Zurück zur Startseite...
Bannerwerbung bei aquarienclub.de
 

XII. Fishlight

März 2001

Inhaltsverzeichnis

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.
  • Panaque cochliodon / Panaque cf. suttonorum
  • Ohne Wasser kein Leben
  • Kakadu-Zwergbuntbarsch: Apistogramma cacatuoides
  • Malawisee-Cichliden (Kaiserbuntbarsche)
  • Die Entstehungsgeschichte eines Schulaquariums
  • L134 Peckoltia spec.: Haltung und Zucht

  • Neuigkeiten vom Aquarienclub Braunschweig e.V.

    Liebe Aquarianerin,
    lieber Aquarianer,

    auf den nächsten zwei Seiten möchte ich kurz noch einmal auf das vergangene Jahr 2000 zurückblicken und einen Ausblick auf die vor uns liegenden Monate geben.

    Mitglieder
    Die Mitgliederzahl hat sich innerhalb der letzten 12 Monate auf über 60 Mitglieder verdoppelt. Wir hoffen, dass unser umfangreiches Angebot an Veranstaltungen und Vorträgen noch weitere Mitglieder locken wird, denn nur durch aktive Mitglieder können wir all dies auf die Beine stellen. Sollten auch Sie Interesse an einer Mitgliedschaft haben, finden Sie am Ende des Heftes wieder einen Aufnahmeantrag zum Heraustrennen oder Sie besuchen uns am Infostand oder zu einem unserer abendlichen Treffen.

    www.aquarienclub.de
    Im letzten Jahr haben unsere Internetseiten insgesamt über 70.000 Besucher aufgerufen und sich dabei über 200.000 Seiten angesehen. Die Zahl der täglichen Besucher hat sich innerhalb des letzten Jahres auf derzeit über 450 täglich fast verfünffacht. Insbesondere das Zierfischlexikon, die online Ausgabe des Fishlight, die Aquarianer-Liste und die Kleinanzeigen erfreuen sich ständig wachsender Beliebtheit. Aber auch die Möglichkeit versandkostenfrei aquaristische Literatur zu bestellen, wird immer mehr genutzt, da die Werbeprämie für die Bestellungen auch direkt dem Verein zugute kommt.

    Vorträge
    Schon im letzten Jahr hatten wir einige namhafte Referenten. Mit Dr. Andreas Spreinat, Ingo Seidel, Harro Hieronimus, Uwe Werner und Rainer Stawikowski konnten wir für 2001 wieder durch Bücher und Zeitschriften bekannte Aquarianer verpflichten. Die Termine und Themen entnehmen Sie bitte dem Terminplan hier im Heft, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass es gegenüber dem Terminplan aus dem letzten Fishlight Verschiebungen gegeben hat.

    I. Zierfischbörse zwischen Harz und Heide in der Stadthalle Braunschweig
    Im 11. Fishlight haben wir für den 11.11.2001 die "1. Niedersächsische Zierfischbörse in Braunschweig" angekündigt. Da natürlich auch über die Grenzen von Niedersachsen hinaus Besucher und Aussteller eingeladen sind, zu der Veranstaltung in der Stadthalle zu kommen, haben wir uns entschieden, den Titel zu ändern und die weite Region um Braunschweig "zwischen Harz und Heide" statt der Bundeslandbezeichnung in den Veranstaltungstitel zu nehmen. Um planen zu können, bitte wir schon jetzt alle interessierten Züchter, sich bei unserem Börsenwart Hans-Peter Kemnitz anzumelden. Obwohl wir ungefähr das dreifache an Stellfläche haben werden als in Dibbesdorf, rechnen wir durch Züchter aus anderen Bezirken damit, dass auch diese Fläche bald vergeben sein wird. Wir werden daher die Ausstellerplätze in der Reihenfolge der verbindlichen Anmeldungen vergeben. Sollte die Zierfischbörse am 11.11. ein Erfolg werden, wovon wir ausgehen, d.h. viele Aussteller und sehr viel mehr Besucher als in Dibbesdorf, werden wir auch im Jahre 2002 alle drei Zierfischbörsen in der Stadthalle veranstalten.

    Fishlight
    Sie haben sicherlich das veränderte Layout des Fishlight bemerkt. Jede Ausgabe des Fishlight wird ab jetzt ein anderes Fischbild bekommen und groß die Nummer der Ausgabe tragen, da das identische Bild für die drei Ausgaben im letzten Jahr doch zu Verwirrungen geführt hat. Wenn sie das Fishlight durchblättern, werden sie feststellen, dass es im Heft nun viel mehr Bilder und die auch noch in Farbe gibt. Dies soll Ihnen die vorgestellen Arten nicht nur textuell sondern auch bildlich näher bringen. Wie heißt es doch so schön: "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte." Außerdem finden Sie den Hinweis "Schutzgebühr 1,- DM" auf dem Deckblatt. Das Heft trägt sich aufgrund der niedrigen Werbepreise und der teilweise zurückhaltenden Beteiligung von Sponsoren finanziell nicht, sondern wird durch die Eintrittspreise auch mitfinanziert. Natürlich bekommt weiterhin jeder Besucher der Börse ein Vereinsheft, jedoch würden wir uns freuen, wenn für Hefte darüber hinaus eine kleine Spende bekommen.

    Sponsoren
    Ich möchte auch diesmal unseren langjährigen aber auch neuen Sponsoren für ihr Engagement danken. Sie helfen durch Ihre Werbung mit, ein solch hochwertiges Heft überhaupt realisieren zu können. Wir würden uns darüber hinaus freuen, weitere Sponsoren, insbesondere für farbige Anzeigen, zu gewinnen, um die Qualität und den Umfang des Heftes weiter steigern zu können. Sollten Sie Interesse am Sponsoring auch für die Internet-Seiten haben, finden Sie am Ende des Heftes wieder einen entsprechenden Auftrag zum Heraustrennen. Und nun wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Lesen und danke den Autoren für Ihre interessanten Artikel und Bilder.

    Kai A. Quante (2. Vorsitzender)
    Tel./Fax: 05309 / 2024


    Panaque cochliodon

    /

    Panaque cf. suttonorum

    Panaque cochliodon

    Liebe Aquarienfreunde,
    diesmal möchte ich über meinen absoluten Favoriten unter den Welsen berichten.

    Wir kennen Ihn alle, den Blauaugenharnischwels. Leider wird er in der Literatur und auch im "täglichen Umgang" immer falsch mit dem Namen Panaque suttonorum beschrieben. Der eigentliche P. suttonorum, auch als P. suttoni bekannt, stammt aus dem Rio Catatumbo, welcher den östlichen Andenabhand entwässert. Er mündet im Lago de Maracaibo. Es ist zu vermuten, dass in den anderen Flüssen (Rio Santa Ane, Rio Negro usw.), die mit dem Rio Catatumbo das westliche Flußsystem um dem Maracaibosee bilden, auch Tiere dieser 1944 durch Schulz beschriebenen Art vorkommen.

    Den Blue-Eye-Pleco wie wir Ihn allerdings kennen stammt aus dem Rio Magdalena, Kolumbien. Panaque cochliodon wurde erstmals von Steindachner 1879 im Rio Magdalena gefunden und als Panaque cochliodon beschrieben.

    Ein deutlicher Unterschied zwischen den Arten ist zu erkennen, wenn man sich die Erstbeschreibungen beider Tiere anschaut. P. suttonorum hat einen völlig anderen Körperbau. Am deutlichsten kann man die Unterschiede an der Kopfform und der Form der Rückenflosse erkennen. Da aus dem Einzugsgebiet des Lago de Maracaibo kaum Importe zu uns gelangen, habe ich bisher nicht die Gelegenheit gehabt, beide Tiere in Natura zu vergleichen.

    Warum bleibt der Blue-Eye-Pleco aus???
    Bis vor gut 4 Jahren wurde P. cochliodon regelmäßig in großen Stückzahlen importiert. Sein plötzliches Ausbleiben verwunderte damals wie heute viele Welsfreunde. Ich selber habe während meiner Nachforschungen viele Erklärungen gehört, welche mir aber alle nicht glaubhaft erschienen.
    Anfang 2000 lernte ich durch einen Zufall den Schweizer Bruno Keller kennen. Bruno Keller ist Mitinhaber einer kolumbianischen Exportstation für Zierfische in der Nähe von Bogota. Bruno schrieb mir in einem Fax, dass man nichts hundertprozentiges sagen könnte, da sich die staatlichen Behörden nicht weiter für solche Dinge interessieren, aber seine Vermutung ist folgende: In der 8 Millionen Metropole Bogota (Hauptstadt von Kolumbien) sind viele Gerbereien ansässig und diese Firmen kippen die giftigen Abfälle einfach in den Rio Bogota. Der Rio Bogota fließt in den Rio Magdalena, aus welchem wir bisher unsere P. cochliodon bekamen. Die Gifte müssen toxisch auf diese Tiere gewirkt haben, zumal Bruno Keller von vielen Einheimischen gehört hat, dass in einem kurzen Zeitraum Tausende von P. cochliodon tot auf dem Fluss trieben. Ich halte diese Möglichkeit für absolut wahrscheinlich, denn unter anderem wurde der Import von anderen Arten aus diesem Fluss auch wesentlich geringer so z.B. von Sturisoma-Arten. Der Artbestand des P. cochliodon wurde derart dezimiert, dass ein Import kaum möglich ist. Vereinzelt gelangen jedoch immer wieder Tiere nach Europa und Japan. Hierbei mag es sich aber eher um Tiere handeln, die aus noch nicht verseuchten Seitenarmen des Rio Magdalena stammen oder aus dem "neu gefundenen" Verbreitungsgebiet, das allerdings kaum zu betreten ist, weil es sehr stark von der Guerillia kontrolliert wird.

    Ein weiteres Problem bei den Tieren, die in den letzten 1-2 Jahren importiert wurden, ist ein Leber/Nieren-Bakterium, das sich durch einen weißen Hautbelag, eingefallene Augen und Bauch äußert und was die Tiere binnen kürzester Zeit verenden lässt. Untersuchungen haben ergeben, dass das Antibiotika Baytril in einer höheren Konzentration diese Krankheit heilen kann. Mein erstes Paar ist an dieser Krankheit erkrankt und gestorben, allerdings konnte ich andere Panaque- und Welsarten wie z.B. Panaque nigrolineatus (Rio Araguaia, golden Line), die sich angesteckt haben, heilen.

    Die Hälterung
    P. cochliodon sollte man in großen Becken ab 1,50 m halten, da diese Art zu den groß werdenden Welsarten zählt. Sie benötigt wie alle Panaque unbedingt Holz. Im Vivarium des Landesmuseum Hannover kann man Tiere sehen mit 35-40 cm Länge und Großhändler haben mir von Tieren berichtet, die jenseits der 50 cm Grenze lagen, aber Aufgrund der Größe nicht zu uns gelangen konnten. P. cochliodon liebt die Strömung über alles und es ist durchaus angemessen, wenn man in einem 1,50 m Becken eine Strömung von 4000 Liter/Stunde erzeugt. Ansonsten sind die Tiere doch recht anspruchslos. Die Fütterung erfolgt bei mir durch viel frisches Gemüse, Algenwafers und vor allem Holz. Die Wasserparameter sollten wie folgt sein: 25-27°C, pH 6,5-7,5 und 7-14° dgh. Also alles in allem sind diese Tiere gut zu pflegen.

    Eher gibt es Probleme bei der Vergesellschaftung mehrerer Tiere dieser Art. Die innerartlichen Aggressionen können derart stark sein, dass sich die Tiere bis zum Tode bekämpfen. Ich habe zweimal die schmerzhafte Erfahrung machen müssen, dass sich Tiere, die Anfangs in völliger Harmonie lebten, sich nach Wochen bekämpften und das bis zum Tode des Schwächeren. Man kann solche Zwischenfälle kaum verhindern, denn meistens sieht man es erst wenn es zu spät ist. Ich kann jedem nur davon abraten, sollte er die Möglichkeit finden mehrere Tiere zu erwerben, diese einfach so in einem Becken zu vergesellschaften. Es gehört viel Zeit dazu und man muss die Tiere sehr lange und sehr genau beobachten, um solche Situationen zu vermeiden. Aggressionen solcher Ausmaße sind mir ansonsten nur von wenigen Welsarten bekannt (z.B. L 25).

    Tim Kohnen
    www.welskeller.de
    Tel: 05171-56272


    Ohne Wasser kein Leben

    Das ist die Randinschrift der neuen 10 DM Gedenkmünze, die am 13. Juni 2001 erscheinen wird. Die 10 DM Gedenkmünze trägt die Abbildung des 750 Jahre alten Katharinenklosters und des 50 Jahre alten Meeresmuseums Stralsund.

    Stralsund, die größte Stadt Vorpommerns mit ungefähr 69000 Einwohnern, liegt an der Meerenge Strelasund zwischen der Insel Rügen und dem Festland. Die Stadt ist seit 1293 Hansestadt und wird auch "Tor zur Insel Rügen" genannt. Eine Stadt mit sehr vielen historischen Höhepunkten und Baudenkmälern. Mein Hinweis gilt dem 750 Jahre alten Katharinenkloster und dem 50 Jahre alten Meeresmuseum.

    Das Kloster Sankt Katharinen wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts von den Dominikanern gegründet. 1560 richtete die Stadt Stralsund dort eine humanistische Bildungsstätte ein. 1924 kam das Kulturhistorische Museum dazu und seit 1951 das Meeresmuseum. Das Deutsche Meeresmuseum, ein einzigartiges Museum in Mitteleuropa, ist weit über die Landesgrenzen bekannt und eines der meist besuchten Museen Norddeutschlands.

    Internationale Themen aus der Meeresbiologie, der Meereskunde und der Fischerei werden sehr anschaulich dargestellt. Aber auch die Flora und Fauna der Ostsee stehen dort im Mittelpunkt der Besucher.

    Die Aquarienanlage besteht aus 45 Becken und hat eine Gesamtwassermenge von ca. 310000 Litern. Tiere aus den Gewässern der tropischen Meere, aus dem Mittelmeer und den nordischen Meeren sind dort zu sehen.

    Ein besonderer Hinweis gilt den Kraken, die man leider nicht sehr oft in den Aquarien sehen kann. Ein kleiner Tipp nicht nur für Aquarianer. Sollten Sie in den Ferien an die Ostsee reisen, vergessen Sie nicht das Deutsche Meeresaquarium in Stralsund zu besuchen.

    Noch ein Tipp für Aquarianer/Numismatiker:
    Die letzte 10 DM Gedenkmünze gab es am 11. Januar 2001 "200. Geburtstag von Albert Gustav Lortzing". Die letzten zwei 10 DM Gedenkmünzen vor dem Euro gibt es am 13. Juni 2001 "750 Jahre Katharinenkloster zu Stralsund - 50 Jahre Meeresmuseum Stralsund" und am 13. September 2001 "50 Jahre Bundesverfassungsgericht".

    Hans-Peter Kemnitz
    Tel.: 05307-951864


    Kakadu-Zwergbuntbarsch:

    Apistogramma cacatuoides

    Apistogramma cacatuoides, © Jens Meyer
    ...oder Großmaul-Apistogramma, wie er im amerikanischen Raum auch genannt wird.

    Schlägt man heute eine aktuelle Aquaristik-Fachzeitschrift auf, findet man meistens darin auch einen neuen oder wieder entdeckten Zwergcichliden. Oft handelt es sich dabei um Exemplare, die in speziellen Gewässertypen Südamerikas leben und nicht ganz einfach in unseren heimischen Aquarien zu pflegen sind.

    An und für sich sind Zwergcichliden, insbesondere die Gattung Apistogramma, eine ideale Ergänzung in fast jedem Aquarium, wenn man einige Besonderheiten beachtet. Wissen sollte man, dass die Zwergcichliden Südamerikas fast ausnahmslos bodenorientiert leben, d.h. die Weibchen halten sich überwiegend knapp über dem Boden auf, während die männlichen Tiere zur Revierverteidigung in den oberen Wasserschichten schwimmen. Dabei verhalten sie sich aber friedlich gegenüber anderen Aquarienmitbewohnern und der Aquarieneinrichtung. Kommt trotzdem mal ein Mitbewohner zu nahe, dann erhält er einen kleinen Kopfstoß in die Seite oder mit einem kräftigen Schwanzschlag einen Schwall Wasser entgegengeschleudert. In sehr großen Becken kann man mehrere Paare pflegen, ich selbst habe bei Becken bis 80 cm Seitenlänge die Erfahrung gemacht, dass über kurz oder lang das schwächere Männchen nur noch versteckt hinter Einrichtungsgegenständen des Beckens wie dichten Pflanzenbüschen, Moorholzstücken oder Heizer/Filterrohren steht. Durch diesen Dauerstress verendet es, wenn es nicht vorher herausgefangen und in ein separates Becken überführt wird.

    Mein Herz, und das verrät bereits die Überschrift, habe ich an den A. cacatuoides verloren, ein interessanter, lebhafter und idealer Mitbewohner im Becken. Als Idealbesetzung im Becken haben sich ein Männchen, das bis zu 9 cm groß werden kann, und zwei Weibchen erwiesen. Pro Weibchen sollte mindestens eine Höhle (Kokosnussschalenhälfte, Blumentopf. Steinhöhle o.ä.) vorhanden sein. Haben wir weitere Bodenbewohner (z.B. Welse), können wir trotzdem bei den Zwergbuntbarschen Nachwuchs erwarten, wenn wir z.B. Kokosnussschalen verwenden, die mit nur einem Loch versehen sind, durch das gerade das Weibchen passt. Die Eier werden in diesem Fall von außen befruchtet, in dem das Männchen den ins Wasser abgegebenen Samen durch einen kräftigen Schwanzschlag in die Höhle befördert. Um in der Kokosnusschale eine gewisse Wasserzirkulation sicherzustellen, sollte mindestens ein weiteres kleines Loch angebracht werden.

    Ein kleiner Wermutstropfen ist leider auch bei diesen liebenswerten Fischen vorhanden. Zwergbuntbarsche werden nicht sehr alt, beim A. cacatuoides liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei ca. 24 Monaten. Beim Erwerb der Tiere, gerade bei adulten Exemplaren muss man darauf achten und sollte daher nur Tiere erwerben, über deren Alter Gewissheit besteht. Ausgewachsen sind die Tiere nach ca. einem Jahr. Die Weibchen werden bei idealer Aufzucht bis zu 5 cm groß und zeigen eine gelbliche Körperfarbe mit schwarzen Zeichnungen. In Laichstimmung vertiefen sich die Farben und werden leuchtend gelb mit tiefschwarzen Zeichnungen. Durch die jahrelange intensive Aquariumzucht und evtl. nicht konsequente Selektion gibt es heute Weibchen, die ähnlich bunte Flossen aufweisen wie die Männchen. Ich selbst vertrete die Meinung, man sollte alles versuchen, die ursprüngliche Körperform und Färbung gerade bei den weiblichen Tieren zu erhalten.

    Daher sollten zur Zucht auch nur ausgesuchte, dieser Vorstellung entsprechende Exemplare angesetzt werden. Dies bezieht sich, wie wir gleich erkennen werden, bei den A. cacatuoides nur auf die weiblichen Tiere. Bei den Männchen ist man gerade den umgekehrten Weg gegangen. Die ersten Wildfänge oder Nachzuchten aus den 70er bzw. Anfang der 80er Jahre wiesen nur vereinzelt kleine rote oder gelbe schwarzumrandete Farbflecken in den Schwanzflossen auf. Von der gelben Form habe ich während meines bisherigen Aquarierleben nur einmal ein Exemplar gesehen, das nicht zu erwerben war. Die rote Form war anscheinend einfach interessanter und mit der wurde intensiv weitergezüchtet. Das Erstaunlichste war, dass bei den Nachzuchten dann vermehrt Tiere mit größeren Farbflecken in den Schwanzflossen auftraten. Bei einigen Tieren zeigten sich diese Farbflecken zusätzlich auch auf der Rückenflosse. Mit diesen wurde dann weitergezüchtet. Nach Jahren hatten wir dann Tiere, die zuletzt als Doppelrot gehandelt wurden und die heute auch im Handel zu finden sind. Meiner Ansicht nach wurde die Umfärbung der Fische durch intensive Artemia-Fütterung - auch für heranwachsende und adulte Tiere erreicht - zumindest habe ich meine Tiere so erhalten, und evtl. der Tatsache, dass die Tiere in der Aquarienhaltung keine natürlichen Freßfeinde mehr vorfanden. Für Zuchtpaare dieser Art, wenn man überhaupt welche damals von einem Liebhaber/Züchter bekommen konnte, wurden Ende der 80er Anfang der 90er Jahre bis zu 50,- DM bezahlt. Ergänzend sollte noch erwähnt werden, dass die Körpergrundausfärbung bei männlichen Wildfängen variiert. Man findet graue, mehr gelbliche oder blaue Tiere. Im Handel ist überwiegend die mehr gelbliche Variante zu finden. Dazu sind heute Schwanz- und Rückenflosse mehr oder weniger rot/schwarz gefärbt, die neueste Variante sind Tiere mit flächig rotgefärbten Rücken- und Schwanzflossen. Leider ist bei der Züchtung auf Farbe die ursprüngliche Form der männlichen Tiere ins Hintertreffen geraten. Die im Alter große zweizipflige Schwanzflosse und die haubenartig ausgebildete Rückenflosse, dazu die aufgeworfenen wulstigen Lippen sind bei den heutigen Zuchtformen nur noch selten anzutreffen. Leider ging damit auch der imposante Anblick, den gerade adulte Tiere boten, verloren.

    Was ist sonst noch zu diesem Aquariumfisch zu erwähnen?
    Sie fressen alle Fischfuttersorten, die angeboten werden. Es sollte aber abwechslungsreich gefüttert werden. Mein Geheimrezept kennen Sie bereits, ich füttere sehr oft lebende Artemien. A. cacatuoides stammt aus Peru und bewohnt dort Gewässer, die folgende Daten aufweisen: pH Wert von 6,0 bis 7,5 bei einer Temperatur von 23 bis 28°C. Sie sind daher gerade für unsere Aquarien bestens geeignet. Gute Erfahrungen bei der Zucht und auch bei der Haltung habe ich bei folgenden Werten gemacht: pH 7,0; dH 10,0 - dabei eine Karbonathärte von 3,0. Das Wasser sollte möglichst nitratarm sein und die Temperatur zwischen 24 und 26°C liegen. Die vorstehend aufgeführten Wasserwerte habe ich auch bei der Zucht eingestellt.

    Zuchtvoraussetzungen:
    Im Gesellschaftsbecken möglich, besser Einzelbecken. Hier ist die Aufzucht der Jungen durch das Weibchen sehr viel besser zu beobachten und zu verfolgen. Becken mit 30 cm Kantenlänge reichen aus. Kokosnussschale mit einem bzw. mehreren Löchern. Besatz: 1 Weibchen, 1 Männchen, das nach dem Vorhandensein des Geleges herausgefangen werden kann. Das Gelege besteht aus ca. 60 bis 80 Eiern, die entweder rot gefärbt sind (überwiegend Artemienfutter) oder von gelblicher Farbe bei einer anderen Fütterung. Die Pflege des Geleges und die Aufzucht der Jungen übernimmt ausschließlich das Weibchen. Das Weibchen ist während dieser gesamten Zeit leuchtend gelb gefärbt mit tiefschwarzer Zeichnungen. Wenn der Dottersack der Jungen aufgebraucht ist, können sofort frisch geschlüpfte Artemien gegeben werden, die von den Jungfischen als auch vom Weibchen gefressen werden. Zusätzlich kann man mit einem dünnen Luftschlauch künstliches Aufzuchtfutter alle 2 Stunden in den Jungfischschwarm, der vom Weibchen im Aquarium herumgeführt wird, pusten. Jeden Abend, kurz bevor sich die Aquariumbeleuchtung ausschaltet, wird der Schwarm vom Weibchen wieder in die Laichhöhle geführt. Das Weibchen vergreift sich nicht an den Jungfischen, so dass man es erst entfernen sollte, wenn es kein Interesse mehr an dem Nachwuchs zeigt.

    Wer weitere Fragen hat, kann gerne als Gast zu unseren Treffen ins Waggumer Weghaus kommen.

    Horst Wachsmut


    Malawisee - Cichliden

    Kaiserbuntbarsche

    Aulonocara rubinrot

    Mir ist aufgefallen, dass viele Aquarienfreunde, die uns auf den Börsen besuchten, meine Kaiserarten wegen ihrer Farbenpracht und Farbenvielfalt mögen und auch gerne kaufen möchten.

    Sie können sich jedoch häufig keine zulegen,

    1. da ihr Aquarium zu klein ist:
      Das Becken sollte 100 x 40 x 50 cm nicht unterschreiten. Ratsam ist eine Beckengröße von 120 x 50 x 50 cm oder sogar 150 x 50 x 50 cm.
    2. die Wasserwerte nicht stimmen:
      Der ph-Wert muss über der Neutralgrenze 7,0 liegen. Im Malawisee beträgt er durchschnittlich 8,4. Wenn Sie Ihre Wasserwerte aus der Leitung nicht selbst prüfen können oder wollen, dann fragen Sie Ihr zuständiges Wasserwerk nach Gesamthärte, Karbonathärte und ph-Wert, um einen Anhaltspunkt zu haben. Fragen Sie bitte nach, ob sich die Wasserwerte in der Woche verändern können und der ph-Wert künstlich angehoben wird. Freunden ostafrikanischer Cichliden ist bekannt, dass Holz (wie Wurzelstücke und ähnliche Holzarten) das Wasser mit Huminstoffen anreichern, woraufhin der ph-Wert absinkt. Die Cichliden vertragen die dadurch Ansäuerung nicht und können daran sterben. Darüber hinaus bietet der Aquarienclub Ihnen auf unseren Fischbörsen den kostenlosen Service, die Werte Ihres Aquarienwassers zu testen.
    3. der Fischbesatz nicht zusammenpaßt:
      Eine Vergesellschaftung mit anderen Fischarten, zum Beispiel Guppies, Blackmollies o.ä. ist nicht zu empfehlen, da sie von den Barschen gefressen werden würden.
    4. das Dekoratinsmaterial nicht stimmt:
      Viele Aquarienfreunde, die ein Aquarium besitzen, möchten ihr Becken gerne farbenprächtig und abwechslungsreich gestalten. Dazu jedoch bitte keine Wurzeln verwenden, da die Cichliden die damit verbundene Ansäuerung nicht mögen. Ich rate Ihnen zu Lochgestein, da das Wasser dadurch aufgehärtet wird und sie den Barschen viele Versteckmöglichkeiten bieten.

    Ich besitze noch weitere Kaiserbuntbarsch-Arten, von denen ich auch regelmäßig Nachzuchten abgeben kann: Aulonocara steveni usisia, Aulonocara Walteri, Aulonocara blue Neon, Aulonocara eureka, Aulonocara maulana, Aulonocara maleri maleri (gelb), Aulonocara hansbaenschi red flush, Aulonocara ngara, Aulonocara mamelela, Aulonocara cobue, Aulonocara benga.

    Ich wünsche Ihnen bei der Einrichtung eines "Kaiser-Aquariums" und den schönen Erfahrungen, die Sie sammeln werden, viel Erfolg.

    Hans-Dieter Wesche
    Tel.: 05341 / 841273
    www.kaiserbuntbarsche.de


    Die Entstehungsgeschichte eines Schulaquariums

    Foyer des Gymnasium Martino-Katharineum

    Die Fachgruppe Biologie des Marthino-Katharineums in der Nähe des Altstadtmarktes beschloss, im Eingangsbereich der Schule ein Aquarium aufzustellen. Auf der Suche nach hilfreichen Informationen stieß der damit beauftragte Biologielehrer Dr. Arnold Gebauer, mittlerweile auch Mitglied in unserem Verein, auf unsere Internetseite http://www.aquarienclub.de. Herr Dr. Gebauer nahm über mich mit dem Aquarienclub Braunschweig e.V. Kontakt auf und schilderte sein Vorhaben. Mit dem von der Stadt zur Verfügung gestellten Budget wollten wir nun versuchen, aufgrund unserer guten Kontakte zum Einzelhandel eine für die Schule optimale Lösung zu realisieren. Schon am folgenden Tag wurde Herr Dr. Gebauer über den Stand der Dinge informiert, was Ihn sichtlich verblüffte, da er mit einer solch forschen Vorgehensweise nicht gerechnet hatte. Innerhalb von zwei Wochen war Dank des Engagementes der Beteiligten und natürlich der Händler das Aquarium, Filter, Unterschrank, Abdeckung, Einrichtungsgegenstände sowie Pflanzen zusammen. Nun musste in der Schule noch durch einen städtischen Elektriker für einen Stromanschluss gesorgt werden, die Kabel in den verschliessbaren Unterschrank, und der Hausmeister, übrigens auch begeisterter Aquarianer besorgte den Wasserschlauch zum befüllen.

    von links: Hansi Wesche, Kai A. Quante, Jörg HauschildDas Aquarium wurde von Hans-Dieter Wesche, Kai Alexander Quante und mir eingerichtet und zum "Einlaufen" gebracht. Als Erstbesatz dienten einige Ancistren, die Algenwuchs in der Anfangszeit verhindern sollen. In das Aquarium wurden ca. 120 Stück Lochgestein eingebracht, da wir uns für ein Malawisee-Becken entschieden hatten. Bei der Länge von 2,00 Metern kommt dies natürlich besonders gut zur Geltung und die Fische sind im Gegensatz zu vielen anderen uns bekannten Arten nicht sehr anspruchsvoll. Vor allen Dingen zeigen sie gegenüber des Betrachters kein Fluchtverhalten, sondern eher aufgrund ihrer permanenten Fressgier, eine permanente Neugier. Nachdem das Aquarium 4 Wochen eingelaufen war, die von uns eingesetzten Javafarne, Anubien und Vallisnerien angewachsen waren, kam es zur Stunde des Besatzes. Das Wasser wurde geprüft, alle Parameter passten, wie gewünscht. Nun wurden bei Hans-Dieter Wesche die Malawis ausgesucht, Kai Alexander Quante steuerte Ancistren und Ringelhandgarnelen bei, ich selbst trennte mich auch von Malawi-Fiederbartwelsen, und der Besatz war komplett. Insgesamt wurden ca. 40 Malawisee-Cichliden im Verhältnis 1 Männchen, mindestens 2 Weibchen eingesetzt, um somit möglichst viel Gleichgewicht im Aquarium zu erhalten. Es sind 12 Ancistrus Welse und 6 Fiederbartwelse eingesetzt, sowie ein Trupp kleiner und eine größere Ringelhandgarnele.

    Impressionen

    Die Pflege und Wartung hat Herr Dr. Gebauer in Eigenregie mit seinen Schülern nach kurzer Einweisung übernommen, sogar einen Urlaubsnotdienst eingerichtet. Natürlich hilft hier auch noch der Hausmeister.

    Das Aquarium bietet nun den Blickfang im Foyer und der Fachgruppe Biologie anschauliche Aspekte zur Artenkunde, der Physiologie und der Fortpflanzungsbiologie. Es soll in diesem Jahr auch eine Arbeitsgemeinschaft unter Leitung unseres Mitglieds Herrn Dr. Gebauer gegründet werden, um Jugendlichen das Thema Aquaristik näher zu bringen. Wir würden uns freuen, wenn dieses Beispiel "Schule" macht, denn das Aquarium ist ein wahrer Blickfang und Augenschmaus, was Sie den Bildern entnehmen können. Natürlich können Sie auch gern einen persönlichen Blick darauf werfen, wenn Sie die Schule besuchen.

    Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal, da es leider mit der Zeitung nicht zu realisieren war, bei den Händlern Zoo-Kusian, Das Aquarium, Meyers Aquarientechnik, Bernd Mittelstedt, Ute`s Welskeller und Zierfischzucht Prüsse für Ihre Unterstützung bedanken. Ohne Sie wäre es nie möglich gewesen, ein solch großes Aquarium mit dem Budget aufzustellen! Da auch alle oben genanten Händler in unserem Fishlight werben, wäre es toll, wenn Sie sie bei einem Ihrer nächsten aquaristischen Einkäufe besuchen würden.

    Jörg Hauschild
    1. Vorsitzender


    L134 Peckoltia spec.:

    Haltung und Zucht

    L134

    In diesem Artikel möchte ich die Haltung und Zucht einer der derzeit beliebtesten und am ansprechendsten gezeichneten Peckoltia-Art vorstellen. Dafür hat mir Roland Kipper aus Bremen seinen Zuchtbericht und Bilder zur Verfügung gestellt. Auf dem Deckblatt des XII. Fishlight ist ein Bild zu finden, das wir von Ingo Seidel erhalten haben.

    L134 Weibchen L134 ist eine kräftig schwarz/beige gezeichnete Art, wobei die Streifen ein ungleichmäßiges, wurmartiges Zebramuster ergeben, das für jedes Tier individuell verschieden ist. Die Tiere werden ca. 10 cm groß. Die Geschlechter sind bei erwachsenen Tieren recht einfach zu unterscheiden. Die Männchen haben längere Interopercular-Odontoden (Stacheln am Zwischenkiemendeckel) und auch deutlichere Odontoden am ganzen Körper, was insbesondere auf dem Hinterkörper und der Schwanzwurzel sehr gut zu erkennen ist. Das Weibchen wirkt um die Bauchregion herum dicker, wobei das Männchen den kräftigeren Kopf hat. Im Vergleich zu vielen Ancistrus- und Hypancistrus-Arten sind die L134 auch tagsüber insbesondere beim Füttern aktiv, so dass man sie mit Futter recht leicht aus ihren Verstecken locken kann. Als Futter wird sehr gern Frostfutter aber auch Grünfutter wie Zucchini genommen. Zusätzlich wird mit gutem Flockenfutter bzw. Futtertabletten gefüttert. Das Aquarium sollte mit Pflanzen und Wurzeln eingerichtet und nicht zu hell beleuchtet sein, damit sich die Welse wohl fühlen. Bei mir halten sich die Tiere meist im Schatten unter Pflanzen oder Wurzeln auf. Bambusröhren werden bisher gemieden.

    Nachfolgend der Zuchtbericht von Roland Kipper:
    "Die Zucht dieser wunderschönen Peckoltia Art ist bislang leider noch nicht oft gelungen, aber dennoch sind diese Tiere durchaus zu vermehren, wie man in meinem Fall sehen kann. Die nachfolgend beschriebene Zucht könnte man aber getrost als Glückstreffer oder Zufallszucht bezeichnen, da ich eigentlich gar nicht beabsichtigte, diese Tiere zu vermehren oder gezielte Vorkehrungen dafür getroffen habe. Die L134 leben bei mir in einem 240l Becken zusammen mit einigen anderen Welsen (Hypancistrus sp. L129 und L28, Peckoltia sp. L121, Rineloricaria eigenmanni, sowie ein paar Otocinclus und Corydoras) und ein paar Zwergbuntbarschen der Gattung Apistogramma, für die das Becken eigentlich ausgelegt ist. 240er Haltungs- und Zuchtbecken Die Besatzdichte ist somit nicht sonderlich hoch, die Bepflanzung recht dicht und die Versteckmöglichkeiten sind vielfältig und reichlich.

    Die L134 benötigen im Gegensatz zu den meisten anderen Harnischwelsen wohl unbedingt weiches, saures Wasser zur Zucht. Nach Aussage von Ingo Seidel scheint das ein wesentlicher Faktor zu sein, da ihm nur solche Fälle bekannt sind, jedoch keiner in "normalem" Leitungswasser. Der Leitwert lag bei mir bei etwa 180-200 µS/cm und der pH-Wert zunächst bei etwa 6.1, bei späteren Würfen sogar noch deutlich tiefer, etwa bei 5. Die Temperatur beträgt normalerweise 27°C, an warmen Sonnentagen lag sie aber auch manchmal etwas höher bis ca. 30°C. Vielleicht war auch diese Temperaturerhöhung ausschlaggebend, da der Rio Tapajós an den Fundorten von L134 ebenfalls eine derart hohe Temperatur bei einem pH-Wert von etwa 6 aufweist. Jedoch sollte dann eine gute Sauerstoffversorgung durch stärkere Oberflächenbewegung gewährleistet sein.

    Ein interessanter Aspekt ist, dass Strömung bei dieser Art dennoch nicht von so großer Bedeutung zu sein scheint, da in meinem Becken kaum Strömung vorhanden ist (eigentlich ist es ja ein Apistogramma-Becken). Es herrscht lediglich eine leichte Umwälzung durch einen Eheim-Thermo-Außenfilter, der mit grober Watte, Siporax und feiner Watte bestückt ist. Erstaunlich ist das in meinen Augen deshalb, weil die L134 in den Cachoeiras (Stromschnellen durch querliegende Felsbarrieren) des Rio Tapajós gefangen werden, wo die Fließgeschwindigkeit und der Sauerstoffgehalt eben recht hoch sind. Wichtig erscheint mir auch eine geeignete Höhle, die von den Elterntieren angenommen wird. Diesbezüglich scheinen die Tiere recht wählerisch zu sein, denn schon vorher vorhandene, anders geartete (rauh) und anders plazierte Höhlen wurden bei mir nicht beachtet. Die Zucht gelang bei mir erst in einer glatten, einseitig offenen Tonröhre, deren Durchmesser so ist, dass das Männchen gerade bequem hineinpasst. Das Gelege wird vom Männchen in der Höhle intensiv bewacht und "befächelt". Auch bei der Fütterung verlässt das Männchen das Gelege nicht. Ich habe das Männchen während der ganzen Monate, in denen nacheinander gebrütet wurde, eigentlich nie außerhalb der Höhle gesehen. Auch nicht, wenn gerade gar kein Gelege vorhanden war. Außerhalb der Brutzeit halten sich die Tiere bei mir nicht in Höhlen auf, sondern liegen unter dichten Pflanzen und Wurzeln. Die Gelegegröße war bei mir sehr unterschiedlich und umfasste bei den vier Gelegen jeweils 17, 28, 12 und 36 gelbliche Eier mit einem relativ kleinen Durchmesser von etwa 2 - 2,5 mm. Etwa 6-7 Tage nach dem Laichen schlüpfen die Larven und ungefähr 10-12 Tage nach dem Schlupf schwimmen die Jungen frei. L134 Jungfisch Zu diesem Zeitpunkt sind die Jungen knapp 1 cm groß. Danach werden sie nicht weiter von den Elterntieren betreut. Allerdings ist die Chance, Jungfische durchzubekommen, eher gering einzuschätzen, wenn man die Jungtiere frei in das Becken entlässt, da sie nicht gezielt genug gefüttert werden können. Eine separate Aufzucht ist daher vorzuziehen. Nach dem vierten Wurf haben die Eltern leider aufgehört zu brüten, davor gab es ca. alle 4 Wochen ein neues Gelege. Was Spekulationen über einen jahreszeitlichen Einfluss angeht: Die Tiere schwammen seit Januar in dem Becken. Sie haben Mitte April letzten Jahres das erste Mal gebrütet und Mitte Juli das letzte Mal. Ich bin gespannt, was dieses Jahr passiert.

    Die Aufzucht der Jungen scheint ebenfalls ein wenig heikler zu sein, als bei den meisten anderen Welsen. Ich hatte bei den ersten drei Würfen massive Verluste zu beklagen, nur beim vierten und bislang letzten Wurf war die Sterberate deutlich geringer, da ich einige Änderungen vorgenommen habe, die ich hier nicht vorenthalten will. Ich hatte die Jungen zu Beginn kurz vor dem Freischwimmen aus der Bruthöhle geholt und in einen Laichkasten (mit einer kl. Holzwurzel und etwas Cabomba caroliniana - schnellwachsendes Haarnixenkraut) gesetzt, der im Becken vor dem Filterauslass angebracht war. So wollte ich stabile Wasserverhältnisse und eine gezielte Fütterung, zunächst mit handelsüblichen (vakuumverpackten) Tabs, später auch mit Frostfutter, gewährleisten und eine Wasserumgewöhnung vermeiden.

    Nach etwa 3 Wochen ging das Sterben los und ich verlor an einem Tag 7 Jungfische innerhalb weniger Stunden. Die Kleinen erwiesen sich unglaublich anfällig gegen Stress. Sobald ich einen toten Jungfisch aus dem Kasten entfernte oder Wasserwechsel machte, schossen die Tiere panisch im Kasten umher und verstarben an Herzversagen (Schock). Manche erholten sich auf wundersame Weise wieder, die meisten leider nicht. So konnte ich bei einem toten Jungfisch meistens gleich einige weitere innerhalb der nächsten Minuten beklagen. Über den gesamten Zeitraum der Brut verlor ich auf diese Weise fast 75% der ersten drei Würfe.

    Einen der ersten Jungfische bekam Ingo Seidel kurz nach dem Schlupf von mir zum Fotografieren. Er war in einem Aufzuchtbecken zusammen mit Jungfischen anderer Harnischwels-Arten, aber dennoch starb auch dieser nach wenigen Wochen, obwohl Ingo nach seinen eigenen Aussagen in diesem Becken sonst keine Ausfälle zu beklagen hatte.

    Aufzuchtbecken Nun stellte ich ein separates 25l Aufzuchtbecken auf, in das ich die Jungen umsetzte. Dort wechselte ich täglich etwa 50% des Wassers und das Sterben hörte bis auf wenige Ausnahmen auf. Vom letzten Wurf, der mit 36 Jungen der größte Wurf war, ist noch der größte Teil am Leben. Die Jungfische des vorletzten Wurfs setzte ich etwa drei Wochen nach dem Freischwimmen um, also etwa zu dem Zeitpunkt, als das Sterben anfing. Das war aber offenbar schon zu spät. Die Jungen des letzten Wurfs überführte ich sofort nach dem Herausschütteln aus der Bruthöhle in das Extra-Becken, wo ich sie aber - ebenso wie den vorherigen Wurf - trotzdem noch in einem separaten Laichkasten hielt um eine bessere Futterversorgung zu gewährleisten. Dieses Vorgehen erwies sich als erfolgreicher und ich kann es nur jedem empfehlen. Ausreichende Fütterung bei besten Wasserverhältnissen durch extrem häufige Wasserwechsel scheinen in meinen Augen unumgänglich, um diese Tiere mit bestem Erfolg zu vermehren.

    Mittlerweile sind die Jungfische in ein größeres 112l Aufzuchtbecken umgezogen und kommen auch ohne einen täglichen Wasserwechsel aus. Sie gehen aktiv auf Nahrungssuche und müssen nicht mehr so intensiv gefüttert werden. Mittlerweile sind die Jungtiere zwischen 3,5 und 5 cm groß. Manche wachsen nur schlecht, ich vermute, dass sie während der Hauptwachstumsphase zu wenig Futter abbekommen haben, weil sie sich evtl. schlechter gegen die stärkeren Geschwister durchsetzen konnten.

    Irgendwie scheint bei den L134 alles ein bisschen anders zu sein, aber es ist auf jeden Fall eine spannende Sache und ich wünsche jedem Glück bei dem Versuch, diese wunderschönen Welse zu vermehren." (Roland Kipper, Bremen, eMail: Rolo@b-a-r-s-c-h.de)

    Ich möchte mich herzlich bei Roland Kipper für die Bereitstellung seines Artikels und der Bilder danken und wünsche allen L134-Haltern ebenfalls viel Glück bei der Zucht, um das Interesse an diesen schönen Fischen in Zukunft evtl. mal über Nachzuchten decken zu können.

    Kai A. Quante
    2. Vorsitzender
    Tel.: 05309/911283


    © KAQ, 11.02.2001
    Mitglied bei der Bannerwelt
    Mitglied bei der Bannerwelt