das in Artemia mit ca. 100 ppm vorwiegend enthalten ist, heißt Canthaxanthin und liegt in Nauplien und älteren Krebschen in einer stabileren Form vor (Trans-Canthaxanthin) als in den Cysten. Karotinoide sind fettlöslich und relativ wärmebeständig.

    Besser ist es, am Anfang eine zu geringe Menge anzusetzen als zuviel, nicht nur aus Kostengründen. An Artemia gewöhnte Jungfische sind anspruchsvoll und lassen sich manchmal schwer an anderes Futter gewöhnen. Ich gebe deshalb bei der ersten Fütterung am Morgen immer konventionelles Aufzuchtfutter aus der Dose.

    Salz, Futter und Hygiene
    Das Wasser für Schlupf- und Zuchtansätze muss aufgesalzen werden. Neben Spezialsalzen und Salz für Meerwasseraquarien ist dafür gewöhnliches Speisesalz geeignet. Es sollte kein Jod (das verzögert den Schlupf) und keine Trennmittel wie E 535 [Natriumhexacyanoferrat (II), löst sich mit starker Trübung und verstopft die Poren der Cysten] enthalten. Die Schlupfrate ist deshalb geringer als bei Verwendung von Salz ohne diese Zusätze. Notfalls sehr grobes Salz verwenden (für Mühlen), darin ist weniger Trennmittel. Mineralische Trennmittel wie kolloidale Kieselsäure sind für die Nauplien harmlos, werden aber kaum verwendet. In Österreich darf nur jodiertes Speisesalz in den Verkaufsregalen stehen. Nicht jodiertes ist in vielen Supermärkten auf Anfrage und in Apotheken erhältlich. Eine Abmeßhilfe für Salz gibt's auf meiner Ichtyo-Seite. Sollen die Nauplien nur zum Schlupf gebracht werden, genügt 1 El Salz je Liter Wasser, zur längeren Hälterung ist etwa die doppelte Menge erforderlich. Dabei darf der Salzgehalt für durchaus schwanken, aber ein hoher Salzgehalt am Anfang reduziert die Schlupfrate. Die Krebschen sind sehr anpassungsfähig! Füllt man verdunstetes Wasser in einem Daueransatz immer wieder mit neuen Salzwasser nach und erhöht so die Salzkonzentration, bilden sich irgendwann wieder Dauereier. Der Schlupf erfolgt bei einer Temperatur von ca. 25° innerhalb von 24-48 h, beheizen ist nicht nötig. Auch eine regelmäßige Beleuchtung muß nicht sein, eine kurze Lichtphase wird aber möglicherweise zum Schlupf benötigt (einfach ins Sonnenlicht stellen). Werden Nauplien nicht unmittelbar nach dem Schlupf verfüttert, sind sie wertlos, weil sie die im Dottersack mitgelieferten Nährstoffe aufgebraucht haben. Sie sollten gefüttert werden, das Futter sollte gleich nach dem Schlupf aufgenommen werden können. Spezielles Futter ist im Handel erhältlich, fein zerriebenes Flocken- und Staubfutter für Fische sind ebenfalls geeignet. Einfach zu handhaben ist Frischhefe (notfalls Trockenhefe), die mit etwas Wasser angerührt einige Tage im Kühlschrank haltbar ist. Noch besser sind Algen. Sie stellen sich von selbst ein, wenn eine Flasche mit vorbereitetem Salzwasser in die Sonne gestellt wird. Idealerweise ist in diesem Salzwasser eine Prise Artemia-Spezialsalz enthalten, das Dauerstadien diverser Mikroorganismen enthält (gilt genau so für Meerwassersalz). Bei der Zufütterung mit Hefe und Spezialprodukten trübt sich das Wasser etwas. Die nächste Fütterung darf erst erfolgen, wenn es wieder ganz klar ist.

    Ein selten gefütterter Daueransatz in der prallen Sonne benötigt kaum Pflege. Es wachsen genügend Algen, die die Ausscheidungsprodukte der Krebschen umsetzen und diesen als Futter dienen. Je intensiver jedoch gefüttert wird, desto sorgfältiger sind die Behältnisse zu reinigen. Aufzuchtflaschen müssen nach jedem Ansatz sorgfältig mit einer Bürste und heißem Wasser geschrubbt werden, denn sonst bilden sich Beläge. Diese verschlechtern Schlupf- und Überlebensrate. Ansätze nur mit einem Luftschlauch belüften, nicht über fein perlende Ausströmer, denn die Bläschen könnten sich unter die Panzer setzen. Beim Verfüttern von frisch geschlüpften Nauplien sollten die Schalenreste entfernt werden, da sie im Verdauungstrakt von Jungfischen, abhängig von deren Größe, stecken bleiben können und das Aquarium verschmutzen. Die Nauplien sammeln sich an der tiefsten Stelle der Aufzuchtflasche, oder an der hellsten und können dann mit einem Luftschlauch abgesaugt werden. Schalenreste schwimmen an der Oberfläche. Tipps und Ideen zum Trennen gibt es auf vielen Homepages im WWW. Spülen, am besten mittels Sieb, bitte nicht vergessen, damit sich die Salzkonzentration im Aquarium nicht unnötig erhöht. Cysten, die älter sind als ein Jahr haben eine spürbar schlechtere Schlupfrate. Deshalb sollten sie nur in Bedarfsmengen gekauft werden, auch wenn es gerade wieder günstige Angebote gibt. Die Schlupfrate von Cysten schlechter Qualität oder überalterten Cysten lässt sich steigern, wenn sie dekapsuliert werden. Das habe ich an anderer Stelle beschrieben.

    Nauplien in Kleinstmengen
    Für sehr kleine Mengen genügt es, ein Marmeladenglas mit Salzwasser (1/2 Tl Salz / 0,25 l Wasser / 0,5 ml Cysten) anzusetzen. Eine Trennung von Schalen und Krebschen ist hier schwierig. Ankippen des Glases ist eine Möglichkeit, dann sammeln sich die Nauplien an die tiefsten Stelle und können mit einem Luftschlauch abgesaugt werden. Einen anderen Weg bietet eine schwache Lichtquelle (Glühlampe), vor der sich sich sammeln. Viele Aquarianer sieben nur das Salzwasser ab und geben Nauplien mit Schalenresten ins Aquarium. Vorsicht ist unbedingt bei sehr kleinen Fischen geboten. Eleganter geht das mit einer Aufzuchtschale, wie sie von der Firma Dohse angeboten wird. Das Gerät besteht aus einer flachen Schale mit einem flachen Deckel, der in der Mitte ein kleines Loch hat. Nur hier fällt Licht hinein, und deshalb sammeln sich die Nauplien an dieser Stelle und können ohne Schalenreste entnommen werden. Diese Methode ist für Einsteiger ideal. Empfohlen wird, 5 der beigefügten Löffelchen der Cysten anzusetzen. Das ergibt zwar eine große Menge Krebschen am Anfang, die aber auch sofort verfüttert werden müssen, sonst sterben sie. Ein Ansatz mit etwa der Hälfte der Menge hält bis zu einer Woche.

    Aufzucht für ältere Jungfische oder größere Mengen
    Die üblichen Zuchtanleitungen gehen meist von einer sehr großen Menge Bedarfsmenge aus. Ich ziehe höchstens einmal 20 Jungfische (meist Regenbogenfische, Tanganjika-Barsche und Kilifische) gleichzeitig auf. Eine Kultur in einer 1-l-Flasche reicht meistens drei Tage. Dann sind ungefütterte Artemia wertlos, denn die in den frisch geschlüpften Nauplien enthaltenen "Bordnährstoffe" sind längst verdaut.

    Ich habe das so gelöst:
    Meine Artemien schlüpfen in einem von innen beleuchteten Unterschrank. Dort herrschen immer etwa 25°C durch die Außenfilter zweier Aquarien und ein kleines Aufzuchtbecken (für einen ganz schnellen Schlupf sind 28°-29°C erforderlich, aber dann müßte ich extra heizen). Ich betreibe 3 Flaschen gleichzeitig. Zwei davon bestehen aus Glas und werden von oben durch einen Schlauch belüftet (gibt es als "Artemia-Kulturgerät" fertig zu kaufen, ein einfacher Luftschlauch tut's auch). Die dritte ist eine Kunststofflasche (gibt es als "Inkubator" fertig zu kaufen, ist genau so gut selbst herzustellen). Sie steht auf dem Kopf und hat eine kleine Öffnung direkt über dem Boden.

    Flasche 1 wird mit einem Liter Wasser und ein bis zwei gestrichenen Esslöffeln Salz (10 - 20g/etwa 15 - 30 ml) gefüllt und an die Luftpumpe angeschlossen. Das Salz ist entweder jodfreies Speisesalz mit einer kleinen Beimengung von speziellem Artemiasalz oder Meersalz für den Aquaristikbedarf. Dadurch bilden sich winzigste Mikroorganismen als Futter für die frisch geschlüpften Nauplien, deren Cysten ich zwei bis drei Tage später zufüge.

    Flasche 2 enthält das vorbereitete Salzwasser, dem ich ein bis zwei gestrichene Teelöffel Dauereier zugegeben habe.

    Flasche 3 fülle ich mit den in Flasche 2 geschlüpften Nauplien. Einen Teil der Schalen kann ich schon beim Umfüllen entfernen. Zum Verfüttern stecke ich eine Injektionsspritze (20 ml) mit einem Luftschlauch daran statt der Nadel auf die Öffnung in der Nähe des Flaschenbodens und drehe die Flasche um. Nach etwa 10 Minuten haben sich genug Tiere am Bodengrund gesammelt und können mit der Spritze gut dosiert abgezogen werden.

    Durch die Anzahl und Größe der Flaschen lässt sich die Menge der frisch geschlüpften Nauplien beliebig vergrößern.

    Eine andere, seltener praktizierte Variante ist ein Umlauf-Ansatz in einem kleinen Aquarium: Es wird mit Salzwasser gefüllt und leicht belüftet, anschließend Cysten zugegeben. Sind dieses geschlüpft und verfüttert, einfach wieder neue Cysten zugeben. Gelegentliches Abfischen von Schalenresten und Reinigen des Bodengrundes erhöht die Schlupf- und Überlebensrate bei späteren Ansätzen, vor allem, wenn gefüttert wird. Solch ein Ansatz lässt sich schön auf der Fensterbank ziehen, dann entstehen durch Lichteinfall Algen als Nahrung.

    Daueransatz für Beikost
    Die Literatur schlägt dazu sogar ein Badewanne im Garten oder einen Gartenteich vor - dann entstehen wirklich genug Krebschen, um Fische damit regelmäßig zu füttern. Das ist vor allem für Meerwasser-Aquarianer interessant, erwachsenen Süßwasser-Fischen würde ich "versalzenes Essen" doch nicht so oft geben wollen. Auf jeden Fall ist bei Daueransätzen Experimentieren angesagt, denn die genaue Pflege richtet sich nach Platzverhältnissen und Wunsch-Erntemenge.

    Aber es ist auch in kleinerem Rahmen möglich, zum Beispiel in einem 20 l-Maurereimer oder einer Spülschale auf dem Balkon, der Terasse oder im Garten. Nur sollte der Wasserstand dann nicht mehr als 10 - 15 cm betragen, damit auch ohne Belüftung genug Sauerstoff in den Ansatz gelangt. In einem kleinen Aquarium, in das viel Sonnenlicht fällt, darf er etwas höher sein. Die Pflege ist einfach - ein bis 2 Mal wöchentlich einige Tropfen Futter zugeben genügt. Hier darf der Mulm nicht aufgewirbelt oder entfernt werden, weil er den Krebschen als "Weide" dient. So eine Kultur kann viele Monate lang laufen, je größer der Behälter, desto länger. Bei Kulturen in Freien verdünnt sich das Salzwasser bei starken Regenfällen, ggf. schützen.

    Ganzjährige Kulturen im Aquarium im Haus benötigen, wenn sie ergiebig sein sollen, etwas mehr Pflege, sie sollten mit einem Luftschlauch ohne Ausströmer daran belüftet werden. Die Literflaschen, die üblicherweise zur Kultur benutzt werden eigenen sich weniger, ein Aquarium mit 12 Liter Inhalt sollte es mindestens sein. Ungeduldige können als Erstbesatz lebende, erwachsene Artemia aus dem Zoohandel verwenden, ansonsten eigenen sich "selbstgeschlüpfte" Nauplien genau so wie Cysten, für die der Salzgehalt am Anfang niedriger sein sollte und die dann im Kulturgefäß schlüpfen. Auf jeden Fall sollten nur ganz wenige Tiere zugegeben werden, damit das Wasser nicht unnötig belastet wird.

    Seit 1960 werden Artemia in den USA unter dem Namen © Sea-Monkeys als Beobachtungsobjekt für Kinder vermarktet. In Deutschland waren sie das erfolgreichste Gimmick der Zeitschrift "Yps". Auch in diesem Zusammenhang gibt es Anleitungen zum Daueransatz.

    Renate Husmann, www.rhusmann.de

    © KAQ, 22.12.2003