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XVIII. Fishlight

Februar 2003

Inhaltsverzeichnis

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.
  • Neolamprologus brevis - ein pflegeleichter Schneckencichlide aus dem Tanganjíka-See
  • Ein Urzeitkrebs im Aquarium: Triops cancriformis
  • Keine Probleme mit Pflanzen
  • Die Reptilienfauna im Stadtgebiet von Braunschweig
  • Hamburger Mattenfilter, Technik und Biologie

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.

    Liebe Vereinsfreunde,

    das Jahr 2003 ist um. Und Neuigkeiten gibt es von meiner Seite aus diesmal nicht viel zu berichten, denn die letzte Börse und somit das letzte Fishlight sind gerade einmal drei Monate her.

    Allerdings hat in der Zwischenzeit die Jahreshauptversammlung 2003 stattgefunden. Im wesentlichen wurde der alte Vorstand einstimmig im Amt bestätigt und für weitere zwei Jahre gewählt: Jörg Hauschild (1. Vorsitzender), Kai A. Quante (2. Vorsitzender), Hans-Peter Kemnitz (Kassierer) und Dr. Arnold Gebauer (Schriftführer).

    Der Kassierer hat seinen Jahresbericht vorgelegt, der aufgezeigt hat, dass wir zwar durch die Zierfischbörsen einige Einnahmen haben, aber die Ausgaben auch für Börsen, Fishlight und Internet sehr hoch sind. Ebenfalls ein wesentlicher Posten bei den Ausgaben war unsere Weihnachtsfeier und das Sommerfest sowie der Vereinsausflug nach Berlin.

    Beschlossen wurde außerdem, dass jedes Vereinsmitglied mindestens einmal im Jahr eine Aufstellung seiner gehaltenen und nachgezogenen Tiere bekannt geben muss. Dadurch soll erreicht werden, dass sich die Vereinsmitglieder besser kennen lernen und untereinander einfacher Erfahrungen und Tiere austauschen können. Zusätzlich soll die Aufstellung auch für andere interessierte Aquarianer dienen und aufzeigen, dass im Verein viele auch seltene Arten gezüchtet werden und somit nicht mehr der Natur entnommen werden müssen.

    Als langjähriger Leser des Fishlight werden Sie sich noch an die ersten Ausgaben erinnern, die dünner und von der Qualität her schlechter waren. Inzwischen setzen wir mit unserem Heft Maßstäbe, die auch von anderen Vereinen übernommen werden. Das freut uns sehr und wir stehen mit anderen Vereinen im Kontakt, um Hefte und Erfahrungen auszutauschen. Auch erscheinen im Fishlight immer häufiger Artikel von Nicht-Vereinsmitgliedern, die uns gern Texte und Bilder zur Verfügung stellen. Dafür herzlichen Dank!

    Die Herstellung des Fishlight kostet pro Heft zwischen 1,00 € und 1,50 €, wobei wir leider nur die Hälfte der Kosten durch Werbung refinanzieren können. Der Differenzbetrag muss über die Eintrittsgelder eingenommen werden. Wenn Sie also einen potentiellen Werbepartner kennen oder selbst gern im Vereinsheft werben möchten, finden Sie in der Mitte des Heftes einen Sponsorenauftrag zum Heraustrennen. Helfen Sie mit, dass wir auch in Zukunft unsere Aufgabe als gemeinnütziger Verein wahr nehmen können.

    Nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen der Artikel in diesem Heft, die wir wieder sehr abwechslungsreich ausgewählt haben: Pflanzen, Fische, Wirbellose, Reptilien und Beckeneinrichtung.

    Die nächste Börse findet am 30.11.2003 in der Stadthalle statt. Ich hoffe, wir sehen uns dann wieder! Oder schauen Sie doch auch mal auf einer unserer Vortragsveranstaltungen vorbei. Besucher sind herzlich willkommen und die Termine finden Sie alle in diesem Heft.

    Kai A. Quante (2. Vorsitzender)
    Tel.: 05309 / 911283


    Neolamprologus brevis
    ein pflegeleichter Schneckencichlide aus dem Tanganjíka-See

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    Neolamprologus brevis

    Der Tanganjika-See in Ostafrika beherbergt eine Vielzahl von Cichliden (Buntbarschen), die die unterschiedlichsten ökologischen Nischen (Lebensnischen) erobert haben. Eine Reihe zumeist klein bleibender Buntbarsche hat sich auf die Nutzung von leeren Schneckenhäusern als Wohnhöhle spezialisiert, die darüber hinaus auch Schutz vor Fressfeinden und eine günstige Fortpflanzungsmöglichkeit bieten. Kurzum, zur Realisierung des Projektes Schneckencichliden überlegte ich, welche Anforderungen stellt der potentielle neue Einwohner meines Aquarienkellers - und welche Anforderungen stelle ich. Zunächst sollte es kein Rabauke sein, sollte auch mit einem kleinere Becken klar kommen (das tun i.ü. die meisten Schneckencichliden) und natürlich mir gefallen. Was muss einem solchen neuen Einwohner andrerseits geboten werden: Ein ausreichend großes Aquarium, Sanduntergrund und leere Schneckenhäuser.

    Beim Studium der Literatur stieß ich auf den Neolampologis brevis. Es handelt sich um einen friedlichen Buntbarsch. Die Weibchen sind mit etwa 3,5 cm, die Männchen mit ca. 5 cm ausgewachsen. Neben einer Haltung im Artbecken (Mindestvolumen ab ca. 30 l) kann er auch im Tanganjika-Gesellschaftsbecken gehalten werden. Hierbei sollten die Mitbewohner allerdings nicht zu ruppig oder lebhaft sein. An Futter werden alle gängigen Sorten angenommen (z.B. Frost- und Flockenfutter).

    N. brevis weist zwar kein buntes Farbkleid auf (s. Bild), gefiel mir aber auf Anhieb und wurde angeschafft. Ich erstand zwei Pärchen, die ein 40 l Becken bezogen. Das Becken erhielt Sandbodengrund und wurde mit mehreren leeren Häusern der Weinbergschnecke versehen. Darüber hinaus wurden noch drei Büschel Javafarn eingesetzt.

    Dass sich die Tierchen an ihrem Dasein erfreuten, war unschwer an der friedlichen Koexistenz beider Pärchen zu erblicken, ein Paar auf der rechten und ein Paar auf der linken Beckenseite. Es dauerte nicht lange und es stellte sich Nachwuchs ein. Die Jungfische paddelten durch das gesamte Becken, wobei es seitens der Elterntiere zu keinem Nachstellen kam. Nach dem die Jungtiere eine Größe von 0,5 cm erreicht hatten, angelte ich sie raus und überführte sie in ein eigenes Aufzuchtbecken. Die Aufzucht mit feinem Flockenfutter und gefrosteten Cyclops verlief ohne Probleme.

    Der kleine "brevis" ist somit ein sympathischer und interessanter Hausgenosse.

    Eckhard Fischer
    (Aquarienclub Braunschweig)


    Ein Urzeitkrebs im Aquarium: Triops cancriformis

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    Triops cancriformis mit Eiern

    Der zurecht auch als Urzeitkrebs bezeichnete Triops cancriformis ist in Deutschland in den letzten Jahren ein immer beliebterer Bewohner zahlreicher Aquarien und Aufzuchtbecken geworden. Immer mehr Aquarianer, aber auch viele Anfänger, entdecken das in der freien Natur inzwischen sehr selten gewordene Tier.

    Triops - im Englischen auch tadpole shrimps genannt - gehören zu der Ordnung der Rückenschaler (Notostraca) und der Klasse der Branchiopoda (Kiemenfußkrebse). Sie halten sich hauptsächlich am Boden von temporären Gewässern auf. Hier graben sie mit Hilfe der zahlreichen Beinpaare nach Nahrung. Ihr Lebensraum sind sogenannte temporäre Gewässer, die je nach Saison Wasser führen oder ausgetrocknet sind. Heute kommen Triops in der freien Natur nur noch sehr selten vor. Begradigte Flussläufe mit bebauten Auen und Schadstoffe in der heutigen Kulturlandschaft haben aus den einst zahlreich vertretenen Tieren eine vom Aussterben bedrohte Art gemacht. In früheren Zeiten traten die Tiere nach starken Regenfällen manchmal in so großen Mengen auf, dass sie eimerweise an Schweine verfüttert wurden. Da man sich zu dieser Zeit nicht erklären konnte, woher die Tiere nach größerem Regen so schnell und in so großen Mengen kamen, ging man davon aus, dass sie vom Himmel gefallen seien.

    Neben den Triops gibt es heute noch zwei weitere in der freien Natur anzutreffende Ordnungen: Feenkrebse (Anostraca) und Muschelschaler (Conchostraca).

    Anatomie
    Der wirbellose Körper der Triops wird durch einen flachen Rückenpanzer bedeckt, welcher den Kopfbereich und den gesamten Rumpf schützt und stabilisiert. Ihm schließt sich der schlauchförmig ausgebildete Hinterleib und der gabelförmig ausgebildete Schwanz an. Auf der Unterseite des Körpers befinden sich das Maul mit seinen Kauwerkzeugen und zahlreiche Beinpaare, die gleich mehrere Funktionen erfüllen. Neben der Atmung dienen die Kiemenfüße zur Fortbewegung und zum Greifen von Nahrung. Das Foto zeigt einen konservierten Triops cancriformis. Deutlich zu erkennen ist der zum Graben verstärkte Kopfbereich mit der anschließenden Maulpartie. Die innere Achse dient als Transportkanal. Durch die rhythmischen Bewegungen der Beinpaare werden Nahrungsbrocken (im Foto rotbraun) zum Kauwerkzeug transportiert. Während des Wachstums finden mehrere Häutungen statt, in denen sich die Tiere ihres zu klein gewordenen Panzers entledigen.

    Fortpflanzung
    Triops betreiben in der Mehrzahl der Fälle die sogenannte Jungfernzeugung durch Selbstbefruchtung. Bereits ab einem Alter von zwei bis drei Wochen beginnen Sie die an einem hinteren Beinpaar befindlichen Säckchen mit kleinen rotbraunen Dauereiern zu füllen, welche sie nach und nach im Boden vergraben. Das Foto rechts zeigt eine Mikroskopaufnahme eines solchen Eiersäckchens. Die Dauereier sind eine geniale Erfindung der Natur und die sehr erfolgreiche Überlebensstrategie der Triops. Das temporäre Gewässer, in dem das Muttertier lebt und seine Eier legt, wird früher oder später austrocknen und alle Bewohner werden aussterben. Nur die Eier werden diese Trockenzeit und sogar Frost überstehen. Beim nächsten großen Regen und bei entsprechender Temperatur werden aus den scheinbar toten Eiern innerhalb kürzester Zeit kleine Nauplien schlüpfen und eine neue Generation das Gewässer bewohnen.

    Aufzucht
    Zum ersten Ansatz einer Triopsaufzucht eignet sich unter anderem eines der von aureo (www.aureo.de) angebotenen Aufzuchtsets und weiteres Aufzuchtzubehör. Da die Aufzucht bei Beachtung einiger wichtiger Punkte recht einfach ist, sind Triops auch für Kinder und Jugendliche geeignet. Immer mehr Schulen befassen sich z.B. im Biologieunterricht oder beim Wettbewerb "Jugend forscht" mit diesem Thema.

    Sehr wichtig für eine erfolgreiche Aufzucht ist, dass das verwendete Aquarium sauber und frei von Schadstoffen wie z.B. Resten von Reinigungsmitteln oder ähnlichem ist. Hierzu sollte der Behälter vor dem Einsatz zur Urzeitkrebsaufzucht gründlich mit viel Leitungswasser und ohne Reinigungsmittel gereinigt werden.

    Ist das Becken an seinen vorgesehenem Platz aufgestellt, wird es einige Zentimeter hoch mit entmineralisiertem Wasser (Regenwasser, Osmose-Wasser oder destilliertes Wasser) befüllt. Bitte zu diesem Zeitpunkt - im Interesse einer möglichst erfolgreichen und zahlreichen Schlupf - noch keinen zusätzlichen Sand, andere Dekoration oder Pflanzen in das Becken geben. Es sollten sich natürlich keinerlei Fische oder andere Tiere im Becken befinden, die sonst die gerade schlüpfenden Tiere auffressen würden.

    In den ersten Tagen ist es wichtig, dass das Becken so wenig wie möglich bewegt wird, damit keine Eier an dem Wänden des Beckens außerhalb des Wassers haften bleiben und somit nicht schlüpfen. Den Inhalt des Eier-Päckchens sollte in das noch leere Becken gestreut und in den nächsten Tagen für sehr viel Licht gesorgt werden. Die Temperatur des Wassers sollte ca. 21-24° betragen. Bei höheren Temperaturen besteht die Gefahr der zu schnellen Bakterienbildung, die unweigerlich zum Absterben der Tiere führen würde.

    Nun ist etwas Geduld gefragt. Es kann bis zu über 1 Woche dauern, bis die ersten Nauplien zu erkennen sind. In der ersten Woche sollten die Jungtiere nicht zusätzlich gefüttert werden. In den Zuchtansätzen von aureo ist genug Nahrung für die ersten Tage der kleinen Urzeitkrebse enthalten. Erst ab einer Größe von ca. 0,5 cm an sollte vorsichtig mit der Fütterung von Jungfutter begonnen werden.

    Triops brauchen jeden Tag mindestens 12 Stunden Licht, um ideal aufzuwachsen. Bis zu einer Größe von ca. 1,5 cm sollte nur das Jungfutter zum Einsatz kommen. Hierbei ist jedoch immer auf eine sehr vorsichtige Dosierung zu achten. Es sollte immer nur so viel gefüttert werden, wie die Tiere auch wirklich an einem Tag fressen können. So verhindert man, dass sich Futterreste im Becken ansammeln, das Wasser zu schnell eintrübt und umkippt.

    Ab einer Größe von ca. 1,5 cm ist die Verfütterung des Kraftfutters ideal. Es sorgt für schnelles Wachstum und unterstützt durch einen hohen Eiweißgehalt bei den Häutungen. Bei Bedarf eine Pille in das Becken geben und erst wieder füttern, wenn einen Tag lang keine Futterreste mehr im Becken zu sehen sind.

    Nun (ab einer Größe von ca. 1,5 cm) ist es an der Zeit - bei Bedarf -, etwas mehr Wasser in den Behälter zu geben. Unbedingt darauf achten, dass das Wasser die selbe Temperatur hat, wie das bereits im Behälter befindliche Wasser. Eine leichte Verfärbung des Wassers ist normal. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Wasser stärker zu riechen anfängt, empfiehlt sich ein Teilaustausch.

    Weiterführende Informationen rund um das Thema Triops und weitere Urzeitkrebse findet man im Internet auf den Seiten von www.Urzeitkrebse.de. Neben Aufzuchtanleitungen, einem großen Fotoarchiv und zahlreichen weiteren Rubriken befindet sich dort auch das große Urzeitkrebse-Forum in dem vom Anfänger bis zum erfahrenen Züchter Informationen, Tipps und Tricks austauschen.

    Dietmar Grave


    Keine Probleme mit Pflanzen

    Beckenheimschau, © Betran aus Einbeck

    Das ist zu schön um wahr zu sein. Tatsächlich haben die meisten Aquarianer mehr Probleme mit Pflanzen als mit Fischen. Warum eigentlich? Und die "Pflanzenexperten" haben keine Probleme? Aber sicher, nur die meisten Probleme haben sie wegen der intensiven Beschäftigung mit der Materie auch schon mal gelöst und können auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen, was ihnen schnellere Erfolge beschert.

    Was ist ein Problem mit Pflanzen? Das kann vom "braunem Daumen" (bei mir geht alles immer ein) bis "zuviel des Guten" reichen. Grundsätzlich liegt es am Umfeld oder den Pflanzen selber. Ein Fisch zeigt durch seine Körperhaltung, Balzaktivität und Fressverhalten wie es ihm geht. Und die Pflanzen? Sie sterben meist langsam vor sich hin. Nicht dass man an den Pflanzen nichts erkennen könnte. Es fehlt meist die Geduld, über einen längeren Zeitraum zu beobachten und Entwicklungen zu interpretieren. Einiges, was man sehen, interpretieren und korrigieren kann, soll in den folgenden Zeilen beschrieben werden.

    Was kann man sehen? Der gute Wuchs äußert sich in unterschiedlicher Weise. Ausläuferbildung, große Rosetten, dunkle Färbung, kräftige Sprosse, kurze Internodienabstände (Blattknotenabstände), breite Blätter sind die Indikatoren für ein gutes Wachstum.

    Wenn Jungpflanzen eingesetzt werden, können sich vergrößernde Blätter als Indikatoren für gutes Wachstum genutzt werden. Aber was, wenn sich da nichts tut? Ist die Pflanze ausgewachsen? Mit folgender Tabelle will ich versuchen, für einige Gruppen von Pflanzen die sichtbaren Merkmale guten und schlechten Wuchses zu beschreiben.

    PflanzentypIndikator für schlechten WuchsIndikator für guten Wuchs
    feingliederige Stängelpflanzen (Cabomba, Limnophyla, etc.)dünne, glasige Stängel, lange Internodienabstände, blasse Färbung, schütterer Wuchs, kleine Blättchenkräftige Stängel, buschiger Wuchs, z.T. verzweigend, intensive Färbung der Triebspitze
    Stängelpflanzen mit größeren Blättern (Wasserfreunde/Hygrophyla, Ludwigia, etc.)dünne, brüchige Stängel, kleine Blätter, abfaulen der Triebe, gelbe Blätter, Löcher in den Blättern, schwache Blattfarben, verkahlen der Triebe von untenkräftige Triebe, verzweigte Triebe, vollständig belaubte Triebe, Wurzelaustrieb am Stängel, kräftige Farben (dunkelgrün, rot)
    Hetheranthera zosterifoliaBlätter werden schwarz, Stängel werden braun und sterben ab, lange Internodienabständedichte, kräftige Triebe, kurze Internodienabstände, Blütenbildung wenn die Wasseroberfläche erreicht wird
    Valisnerien, Sagitarienschmale, blassgrüne Blätter, abgefaulte Blätter und Blattspitzen, wenige bis keine Ausläuferbreite, kräftige Blätter dunkler Färbung, viele Ausläufer an kräftigen Trieben, vollständige Blätter ohne Faulstellen
    Echinodorenkleinwüchsig, glasige Blätter, faulende BlattstieleAchtung: Wuchs ist z.T. abhängig von der Beleuchtungsdauer!kräftige, dunkelgefärbte Blätter, hohe Blattzahl, Blütenstände (abhängig von der Beleuchtungsdauer)
    AponogetonBraunfärbung/Fleckung der Blätter, kleinwüchsig, schwacher Austriebkräftige, langlebige Blätter, hohe Blattzahl, Blütenbildung
    Cryptocorynengeringe Blattzahl, Blattfäule, wenige bis keine Ausläuferkräftige Pflanzen mit vielen Blättern, Ausläufer
    allgemeinstagnierender Wuchs, Zerfall der Pflanzendeutliche Entwicklung und Vermehrung, kräftige Färbung

    Was mit dieser Tabelle gezeigt werden soll, ist die große Zahl von Hinweisen, die uns eine Pflanze über ihr Wohlergehen oder Unbehagen gibt. Es liegt an uns, diese Hinweise zu deuten und Maßnahmen zur Korrektur zu ergreifen.

    Was kann man aus den verschiedenen Indikatoren ableiten? Alle negativ, dass heißt schlechten Wuchs anzeigende Indikatoren sollten Beachtung finden und durch geeignete Maßnahmen in positive Indikatoren umgewandelt werden. Die Maßnahmen sind dabei sehr spezifisch für jede Pflanze und Umgebung. Einige generelle Dinge und auch gattungsspezifische Faktoren sollen in der folgenden Tabelle aufgezeigt werden.

    Pflanze / PhänomenAuswirkung / Ursache
    Kohlensäureverfügbarkeitdurch Kohlensäurezufuhr bei entsprechendem Karbonatangebot einen Mangel an CO2 vorbeugen (pH-Wert beachten)
    Fütterung mit Trockenfutterstarke Belastung des Wassers, große pH- und Nährstoff-Schwankungen beim Wasserwechsel
    geringe Beleuchtungschwacher Wuchs mit verlängerten Internodien (vergeilen)
    fehlende Nähr- oder SpurenelementeBlattzerfall und schwache (helle) Blattfärbung durch Zugabe von Eisendünger oder Wasserwechsel beheben
    stabile Verhältnisse im Bodengrundkeine Fäulnisherde, wenig Störungen durch Aufwühlen, kein Verschlammen durch Futterreste und Kot in überbesetzten Becken
    Strömungmanche Pflanzen vertragen keine stärkere Strömung (Hetheranthera) und sollten in entsprechenden Bereiche gepflanzt werden
    ValisnerienZerfall bei zu hoher Temperatur (Arten z.T. heimisch in Nordamerika)
    CryptocorynenSchwankungen der Bedingungen gering halten (oft aber wenig Wasserwechsel, wenig Störungen im Bodengrund, wenig Trockenfutter füttern), viele Arten bevorzugen Wasser mit einem Leitwert unter 300mS
    Aponogetonauf geringe Wasserbelastung achten (kein Trockenfutter), Ruhezeiten berücksichtigen, niedrige Temperaturen wo erforderlich
    Echinodorengelbliche Färbung des Austriebs durch Eisendüngung beheben, die Beleuchtungsdauer an die Erfordernisse Lang- oder Kurztagspflanze anpassen, Lochfraß durch Ancistrus beachten

    Wenn die Ursachen bekannt sind, die möglicherweise zu einer Störung des Wachstums führen, ist die Abhilfe meist nicht schwer.

    In einigen Fällen ist es aber auch sinnvoll auf eine Pflanze zu verzichten, wenn sie z.B. eine Beleuchtungsdauer benötigt, die nicht sichergestellt werden kann oder sich wegen erforderlicher starker Fütterung nicht dauerhaft halten lässt. Schwieriger ist es festzustellen, ob man einen Eisen-, Kalium oder Manganmangel im Becken hat. Ein wöchentlicher Wasserwechsel sollte Klarheit schaffen, wenn eine Eisendüngung nicht anschlägt.

    Dass Fische die Pflanzen auch zum Fressen gerne haben, ist bekannt. Dass Schmerlen punktförmige Stellen in die Blätter von Echinodorus lutschen, möglicherweise weniger.

    Wenn jetzt also ein Problem auftaucht oder eine Pflanze kein Wachstum zeigt, beobachten, wie sie sich entwickelt, welche Indikatoren auftreten und mit wenigen Maßnahmen reagieren. Abwarten, was sich verändert und weitere Maßnahmen vornehmen. Manchmal ist es notwendig, die Pflanze dem Bodengrund zu entnehmen, die Wurzeln auf Fäulnis zu kontrollieren und gegebenenfalls an einer Stelle mit günstigeren Lichtbedingungen wieder einzusetzen.

    Als wichtigsten Hinweis folgendes: Biologische Systeme reagieren langsam. Haben Sie Geduld und beobachten Sie Ihre Pflanzen wie die anderen Pfleglinge Ihres Aquariums kontinuierlich. Ändern Sie jeweils nur wenig und in kleinen Schritten.

    Viel Erfolg bei der Pflege und prachtvolle Pflanzenbestände wünscht

    Günter Oberjatzas
    (Arbeitskreis Wasserpflanzen im VDA - Regionalgruppe Niedersachsen)


    Die Reptilienfauna im Stadtgebiet von Braunschweig

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    Zauneidechsen Männchen

    1. Einleitung
    Im Blickpunkt des angewandten Naturschutzes stehen in den meisten Fällen die Amphibien. Doch die Sektion der Herpetologie umfasst neben diesen auch noch die Reptilien mit ihren Unterordnungen der Schlangen, Eidechsen, Schildkröten und Krokodile.

    Nun leuchtet es jedem ein, dass in unserer heimischen Fauna gerade letztgenannte nicht zu finden sind - es sei denn, sie werden ausgesetzt oder sie sind Zooflüchtlinge.

    In der Regel findet man aber in der bei uns beheimateten Reptilienfauna die Schlangen und Eidechsen, unter entsprechenden Vorraussetzungen auch Schildkröten.

    Aufgrund ihrer z. T. versteckten Lebensweise, und weil sie nicht wie z. B. Frösche durch Lautäußerungen zu lokalisieren sind, geraten die Reptilien häufig in Vergessenheit, gerade wenn es darum geht, Aussagen über entsprechende Lebensräume zu treffen.

    Daher gibt es in vorhanden Literaturstellen bzw. Datenbanken sehr wenig Material, was eine artenschutzrelevante Einschätzung der im Stadtgebiet Braunschweig vorkommenden Arten erheblich erschwert. Da aber Reptilien im Gegensatz zu den meisten Amphibien speziellere Ansprüche an ihren Lebensraum stellen, können sie im angewandten Naturschutz noch mehr Auskunft über die Qualität eines Habitats geben als die möglicherweise ebenso dort ansässigen Amphibienarten.

    Die Reptilien Braunschweigs wurden Ende des 19. Jh. (WOLTERSTORFF 1893, BLASIUS 1897) und dann erst wieder durch SCHMIDT (1961a, b) bearbeitet. Durch Raumneuordnungen und zahlreiche einschneidende Umstrukturierungen im Landschaftsbild des Stadtgebietes von Braunschweig sind diese Ergebnisse nur schwer auf die heutigen Verhältnisse übertragbar.

    Daher war es für die zuständige Behörde in Braunschweig notwendig, eine neuerliche Bestandsaufnahme durchzuführen und so eine Grundlage für fortführende Untersuchungen zu schaffen, da gerade Reptilien bei Landschaftsplanungen häufig vernachlässigt werden (JEDICKE 1994) und einige Arten stellvertretend für definierte Biotoptypen repräsentative Aussagen über den Zustand eines Habitats zulassen (SCHMIDT 1988).

    Diesem Artikel liegt ein im Frühjahr 2000 von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Braunschweig in Auftrag gegebenes Gutachten sowie eine Publikation in den Braunschweiger Naturkundlichen Schriften (2001, Band 6, Heft 2 : 271-280) zugrunde.

    2. Untersuchungsgebiet und Methode
    Untersuchungsgebiet
    Das Untersuchungsgebiet umfaßte das gesamte Stadtgebiet Braunschweigs mit einer Fläche von ca. 193 km2. Es liegt somit im Übergangsbereich zwischen nordwestdeutschem Flachland und dem Braunschweiger Hügel- und Bergland. Im Norden befinden sich im wesentlichen eiszeitliche Ablagerungen in Form von Geschiebelehmen und -decksanden, z.T. mit armen Flugsanden, Schmelzwasser- und Talsanden. Darunter stehen geologisch ältere Tone an, die je nach glacialer Lehm- und Sanddeckenmächtigkeit zu Stauwasser führen können. Im Süden kommt als weiteres glaciales Substrat Löß hinzu, unter dem z.T. Kalk ansteht. Die dortigen Bodenverhältnisse sind somit vielfältig und reichen von mäßig armen Sanden über nährstoffreiche Lehm- und Lößböden bis hin zu schweren, teilweise staunassen Tonen.

    Das Klima in Braunschweig ist mit im Jahresmittel geringen Niederschlägen (600-650 mm) und relativ hoher Sommerwärme subkontinental geprägt (DEUTSCHER WETTERDIENST 1964, zitiert nach ML 1997).

    Die Gesamtfläche des Stadtgebietes läßt sich in 6 verschiedene Nutzungsarten einteilen (verändert nach Satellitenbildauswertung LANDSAT 5 TM, ML 1997) :

    Ackerland (ca. 40 %), Grünländer und Feuchtwiesen (ca. 10 %), Gewässerflächen (ca. 1 %), Wald (ca. 12 %), Park- und Gartenflächen (ca. 8 %) und bebaute Gebiete (ca. 29 %).

    Methode
    Die Erfassung an den ausgewählten Probestellen erfolgte unter Berücksichtigung der ökologischen Habitatansprüche der einzelnen Arten von April bis September 2000 durch Begehung vor allem in der Zeit von 9-12 und 17-19 Uhr und hier besonders an Sonnentagen, die auf längere Regenperioden folgten sowie bei Schwüle vor Gewittern. Sog. Reptilienbleche zur Steigerung der Attraktivität eines Sonnenplatzes (BLAB 1982, BEUTLER & HECKES 1986) erbrachten keine Ergebnisse.

    3. Ergebnisse und Diskussion
    Bei (64) Begehungen an 34 Probestellen und aus 24 eingegangenen Meldungen wurden 95 Individuen aus 3 Reptilienarten aufgenommen. Es wurden 79 Waldeidechsen (Lacerta vivipara), 10 Blindschleichen (Anguis fragilis) und 6 Zauneidechsen (Lacerta agilis) registriert (Abb. 1, Tab. 1). Hinzu kamen je 2 Meldungen über regelmäßige Sichtungen der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) und der Nordamerikanischen Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans). Ringelnattern (Natrix natrix) wurden nicht gefunden, und die Meldung einer Kreuzotter (Vipera berus) ist nicht gesichert.

    Im folgenden werden die Ergebnisse kurz mit den vorhandenen Altdaten in Bezug gesetzt und diskutiert. Eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse mit Verbreitungskarten kann man der entsprechenden Literatur (PAPENDIECK & ROMANOWSKY 2001) entnehmen. Sonderdrucke sind unter der unten angegebenen Adresse zu erhalten.

    Lacerta vivipara JACQUIN, 1787 - Waldeidechse
    In der vorliegenden Untersuchung war L. vivipara mit 79 Exemplare die bei weitem häufigste Reptilienart. Nach WOLTERSTORFF (1893) und BLASIUS (1897) war L. vivipara in entsprechenden Habitaten um Braunschweig die häufigste Reptilienart. SCHMIDT (1961a, b) fand die Art an den angegebenen Fundorten ebenfalls häufig.

    Lacerta agilis LINNAEUS, 1758 - Zauneidechse
    Die lediglich 6 registrierten Tiere an 4 Fundorten spiegeln die geringe Häufigkeit dieser Art wider. WOLTERSTORFF 1893 und BLASIUS 1897 nannten als Vorkommen von L. agilis bei Braunschweig Gebiete im Norden und Nordwesten, in denen sie jedoch schon damals als selten galt. Die rotrückige Variante L. a. erythronotus wurde dort ebenfalls gelegentlich festgestellt (KREFFT, zitiert in WOLTERSTORFF 1893). Nach SCHMIDT (1961a, b) war L. agilis in der näheren Umgebung von Braunschweig nicht mehr anzutreffen.

    Anguis fragilis LINNAEUS, 1758 - Blindschleiche
    WOLTERSTORFF (1893) und BLASIUS (1897) bezeichneten das Vorkommen von A. fragilis als recht häufig, sie sei in allen Wäldern um Braunschweig zu finden. SCHMIDT (1961a, b) fand wenige Exemplare in waldigen Bereichen des Stadtgebietes und östlich davon und nannte die Vorkommen gering, aber regelmäßig. Dies trifft auch noch auf die heutige Verbreitung zu, die aktuellen Fundorte (10 Exemplare) entsprachen weitgehend den Angaben von SCHMIDT (1961a, b).

    Natrix natrix, LINNAEUS 1758 - Ringelnatter
    Während der Untersuchung konnte kein Exemplar von N. natrix festgestellt werden. Das Vorkommen bei Braunschweig wurde bereits schon von WOLTERSTORFF (1893) und BLASIUS (1897) bezweifelt. SCHMIDT (1961a, b) sah ein Vorkommen der Schlange bei Braunschweig als unwahrscheinlich an und hielt die gemeldeten Exemplare aus den Jahren 1948-1955 für freigelassene bzw. entlaufende Tiere, da sie terrarientypische Mangelerkrankungen zeigten.

    Vipera berus LINNAEUS, 1758 - Kreuzotter
    WOLTERSTORFF (1893) und BLASIUS (1897) bezeichneten das Vorkommen von V. berus in Bereichen westlich der Stadt (heute Landkreis Peine) als häufig. Auch SCHMIDT (1961a, b) führte noch an, dass dort Exemplare regelmäßig zu finden seien. Im Stadtgebiet fehlen die potentiellen Lebensräume jedoch weitestgehend.

    Emys orbicularis LINNAEUS, 1758 - Europäische Sumpfschildkröte
    Schon Ende des 19. Jh. waren die bei Braunschweig beobachteten Exemplare von E. orbicularis auf entlaufene bzw. ausgesetzte Exemplare zurückzuführen, wobei die damalige Beliebtheit der Schildkröten als Haustiere auf diesen Grund für das zahlreiche Auffinden hindeutete (WOLTERSTORFF 1893, BLASIUS 1897). Die aktuell gemeldeten Funde stellen wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der tatsächlich vorhandenen Tiere dar, da diese durch ihre versteckte Lebensweise häufig nur beim Ausbaggern bei sog. Gewässerpflegemaßnahmen zu Tage gefördert werden. Durch die Nutzung als Fastenspeise im 17. Jahrhundert sind autochthone Populationen wohl nicht mehr zu erwarten (DÜRIGEN 1897, GÜNTHER 1996).

    Fremdländische Wasserschildkröten
    Bei den gefundenen Tieren handelt es sich um ausgesetzte Exemplare oder deren Nachkommen. Es kommen verschiedene Schmuckschildkrötenarten in Frage, wobei die häufigste die Nordamerikanische Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta elegans) ist. Sie können bei uns die Winter überstehen und so als Neozoen für die einheimische Europäische Sumpfschildkröte eine starke Konkurrenz darstellen (OBST 1995).

    Alle europäischen Arten der Reptilien und damit auch die im Raum Braunschweig vorkommenden Arten sind nach der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Arten (BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ 2000). Daher gilt es, diese Tiergruppe durch entsprechende Programme in bestehende Maßnahmen wie z.B. die FFH-Richtlinien mit einzubeziehen. Schutz- und Fördermaßnahmen für Reptilien - die erfreulicherweise schon im Rahmen des von den Forstämtern Braunschweig initiierten Biotopschutzes durchgeführt werden - sind u.a. die Anlage von Totholz- und Steinhaufen an südlich exponierten Stellen, das Auflichten von Wald- und Gehölzrändern sowie die Anlage von Heckenstrukturen als naturnahe Ausbreitungskorridore zur Förderung von Metapopulationen und Verhinderung der Verinselung (JEDICKE 1994). Dazu gehören auch das Verhindern der Verbuschung von Brachflächen (KNOLLE 1972) und der Erhalt von Gleisdämmen (RYKENA & NETTMANN 1987). Desweiteren sind anzustreben: die Reduzierung landwirtschaftlicher Eingriffe wie häufiges Mähen von Randstreifen oder starke Spritzmitteleinsätze, Wiedervernässung von ehemaligen Feuchtwiesen sowie die Anlage von künstlichen Bruthügeln in Gewässernähe (GRUSCHWITZ et al. 1993, ZUIDERWIJK et al. 1993).

    5. Literatur

    Dipl.-Biol. Michael Papendieck
    Ludwigstraße 32 a
    D-38106 Braunschweig


    Hamburger Mattenfilter, Technik und Biologie

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    Bis vor etwa fünf Jahren führte der Hamburger Mattenfilter in der Aquaristik ein Schattendasein. Lediglich bei Züchtern und einigen Aquarianern war er bekannt und beliebt. Dieses zumeist auch nur im Hamburger Raum. Mit wachsender Bedeutung des Internets konnte auch der breiten Aquarianerschaft diese Art der Filterung aufgezeigt werden und der Mattenfilter verbreitete sich unter den internetsurfenden Aquarianern wie ein Lauffeuer.

    Dieses begründet sich durch verschiedene positive Eigenschaften. Der Filter ist sehr kostengünstig, er ist äußerst wartungsarm, er sorgt für eine zuverlässige bakterielle Stoffumsetzung und gibt dem Aquarium eine erhebliche biologische Stabilität. Auch ist seine Bauart einfach und variabel. Daneben dient die Schaumstoffmatte für viele Fischarten und Garnelen als gerne aufgesuchter Weidegrund.

    Naturschutzgebiet für Bakterien
    Die Grundüberlegung des Mattenfilters beruht auf der Tatsache, dass zur Mineralisation der organischen Abfallstoffe eines Aquariums ausreichend Bakterien vorhanden sein müssen und diese von dem Wasser mit einer vernünftigen Fließgeschwindigkeit angeströmt werden sollten. Wenn das Filtervolumen zu gering und/oder aber die Fließgeschwindigkeit zu hoch ist, verlagert sich die Bakterienmasse zunehmen aus dem Filter heraus in das Aquarium. Sofern man die freie Mulmmenge im Aquarium duldet, ist das grundsätzlich kein Problem. Da Mulm im Aquarium aber normalerweise den optischen Ansprüchen widerspricht, wird er beim Wasserwechsel großzügig mit abgesaugt. Auf diese Weise entfernt man quasi den Filter des Aquariums. Das wirkt sich dann auf das Aquarium aus.

    In einer Schaumstoffmatte ist der Filterschlamm hingegen vor Zugriffen weitestgehend geschützt. Die Matte stellt somit eine Art Naturschutzgebiet für die Bakterien dar. Der Schlamm kann alt werden und damit Fähigkeiten entwickeln, die er in regelmäßig gereinigten Filtern nicht erlangt.

    Aufbauprinzip
    Als praktikabel hat sich eine senkrecht in das Becken gestellte Schaumstoffmatte erwiesen, deren Fläche so bemessen ist, dass die Fließgeschwindigkeit in einem Bereich von 5 bis 10 cm/Minute liegt. Die Matte wird dabei so in das Becken eingebracht, dass das Wasser zwingend den Schaumstoff durchqueren muss.

    Die einfachste und gebräuchlichste Bauart ist eine senkrecht neben eine Seitenscheibe eingestellte Schaumstoffmatte. Das Wasser wird per Luftheber oder Kreiselpumpe aus dem Raum zwischen Matte und Seitenscheibe wieder in den eigentlichen Aquariumbereich befördert. Dadurch ergibt sich ein Wasserspiegelunterschied und durch den hydrostatischen Druckunterschied fließt das Wasser von der Aquarienseite her sehr gleichmäßig durch die Matte.

    Vergleich mit Topffiltern
    Die Entwicklung der hinlänglich bekannten Topffilter brachte die Aquaristik seinerzeit ein gutes Stück weiter. Allerdings ging damit die Kultur der Altwasserpflege verloren und die Aquarien werden seit dem oftmals stark überbesetzt. Man mutete den Topffiltern mehr zu, als sie tatsählich leisten können. Ihre Leistungsfähigkeit ist begrenzt, weil nur ein Teil des Filtermediums bakteriengerecht durchströmt wird. Es bilden sich gerade in Watte Strömungskanäle aus, durch die das Wasser sehr schnell durchrauscht, andere Bereiche hingegen sind kaum durchströmt und werden nahezu anaerob. Insofern ist das tatsächlich aktive Volumen sehr viel kleiner, als es die Größe des Filters vermuten lässt.

    Wenn nun Aquarien mit Topffilter problemfrei funktionieren, dann liegt das m.E. daran, dass sich im Aquarium selbst eine alternative Bakterienflora ausgebildet hat, die das fehlende Volumen ersetzt. Wenn man diese z.B. per Wasserwechsel absaugt, dann wird das Aquarium biologisch instabil und es kommt in der Folge zu Problemen, die sich niemand erklären kann.

    Gleichmäßige Durchströmung
    Die Größe des Hamburger Mattenfilters wird der Aquariengröße so angepaßt, dass die Strömungsgeschwindigkeit rechnerisch in einem Bereich zwischen 5 und 10 cm/Minute liegt. Diese Durchströmung ist tatsächlich gegeben, da abgesehen von der obersten Schicht an jeder Stelle der gleiche Wasserdruck auf die Matte wirkt.

    Das Wasser erzeugt einen horizontalen Druck gegen die Matte, der eine dreieckige Figur hat. Dieses erflolgt von beiden Seiten der Matte. Da der Wasserspiegel hinter der Matte durch den Pumpensog etwas niedriger ist als vor der Matte, ist auch das Druckdreieck etwas kleiner.

    Der resultierende Wasserdruck ergibt sich durch Überlagerung der Dreiecke und es bleibt abgesehen von dem kleinen Dreick oben ein Rechteck über. Dieses entspricht dem resultierenden Wasserdruck und ergibt eine gleichmäßige Durchströmung der Matte.

    Wenn sich jetzt einzelne Bereich der Matte überdurchschnittlich mit Schlamm dichtsetzen, so weicht das Wasser in andere Bereiche aus und setzt diese ebenfalls stärker zu. So gleicht sich der Druck und damit die Durchströmung immer aus.

    Die Strömunggeschwindigkeit in der Matte wird natürlich beeinflusst durch die Kapillaren und den Verschlammungsgrad. Man kann aber davon ausgehen, dass die Strömungsgeschwindigkeit im Mittel im angestrebten Bereich liegt und man aufgrund der feinen Kapillarstruktur eine sehr große aktive Oberfläche hat.

    Berechnung des Mattenfilters
    Es gibt verschiedene Wege, um an die richtige Mattengröße heran zu kommen. Einmal kann man rechnerisch die geeignete Größe der Matte ermitteln, sinnvoller ist es dagegen eher, die konstruktiv geeignete Größe anzusetzen und die Pumpe entsprechend auszulegen.

    Beispiel:

    Aquarium: 100cm x 40cm x 50cm, V = 200 ltr

    Die Matte soll neben der Seitenscheibe stehen und hat damit eine Größe von

    A = 40 * 50 cm = 2000 cm

    Die Frage ist nun, welche Pumpe eingebaut werden muss, damit die Strömungsgeschwindigkeit sich im Bereich von 5 bis 10 cm einstellt. Zielgeschwindigkeit ist

    v = 5 cm/Minute

    Gesucht ist die Pumpenleistung pro Stunde. Damit man Strömungsgeschwindigkeit v in [cm/Minute], Pumpenleistung Q in [ltr/h] und Mattenfläche in [cm²] einheitengerecht behandelt, sind ein paar Faktoren erforderlich.

                     A [cm²] * v [cm/Minute] * 60
    Q [ltr/h] = -------------------------------------------
                                     1000 
    

    Für obiges Beispiel bedeutet dieses

    2000 * 5 * 60
    ------------------  = 600
          1000
    
    also eine Pumpenleistung von 600 ltr/h. Das wiederum bedeutet einen 3-maligen Beckendurchsatz pro Stunde. Ein akzeptabler Wert. Man kann die Berechnung von verschiedenen Seiten her aufziehen, aber es läuft immer auf das gleiche hinaus.

    Die Geometrie des Aquariums hat bei der herkömmlichen Anordnung neben der Seitenscheiben einen großen Einfluss auf die Berechnung und damit auf die Wirkung des Filters. Ich würde aus heutiger Sicht keine Matte mehr so auslegen, dass die Geschwindigkeit unter 3 cm/Minute liegt, lieber eine kleinere Matte wählen oder eine stärkere Pumpe. Eine kleinere Matte erfordert jedoch konstruktive Zusatzmaßnahmen, z.B. das Einkleben von Glasstreifen als Klemmkante.

    Das ist nachträglich natürlich schlecht machbar. Man sollte m.E. aber ein funkionierende Aquarium eh nicht umbauen, nur weil es was besseres gibt. Wenn man jedoch anhaltende Probleme mit dem Aquarium hat, empfiehlt sich ein Neustart und in dem Zuge kann man dann auch das Aquarium auf einen angepassten Mattenfilter umstellen.

    Der Mattenschaumstoff
    Der verwendete Schaumstoff muss frei von chemischen Ausdünstungen sein. Es gibt aber inzwischen im aquaristischen Fachhandel ein reichhaltiges Angebot an geeigneten Matten. Die Porengröße variiert zwischen fein, mittel und grob. Ich bevorzuge die feine Variante.

    Wenn man jedoch stark gründelnde Fische hat, oder aber aus anderen Gründen mit einem überdurchschnittlichem Treibgutanteil rechnet, dann ist die gröbere Schaumstoffvariante erfahrungsgemäß besser geeignet.

    Die Stärke des Schaumstoffes beträgt i.a. 5 cm. Bei Abmessungen über 50x60 cm kann es sinnvoll sein, einen dickeren Schaumstoff zu nehmen, da die Matte ansonsten zu instabil wird. Bei sehr kleinen Becken reicht auch 3 cm. Der wesentliche Abbauvorgang erfolgt offensichtlich in den ersten 1 bis 2 cm der Matte.

    Diese Matten brauchen naturbedingt eine längere Einfahrzeit. Hinsichtlich ihrer biologischen Wirkung sind sie im eingefahrenen Zustand gleichwertig.

    Zuschnitt der Matte
    Der Zuschnitt der Matte erfolgt mit ca. 1% Überbreite, damit sich sicher zwischen den Scheiben klemmt und das Wasser nicht seitlich vorbei läuft. Bei einer lichten Beckenbreite von 40 cm schneidet man die Matte also auf etwa 40.5 cm Breite. Die Höhe ist so zu wählen, dass die Matte auf der Bodenscheibe aufsteht und über den Wasserspiegel hinausreicht. Der Zuschnitt selbst erfolgt z.B. mit einem scharfen Brotmesser an einem Lineal entlang. Dabei sollte die selbst nur wenig gedrückt werden, damit sich eine möglichst ebene Schnittfläche ergibt. Das Loch für die Rohrdurchführung wird durch einen einfachen Stich mit dem Messer erstellt.

    Kreiselpumpen
    Die Wasserförderung erfolgt durch eine Kreiselpumpe, bei Becken bis 100 ltr kann man auch einen Luftheber einsetzen. Die Pumpe kann, wenn sie klein genug ist, hinter der Matte plaziert werden, ansonsten halte vor der Matte. Sie wird durch Saughalter z.B. an der Rückscheibe befestigt und das Wasser wird durch Rohrleitungen der Pumpe zugeführt. Die Rohrleitung erfolgt durch handelsübliche Aquarienrohrsystem, z.B. von der Fa. Dose-Aquaristik (www.hobby?dohse.com).

    Die Pumpe sollte so konstruiert sein, dass man problemlos und sicher die Rohre anschließen kann. Das ist z.B. bei den meisten Eheim-Modellen (www.eheim.de) der Fall. Ansonsten gibt es keine besonderen Anforderungen an die Pumpe.

    Einfahrzeit, Mattenpflege und Lebensdauer
    Eine neue Matte muss eingefahren werden, damit sich eine leistungsfähige Bakterienflora etwabliert. Dieser Vorgang dauert ca. vier Wochen. Fische können unter Berücksichtigung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen auch schon vorher eingesetzt werden. Der sogenannte Nitritpeak sollte aber überstanden sein. Richtig leistungsfähig ist eine Matte aber erst nach ca. einer viertel Jahr. Man erkennt es an einer gleichmäßigen braunen Einfärbung.

    Eine aktive Pflege der Matten ist normalerweise nicht erforderlich. Erst in späteren Jahren wird regelmäßiges grobes Absaugen der aquarienseitigen Mattenoberfläche erforderlich. Das lässt sich im Zuge eines Wasserwechsels aber ohne Aufwand bewerkstelligen.

    Nach weiteren Jahren dann können sich erste Auflösungserscheinungen der Matte zeigen. Meine ältesten Matten sind aus den Jahren 1991 und 1992. Sie tun immer noch ihren Dienst. Man kann also von sehr langen Standzeiten ausgehen. Wenn die Matte von raspelnden Fischen permanent traktiert wird, reduziert sich die Lebensdauer natürlich schon etwas.

    Eigenschaften der Filterbiologie
    Wie eingangs schon erläutert, sind es die Bakterien, die die eigentliche Stoffumsetzung bewerkstelligen. Es sind die gleichen Bakterien, wie sie auch sonst im Aquarium zu finden sind. Im Mattenfilter etabliert sich genau diese Flora.

    Man hat es also mit einem echten Biofilter zu tun.

    Ohne Dreck geht es nicht.

    Damit die Bakterien gut arbeiten können, müssen sie bei Laune gehalten werden. Das erreicht man durch die schon erwähnte angemessene Anströmgeschwindigkeit und durch eine Mindestbelastung des Wassers. Die Bakterienmenge passt sich langfristig an die gegebene mittlere Wasserbelastung an. Wenn das Wasser zu nährstoffarm wird, z.B. durch ausbleibende Fischfütterung, geht die Bakterienpopulation zurück und ist dann im Falle einer plötzliche Wasserbelastung nicht ausreichend leistungsfähig. In normalen Aquarien spielt dieser Tatbestand keine Rolle, in bodengrund- und pflanzenlosen Zuchtaquarien aber schon eher. Wenn solche Becken eine Zeit lang ohne Fischbesatz betrieben werden, geschieht das vorbeschriebene. Man kann sich dann auch in einem eingefahrenem Aquarium Nitritprobleme einhandeln.

    Die von mir genannte anzustrebende Anströmgeschwindigkeit von 5 bis 10 cm/Minute resultierte aus langjährigen Erfahrungswerten und Anleihen aus der Klärwerkstechnik. Wissenschaftlich begründet wurde der Wert m.E. nicht. Deshalb habe ich systematische Versuche mit photometrischer Messung der NO3, NO2 und NH4-Werte an einem Becken ohne Bodengrund und Pflanzenbewuchs vorgenommen. Der Mattenfilter wurde gezielt eingefahren und die Wasserbelastung kontrolliert gesteigert. Nach einigen Wochen der Vorbereitung wurde in 24h-Abständen die Pumpenleistung variiert und nach einer Adaptationszeit von weiteren 18-24h das Wasser vor und hinter dem Filter gemessen. Idealisiert ergab sich entsprechendes Bild.

    Unterhalb von ca. v = 3 cm/Minute stieg der Nitritwert rasant an, bei v = 6 cm/Minute war die Matte am effektivsten. Dann nahm die Effektivität der Matte konitinuierlich ab.

    Nun sind diese Ergebnisse nicht einfach auf jedes bepflanzte Aquarium übertragbar. Dort wirken Pflanzen und die freie Bakterienflora stark ausgleichend. Dennoch zeigte sich eindrucksvoll, dass der genannte Strömungsgeschwindigkeitsbereich tatsächlich empfehlenswert ist.

    Alternative Bauformen
    Seit meiner ersten Veröffentlichung des Mattenfilters im Internet haben sich immer wieder Aquariaber darangemacht, die ursprüngliche Bauform zu verändern. Ziel war es dabei, die vermeindlich störende Optik zu verbessern, oder aber den Platzverlust zu kompensieren. Die Matten wurden also in externe Becken verlagert. Biologisch dürfte das keine starken Auswirkungen haben, aber einige Vorteile des Mattenfilters gehen dabei verloren. Als echter Innenfilter kann ja kein Schlauch abplatzen und durch die geringe Sogwirkung.

    Eine interessante Alternative ist der gebogene Mattenfilter. Die Schaumstoffmatte wird zu einem Viertelkreis gekrümmt und dann in eine der beiden hinteren Ecken des Aquariums gestellt. Damit die Matte fest klemmt, werden jeweils zwei senkrechte Glasleisten als Anschlag per Silikon an die Rück- und Seitenscheibe eingeklebt. Diese Konstruktion hat den Vorteil, dass sich genau die richtige Mattengröße einsetzen lässt. Ansonsten ist man ja an die Größe der Seitenscheibe gebunden. Je nach Beckengeometrie kommt es vor, dass man nicht die Zielwerte v = 5 bis 10 cm/Minute und Beckenumwälzung 1 bis 2 mal pro Stunden trifft. Das ist in der Praxis nicht so relevant, wer es aber ganz genau haben möchte, der wird es mit der gebogenen Matte auch hin bekommen.

    Eingehendere Informationen zum Mattenfilter, sowie weitere Berechnungshilfen gibt es auf der Internetseite http://www.deters-ing.de

    Dipl.-Ing. Olaf Deters


    © KAQ, 01.03.2003